Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1903)
- Date
- 1903-02-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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,. Iif.fru.f*)-*v -a» 14>'*>{*•1*■ *kt&nm - - 11 Aurf! < >** \ *',•V *■־ *"-*■ Hi ^•*4»*' * ./> ■ .. Seite 68* JUdisclie Rundschau. No. 0. Eine neue zionistische Agitationsbroschüre. lieber den Zionismus ein grosses Werk zu schreiben, ist heut leichter als das Verfassen einer guten und brauchbaren Broschüre. Seit Pinsker, Smolenski, Birnbäum und Herzl ilire grundlegenden Arbeiten veröffentlicht haben, ist;der Zionismus in seinen Beziehungen zu den mannigfachen Nachbarfragen vielfach und von den verschiedensten Gesichtspunkten in einer kaum noch zu übersehenden Reihe von Aufsätzen, Vorträgen und Studien behandelt worden. So interessant und wichtig aber die Sammlung und zusammenfassende Bearbeitung all des reichen Gedankenmaterials wäre, so notwendig ist besonders für uns in Deutschland eine verständige Agitationsbroschure. Wer sich nicht von grossen Phrasen, wie ״Vertiefung des Zionismus, Kulturprobleme etc. den Kopf verdrehen lässt (was übrigens sehr bequem, da man hinter dem prunkenden Deckmantel untätig sein und in grossartiger Pose schlafen kann) und wer mit klaren Augen erkannt, wie entsetzliche Verheerungen die Assimilation und ihre Begleiterin die Unkenntnis des Judentums unter den deutschen Juden angerichtet hat, dem wird es als eine heilige Aufgabe erscheinen, erst wieder neues Leben anzufachen. Es mag eines grossen Mannes —und unsereNörgier sind alle grosseMänner — würdiger sein, die Keime tiefer Gedanken auszustreuen; aber es ist doch mal nicht so imehrenwert, auch das Alcf-Beis erst zu lehren. So ist die neue Broschüre aufzunehmen. Es gilt das vorhandene Material zu sichten, zusammenzustellen und so wiederzugeben, dass es für den Mann aus dem Volke anregend und interessant, für den Gcbildeten nicht langweilig; also eher begeisternd wirke. Bekanntlich hat die Parteileitung auf alle Weise versucht in den Besitz einer so gearteten Broschüre zu kommen. Leider ohne Erfolg. Auch die Nordausche Broschüre — so vortrefflich sic in ihrem Aufbau, ihrer Präzision und originellen Auffassung ist — wendet sich doch nur an einen höherstehenden Kreis. Dem Ideal der allgemein verwendbaren Agitationsbroschurc dürfte Dr. Adolf Friedemann wohl am nächsten gekommen sein. Für die Agitation in Deutschland wird sie sich hoffentlich als ein wesentliches Hilfsmittel erweisen. Tn etwa 2 Bogen wird die Geschichte des Zion i s m u s (weniger die äusserliche als die seelische Vorgeschichte), das Wesen des Zionismus (seine Forderungen, die Notwendigkeit und die Durchführbarkeit) und die Organisation unserer Bewegung dargestellt, nicht in kaltem Schriftdeutsch, sondern in packender und zündender Sprache von persönlichster Färbung. Sie wird in spätestens 8 Tagen erscheinen, nachdem das Zentralkomitee und die Vorstände der Distriktsbüreaus siegeprüft und ihrcZustimmunggegebenhaben.*) Die Broschüre erscheint in einer Auflage von 10 000 Exemplaren und wird trotz der vornehmen Ausstattung zu einem billigen Preise abgegeben werden. Beifall werden auch die Anhänge finden, die eine chronologische Zusammenstellung der bisherigen zionistischen Literatur, eine Uebersicht über die zionistische Presse aller Länder und eine Aufstellung aller in Russland und Rumänien angewandten Gesetztorturen geben. An unser» Freunden wird es nun sein, sich dieser wirksamen Unter- Stützung im Kampf um die Wiedereroberung der jüdischen Bevölkerung Deutschlands fiir das Judentum zu bedienen. Th. ZI. Der Stand der jüdischen Kolonien in Anatolien nach zweijähriger ■ Entwicklungszeit. Beitrag zur Geschichte dieser Kolonisation.**) Da Schreiber dieser Zeilen vom Beginn dieser Kolonisationstätigkeit bis zum Momente dieselbe verfolgt und durch eigene Tätigkeit auch an ihr beteiligt ist, so glaubt er in der Lage zu sein, sic schildern und richtig beurteilen zu können. Es sind jetzt gerade 2 Jahre verstrichen, dass Prof. Warburg aus Berlin sich entschloss, jüdische Aus- *) Ist Inzwischen bereits erschienen und ausgcgebcu worden. Die Red. ’ **) Vgl. Asia. Herausg. von Prof. Warburg. H. 4—6. fgraeיד־:״:!:רץ*?.«■;,;* ד ~ Die neue Zeit. Die Väter kennen uns nicht mehr, Sie schütteln die alten Köpfe, Und sinnen hin und sorgen her: Was wollen die jungen Tröpfe? Und ach, dem lieben Mütterlein Stürzt gar die Träne ins Aug’ hinein —־ Ja wir Neuen, Wir Neuen! ׳ Entrüstet stülpt die Geistlichkeit Die Brille sich auf die Nase Und wettert auf solche verruchte Zeit Und flucht gar In frommer Ekstase: ״Was die Demut baute, Stein auf Stein, Das reissen die Stürmer, die wilden, uns ein, O diese Neuen, Die Neuen!“ ־ Vom Schaukelstuhl im Wiederhall, Wo Geld und Würde schlummert, Beim Leckermahl, im Lichtersaal, Stöhnt Mann und Weib bekümmert: ״Fast sollt’ der Jud’ vergessen sein — Da stürzen uns wieder ins Elend hinein Ach, die Neuen, Die Neuen!“ So schallt’s um uns im Zeterchor, Ornat und Geldsack beiten. Doch taub bleibt das bestürmte Ohr: Ihr Armen, wir können nicht helfen! Und müsst ihr auch verloren sein, Soll unser Werk uns doch nicht reu’n, Uns die Neuen, Die Neuen!“ Ihr, lieben Väter, ihr vergebt,