Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1903)
- Date
- 1903-02-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651289-2651299--00211-2656988- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
״*sflÄ *•-■•■* «?,*••*.*«jfjrF ■1 I '■־* /1 f/ f*4 * Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich 1 1• darob dlo Expedition: 1) In Berlin M. —,9a b) nach auswärts M 1,— c) (Qr das Ausland M. 1,5a *• loa Poatabonnomont M 1,25 ä* bol Sammolbozag duroh die Ortsgruppe M. —fiO. Postxoltungslisto No. 3944. Inserate die ▼fergespaltcnc Pctitzeiie 25 Pf. Organ der für Insoratonboilagon 15 M. JKrscltexnt jeden. jeVeitJig־. Adresse für Geldsendungen and Bestellungen: Perfag 3a<flstf1e Rundschau, , E. 0. m. b. H. Berlin ZU, Bugusfslrasse nr. 49 a. Sprcrfjslundcn: v. 4—5 Uhr nachmittags. üehrtersfrasse U/15. Sprcctjstundeii: Montag und Donnerstag 4—6 Ufr No. 9. Berlin. 27. Februar 1903. 30. Schebat 5663. VIII. Jahrgang. ß#3®fi%P*ÄW|׳S0 Macht der Zionismus Fortschritte? ' Getretener Quark wird breit, nicht stark. Und wenn man eine nicht sehr tiefe Wahrheit immer wiederholt, so wird sic dadurch nicht an innerm Gehalt gewinnen, aber sie wird langweilig. Dagegen hat eine grosse Idee noch niemals dadurch verloren, dass sie sich immer und imitier wieder Eingang in die Herzen durch die Ohren suchte. Und wie die Mceresweüen doch immer nur dasselbe Lied singen, das in seiner Eintönigkeit alle Musik an Schönheit fibertrifft, so hat noch niemals eine grosse Idee dadurch verloren, dass sie in aller Munde lebte. Im Gegenteil, gewisse Gedanken und Gedankeitwel- ■ ten haben erst dadurch die Schönheit und den Adel offenbart, die in ihnen ruhen, dass sie zum Gemeingut der Menschheit wurden. Und die innere Kraft, die einer Idee innewohnt, ist doch vielleicht am besten bezeugt, wenn man. sie immer und immer wiederholen kann und sie doch nicht langweilig wird. So ist es auch mit der von uns vertretenen Idee des Zionismus, die eben nichts von ihrem Interesse verloren hat, obwohl wir sie in hunderten von Versammlungen alljährlich darlegen müssen, und die auch dadurch nicht langweilig wurde, dass wir gezwungen sind, immer aut dieselben Einwendungen einzugehon und immer die gleichen Antworten zu geben. Ja wäre cs Quark, so wäre unsere Sache durch das Breittreten breit, nicht stark geworden. Aber es ist eine Idee, keine leere Redensart. Es ist eine Idee, der die ganze Volksseele zu gründe liegt. Es ist erstaunlich, mit welcher Werbekraft dieser Gedanke, den wir vertreten, sich spontan Geltung verschafft» Aus allen Orten des Deutschen Reiches, wo man vor wenigen Jahren nicht einmal dem Namen nach den Zionismus kannte, wo, wenn man schon seinen Namen ausnahmsweise wusste, man mir ein mildes Lächeln oder , einen frommen Fluch für ihn fand, kommen dauernd Be- ן richte über erfolgreiche Versammlungen, überGründuugen s von Ortsgruppen, über fleissige Arbeit und atifopferuitgsj . volle Hingabe fiir das altneue nationale Ideal. Auch die mit der dicswöchentlichen Nummer beginnende Vergrösserung unserer Zeitung ist wesentlich durch die Fortschritte veranlasst, die der deutsche Zionismus, macht, und die höhere Anforderungen an uns stellen als bisher, f Ueberall und allerorten im Reiche, wo Juden wohnen, t 4־..» **»&**>׳ *־״T#, **»"^<(■11.^• V» (##%»־ ׳sJw“ regt es sich, und selbst im Osten, der kaum erst ordentlieh in seinen Assiniilationsversuchen warm wird, und mit um so grösserem Eifer sich auf sie stürzte, beginnt sich die Hochflut der Anglcichung an das Fremde energisch zurückzustauen, und einer gesunden nationaljiidisehen Reaktion Raum zu geben. Diese Reaktion, die für das jüdische Stammestum den grössten Fortschritt darstellt, hat so ausserordentliche Fortschritte gemacht, dass Zionismus und werdende Generation schon beinahe identisch werden. Und doch können wir uns nicht vergleichen mit dem, was der Zionismus in andern Ländern erreicht hat. Ob man nach dem nordischen Russland schaut oder nach den! fernsten Südafrika, überall sieht man die gleiche Erscheinung, dass die Judenschaft sich einmütig unter dem Banner des Zionismus zusammenschiiesst. Und so gross die Erfolge sind, die wir allwöchentlich in allen Teilen unseres Vaterlandes zu verzeichnen haben, sie sind noch immer gering, gegenüber den Erfolgen unserer Gesinntmgsgenossen in andern Ländern. Aber man bedenke, wie vor einem halben Jahrzehnt kaum ein Dutzend Junglinge sich auf dem Reichsboden zusammetifanden, um den Zionsgedanken zu pflegen, und jetzt die Tausende von Anhängern in allen deutschen Landcstcilen zusammenstehn, und frage dann verwundert: ״Wer hat die alle für Zion geboren?“ . Mag man dann das Verdienst unserer Kämpfer noch so hoch veranschlagen. — und wir sind nicht geneigt, cs niedrig einzuschätzen, - so muss man doch sagen, eine neue Zeit ist angebrochen, und was da zu Zionismus wird, wächst spontan aus dem Judcntumc selbst in organischer Entwicklung heraus. Freilich gibt es noch unendlich viel zu tun. Und mit der Arbeit, mit den Erfolgen wächst die Aufgabe. Doch die Erfolge haben bisher noch keinen Zionisten veranlasst, sieh an! das Bärenfell hi ה zu st recken, wohl aber viele, die durch frühere Misserfolge entmutigt waren, aufgerüttelt, so dass mancher, der verloren schien, heute wieder in unsern Reihen steht. Aber über diese Fortschritte nach aussen dürfen wir nicht vergessen, dass ebenso wichtig wie die Propaganda die Vertiefung und der Ausbau der Idee ist. Das wird unsere nächste Aufgabe sein. ,. .