Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1903)
- Date
- 1903-02-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Beite 46 No. 6 «Iliditsclie Rundsoliatt. könne, (was man uns‘alles zutraut!) ein Staat entstehe,* nicht einmal ein so kleiner' und neutraler Staat, wie ihn die Zionisten erstreben, denn es wäre Ja nicht abzusehen, ob nicht dieser Staat mit dem Verfall der Türkei erstarken, und darin den tätlichen Stoss Regen das britische Weltreich führen könne. — Dann begab sich Redner auf das Volkswirtschaftliehe Gebiet und wies nach, dass das Land für die Zahl der Juden zu klein sei, und dass es unmöglich sei, diese Masse von Proletariern, die nach einem (freilich unrichtig zitierten) Wort Herzls alle Kleinbauern werden sollten. (!) zu ernähren. Auch stände eine solche Massentranslokation beispiellos in der Weltgeschichte da! Nachdem der Referent noch in liebenswürdigster Weise den Zionisten, die Fähigkeit logisch zu denken, abgesprochen, kam er zu den (in diesem Kreise wichtigsten) jüdisch-religiösen Gesichtspunkten, und sprach seine Ucbcrzcugung aus, dass, wenn das zionistische Ideal für einen Augenblick verwirklicht gedacht würde, diese Gründung sofort wieder zerfallen müsse, denn der innere Zwiespalt zwischen dem it! der Majorität gläubigen Volke und den ungläubigen ..Führern“ sei zu gross, als dass eine dauernde Verbindung möglich sei. Die Zionisten verwechseln, wie er sagt, die Begriffe Judentum und Judcnhcit. während in Wirklichkeit Herr Löh Judentum und jüdische Lehre bezw. jüdisches Gesetz miteinander verwechselt. — Dann aber, nachdem Herr Lob den Zionismus*nach allen Regeln der Kunst sowohl wirtschaftlich, als auch politisch und in Bezug auf religiöse Fragen als total unmöglich, ja absurd hingestelir hatte, machte er eine elegante Schwenkung und erklärte: Wenn erst der Zionismus die Staats idee fallen lässt, und sich etwa als eine Kolonisationsgesellsehaft grossen oder allergrössteu Stils gibt, und in religiöser Beziehung die nötigen Garantien bietet. — dann können auch wir. d. h. die konservativen Juden uns der Bewegung anschücssen. Der Vortrag wäre nicht vollständig gewesen, wenn der Redner nicht zum Schlüsse auch noch den wirklich abgebrauchten Einwand gebracht hätte, dass der Zionismus dem Antisemitismus Vorschuh leiste, indem er ein jüdisches Volkstum betone. Auf diese etwa i^nstfindigen Ausführungen folgte ci;:e kurze Eiwiderung unseres Gg. Herrn Dr. Schauer, der die hauptsächlichsten Einwendungen, die der Referent gegen die zionistische Bewegung erhoben hatte, in schlagender Weise widerlegte. Herr Lob Hess nun dieser Replik eine Duolik iolgen. die aber rach dem mephistophelischen Rezept bereitet war. dass ..eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein ,.gutes Wort“ zur rechten Zeit sich ein.“ Ausser stände, die stichliehen Bemerkungen des Herrn Dr. Schauer zu entkräften, nahin er seine Zuflucht zu dialektischen Kunststfickchcn. die aber selbst in dieser dem Zionismus so wenig günstigen Vor- Sammlung, nur in geringem Masse wirken konnten. — Nach ihm ergriff Herr Rabbiner Dr. Bondi das Wort,, um seinen Standpunkt zur zionistischen Bewegung darzulegen. Er sieh: *eine direkte Gegensätzlichkeit zwischen Religion und Ziom'smus. und glaubt deshalb vor letzterem nicht genug warnen zu können. Der Fall, der ihm .von dritter Seite mitgeteilt worden sei. dass in Bcrhn einige junge Leute ihrem orthodoxen Glauben durch den Zionismus abwendig gemacht worden seien, bedarf sehr der Aufklärung. und bis diese, mindestens durch Naniennennung. erfolgt, dürfen wir wolii | eher an eine unrichtige Information des Herrn Dr. Bondi glauben, als an ein solches Wunder, j Unser Gg. Herr Dr. Adolf Friedemann, der nach dem 1 Herrn Rabbiner das Wort ergriff, sprach dies auch u'num-! wunden aus, und führte dann in längeren Ausführungen die j Einwendungen des Herrn Löb r.uf ihren wahren Wert zurück, j Vor allem stellte er es als ein unbilliges Verlangen der l konservativen Juden in Deutschland dar, dass der Zionismus als solcher sich in religiöser Hinsicht mausern müsse, ehe ן diese selben Konservativen sich entscheiden würden, ob sie J der Bewegung beltrctcn würden. Er lud vielmehr die; Orthodoxen ein. als Mitkämpfer in unseren Reihen für ihre i religiösen Ideen einzutreten, und womöglich die Führung zu j übernehmen in der Erstrebung des zionistischen Ideals, das j ja auch das religiöse sei. Reicher Beifall, auch aus den Reihen : der Gegner, lohnte die meisterhaften Ausführungen unseres; tapferen Friedemann, und wenii aucli dann noch Herr Dr.; Schlcsslnger mit mehr Emphase als vernünftigen Gründen, ׳ die ״Kluft“ zwischen Religion und Zionismus als unüber- : brückbar darstclltc und für seine Person das Tafeltuch * radikal durchschnitt, so dürfen wir diese antizionistischc ' Veranstaltung doch als einen vollen Erfolg der zionistische!! Sache in Anspruch nehmen, zumal seit diesem Abend schon : einige Mitglieder des Vereins Livias Chen sich als begeisterte Zionisten bekannten. S. S. Mannheim. (Mitteilung des Distriktsbiireaus an die Ortsgruppen.) Die Ortsgruppe Mainz teilt uns mit, dass; Herr Dr. Klee-Berlin sich bereit erklärt hat, in Mainz einen Vortrag zu halten und im Anschluss daran auch anderen Gruppen in Siiddeutschland zur Verfügung steht. : Wir ersuchen die Ortsgruppen, welche auf einen Vortrag des Herrn Dr. Klee reflektieren, uns umgehend Mitteilung zu geben, 'damit wir mit ihm behufs Arrangement 1 eines Ycrtragstournees in Verbindung treten können. Mannheim. (Distriktsbüreau au die Ortsgruppen). Martin Buber hat sich l'reundiiclist bereit erklärt, Mitte März innerhalb unseres Distrikts Vorträge zu halten. Diejenigen Ortsgruppen, die darauf reflektieren, Herrn Buber zu hören,; werden gebeten, sich baldigst m i t uns in Verbindung zu setz:r. Mannheim. B e r i c!11 des D i st r i k t s b u r c a u s über das *I. Quartal 190?. ־ Die eingelaufenen Berichte über die Tätigkeit der Ortsgruppen unseres Distrikts lassen überall eine rege zionistische Arbeit erkennen. Fast bei allen Gruppen sind Zunahmen an Mitgliedern zu verzeichnen; mitunter ziemlich beträchtliche. , Die Zahl der Gruppen ist von 6 auf 10 gest'egeu und weitere . sind im Entstehen. Ucber das zionistische Leben in Mannheim berichtet der heutige Artikel ״Anregungen zum Arbeitsprogramrn der deutschen Ortsgruppen.“ Dazu wäre noch der Verlauf unserer Makkabäerfeier naclmitragen. Der Festsaai war bis zum letzten Platz gefüllt. Der Abend, bei dem Herr Dr. Moses mit markigen Worten •die Festrede hielt, nahm Markus: Nu, ich muss dir sagen, er missfällt mir geradezu! Walter: So? Markus: Ja! (Pause.) Sein Wesen, seine Manierenl Er passt so garnicht in unsere Kreise. Wozu gehst du überhaupt unter deinen Stand? Und dann möcht’ ich dich doch bitten, die zwei Wochen Ferien, die du hast, mehr deinen Eltern zu w'idmcn.. als solchem — solchem — Walter: Nun? Markus: Du w׳eisst schon, was ich meine. Walter: Ja, das weiss ich! (Er geht ab.) Christine: Aber Mann! Markus (gereizt): Was ist denn, liebe Christine? Christine: Ich finde, Herr Abramsohn ist e'n sehr liebenswürdiger Mensch! Markus: Na. da muss ich mich doch sehr wundern, dass du — als Christin — solchen Gefallen an ihm hast. Mir jedenfalls ist er zu — zu - zu jüdisch, zu jüdisch! Christine: Aber Markus! Markus: Dieses siiperiÖre Lächeln, dieses Gestikulieren! Heutzutage, wo wir in unseren Umgangsformen so — so abgeklärt sind, ist solch ein Wesen, geradezu auffällig, ja, aufdringlich zu nennen. Er ist eben *—- ein richtiger Judenjunge! Christine: Aber hör’ mal — Markus: Entschuldige, wenn ich dich verletzt habe, aber es ist so! (Es klingelt draussen). Pa kommt schon jemand, du kannst sie gleich in den Salon führen, ich geh’ Immer hinein! (Ab.) Christine (hinten ab. Man hört öffnen, Schwatzen tunt durch die halb-