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Jüdische Rundschau · 1903-02-27 · Heft 9 (27.2.1903) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 9 (27.2.1903)
Date
1903-02-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Söite;?2• •TüdMcslie r^iindselutu. No. 9. * Nachdem auch in Deutschland die Zahl der Zionisten In den letzten .fahren stark zugenommen hat. hat im Sommer d.,Js. ein Dclegiertentag in Mannheim ein Organi'ationsstatut für die deutschen Zionisten ausgearbeitet. Nach diesem Statut lst Deutschland zum Zwecke zionistischer Arbeit in 5 Distrkie geteilt, an deren Spitze je ein DistriktsMircau in Köhl, Maunover, Berlin,; Mannheim und Strassburg stehen. Wir benachrichtigen Sie hiermit, dass nach dieser Ei.1teilung Ihr Ort in den Bezirk des Bureaus Hannover fällt. Das überraschend schnelle und kräftige Wiederaufleben jüdischen Interesses, das überall da wahrgcnonuneit wird, wo der Ziorvsmus ein Feld gefunden hat. zeigt, dass die Arbeit des Zionismus nicht erst in fernerer Zukunft von Segen sei;; kann; im Gegenteil ist es Pilicht der Zionisten, nach Kräften sich an der jüdischen gegenwärtigen Arbeit m beteiligen. Wie von Zionisten Toynbcchallen. Spar- und Darlehnskassen etc. an vielen Orten gegründet sind, so werden sic stets gern an sozialen und humanitären Bestrebungen, die von anderer Seite eingeleitct smd. sich beteiligen. Wir ersuchen Sie hoil.. unsere Mitteilung zur Kenntnis zu nehmen und sich unserer Mitarbeit in geeigneter Weise zu bcdienen. Insbesondere machen wir darauf aufmerksam, d:*.ss wir stets bereit sind. Anfragen zu beantworten sowie durch Versendung von Flugschriften und event. Abordnung von Rednern Aufklärung über unsere Z׳elc zu verbreiten. Aiie Zuschriften sind an den Unterzeichneten Vorsitzen* den zu richten. Wir bitten. :uns frcundl. den Empfang dieser Mitteilung zu bestätigen. Hochachtungsvoll Sammy Gronemaim. Gustav Hildesheimer. Dr. S. Hirsch. Henry Meyer. Schuldirigent J. Meyer. Bernhard N’euma1;:־. L. Koppel. C. Marcus. J. Schnelling. U. Zicmack. Die Bureaus in Köln, Berlin. . Maunheou und Strassburg wögen in eine Beratung darüber cintreten. ob s׳ch ein ähnliebes Vorgehen für ihren Distrikt ebenfalls ‘empfiehlt. jpX l JUU, d. IA A A A A A A A A AA A A A A A ״ A A AA A * A A A A .1 fei Rundschau. El Br: feynTWV'PYTV‘*,VVTrTTVTTTrVYTTTVT״fTTVVYv1 Berlin. Am Sonntag,'dem 1. März 1903, nachm. 3 bis 6 Uhr, veranstaltet der Ober 100־ aktive Mitglieder zählende indische T urnverei 11 ..B a r K o e 11 b a", in der Turnhalle des Dorotheenstädtisclien Gymnasiums. Dorotheenstrasse 13^14, sein diesjähriges Schauturnen mit sämtlichen Frauen-, Männer- und Lehrlings- Abteilungen. Alle Freunde und Förderer unserer Be- Strebungen werden gebeten, ihr Interesse durch, recht regen Besuch zu bekunden. Der Vorstand des Jüdischen Turnvereins ״Bar Koehba“. Berlin. Int Zentral verein deutscher Staatsbürger indischen Glaubens fand am 19. Februar eine grosse öffentliche Mitgliedcrversammlang statt, zu der aus Interesse für den Vortragenden und für das Thema des Vortrags ein sehr grosses Publikum erschienen war. Justizrat Dr. Heinrich Meyer- Cohn sprach über ״Die Rassenfrage“. Leider hatte die Saalordmmg nicht genügend für Verteilung der Besucher gesorgt, so dass am Eingänge zum Saale sich Mengen aufstauten und an hundert Personen von draussen hören mussten, mindestens ebenso viele, aber nur weil sie nicht in; den Saal kommen konnten, unwillig zuriiekgehen!missten, während ganze Teile des Saales selbst leer waren. Das Thema und der Redner hatten mächtig gezogen; und wenn auch viele nicht mit seinen Ausiiilirungen einverstanden waren, so fanden alle interessante Anregung. Der Standpunkt des Justizrat Colin ist der. dass es nichtvariable Rassen überhaupt nicht gibt. Mit /einem Witz, wohlgemerkt nicht mit Wortwitz, sonder!! mit Witz, der in der Sache selbst liegt, stellte er fest, dass man entweder nicht Darwinist sein könnte, oder man 'müsse die Veränderlichkeit der Rassen erkennen und anerkennen. Der Vortrag wollte vor allem bei der Frage der Bildung und Beurteilung von־Volkscliaraktcren die Frage der Abstammung ausgeschieden und zum mindesten gegenüber der Erziehung, dem Milieu, auf ein ebenso geringes Mass zurückgeführt wissen, wie die heutigen Rassenfanatiker umgekehrt der Rasse den ausschliesslichen Wert beimessen. Rassen im Sinne dieser Rassentheo־ :ctiker gäbe es überhaupt nicht. Redner schloss unter grossem Beifall damit, dass er nicht etwa durch seine Darlegungen die falsche Meinung stützen wolle, als sei die Judcnhcit nichts mehr als eine blosse Religionsgemeinschaft. Das läge ihm völlig fern. An den Vortrag schloss sich eine Diskussion leider erst an, als die in der Geschäftsführung des Zentralvereins nicht so Erfahreneu, durch das Intermezzo einer Art von Generalver- Sammlung überrascht waren. Das sollte offenbar das grosse zum Vortrag des Dr. Heinrich Mcycr-Cohn über ״R a s s e n f r a g c‘ erschienene Publikum zum Bericht des Vorstandes fcsthaltcn. Es hatte dies keinen Erfolg, denn mindestens der Versammlung verlicssen den Saal, als der Vorstand mit seinem Rechenschaftsbericht begann. Es war ein merkwürdiges Zweigespann, diese Diskussion, die ״zwischen zwei Zweigen ' hing, zwischen dem Erörtern der Rassenfrage tmd dem Besprechen der Vereinstätigkeit. Aus dem Berich? des Vorstandes erfuhren w ir, dass durch seine Tängkci? 6 Jahr und *I Monatc Gefängnis und erhebliche Geldstrafen erwirkt sind, und wir durften atis den anschliessenden Bemerkungen der Diskussion weiter entnehmen, dass durch sic der lärmende Antisemitismus in seiner Hetze vorsichtiger geworden sei. dass der viel gefährlichere, schleichende Antisemitismus aber um so grössere Fortschritte gemacht habe. Durch die Zusammcnktippelung der beiden Diskiissionsthcniata wurde eine unerquickliche Situation geschaffen, die sich am besten dadurch kennzeichnet, dass ein Zcntralvereinler dem Dr. Hellmuth Friedemann, der zum Bericht des Vorstandes sprach, den heftigen Zwischenruf machte: ״Wir treiben hier keine Politik!" Vielleicht hat er sogar Recht. Auf die Rassenfrage kam man erst sehr spät zu sprechen, als der Vortragende längst den Saal verlassen hatte. Es war das um so bedauerlicher, als durch die Beteiligung der Zionisten Dr. Waldenburg 11. Dr. Sandler die Diskussion über diese• Frage auf ein würdiges Niveau gehoben wurde. Jedenfalls hatte cs wiederholt den Anschein, dass Dr. Cohn dahin missverstanden wäre, als w ünsche er durch seine Ausführungen über die Rasse den Wünschen der Assimilation entgegeiizukommen. Wenn wir den Herrn Justizrat richtig verstanden haben, — und w ir glauben ihn sehr gut verstanden zu haben, — so ist das Gegenteil der Fall. Er will den Beg־itf der Rasse, den er iiir falsch erkannt hat, ausscheiden, damit er nicht zu ungerechtfertigten Angriffen auf das Judentum verwendet wird; und dann wünscht er, dass die jüdische Natioualität auf solideren Grundlagen aufgebaut sein soll, als auf dem umstrittenen Begriffe der Rasse. Auf Einzelheiten der Geschäftsführung hier einzugehen, haben w ir jetzt keine Veranlassung, möchten aber erwähnen, dass sie eine andere ist, als wir gewöhnt sind. Gast bedeutete im alten Deutsch ״Fremder", lind die Geschäftsführung ersetzte in diesem gut deutschen Sinne Gastrecht durch ״Fremdenrecht." tz. Zum Purimicst erscheint die erste Numnicr des jüdischen Witzblattes ״Der Schlernilil“. Das reich illustrierte Heft kostet 20 Pfg. und ist durch die E x p e - dition der Jüdischen Rundschau, Auguststr. 49a, zu beziehen. Bei grösseren Bezügen bedeutender Rabatt. Alle Freunde, die sich littcrarisch und künstlerisch an dem in o d c r n ־ j ii d i s c h e n S c 11 e r z b I a 11 b e t e i I i g e n w o 11 e n, w e r d e n g e - beten, ihre Adressen und ev. Beiträge an י־'■'*»;״# «##׳#**»«« ־״ -

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