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Jüdische Rundschau · 1903-02-20 · Heft 8 (20.2.1903) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 8 (20.2.1903)
Date
1903-02-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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t ־ ■ r*tu ו#*<ו%*81י'?«וו« ‘*'׳־■יו•«*"«♦־ No. c8 Jüdische Rundschau. Seit« 61 Hotel Schüller eine Versammlung einberufen, welche Dr. Littmann-Ole:wi(z leitete. Er begrüsste die Erschienene*» und erteilte' Dr: med. K a s s e 1-Ratlbor zu seinem Vortrage Öler die ״Jüdisch-nationale Bewegung“ das Wort. In demselben legte der Redner in verständlichen klaren Worten kurz das ganze Programm der zionistischen Bewegung dar und zeigte, dass wir deutschen Juden auch nicht so glänzend gestellt sind, wie es die Antizionisten glauben möchten, und fordert zum Schluss alle Anwesenden auf, sich dem Zionismus anzu• schlicssen und hier in-Zabrze eine Ortsgruppe zu gründen. Es erklärten auch mehrere Herren ihren,Beitritt, und In den nächsten Tagen findet bereits zwecks Konstituierung die erste Sitzung statt. An der dem Vorträge folgenden Diskussion nahmen M. Apt-Zäbrzc, Dr. Littmann-Olciwitz und Dr. Kasse־!- Ratibor teil. Hierauf ergriff Og. Morgenstcm-Qleiwitz das Wort, um in herzergreifenden Worten die Leiden unserer rumänischcii und russischen Stammesbrüder zu schildern. Dr. Kassel-Ratibor batte das Schlusswort und dankte nochmals den Anwesenden für das Erscheinen und wünschte der Zabrzer zionistischen Ortsgruppe ein recht gutes Gedeihen. Einen besonderen Dank geziemt Herrn Dr. Kasse!•Ratibor, sowie dem Gleiwitzcr Zionistischen Diskussions •Verein für so zahlreiches Erscheinen. h. tr. Halberstadt. Am 9. ds. sprach Dr. Klee in der hiesig;.: zionistischen Ortsgruppe über ״das Wiede rer wache n des i ü d i s c it e n V o 1 k e s“. Nur wenige Mitglieder der Gemeinde waren ferngeblieben; einige sandten, wie der Vorsitzende Winter bezeichnend hervorhob, wenigstens . ihre Frauen. Die Zuhörer hingen förmlich an den Lippen des Referenten, dessen markiger Schlussappeil reichen Beifall entfesselte. Schon während der darauf folgenden Pause meldeten sfcii 29 neue Mitglieder schriftlich zur Ortsgruppe an. In der Debatte ergriff zunächst unser alt-ehrwürdiger Klausrabblner lind Mitglied des hiesigen Rabbinats-Kollegiums, Herr Salomon Cohn, das Wort. Mit bewegter Stimme gab er die wörtliche Erklärung ab ״Ich habe bis vor kurzem aus religiösen Bedenken der Bewegung ferngestanden. Diese Bedenken sind heute gcschwunden. Ich habe daher den Schekel entrichtet, ich bin Zionist.“ ־ Diese wenigen Worte des ehrwürdigen Rabbiners riefen den stürmischen Beifall der ganzen Versammlung hervor, sic sind als ein entschiedener Fortschritt unserer grossen Sache für Halberstadt zu betrachten, und werden ihre Wirkung *hier und anderwärts nicht verfehlen. Darauf sprach unser Freund, Zahnarzt Abraham Auerbach, der Mitglied des ״Misrachi" ist. Er verfocht in lichtvoller Weise die Ziele des Zionismus, speziell mit Rücksicht auf die Bestrebungen des Misrachi. Die Einwande der nun folgenden Redner, Dr. med. Auerbach und Siegfried Oppenheimer, bewegen sich in den bekannten Ausführungen, dass sie es mit ihrem religiosen Oewissen nicht vereinbaren können, sich der zionistischen Bewegung, deren Gutes für einen gewissen Teil der Judenheit sie entschieden anerkennen, selbst anzuschliessen. Dr. Auerbach lehnt es sogar ab, sich dem Misrachi anzuschliessen. Dr. med. Crohn, der hierauf das Wort ergriff, einer der Führer der hiesigen Sozialisten, der eine führende Rolle in dieser Bewegung am Platze einnimmt, erklärt, dass er dem Zionismus beitrete, weil er Volksjude sei. Seine Religion könne man wechseln, wie ein Kleid, aber nicht die Zugehörigkeit zu seinem Volke. Er erkennt die Wahl Palästinas für 1unsere Bestrebungen als durchaus richtig an, wisse allerdings nicht, ob dies erreichbar sei, aber anstreben müsse es jeder Jude. Schon aus diesem Grunde verwirft er die Einwändc der Orthodoxen. Dann nimmt. Dr. Klee wiederum das Wort '.zu.einer Entgegnung auf die Rinwände. die meisterhaft genannt Werden muss, und die Herzen der Zuhörer, die bis 1 Uhr vereint beisammen׳ blieben, im Sturm mit sich fortriss. Er ‘dankt dem Dr. Crohn, der im Gegensatz zu manchem seiner Parteigenossen, eine durchaus richtige Stellung zum Zionismus jicinnohmc. für seine. Mitarbeit an der gemeinsamen Sache,, und geht dann mit den Orthodoxen, die von ihrem Schmollwinkel aus den Zionismus angreifen, scharf Ins Gericht. Der Zionis- ׳ mus könne nicht orthodox sein, wenn er nicht zerfallen wolle, denn er müsse!sich auf alle Juden stützen, aber nicht auf eine religiöse Partei Entweder müsse die Orthodoxie ihren Einfluss in den Dienst des Zionismus stellen, oder sie dürfe seine Arbeit durchführe.— Nach der meisterhaften Replik von Dr. Klee brach ein Sturin der Begeisterung los, und wir konnten verkünden, dass sich über 30 neue Schekelzahler an diesem Abend der zionistisehen Bewegung angeschlossen hatten. Die Halberstädter Ortsgruppe zählt jetzt insgesamt 70 Schekelzahler. Am 16.* Mai 1902 begründet, hat sie bisher recht gute Erfolge aufzuwevsen. Sie hielt 15 Vereinsabende ab, und drei grosse Ver- Sammlungen. Referate hielten die Herren Barth, Hugo Blum, Samuel Blum, Freund, Lehrer Ncuwith (Jerusalem), Moritz und Lehrer Stern, ausserdem sprachen in den 3 grossen Ver- Sammlungen Ref. Gronemann, Dr. Sandler und Dr. Klee. Möge die Ortsgruppe der Halberstädter Gemeinde in gleicher Weise fortschreiten und in echt jüdischer Arbeit sich fortcntwickcln. Hannoyer. In einer am 25. Januar stattgehabten Ver- Sammlung des Vereins Ah a wa t h-Zion, zu welcher auch an eine Anzahl Nicht-Zionisten Einladungen ergangen waren, sprach Herr Rabb. Cand. Dr. L e w y aus Berlin über die Rcnaissance des Judentums. Redner beleuchtete zunächst das Leben der Jude•: im Ghetto und schilderte dann, wie die westeuropäische!: Juden, sobald sich ihnen die Tore des Ghettos geöffnet hatten, all ihre Eigentümlichkeiten abzustreifen versuchten. Im Gegensatz zu diesen haben sich die osteuropäischen Juden, da sic in grösseren Zentren enger aneinander wohnten, in ihrer Eigenart mehr erhalten. Der Zionismus habe dem Judentum wieder frisches Leben gebracht und freie der Assimilation wirksam entgegen. Redner ging dann näher auf den Zionismus ein und beleuchtete die Ziele desselben ar der Hand des Baseler Programms. Nach der mit grossem Beifall aufgenommenen Rede ergriff Herr Rechtsanwalt Di. Edelstein das Wort zu einer gegnerischen Rede, indem er all die Einwendungen, welche man in fast jeder öffentlichen Versammlung von Nichtzionisten zu hören bekommt,. vorbrachte. Er sieht in dem Zionismus nicht eine Weiiercrt- Wickelung, sondern eine reaktionäre Bewegung im Judentum und glaubt, der Zionismus wolle die Juden wieder in das Ghetto treiben. Ais WohltütigkeitsinsHitution wolle er den Zionismus allenfalls gelten lassen und würde sich ihm. falls er nur dieses sein wolle, sogar anschlicssen. Die Herren Referendar Dr. Gronemann und Dr. Lewy, letzterer in seinem Schlusswort widerlegten die Ausführungen des Herrn Dr. Edel• stein in überzeugender Weise. Bielefeld. Gestern abend sprach Herr Prediger Dr. F. Koblenz im kanfmänn. Verein ״AniicUia“ vor einem Publikirn» von etwa 3—*100 Personen über den ״Zionismus“. Der Redner beleuchtete in leicht denkbarer Weise die zionistische Frage, und griff unsere Idee als unausführbar und phantastisch an. Als Korreferent war Herr Dr. S. Gronemann aus Hannover erschienen, dem, als er sich zur Diskussion meldete, die Redezeit auf 10—15 Min. (!!) beschränkt wurde. Als der. Herr nach Ablauf dieser Zeit seine Entgegnung schüessen wollte, forderten ihn fast allgemeine Zurufe zur Fortsetzung seines Vortrags auf. In leichtflüssiger durch feine Ironie gewürzter Rede widerlegte er die Thesen des Vorredners. Herr Dr. Koblenz, der znm zweiten Male das Wort ergrUL wiederholte noch einmal, was er gesprochen, und ersuchte die Anwesenden, auf eine fernere Disktf^sion zu verzlchten. Laute Zurufe, wie: ״Ausreden lassen, selber (Stillschweigen“ etc., zeigten jedoch, wie anders das Publikum über.diesen Fall dachte, und als Dr. Gronemann seinen Vortrag mit den Worten, die Herr Dr. Koblenz in spöttischer Weise gebraucht hatte: לשנת הבא“ בירושתם schloss, lohnte, verhältnismässig sehr reicher, Beifall ihn für seine Worte.. , 1 *«*,.■ »■4Mlft ןי

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