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Jüdische Rundschau · 1903-02-20 · Heft 8 (20.2.1903) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 8 (20.2.1903)
Date
1903-02-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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י 0 VT'"‘' >־- ־*-.**. &.Yfa ״ 8elt068 Jüdische Hundsohau; No. 8 —• '* ״1 *' ,4* ׳r., r nichtjüdischen Landsmann ia doch immer der bessere Jude! aber hat er keine Mittel, die ihn unabhängig machen, so darf er sicher sein, dass bei der Bewerbung um einen Posten ihm ein Fragebogen fibergeben wird, der mit den Rubriken beginnt: ,,Geburtsort, Alter, Staatsangehörigkeit, ״Religion**.“ Die drei ersten Rubriken sind es nicht, die ihm den Hals brechen. Aber als ehr-!!eher Mann lässt er sich nicht taufen, schreibt Jude, und wird — selbstverständlich aus andern Gründen — zurückgewiesen. $0 geht die Profctarisierung der Juden in den gelehrten Berufen noch unendlich viel schneller von statten, als selbst die Vernichtung des kaufmännisehen Mittelstandes bei den Juden. Es gibt kaum ein höheres Zeugnis für die gesunde Kraft des jüdischen Volkscharakters, als die Wahrnehmung, dass diese schwere materielle Not, die auf dem jüdischen Mittelstände ruht, ihn in nur geringem Masse von der geraden Strasse auf die schiefe Ebene zu bringen vermag. Wir wollen Dr. Kronheim nicht entschuldigen, wissen auch nicht einmal bestimmt, ob er Jude ist, aber wir suchen menschlich zu begreifen, wie die bittere Not, die freilich an der stärkeren Natur einen grösseren Widerstand findet,den schwachen Menschen zum Spielball machte in der Hand des Mannes, der ihn in die Versuchung führte, der ihn ausnutzte und dann sich mit de ח erworbenen Hunderttausenden fein säuberlich aus dem Staube machte und ihn die Suppe ausessen liess, die er eingebrockt hatte. Da bekanntlich auch die Berliner niemanden nach Moabit bringen, sie hätten ihn denn zuvor, so wird wohl der junge unglückliche Arzt, durch den besonders alte Eltern, wie aus den Berichten der Tageszeitungen hervorgeht, in das tiefste Weh versetzt werden, die Strafe abbüssen, die den schlauen Schwindler nicht erreicht. Nardenkötter hat fünfzehntausend Mark im Stiche gelassen, eine Kleinigkeit für den Mann, der Hunderttausende z.usammengeschwindelt hat. Er hätte auch hunderttausend Mark, die der Staatsanwalt als Kaution verlangte, hinterlegen und verduften können, ohne nachher Not zu leiden. Der jüdische Arzt war nicht im Stande, grosse Summen anzubieten; allzu viel hat er sich gewiss nicht von den verdienten 150 Mk. monatlieh zurücklegen können. Sein Angebot von Kaution ist zurückgewiesen worden. Für die ernsten Beobachter aber, die nicht nur am Sensationellen ihre Lust haben, die nicht bloss die Juden angreifen oder die feindlichen Angriffe ab wehren wollen, ist der Prozess mehr als die blosse Konstatierung, dass Dr. Kronheim zu sechs Monaten Gefängnis und einem Jahre Ehrverlust verurteilt wurde, dass man ihn v/old bald mit Schimpf und Schande aus dem Stande ausstossen wird, dessen Ehre er nicht zu wahren wusste, sondern er veranlasst uns, über die Umstände nachzudenken, die das Milieu schufen, in dem Dr. Kronheim zum Verbrecher wurde. , Dieses Milieu ist die Zahl der beschäftigungslosen Aerzte, die zu allermeist Juden sind, dieses Milieu ist im weiteren Umfange der jüdische Mittelstand, der auch in Deutschland seiner Auflösung entgegengeht und dessen schwere Tage schon begonnen haben. So kam die Jüdische Rundschau zum Prozess Nardenkötter. 110 Aus der Bewegung. aBBHasssasat0^KS<s3LZXS^saeTra1aat)g/eaeee1: Köln. Die letzte Sitzung des Zentralkomitees, an der ausser den Mitgliedern des geschäitsiiihrenden Aus- Schusses Dr. Klee-Berlin und der Vorsitzende des Distriktsbureaus Köln, Direktor Levy-Köln, teilnahmen, befasste sich ausschliesslich mit dem Delegiertentag, der bekanntlich im Frühjahr stattfinden soll. I. Als Termin war vorgeschlagcn seitens der Zentrale der 3. und 4. Juni, seitens des Bureau Hannover der 17. und 18. Mai., Die Beschlussfassung wurde ausgesetzt und, um die Wünsche der Mehrzahl der deutsehen Ortsgruppen ,kennen zu lernen, bestimmt, dass den Gruppen anheim gegeben wrerden solle, ihre Wünsche der Delcgiertcntagskommission, z. H. des Herrn Dr. Ernst Kalmus, Arzt, Lübeck, Staatsirrenanstalt zu übermittein. Die definitive Fixierung des Termins wird der Kommission vorbehaltlich der Genehmigung der Zentrale überlassen. II. Als Punkte der Tagesordnung werden vorläufig in Aussicht genommen: 1. Eröffnung des Delegiertentages und Bericht des Zentralkomitees; 43 4? 43 Amtsgerichtsrat David Markus Tendenzsaüre in einem Akt (Schluss). von Dr. Emil Cohn (-Berlin). (Alle Rechte Vorbehalten.) Markus: Das will ich erst mal sehen, das will ich erst mal sehen! Den Mut, den kenn* ich, den kenn* ich von mir, von mirlt Walter: Ich hab’s nie auf mir sitzen lassen! Hat man mir bisher denn nicht ״Jude“ nachgerufen? Hundertmall Und wenn ich geschrieen habe ״Ich bin kein Jude!“ Dann hat alles gelacht! Christen und Juden!! Jetzt werden doch wenigstens die Juden nicht mehr lachen!! Und es ist auch wahr: Wenn Ich mich früher gewehrt und' zugeschiagcn habe, Herrgott, ich habe Immer doch etwas gefühlt wie eine Schmacht Ich kam mir Immer so klein vor!! Markus: Na, da wirst du noch was erleben! Ach, du wirst dich ja so klein machen müssen, so klein 1 ׳ Walter: Aber, Himmel 1 Lieber Vater, musst du dich denn klein machen? Du bist doch auch ein Jude! Markus: Schrei״ doch nicht so, was sollen die Herrschaften da drinnen denken, wenn sie das hörenl Walter: Nun, so lass sie es doch hören! . £ Markus: ״Lass sie es doch hörenl“ Ja, sagst du! Ich bin ein gesellschaftlich ruinierter Mann! ־ n Walter: , Aber, lieber Vater, sie wissen doch, dass Du Jude bist; und verkehren Ja doch mit dir! Ma־rkus: . ־ ........ Ach, das ist ja gan* **was anderes. — ... '! ל“• ד**• ן-.*.

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