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Jüdische Rundschau · 1903-02-13 · Heft 7 (13.2.1903) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 7 (13.2.1903)
Date
1903-02-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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£'-'■«<>«4 ■י*,# W-i Seite 54_ Jüdische Himdeohau._No. 7 irtfchr. Und dann die־ alte Heimat! Da müssten im engsten nationalen Zusammenschluss auch notwendig nationale Künstler erstehen, nicht solche, die einen Misston hineinbrächten In die Kunst 'durch .ihre seelische Zerrissenheit, in der sich die Zerrissenheit ihres Volkes widcrspiegclc. So würden auch gerade die so schon mit dem Orient verknüpften Juden durch ihre okzidcntalc Kultur dort viel erreichen. Was endlich eine musaische Konfession anlangc, so habe eine solche * in der jüdischen Religion gar kdnen Platz. Hier sei der Glaube an Gott kein Dogma wie beim Christentum, die Quintessenz des Judentums sei die soziale Gerechtigkeit; ״Hebe deinen Nachsten wie dich selbst“, das sei die jüdische Religion. Der wahre Gott ihrer Väter sei den Juden abhanden gekommen, jenes Stück Mystik, das nicht immer gleich alles erklären wolle, das dafür aber die Sehnsucht zum Leben, die Brüderlichkeit zu erzeugen imstande sei. — In der Diskussion legte Herr Dr. Hoppe Protest ein gegen die Aeusserung des Herrn Justizrat Fuchs in der Versammlung des ״Zcntralvercins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" am 21. Januar er. im ״Artushof“, der Zionismus treibe Abfall vom Vaterlande, ebenso dagegen, cs gäbe eine zweite Schattierung im Zionismus. Den Zionisten sei, wie jedem Menschen,, die Liebe zum Vaterlandc angeboren. Der deutsche Zionist sei ein guter Deutscher, aber kein Germane, wie ja auch die Littaucr, die Wenden, gute Deutsche, und trotzdem keine Germanen seien. (Lebhafter Beifall.) Zum Schluss wurden dann noch mehrere Fragen beantwortet". Diesem Berichte der .,Königsberger Hartungseben Zci* tung" haben wir noch Jiinzuzufügcn, dass die Versammlung von über 500 Personen besucht war, und die lebhafte Diskussion, die weniger die Ausführungen des Redners als den Zionismus im allgemeinen berührte, bis gegen Mitternacht währte. Die Ortsgruppe gewann mehrere neue Mitglieder. Breslau. Zu dem am 28. Januar er. von der zionistischen Verbindung ״Makkabäa“ veranstalteten Vortragsabend fand sich eine zahlreiche Zuhörerschaft ein. Nachdem der erste Chargierte, cand. jur. Auerbach, die Anwesenden begrüsst und In kurzen Worten auf die bisherige Tätigkeit. Ziele und Aufgaben der ״Makkabäa" hingewiesen hatte, erteilte er Herrn Davis T r i e t s c 11 aus Berlin das Wort zu seinem Referate über ״Jüdische Emigration“. Trictsch schildertc im Anschluss an seinen so bemerkenswerten Artikel in der ״Welt“ die bisherige Planlosigkeit df*r jüdischen Aus- ׳ Wanderung, die damit für das religiöse und nationale Judentum verbundenen Gefahren und machte Vorschläge zu einer Zentralisierung der jüdischen Emigration. Er verlangt besonders ein jüdisches Auswanderungsamt, um die Emigration wirksam und planvoll zu organisieren. Dem ebenso interessanten wie sachlichen Vortrage folgte eine ebenso sachliche Diskussion. Ein fröhlicher Kommers beschloss den Abend. Leipzig. (Schluss des Berichtes aus der vorigen Nummer.) Unsere diesjährige Generalversammlung fand am 22. er. statt. Den allgemeinen Bericht erstattete der 1. Vorsitzende, Jul. Wiener, aus welchem hervorgeht, dass die Mitglicdcrzahl nur 70 beträgt, da w׳ir uns unnötige Nachläufer fern vom Leibe halten. Es fanden in diesem Gcschäftsjahrc 20 Vorstandssitzungcn, 6 grosse Versammlungen, 1 Jungjfidischer Abend, ebenso eine grosse Makkabäerfeier statt. Weiters w׳urdc erwähnt, dass It. Beschluss der vorjährigen Generalversammlung die Bibliothek mit Hilfe der ״Zionah" geschaffen wurde und die ürfindung des hiesigen Jüdischen Turnvereins der zionistischen Vereinigung zu danken ist. Aus dem Rechenschaftsbericht, den der Kassierer S. Preczep erstattete, ist zu ersehen, dass 12S Mk. an Schekel gesammelt, 230 Mk. fiir den Natioaalfoud. 70 Mk. für d. Jaffaer Schule, 67 Mk. an durchreisende rumänische und palästinische Juden gezollt wurden. Ferner wurden 1300 Stück Nationaltondmarkcn im Werte von 65 Mk. verkauft, sow’ie 30 Stück Aktien besorgt. Für Broschüren und Flugblätter w'urdci; 40 Mk. ausgegeben. 30 Abonnenten wurden für die ״Jüdische Rundschau“ neu gewonnen. Ferner erstattete Herr J. Raskiu Bericht über die Bibliothek. Es liegen daseihst deutsche, hebräische, jüdische, russische, französisciic und polnische Zeitungen sowie Zeitschriften aus, in der Gesamtzahl 24. Der Bestand an Büchern und Broschüren ist 6*X>. Das Lesezimmer wurde im Jahre 1902 von über 3000 Personen besucht. Ausgeliehen wurden über SW Bücher, Zeitungen und Zeitschnftcn. Bei der folgenden Wahl sind wiedergewählt J. Wiener. M. Kalirnann, M. Spitz, J. Raskin, L. Fuchs und S. Preczep, neugewählt A. Grätz; zu Revisoren B. Rabiuowitz und J. Apfelbaum. Ein Antrag Wolfsohn auf Einrichtung von Diskussionsabenden, erledigte sich durch die in Aussicht genommene Um- Wandlung unserer Lesehalle in ein Voiksbüdungshcim. Antrag Apfelbaum behufs Gründung einer Jüdischnationalen Frauen- Vereinigung wurde grundsätzlich angenommen, ebenso eine Resolution: ״Die Generalversammlung spricht den Wunsch aus. die Aktieninhaber mögen auf die zu verteilende Dividende zu gunsien des Jüdischen Nationalfonds verzichten. S. P. Duisburg a. Rh. Der Vortrag des Dr. Klee, über den in vorletzter Nummer berichtet wurde, hatte liier ein Ich- Markus (wTitcnd): Ein totes Volk!! ' Walter: Das Volk ist nicht tot! Markus: Huch, das ist schon hunderttausend Jahre tot! Nu fängst d u an! i . Walter (warm): Es ist nicht tot! Vielleicht schien es so! Aber es ist nicht tot! Alt ist cs, sehr alt! Aber ein neues, blühendes Leben ist heut in ihm aufgewacht, cs regt sich etwas in ihm, was sc't zw'citauscnd Jahren sich nicht geregt: Die Jugend, Vater! Markus (schreit ihm ins Gesicht): Quatsch!! . ־ Walter: Nein, Vater! Das hat mich ja zu meinem Entschlüsse gebracht! Ich habe Juden kennen gelernt, sie w׳urd$m meine Freunde: Junge Juden!! O, wie sie eintrateu für ihr Judentum!! Wie sie hoehliieiteu ihre Fahne!! O, diese Begeisterunc in allen Herzen, dieser jubelnde Mut!!-Ich stellte mir unter Juden stets etwas anderes vor. feige, ühkSIliehe Geschöpfe, ja. sogar Spitzbuben und Betrüger, niedrige Charaktere; (bitter) so war ich cs ja gelehrt worden!. Markus: Von mir etwa? Soll das heissen, dass Ich ein intoleranter Mensch bin? Walter: Du bist ja selbst ein Jude! . Markus (scharf): Lieber Walter, — Walter (in tiefer Erregung): — Und nun fand ich solche Menschen! Das fand ich schön! — Hättest du mir noch ctw׳as anderes gegeben für das, w׳as du mir bei meiner Geburt genommen! — Aber nichts, nichts habe ich und doch — Vater, ich brauche etwas!! Alles, alles zieht hinaus in den klingenden Frühling und ick soll hei Seite stehen? — Ich. will .auch mitziehen hei einer Fahne, nun •habe ich sie gefunden und bin glücklich, w׳ic mir ein Kämpfer für eine Idee glücklich sein kann! Markus (lacht aus vollem Halse): Kämpfer, ha, 11a, ha! Ich möchte dich mal kämpfen sehen! Ich seli’s ja schon: — Da kommt so ein Row׳dy, so ein Antisemit die Strasse entlang und schimpft dich ״Saiijud’!“ und du in deiner Heldenhaftigkeit- Walter: Ich hau’ ihm eine *runter! (Schluss folgt.) /

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