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Jüdische Rundschau · 1903-02-20 · Heft 8 (20.2.1903) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 8 (20.2.1903)
Date
1903-02-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Ko. 0 «eite Q2 Jüdische Hundwcliau. Mannheim. Am 3. d. Mts. fand die Generalversammlung ,unserer Gruppe statt. Der; Abend wurde durch ein vorzüg» lieh' durchgearbeitetes Referat des Herrn Dr. Fulda über das Projekt einer indischen H 0 c h s c h u le eingeleitet An den Vorlrag schloss sjch eine ausgedehnte, interessante Dis* Mission. Eine aus der Mitte der Versammlung eingebrachte längere Resolution; die die Bestrebungen zur Gründung einer hidischcn Hochschule , begrüsst, fand nahezu vollzählige Ar«• nähme. Man geht wohl nicht fehl, wenn man den Grund für diese Resolution in der, auch während der Diskussion gestreiften, Haltung des letzten schweizerischen Delegiertentags, er* blickt. Den• darauf m'tgetcilten Bericht über die Tätigkeit im verflossenen Jahre kennen unsere Leser bereits zur Haupt- Sache. In den Vorstand wurden die Herren Dr. Fclsenthal Julius Simon, Leopo’d Trinos, Albert Lewisohn wieder* und die Herren Dr. Fulda. Ludwig Götzl und Dr. Moses neuge• wählt. . Strassburg I. E. Es bewahrheitet sich immer von neuem, dass etwas Gutes sich stets von selbst empfiehlt. So ist es auch mit unseren monatlichen Versammlungen. Wahrend unser Vereinsabend im vorigen Monat von ca. 60—70 Teilnehmern besucht war, überstieg die Zahl der Anwesenden bei der Vercinsversammlung am 7. Februar über 100. WI1 konstatieren dieses mit umso grösserer Freude, als es sich zeigt, dass wir jetzt den richtigen Weg eingeschlagen haben, um bei unseren Mitgliedern den Zionismus zu vertiefen. Es hat uns ja nie an der nötigen Zahl der Mitglieder gefehlt, doch wirkliche Zionisten, solche, die in der Lage sind, bei Andersgesinnten die zionistische Idee erfolgrech zu vertreten, hatten wir bislang nur herzlich wenige. Genau dasselbe Bild wird, sich auch bei den übrigen Organisationen entfalten. Dieses einzugestehen, ist durchaus keine Schande, denn es liegt dieser. Uebclstaud in.der natürlichen Entwickelung der ganzen Bewegung. Erst werden ■die Rekruten ausgehoben und dann werden sie ausgebildet. So anch hier. Erst schaffen wir unsere zionistische Mannschaft, um im Bilde zu bleiben,. und hieraus dann die Offiziere. Hierzu dienen nun unsere Abende, deren erster Teil Belehrung, deren zweiter Teil Unterhaltung ist. Das Referat für den Abeud hatte Herr Dr. Dannen* b e r g übernommen, das Thema lautete ״Heine und der Zio* nismus“. Mit bekannter Beredsamkeit entrollte der Redner zunächst־ ein' kurzes Lebensbild des Dichters, in dem er schliesslich zeigte, dass seine Taufe uns nicht wundern dürfte, wenn man berücksichtige, dass Heine, aus einer Assimilanten* familie stammend, in eine jüdische Gesellscbaftssphäre geriet., in welcher cs zum guten Ton gehörte, alles Jüdische abzustreifen und sich dem Christentum in die Arme zu werfen. Allerdings fällt hier für Heine erschwerend ins Gewicht, dass er durch Zunz mehr als alle anderen in die Geschichte und Litteratur des jüdischen Volkes c-ingeführt wurde. Weiter zeigt dann der Redner durch die Rezitationen eine Reihe dci herrlichsten Gedichte, wie Heine, wenn er auch hier und da, mit dem ihm eigenen Sarkasmus das Judentum bewitzelt, stets ein guter Jude war. Ohne dass Dr. Dannenberg die Behauptung aufstelltc dass Heine ein Zionist war, bewies er doch aus sehr vielen Gedichten, dass er,durchaus national* jüdisch dachte. Er schloss mit der Rezitation des in diesen! Sinne geschriebenen Epiloges zum Rabbi von Bacharach. Die Ausführungen des Redners wurden mit lebhafter Begeisterung aufgenommen und ein starker Applaus belohnte denselben bei Beendigung seines Vortrages. In dem nur! folgenden unter* haltenden Teil wurden zunächst von Herrn Zahnarzt Oppen* heim eine Anzahl Gedichte von Morris Rosenfcld in ganz vollendeter Weise vorgetragen, wofür demselben reicher Bei* fall gezollt wurde, .£$'folgten dann einige sehr schön vor* getragene Klavierstücke'von Frl. Levy und einige Lieder von Herrn Ingenieur Pohl. Von letzterem wurden dann noch sämtliche Verse des Liedes עד "א אכרה gesungen, dessen Refrain von der ganzen Versammlung jedesmal begeistert wiederholt würde. Nachdem Herr. Oppenheim noch weiter einige Gedichte Morris Rosenfelds rezitiert־ hatte» ■ vor* einigten sich die jüngeren Teilnehmer noch zu •einem Tanz. Gegen Mitternacht ging ,die Versammlung auseinander, m. p. Hellbronn. Sonntag, 1. Febr. abends wurde hier lm Vereine für Jüdische Geschichte vor zahlreicher Versammlung von Herren’und Damen unter Vorsitz des Herrn Wollenbcrgcr der 1. zionistische Vortrag über das Thema ״Zionismus als Fort schritt der Jpden" von Gg. Dr. Feinstein gehalten. Der Redner zeichnete die gegenwärtigen Zustände der Juden des Ostens, die geistige Not der westeuropäischen Juden, die eine Folge der missglückten Assiinilationsbestrebungeh des vergangenen Jahrhunderts sei. Freilich fand der Vortrag bei den hiesigen Assimilanten vorerst noch keinen Beifall. Qcgen den Redner sprachen Dr. Gumbel II und Kfm. Siegel, welche leider Keine genügende Antwort auf Ihre Gegenfragen erhielten. Der erste von denselben behauptete, dass die Juden keine Nation, sondern nur eine ״Rasse“ sind, und betrachtet den Zionismus als Rückschritt der Juden. Ferner könne nur die Assi* miiation die Judenfrage lösen. Er bemerkte auch, dass die Alliance eine völlig ausreichende Stütze für die armen unterdrückten Juden sei. Rabbiner Kahn behauptet, dass der Zionismus nur eine gegenwärtige geschichtliche Erscheinung sei und der Judenstaat von Herzl, weicher wie im Traume ge» schrieben wurde, nur wie ein spannender Roman auf die jungen unüberlegten Leute wirken kann. Er fuhrt jedoch aus, dass man hier den Zionismus noch nicht so gut verstehe und wünschte, es möge in kurzer Zeit Dr. Boäenheimer oder Dr. Klee Heiibronn mit einem Vortrag beehren. Hoffentlich wird es uns gelingen, einen der genannten Herren in kurzem hie! begrüssen zu können und einen günstigen Eriolg im Lande der privilegierten Assimilation zu erreichen. Oppenheim, 26. Januar. Zum ersten Male hielt gestern nachmittag die ״Zionistische Vereinigung 1'iir Deutschland" (Ortsgruppe Mainz) in hiesiger Stadt eine öffentliche Ver- Sammlung ab. Den Vorsitz führte' Herr J,. Löw von hier, der die Versammelten von hier und der Umgegend begrüsstc. Rechtsanwalt Dr. Schauer-Mainz hielt eint!! einsliindigen Vortrag über: ״Was will der Zionismus“. Es entspann sich ein lebhafter Meinungsaustausch und schliesslich sprach noch Dr. Friedeniann-Wiesbaden, über dasselbe Thema. Der Vereinigt!ng traten etwa 20 Herren bei. Uni eine ״Ortsgruppe Oppenheim“ bilden zu können, soll demnächst noch eine Ver- Sammlung stattfinden. Dresden. Wie־ wir hören, hielt die hiesige Fraternitas- Loge im Orden Bnc-Brith einen Dtskussior.sabend ab, bei weiehern unser Gesinnungsgenosse Hess über die zionistische Bewegung referierte. . * I '1 | I J V * % J k . ־, Rundschau. 1 >- ז m r.» י׳ S t.\ #% r.y *A ,1 f\ ,1 f 1 m m ,,n 0X f% ,t% r, v *ty» *,״ %.״ 1 1.1 t t 1 * t r ־1.1 .!; 1-1 1 1 1! ■f*j 1• 1 11! v v V ,'”׳י ׳*" J V V % V V J 1/ V• ׳V '* w, w ,V ״ 4 v I►* •4 VW Zd k4 fcJ W 4 tut l> J W4 ksi im• Wl I►* W mJ ImJ htd 44 W4 kJ ן*—* *1 JM* pי *י *■f *,״ •, ־־* 1. % r• vj 1 : 1;r * ‘־..4 ,v 'S ׳*־ ׳.' J V V / V #*»«4 fc» ±4 W* «m» k« W ל״ י• % * ל׳ יל יי לל י*׳ Bcrl'tf. (Repräsentantenversammlung). Unter den cingegaugeiicn Schriftstücken beiindet sich ein Protest des Redak teurs M. A, Klausner gegen die letzte Vorstandswahi, au׳' etwa 20 Folioseiten, der wegen seiner Ausführlichkeit nicht zur Verlesung gelangt. Eine längere Debatte über Antrag eines Mitgliedes der Versammlung auf Einsetzung einer ge* mischten Kommiss'on zur Beratung, in welcher Weise zu verfahren sei. wenn Mitglieder der Verwaltungskommission. vom Vorstand und den Repräsentanten gemeinsam zu wählen sind, bleibt unverständlich, weil sie •sich offenbar auf ein wie e> scheint, unangenehmes Rencontre bezieht, das Prof. Baginsky in der letzten geheimen Sitzung mit irgend einer Seite gehabt hat. Es wäre eine selbstverständliche Rücksicht der Ver- Sammlung, solche unverdaulichen Gegenstände auch wieder in geheimer Sitzung abzuhandcln. Wir gehen wohl nicht irre wenn wir vermuten, dass sich der Streit um die Wahl von Mitgliedern (n den Vorstand der Altersversorgung gedreht hat. Es folgen die Vorlagen, betr. die Neubildung von Vcrwaltungs* kommissionen, so der Armenkonimission, der Zentralstelle für die Wohltätigkcitsanstalten, Vorstand des Krankenhauses, Waisenkonimission und andern. Inercssant für die Gemeinde wäre es. vor allem die Namen der!in der Sitzung für diese Kommissionen Gewählten zu wissen. Sie wurden aber im Gescliwindschritt teils auch mit so gedämpfter Stimme verlesen, dass weder die wählenden Repräsentanten wussten, wen.sie wählten, noch di,e Journalisten auch nur im Einzelfalle die Namen niederschreiben konnten. Nach Schluss der Sitzung wurden diese mit ihrem Wunsche, die Namen zu erfahren, einfach abgewiesen, da das ״vertraulich“ wäre. Ja, warum .wurden sic denn. in.öffentlicher Sitzung gewählt? Wir werden, wie über viele andere Dinge, bei den Wahlen die Herren darüber fragen :müssen! Die Gemeinde hat ein Recht

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