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Jüdische Rundschau · 1903-02-27 · Heft 9 (27.2.1903) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 9 (27.2.1903)
Date
1903-02-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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4- »3dü Sei«.;68 JlidiNolie R imdsclmu, No. 9. nisten nicht au! einmal zu viel Vieh und dazu noch von verschiedenen Arten geben sollte. Erstlich erzieht ausgedehnte Viehzucht den Besitzer zum Faulenzer, wie wir es bei den Eingeborenen sehen, und dann weiss der Kolonist den Wert seines Viehstandes mehr zu schätzen, wenn er ihn durch eigne Zucht vermehrt, als wenn er ihn für Qeld erwirbt. Erst muss er sich durch Ackerbau so viel erwerben, dass er sich allmählich mehr Vieh anschafft.! . Obwohl sich dadurch die Rückzahlung der Schulden verzögert, so ist doch dieses System der Wirtschaft in gegebenem Falle sicherheitshalber vorzuziehen; dagegen darf nichts gespart werden, was den Ackerbau vorwärts bringen kann und soll. So müssen Maschinen angeschafft werden, ohne welche man jetzt im allgemeinen und besonders der Jude ’ nicht rentabel wirtschaften kann; denn man .muss bestrebt sein, einen möglichst grossen Flächenraum anzubauen und dann ist ohne Maschinen die Ernte nicht möglich. Die hiesigen Kolonien haben schon den Beweis geliefert, dass sic imstande sind so viel anzubauen, um bei einer mittlern Ernte so viel zu heimsen, wie ihre Unterhaltung erfordert und dass sie in der Handhabung von Maschinen eine gewisse Fertigkeit erlangt haben. Aber ausser dem materiellen Erfolg ist auch in kultureller und moralischer Beziehung ein grosser Erfolg zu verzeichnen. Mit verhältnismässig bescheidenen Mitteln ist 100 heimatlosen Familien ein Heim und Obdach in einem freien Lande geschaffen, die eine Hoffnung auf eine noch bessere Zukunft haben und die nach innen wie nach aussen den Beweis liefern, dass der Jude auch zu arbeiten versteht und Lust zur schwersten Arbeit hat, wenn er auf freiem Grund seine Kraft betätigen darf. Der jüdische Bauer in Anatolien ist״ ein Pionier der europäischen Kultur, der direkt durch״seine produktive Arbeit, und indirekt als Muster des Fleisses für den Eingebordneii, einen grossen Nutzen bringt. Es ist kaum ein Jahr vergangen, dass ein türkischer Pascha während seiner Tour auf der Anatolischen Eisenbahn die versammelten Türken auf den Flciss der Juden hinwies und sie aufforderte, bei ihnen zu lernen, aber auch die türkische Staatsregierung wird bald ihre Nützlichkcit anerkennen müssen; es ist also durch den Versuch in Anatolien ein Werk geschaffen, welches nach jeder Richtung hin dem Urheber des Unternehmens alle Ehre macht, und es ist nur zu wünschen, dass cs nicht etwa durch Mangel an Mitteln ins .Stocken gerät und weiter fortgesetzt wird; denn wie die Weisen des Talmuds behaupten, vermindert sich, was man nicht vermehrt. Es muss also, wenn das Unternehmen hier von grösserer Bedeutung werden sollte, auch ein kulturelles jüdisches Zentrum in der Nähe geschaffen werden, und dafür sind die 3 Kolonien zu wenig; ausserdem aber wäre es nötig, dass in einer der Städte Eskischeher oder Angora eine bessere Schule gegründet wird, in die auch die begabteren Kolonistenkinder aufgenommen werden können, und wo auch die Juden der obengenannten Städte eine europäische Bildüng erhalten können, an der es ihnen leider allzu sehr mangelt. Das wäre das Werk des H i 1 i s v e r e i 11 s , der sogar für Anatolien etwas tun wollte, aber aus irgend welchen Gründen davon Abstand genommen hat. Nicht weniger wichtig ist cs für das Schulwesen der Kolonien selbst zu sorgen, denn um vorwärts zu kommen, muss man nicht nur einen Bauern, sondern auch einen gesellschaftlich gesitteten Menschen haben. Eine Schule lind gerade eine solche in deutscher Sprache ist auch insofern von grosser Bedeutung, als durch sie viele unsercr Staumiesgenossen, die sofist dem Elende verfallen, bei der anatolischen Bahn Beschäftigung finden und vielen Familien auf diesem Wege auch materiell geholten werden könnte. A. K. ZIo Aus der Bewegung. *) Auch die Verwaltung der Anatolischen Eisenbahn erkennt den Nutzen der Kolonisation an. Distriktsbureau Berlin. Die soeben im Aufträge der Zionistischen Vereinigung für Deutschland erschienene Broschüre: ״Was will der Zionismus“ (40 Seiten) ist in der Expedition der Jüdischen Rundschau zum Preise von 20 Pr., bei Abnahme von 100 Exemplaren zuni Preise von 15 Pi. zu haben. Zwangslagen stets ein guter Jude zu bleiben, und wie hast du diese Vornahme gehalten? du hast dich deinem Volke und deinem Glauben immer mehr entfremdet und schliesslich hast du diese nicht jüdische Frau geheiratet und hast dir dadurch die Rückkehr zu allem, was dir ehemals heilig und verehrungswürdig gewesen ist, für alle Ewigkeit verschlossen. Wie steht• es nun um dich und alles, w׳as dir lieb und wert ist. Dein Familienleben ist eine Entweihung des Glaubens und der Gebote Gottes, deine Ehe ist keine Ehe, dein Weib, deine Kinder sind dir nicht nach den Gesetzen Moses und Israels geheiligt und geweihet. Wie willst du das vor Gott und deinem Gewissen veranworten? Diese Qualgcdanken w׳aren es, welche mich Tag und Nacht beschäftigten und mir das Leben schier unerträglich machten. Jeinehr sich diese Gedanken in mir icstsctzten und von meinem Innern Besitz ergriffen, um so härter und rücksichtsloser wurde ich meiner Frau und meinen Kindem gegenüber, die sich diesen Gesinnungswechsel garnicht erklären konnten. Wie unendlich viele Tränen sind geflossen, wenn ich Frau und Kinder, welche zärtlich und liebevoll sich mir nähern wollten, kalt und^gefühllos von mir stless. O, das waren schreckliche Zeiten für mich und gewiss noch mehr für die Meinigen. Eines Tages kam es zum völligen Bruche. Ich war; schwer verstimmt von meiner Praxis nachhause gekomj men. Der Knecht hatte Wagen und Pferd uubeaufsichi tigt stehen lassen, das Pferd war durchgegangen und samt Wagen schwer beschädigt wieder eingebracht , worden. Was war natürlicher und angemessener, als; dass Frau und Kinder mich wegen dieses Unfalles zu trösten und zu beruhigen suchten. Ich aber wurde aufbrausend, und wies sie auf das schroffestc von mir mit den Worten: ״Ich brauche Euren Trost nicht; ich w׳crde j mich schon selbst zu trösten wissen. Viel tröstlicher! wäre cs für mich, wenn Ihr mir femhleibeu und mich! ganz in Ruhe lassen wolltet.“ j Da wurde endlich und gewiss nicht mit Unrecht! auch meine Frau ungehalten und entgegnete schart und 1 bestimmt: ״Das also ist der Dank, dass ich mich Deiner, 1 als Du in jenem entsetzlichen Zustande zu mir gebracht! wurdest, so liebevoll angenommen, Dir Liebe und Treue i trotz Deiner Blindheit bewahrt und Dich zum Mann genonimer! habe?“ Noch mehr aufgeregt und geärgert antwortete ich: ״Hätte mich Deine Sippe doch gleich auf der Stelle tot- I geschlagen, oder hättest Du mich erbarmungslos von I Dir gestossen, das w׳äre für mich gewiss weit besser

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