Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1903)
- Date
- 1903-02-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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V *1 ,״ * f* “£•.»% "י^*, JUdische JB.uudschau. Seit»• 45 Leistungen und ernteten wohlverdienten Beifall, ebenso Herr Oberregisseur A. Eggcling vom Leipziger Schauspielhaus mit gutgewählten Rezitationen. An diese reichen Darbietungen schloss sich ein Ball, der die Teilnehmer an dieser wohlgelungenen Feier bis zum frühen Morgen beisammen hielt. Am il. Jan.'d. Js. sprach ln einer Mitgliederversammlung im .,Casino“ Herr Capralic-Steiermann*) aus Rumänien über ״Die rumänische Judenfrage“ und schilderte in trostlosen Bildern die traurige Lage der dortigen Juden, wie sie von diesem barbarischen Staatswesen, das aus einem Konglomerat von Armeniern, Griechen, Zigeunern und Slaven entstanden ist und sich das Belgien des Ostens schimpft, zu Tode gepeinigt werden. Eine veranstaltete Tellersammlung ergab 25 Mk., die an durchreisende runiüuischc Juden verteilt wurden. (Schluss in nächster Nummer.) Köln. Der Zentral verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, dessen Aufgabe bekanntlich die Sammlung der deutschen Juden zu gemeinsamer Abwehr antisemitisclipr Angriiie bildet, hat in den letzten Wochen einige Versammlungen in grösseren ostdeutschen Städten abgehalten. In Königsberg i. Pr. und in Bcuthcn redete der stellvertretende Vorsitzende Justizrat Dr. Fuchs. In beiden Vorträgen sprach er auch von der Stellungnahme des Vereins zum Zionismus und führte ungefähr aus: Es gäbe im Zionismus 2 Schattierungen, die einen wollten in Palästina eine Heimstätte für vaterlandslosc Juden schaffen. Diesen Standpunkt teile er. Diejenigen aber, die sich schmollend vom Vaterlande wegwenden und auswandern wollen, an denen schätze der Zentralverein wohl das Selbstvertrauen und das Rückgrat, ihre Sache־ könne aber der Zentralvcrein nicht zu der seimgen machen, weil der Zentralvcrein das Vaterland höher bewerte, als . persönliche Missstimmung. Wir haben diesen ruhig-vornehmen Ausführungen, die sich erfreulich unterscheiden von so manchem, was wir schon über unsere Bewegung gehört haben, cirfige Bemerkungen hinzuzufügen. Dr. Fuchs irrt, wenn er von 2 Schattierungen im Zionismus spricht, er irrt ebenso wie neulich der Verfasscr eines Leitartikels in der Berliner ״Israelitischen Wochenschrift“, der anknüpfend an eine Lübecker zionistische Versammlung ausführte, dass massgebende Führer des dcut- Sehen Zionismus in der Heimstättenbewegung nur die rechtliehe Fundierung der Palästinakolonisation sähen, das ganze als Wohltätigkcitsaktion grossen Stils in moderner Form betrachteten und den nationalen Gedanken in den Hintergrund treten licssen. Sowohl den Bemerkungen des Herrn Dr. Fuchs wie dem angezogenen Leitartikel gegenüber muss konstatiert werden, dass es nur einen Zionismus gibt, den #) Ueber Herrn Capralik-Steiermann wünscht die Redaktion dieses Blattes Auskunft zu erhalten, besonders ob cs wahr ist. dass er ein Vetter der Herrn Hofadvokat Dr. Kahn in Wien und des Chiefrabbi Dr. Gastcr in London ist. wie uns berichtet wurde. des Baseler Programms. Das Baseler Programm aber fusst auf dem nationalen Gedanken:׳ ganz Israel ist, ein Volk, jeder Jude daher als Glied dieses Volkes zur Arbeit für die Zukunft seines Volkes verpflichtet Der Zionismus erstrebt nun für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtllch-gesichcrten Heimstätte dn Palästina, (natürlich nur für die Juden, die eine Heimstätte wollen, d. h. für die, die sich heimatlos fühlen. Das werden freilich b'n erster Linie die grossen Jüdischen Massen des europäischen Ostens sein, es können aber ebenso gut westeuropäische Juden sein, die In ihren Wohnsitzen sich nicht assimilieren können oder nicht wollen, die, weil uriter der moralischen Judennot leidend oder aus anderen Motiven, die kein Mensch nachzuprüfen berechtigt ist, einen Rückhalt an einer kompakten stammverwandten Masse suchen oder ein Betätigungsfeld für ihre geistigen Kräfte da wünschen, wo man sie nicht um ihrer Abstammung willen als lästige Konkurrenten unlibsam empfindet, möglich hinten ansetzt. Der Zionismus will demnach selbstverständlich niemandem sein Vaterland rauben, Millionen aber, die sich heimatlos fühlen, eine Heimstätte schafieu. ' Diesen Zionismus und keinen anderen haben je die Wortführer des deutschen Zionismus vertreten. Wir freuen uns aber feststellen zu können, wie ausserordentlich nahe uns Justiz rat Fuchs nach seiner Königsbe.ger und Beuthener Rede steht. Mainz. Der hiesige Verein Livias Chen, welcher unter der Leitung des orthodoxen Rabbiners Herrn Dr. Bomli steht, batte am Sonntag, dem IS. Januar, einen internen Vortragsabend mit dem Thema ״Die zionistische Bewegung“, zu dem sich auch einige Mitglieder unserer Ortsgruppe, denen in liebenswürdiger Weise der Zutritt gestattet wurde, eingefunden hatten. Der Referent. Herr Moritz A. Lob, Frankfurt a. M., stellte zunächst die zionistische Bewegung als eine Folge-Erscheinung des Antisemitismus dar, den er wiederum als ein Produkt der grossen sozialen Umwälzung in der zweiteil Hälfte des vorigen Jahrhunderts ansprach. Dieser Antisemitismus, der vorher Jahrzehnte lang geruht habe (man denke!), werde auch wieder niedergehen, und damit werde die Veranlassung der zionistischen Bewegung in Wegfall kommen.. In scherzhaft sein sollender Weise sprach Redner dann, dass die Zionisten nicht wie alle sonstigen Menschen, von vorhandenen Barmitteln ausgingen, sondern von den: Mangel an solchen, nämlich beim Sultan, und stellte die Sache so dar, als ob die Zionisten nur auf den bald eintretenden Moment warteten, wo der Sultan seine letzte Rettung vor dem Staatsbankerott nur noch in den Millionen der Zionisten sehen würde, für welche er hur ״so einen ganz kleinen Charter“ unterzeichnen müsste. — Nun kamen in bunter Folge alle die schon tausendmal erhobenen und ebenso oft widerlegten Einwendungen gegen den Zionismus: dass das Land die Heiligtümer der Muhammedaner und Christen enthalte: dass die Christen diese Heiligtümer, die sich zur Zeit in dem Besitz der Türken befinden, nicht in den Händen der Juden lassen würden, denn der Hass gegen Juden sei stärker als gegen Türken, dass die Exicrrioralisierung dieser Stätten nicht angchc etc.; das Land sei wegen seiner Lage der Zankapfel unter den Mächten. England werde nie dulden, dass in diesem Land, das den Suezkanal beherrsche und deshalb die Vcrbir.dung Englands mit seinem Kolonialreich abschneiden Walter: Die Sache ist eilig, liebe Mutter, und ernst, sehr ernst und — geht auch mich an! — Vorher wirst du Vater natürh’ch nichts sagen. — Christine: Das ist aber recht ärgerlich! Hättest du ihm nicht eine andere Zeit bestimmen können?! Walter: Erst vor 10 Minuten haben wir uns gesprochen und so verabredet Und, wie gesagt, die Sache ist ernst. — Und ausserdem — — Christine: Ausserdem? Walter: Was die Gesellschaft anbetrifft ־־־ Christine: Nun? Walter: Auf die Gesellschaft pfeif* fehl (Markus steht In der Tür mit Ordensband im Knopfloch.) Markus: So, du pfeifst auf die Gesellschaft? Walter (schweigt). Markus: Welsst du denn, wer heute hier ist? Walter: ’ Gewiss, welss ich das! Markus: Und du pfeifst darauf? — So, dann lass dir nur sagen, dass die Gesellschaft auch auf dich pfeift! (Er macht Kehrt und geht durchs Zimmer. Plötzlich auffahrend): Das Ist überhaupt eine Unverschämtheit sondergleichen! Aber das kommt davon, man hat dich eben nicht gut genug erzogen, ist eben nicht scharf genug vorgegangen, hat dir den Umgang erlaubt mit lenem. Jenem, jenem-Herrn mit dem pikanten Namen. — Walter: Abramsohn! Markus: Abramsohn, richtig! Was du an dem überhaupt finden | konntest, Ist mir rätselhaft I | Walter: I Er ist mein Freundl *gr••׳•;