Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1903)
- Date
- 1903-02-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2651289-2651299--00215-2656992- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
N<i 9. •Ilidlsolie JR.u11cl«el»rtu Seite 69. ‘ Berlin. Akademische'Gruppe. In der Schulgruppe, die auch dieses Mal in Vertretung Dr. Heinrich Loewc leitete, sprach am letzten Sonnabend cand. med. Zic ־ mels fibcr ״die körperliche Hebung der Juden“. An dis Referat schloss sich eine lebhafte Debatte, an der sich fast alle Mitglieder beteiligten. Im Patästinakursus beendigte Dr. Sandler sein Referat mit einer Darstellung der sanitären und hygienischen Einrichtungen in Palästina. Zum Schluss gab er noch eine Zusammenfassung der Ergebnisse seines gesamten Reierates. — Dr. Bambcrgcr sprach fibcr die Flora Palästinas in sehr detaillierten Ausführungen, die sich vor allem auf die praktisch in Betracht kommenden Pflanzen (Getreide, Baum• Pflanzungen. Nutzpflanzen etc.) erstreckten, ln der darauffolgenden Besprechung des Referates wurde besonders die Frage erörtert, wie sich Ackerbau und Gartenbau in ihren Aussichten für die Zukunft zu'einander in Palästina verhalten. Morgen Sonnabend, 8M* Uhr, Generalversammlung d e 1 zionistischen Akademiker, Burgstr. 12. Tagesordnung: Semester-Bericht, Ferienarbeit, Diskussion und An* träge. ~ Alle zionistischen Akademiker, nicht mir Mitglieder, werden um ihr Erscheinen ersucht. Die letzten ausstehenden Beiträge;sind an diesem Abend zu zahlen. Elias Auerbach, Lehrtcrstr. 14/1 •י• Berlin. Unsere oberschlesischen Ortsgruppen Kattow i t z, B e u t h e n, G1 e i w i t z, R a t i b o r, Zabrze, Gr. S t r e h 1 i t z und P e i s k r c t s c h a in planen die Bildung eines Verbands zionistischer Vereine Oberschlcsiens. Wie wir hören, haben einige Gruppen sich bereits angeschlossen, der Beitritt der anderen stellt bevor. Berlin. Von dem Hauptbüreau des Share-Klubs in London geht uns die Mitteilung zu. dass es dringend erwünscht ist. die deutschen Share-Klubs in Berlin zu zentralisieren. Es sind nun’ Vorkehrungen getroffen, dass die Verausgabung von Share- Marken und Share-Büchern von hier aus erfolgen kann und sämtliche Ortsgruppen werden hiermit gebeten, sich wegen des Bezuges, sowie wegen irgendwelcher diesbezüglichen Auskünftc an den Vorsitzenden des Berliner Share-Klubs, Het*rn Dr. Zlocisti, Strassburgerstr. 24, zu wenden und nicht mehr an das Londoner Haupt-Büreau. Gleiwltz. Einem Wunsche der jüdischen Gemeinde in Peiskretscham entsprechend, sandte der Gleiwitzcr zionistische Diskutir-Vcrein seinen Herrn Arthur Morgenstern dorthin, der über die Bedeutung der Bewegung für das Judengewesen. Dann wäre ich doch von dem unseligen Geschicke, Dich 7.11m Weibe zu bekommen, befreit geblieben. Ich bin als Jude geboren, hin stets im tiefsten Grunde meines Herzens Jude gewesen und geblieben. Du bist nach meinem Glauben nicht mein rechtmässiges Weib, das sind nicht meine rechtmässigen Kinder. Und wer weiss, ob nicht alles dieses schwere Missgeschick über mich gekommen ist als gerechte Strafe dafür, dass ich dich zu meinem Weibe machen wollte. Wie konnte ich als Jude mich so schwer versündigen!?“ ־ Hierauf nahm meine Eraii die beiden Kinder an die Hand und sprach nur die Worte: ״Kommt Kinder t'or: von hier; der Vater ist jetzt zu aufgeregt und weiss niclr was er spricht.“ Selbigen Tages sah ich keines der Meiuigeu mehr, auch am folgenden Tage blieben sie mir fern. Die Kinder, welche nie zu Bette gingen und des Morgens wieder aufstanden ohne Üruss und Kuss, welche nie zur Schule gingen, ohne sich zu verabschieden, welche bei Tische durch ihr heiteres Wesen das Mahl würzten, kamen nicht zum Vorschein. Ich sass ganz allein am Tische still und von schwerer Reue befallen. Endlich, ain dritten Tage, ich war eben von einem kurzen Be- 1 ־ , * <; ׳ tum, Ziele und Erfolge des Zionismus sprach. In einem annähernd einstündigen Vortrage wusste unser Gesintiungsgcnossc Morgenstern seine Hörer für den Zionismus zu er warmen und sic zu Freunden unserer Sache zu machen. Dnc Opposition wurde überhaupt nicht laut. Es wurden 16 M»tglieder geworben' welche der Gieiwitzcr Ortsgruppe angcgliedert wurden. — Eine Sammlung für den Nationalfond ergab einen Betrag von über 10 Mk. Im Interesse der besseren Heranbildung dieser ncuerworbenen Zionisten haben wir von der Gründung einer Ortsgruppe Peiskretscham noch Abstand genommen, und abgesehen davon, dass die Herren sehr häufig unseren Vereinssitzungen beiwohnen werden, haben wir •auch die Absicht, sie durch fortgesetzte Vorträge auf dein Laufenden zu erhalten. . ... . Lübeck. Am 15. er. hielt hier Dr. Üroncmänn •aus Hannover in einer von Mitgliedern und geladenen Gästen zahlreich besuchten Versammlung einen Vortrug iibe'r ״Der Zionisnms und die deutschen Juden“, der mit grossem, wohlverdientem Beifall angenommen wurde. Der riihmlichst. bekannte Redner behandelte sein Thema gründlich und meisterhaft und fesselte besonders in deV an den Vortrag sich anschliessenden Diskussion durch seine gebt vollen Ausführungen, mit denen er die .Einwände der Gegner widerlegte, die Zuhörerschaft in hohem Grade. Acht neue Mitglieder traten nach dem Vorträge, in unsc'rc Ortsgruppe ein. M. Hamburg. Die zionistische Ortsgruppe von Hamburg- Altotia hielt, wie wir dem Hamburger Fremdcnblatt entnehmen. im Patriotischen Gebäude eine Versammlung ab, die ziemlich zahlreich besticht war. Der Vorsitzende Dr. mcd. Frank- Altona teilte mit, dass im Mai der Delcgicrtentag der deutschen Zionisten in Hamburg stattfinden solle, und dass man bereits eifrig mit den Vorarbeiten für diese Konferenz beschäftigt wäre. Dej• Vorsitzende berichtete sodann über den jetzigen Stand der zionistischen Bewegung. Daran schloss sich ein Referat des Herrn Gustav G. Cohen, das eine sehr lebhafte Debatte hervorriei. Essen. In der hiesigen Bne-Brith-Loge sprach Rabbiner Dr. Samuel von hier gegen den Zionismus. Zur Diskussion® über den Vortrag wurde ein besonderer Abend angesetzt, über dessen Vcriaui wir noch nichts haben erfahren können. Duisburg a. •Rh. Am 17. d. M. sprach im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Littcratur Rabbiner Dr. Samuel- Essen über ״Wert und Unwert des Zionismus“. Redner gab tmuniviunden die grossen ideellen Erfolge des •Zionismus zu und rufsgangc ztirückgekonimen, da trat meine Frau an mich heran mit den Worten: ״Lieber Simeon, ich habe mit dir ein sehr ernstes Wort zn reden. Es wird mir unendlich schwer, aber ich kann nicht anders handeln. Ich habe vorgestern einen Blick in dein zerstörtes Innere getan, der mich bis in den Tod erschreckt hat. Lieber Simeon, wir müssen uns trennen. Du kannst nicht länger bei mir bleiben und ich nicht bei dir. Du darfst von deinem Glauben nicht lassen und ich nicht, von dem meinigen — das scheidet uns fiir jetzt und vielleicht auf alle Ewigkeit.“ ״Ich verzeihe dir alles, mein lieber Simeon, weil ich dich vollkommen begreife. Dein Geschick, wenn ich cs überdenke, ist ein gradezu entsetzliches. Man hat dich deinen Eltern geraubt, die sich darüber zu Tode grämten. Man hat dich mit Gewalt zur Taufe geschleppt. Man hat dich zu Tode misshandelt und dir das Augenlicht ’ zerstört und nun sitzest und brütest du, ob diese letzte Misshandlung nicht eine Strafe Gottes gewesen, weil du schliesslich selbst deinen Glauben verleugnet hast. Lieber Simeon, du musst zu deinem Volke zurückkehren und wieder Jude werden. Ich selbst könnte es mir niemals verzeihen, wenn ich dich daran hindern wollte.“ .,,Glaube mir, mein Teurer, meine Liebe zu dir ist 4 ־ im**m •*•*f*־'(?? ">f