Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1903)
- Date
- 1903-02-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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f*%M**<w יזי f <׳ ״■ x'T«׳*« gr ־ ׳•■*' Jr W*ip**3*H* No. 9. Jüdische Rundschau. Seite 6?. Wanderer aus Rumänien, die in Anatolierf waren, aut eigne Faust dort in sesshafte Bauern zu verwandeln. . DeiJ Versuch war um so gewagter, als man ihn mit ganz bescheidenen Mitteln und mit Leuten, die den Ackerbau nicht kannten, oegann. Man fing mit!8—20 Familien an; die in der Nähe der Station Sazelar zwischen Eskischeher und Angora und mit 11 Familien, die sich in der Nähe von Angora niedergelassen hatten. Am 20. Oktober 1900 kam der Auftrag von Berlin, die tauglichen Leute von Sazelar und die von Angora mit Inventar auszurfisten und an die Arbeit zu gehen. Leider konnte man nicht sofort mit der Feldarbeit beginnen, da die Leute in provisorischen Schilfhütten hausten. Man musste deshalb zuerst daran denken, die Leute für den Winter gegen das Erfrieren zu schützen. Trotz der weit vorgerückten Jahreszeit wurden 20 gute Hütten und ein vorläufiges Verwaltungsgebäude, ferner ein gemeinschaftlicher Stall für das Vieh aufgeführt und 50 ha Getreide angebaut, die ini Frühjahr den Beweis lieferten, dass Anatolien ein für Landwirt־ Schaft nicht ungeeignetes Land ist, wie von anderer Seite behauptet worden ist. Im April desselben Jahres besuchte Prof. Warburg die Kolonien selbst und fand alles in einem Zustande, der ihn zur weiteren Tätigkeit ermutigte. Er beschloss sofort die 3 Kolonien in der Nähe der Station B e y 1 i k ־ A!1 c u r, in der damals etwa 60 Familien ohne alle Mittel zur Arbeit sehnsüchtig nach Rettung aussohauten, unter seinen Schutz zu nehmen. Es war höchste Zeit, sich der Leute anzunehmen, denn sie wären zu Grunde gegangen, wenn sich Prof. Warburg ihrer nicht angenommen hätte. Nachdem der Versuch, die Leute, die als Muslims eingewandert waren und nach türkischem Gesetz das Land nicht verlassen durften, zu befreien, gescheitert war, wurde beschlossen, auch diese als Kolonisten zu installieren. Es wurde ihnen Vieh und Ackergeräte gegeben und eine Verwaltung eingesetzt. Dank der Energie und Hingebung dieser Verwaltung gelang cs in kurzer Zeit die völlig untauglichen Elemente abzuschicbcn, so dass bis zum Herbst nur 50 Familien übrig blieben, die sich mit ganz geringen Ausnahmen als tauglich erwiesen hatten. — Dann begann die Herbstbesteilung. Zur gleichen Zeit wurde Sazelar oder, wie es jetzt genannt wird, ״WarbnrgkiöJ“ durch Zuzug von neuen Familien bis auf 30 Familien und Dabkis bei Angora bis auf 20 Familien־ vergrössert Es wurde in allen 3 Kolonien tüchtig am Bau von Häusern, Ställen und an der Bestellung der Felder gearbeitet. . , . Als Dr. Endlich im Aufträge des Prof. Warburg und Agronom L. J. Schaiit von der Jewish Colonisation Association im Frühjahr des Jahres 1902 die Kolonien besichtigten, waren es 100 Familien mit ca. 500 Seelen, die zum grössten Teil ihren Hof mit Geflügel hatten und mit sämtlichem zur Landwirtschaft nötigen lebender, und toten Inventar ausgestattet waren. Es waren bestellt in 1. Karaja 300 11a, 2. (Sazelar) Warbtirgkiöj 200 ha, 3. Dabkis 200 11a, so dass auf 100 Familien im Durchschnitt ca. 7 ha pro Familie kamen. Da das Jahr 1902 in Anatolien ein regenarmes war und der Beginn der Feldbestellung durch den Häuserbau etwas verzögert wurde, so blieb unter dem Zusammenwirken beider ungünstigen Umstände die diesjährige Ernte unter dem Mittelmasse und reichte nur halb zur Ernährung der Leute hin. Dabei aber wird eine grössere Fläche für das nächste Jahr angebaut. Wenn das Wetter sich günstig gestaltet, so wird nur י/י mehr als im vorigen Jahre angebaut. Zieht man die kurze Spanne Zeit sowie den ganzliehen Mangel an Eriahrung in diesem Lande in Betracht und ferner den Umstand, dass die neuen Bauern den Ackerbau bis dahin nicht einmal von weitem kannten, so ist schon jetzt ein grosser Erfolg zu verzeichnen und man darf hoffen, dass bei günstigen Witterungsbedingungen und einer dadurch bewirkten guten Ernte die Leute schon im nächsten Jahre keiner Unterstützung mehr benötigen werden. Auch der Viehstand hat sich im Laufe der kurzen Zeit vermehrt. So zählt die Kolonie W a r b u r g k i ö j momentan einen Viehstand von SO Arbeitsochsen, 2 Bullen, 50 Kühen, 70 jungen Kälbern, 5 Pferden, 3 Füllen, 3 Eseln. Schafe sind noch nicht angeschafft, weil man noch nicht weiss, ob man für sie ausreichendes Futter hat. Auch wird bezweifelt, ob die Juden sich zu Schafzüchtern eignen, um jetzt ein solches Risiko auf sich zu nehmen. Ich persönlich bin der Ansicht, dass man den Kolo- Dass wir uns so wuchtig recken. Wir wollen das Blut, das in uns lebt, Zum Heldenblut erwecken! Lieb Mütterchen, lass die Tränen sein! Sei stolz! Wir woH’n unser Volk befrei’«! Ja, befreien, Wir Neuen! Israel Auerbach. Bilder aus dem russischen Beichsghetto. Sundei der Rossarzt. (Fortsetzung.) Ein blinder Mann ist ein unglücklicher Mann; viel- 1 leicht der einzig wahrhaft unglückliche auf dieser Welt, i . Man erfährt auch sehenden Auges gar manches Schlimme; I allein wie man’s in sich hineinschaut, schaut man’s auch! wieder aus sich heraus. Der Blinde muss alles in sich I behalten; er kann es nicht auf die Dinge, die sein Auge \ erfreuen oder auch nur. beschäftigen, übertragen. Eine 1 Folge davon ist dieses Misstrauen, dieses fortwährende, [ quälende, alle Ruheseligkeit verscheuchende Misstrauen. : Meine Frau war stets freundlich um mich beschältigt. Wer weiss, so bildete ich mir ein, ob dieses nicht ן Schein ist; vielleicht betrügt sie mich und tut nur so, um mich irre zu führen. Der Gedanke konnte mich rasend machen. Meine guten, lieben Kinder hingen an mir mit grosse*־ Zärtlichkeit; allein auch auf diese erstreckte sich mein Misstrauen. ״Wer sagt dir denn, dass es deine Kinder sind“. Ja, dieses quälende Misstrauen ist die geistige Blindheit, eine notwendige Folge der leiblichen. Das Schlimmste noch von allem waren die religiösen Skrupel, welche mich bisweilen packten und mein Inneres bis in seine untersten Tiefen aufwühlten. Diese gute, edle Frau, diese prächtigen und klugen Kinder, welche lür den Sehenden eine Quelle dauernder Lust und Friedseligkeit hätten werden können, wurden jetzt durch erwachte religiöse Gewissensqual ein Grund fortwährender Vorwürfe und Selbstbezichtigungen. ״Du bist doch,“ so lauteten diese Bezichtigungen, ״im Grunde deines Herzens stets ein guter Jude gewesen und geblieben und hast dir beim Tode des einzigen Freundes, der wie ein Heiliger gelebt und gestorben, fest vorgenommen, trotz aller Versicherungen und •r־ «*י * * *י 'יי ־*־