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Jüdische Rundschau · 1903-02-06 · Heft 6 (6.2.1903) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 6 (6.2.1903)
Date
1903-02-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 6 tlüdiH^lie .HuiidHclutu. ^oite 48 Anscheinend wird das Bedürfnis nach einer Veränderung unseres Arbeitsprogramms mehr und mehr empfunden. Aus Würzburg kam kürzlich die bezeichnendc Bitte, das Distriktsbiireau möge einen neuen Tatigkeitsplari aufstellen, ״als Ersatz für die ewigen | Diskussionen über das Baseler Programm“. Also auch j diese junge Gruppe hat es bereits empfunden. — Wohl j erschöpfen diese Ausführungen keineswegs einen der-! artigen Arbeitsplan. Sie geben aber einen Fingerzeig, i nach welcher Richtung wir uns zu betätigen haben. Wir j sollten überall das Interesse für die ״Schaffenden un- ׳ scres Volkes“ zu wecken suchen, die unsere Idee zu neuer, bewusst jüdischer Arbeit befruchtet haben. Wir j erleben ja als eine der machtvollsten Aeusserungen \ der gesunden Kraft unserer Bewegung' die moderne jüdische Renaissance. Pas Verhältnis für sie zu wecken und ihre Kenntnis zu fördern tut not. Ein der־ artiges, liebevolles Vermitteln aber durch schöne Darbietungen trägt viel zum Verständnis unserer Idee bei und bringt manchen Wertvollen unserer Bewegung näher. ־ S. NB. Die Gruppen, die dem Mannheimer Bureau unterstehen, werden gebeten, sieh innerhalb vier Wochen unter Berücksichtigung ihrer örtlichen Verhältnisse, über den nachstehenden Artikel zu äussem. Georg Brardes und der Zionismus. In einer der letzten Nummern des bedeutenden, liberalen Regierungsorgancs ״Politiken“ veröffentlicht Prof. Dr. Georg Brandes unter der Aufschrift ״Skikkelser og Tanker“ (Gestalten und Gedanken) einen Artikel, der gelegentlich der Behandlung der Judenfrage in Rumänien auch den Zionismus streift, und aus welchem wir die unsere Leser interessierenden Stellen wiedergeben. Der bedeutendste Kritiker der Jetztzeit sagt darin: » . . . Inzwischen wächst das Elend * in Rumänien von Woche zu Woche. Das heue Handwerkergesetz hat die jüdische Bevölkerung zur Verzweiflung gebracht- und aufs neue denkt sie nur daran, um jeden Preis über die Grenze zu kommen, wo sic regelmässig immer wieder mit Gewalt zurückgetricbcn wird. Da nun im Russischen Reiche, wo wohl aller existierenden Juden ansässig sind, die Zustände nicht sonderlich besser sind, kann es nicht Wunder nehmen, dass die zermürbten osteuropäischen Juden sich an die Idee des Zionismus klammern. Es ist kaum eine Ucbcrtrcibung, zu sagen, dass in Russland, wie In Galizien und Rumänien der Masse ßcsterzogener and meist schwärmerisch Veranlagter unter dem jüngeren Geschlecht die Hoffnung vorschwebt, eine neue, freie, glückliche Gemeinschaft auf Palästinas Boden zu gründen. Jeder, der auf Reisen mit dieser Jugend in Berührung gekommen Ist, wird diese Erfahrung gemacht haben. Nach aller menschlichen Wahr sehe inlieh keit wird denn auch im Laufe des 20. Jahrhunderts Palästina urbar gemacht und bebaut werden mit dem Ziel vor Augen, den Verzweifelnden und Vertriebenen eine Zufluchtsstätte zu schaffen. Die Gesellschaft, die sich unter dem Namen Jewish Company gebildet hat, hatte bei Ausgang des Jahres 1900 schon ein Kapital von 12 Millionen Piund Sterling zu diesem Zw׳eckc gesammelt, ln unterdrückten Völkerschaften kommt diese Art Pläne gleichsam mit Naturnotwendigkeit in unseren Tagen zun» Ausdruck.“ — Nach einer kurzen Auslassung über die Misserfolge der armenischen Bewegung fährt Brandes fort: ״Die jüdischen Pläne verwandter Art hatten bessere Erfolge zu verzeichnen. Die grosse .Kolonisationsbank für Palästina ist errichtet, nicht w׳enige Kolonien sind errichtet und gedeihen, jährlich werden in Basel zionistische Kongresse abgehalten. Kürzlich wurde die allgemeine Aufmerksamkeit aufs neue stark auf das Unternelimen hingclcukt, indem der Urheber des Zionismus, Dr. Theodor Herz! einen Roman ״Altnculand“ herausgegeben hat, der in dichterischer Form — augenscheinlich um den Ideen leichter Eingang zu schaffen — das Programm der Zionisten darstellt, als wenn es schon vc»■- wirklicht wäre.“ Nach einer ausführlichen Inhaltsangabe des Werkes sagt Brandes weiter: ״In dem Roman ist entwickelt, wie sich Schritt für Schritt, Stufe für Stufe der neue Zustand aus dem alten entwickelt hat. Geschäftsleute und praktische Kenner der orientalischen Verhältnisse müssen beurteilen, wie weit das hier als erreicht Geschilderte sich auch wirklich erreichen lasse, wenn auch nicht in 20 Jahren, wie es im Roman geschieht, so doch in hundert Jahren; denn bei einer so bedeutenden Sache ist die Zeittrage ja nicht die wichtigste.. Dr. Herz! hat auf sein Titelblatt die Worte gesetzt: ״Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen“ und nur der Einsichtsvolle hat ein Recht, ihn einen Phantasten oder einen Propheten zu heissen. Auffallend ist es indessen in jedem Falle, dass in seinem Buche •He türkischc Regierung ja selbst die türkische Oberhoheit sich unsichtbar gemacht hat, nur durch Ihre Abwesenheit glänzt. Sie hat sich in der Utopie diskret zurückgezogen, um nicht zu C h r 1* s 11 nc ״(erscheint in einfacher Gesellschaftstoilette. Sie ist Christin; blond). Markus: Liebe Christine, hast du dir in deiner zweiundzwanzigjährigen Ehe wärklch noch nicht abgewöhnen können, mich ״David“ zu rufen? Christine: Na. entschuldige nur! Markus: Was willst du denn? Christine: Ich w-olltc bloss sehen, ob du schon fertig bist! Die Gäste müssen gleich kommen, es ist schon neun! Markus: Nun, so w׳eit wäiren wir ja ferb'g. Du ־— liebe Christine — sieh’ doch mal —: Reichen hinten die Hosen weit genug herunter? Christine: Gewiss, gewiss! Der Frack sitzt prächtig! Markus: Hat auch 150 M. gekostet und 175 sollt’ er kosten. , . 1 / . Christen*: . j Du siehst recht vornehm aus! . : Markus: Nu, warum soll ich nicht vornehm ausschen? (Pause.) — Du, liebe Christine, sag’ mal, ist der Junge schon fertig? | Christine: Ich hab’ ihn schon gesehen!! Markus: •, j Hoffentlich sind der gnad’ge Herr heut besser bei Laune 1 als die letzten Tage., Christine: Wieso denn? Markus: Nun, hast du nicht bemerk'., dass er in einem fort sass und Grimassen schnitt?. Christine: Nein, aber dass er für sein Alter sehr gesetzt aussieht und überhaupt ernst angelegt ist. das kann ihm doch Keiner übelnelimen! Markus: Ach was! Emst angelegt! Bin ich etwa nicht ernst angelegt? Deshalb schneide ich doch nicht Grimassen! — Nun, hoffentlich wird er 9‘ch heute zusammennehmen. Ich glaube, die feine Gesellschaft wird ihm ungeheuer imponieren. Gerade, well er Jetzt Ferien hat und hier ist, habe Ich sie o'ngeladcn. Ich wäll Ihm eben mal — — — Imponieren.

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