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Jüdische Rundschau · 1903-02-06 · Heft 6 (6.2.1903) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 6 (6.2.1903)
Date
1903-02-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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י»ז-יי|י ,.*•־י5**־יי** '1 rfj%Ä^r ■יייו*־ ■׳» יי' ־4׳, I ״ - ־ 0©*t® *2 «Jlidifsclie RundHCliau.; Ko. 6 % Meist Ist ihm das Judentum etwas Abstraktes geworden, f Der Zionismus von heute, der Zionismus der Rednerj tribüne ist ihm aber nur eine Theorie mehr. Wird dieser * Zionismus ihm gar nur als eine Hilfsaktion für notleidende! östliche Juden hingestellt, so verfliegt das letzte Restchen von Interesse, das ihm zuerst diese neue, ״eigenartige“ Bewegung eingeflösst. Wenn der Vortragende zu rühren versteht, zeichnet man sich zwar in die zirkulierenden Listen ein, um den armen Juden des Ostens nicht seinen Schekel vorzuenthalten; aber damit ist die Sache erledigt. Denn das ist ja garnichts, j was den guten Bürger besonders angeht. Man hat ihn | beruhigt; ״er braucht nicht mit;“ für andere gibt man j wohl, aber man begeistert sich nicht. . j Das junge Element steht in den Städten, in denen j keine Akademiker den Kern der Jugend bilden, viel zu : sehr unter den! Einfluss der älteren Generation, um so; ohne Weiteres das Verständnis für die Forderungen des! Zionismus zu erlangen. Für die wahren Forde - j rungen.! Von diesem Gesichtspunkt aus ist z. B. die Grüni düng des ״Jüdischen Verlags“ aufs freudigste zu bej grüssen. Hier sehen wir doch eine ,zionistische Tat. Die j Herausgaben dieses Verlags bilden eine Quelle lebcndij gen Judentums für alle und für jeden. Deshalb sollten j die zionistischen Gruppen diesen Verlag aufs eifrigste j unterstützen. Denn er bildet ein nicht zu unterschätzendes Propagandamittel. Es ist schwer verständlich, | wenn man mitunter so wenig Verständnis dafür selbst; bei guten Zionisten verspürt. Der Jüdische Almanach j hat z. B. auf viele, bei denen keine verwandte Saite \ klang, als man ihnen vom Zionismus sprach, einen 5 starken und tiefen Eindruck gemacht, der am Ende doch j uns zu Gute kommen muss. I! Aus all dem sei festgestellt, dass sich die Aussen-, i tätigkeit der Gruppe nicht, wie es bisher fast ausnahms- : los geschah, nur in• Propaganda-Versammlungen zu j äussern habe. Mehr tut not und anderes. Wir wollen nun einfach einige Erfahrungen, die wir ' in Mannheim gemacht haben, anführen; erstens weil; Tatsachen am besten sprechen und dann, weil damit der j übliche Einwurf von vornherein widerlegt wird, ״all das sei nur in Berlin möglich.“ j Hier in Mannheim steht das ganze jüdische Vereins- J leben heute mehr oder weniger unter der Einwirkung; unserer Ideen. Die August Lamey-Loge hat, dank der ' Initiative unseres vortrefflichen Dr. Moses zum Beginn des Winters eine Toynbcehalle eingerichtet, die sich des lebhaftesten Interesses und eines wachsenden Besuches erfreut. Die Einrichtung soll die jungen Leute beiderlei Geschlechts wieder einem jüdischen Milieu zuführen. Die jungen Kaufleute aber, die vom Land und der Kleinstadt hierher kommen, die meist ohne Familienanschluss sind und ihr Bedürfnis nach Geselligkeit und Unterhaltung im Kaffee- und Tingeltangelbesuch befriedigen, sollen dem durch die Toynbcehalle mögliehst entzogen werden. Wir haben anscheinend richtig kalkuliert; denn der Besuch wächst stetig. Freilich werden auch Vorträge allgemeiner, nicht jüdischer Art, gehalten. Besonders auf dem musikalischen Gebiet, wo der bisherige Mangel an jüdischem Material sehr cmptunden wird. Die Deklamationen, bei denen uns ja der Almanach, Roscnfelds ״Ghettolieder“ und andere Neuerscheinungen mit reichlichem Material versehen, waren fast durchgängig jung-jüdisch. Im engen Zusammenhang mit dieser Toynbcehalle steht der Jüdische D i s k u s s i o n s v e r c i n , eine Schöpfung des hiesigen Klatisarbbincrs Dr. Unna. Zionisten sind seine eifrigsten Mitglieder, und so Ist die Tendenz im Grunde auch stark zionistisch beeinflusst. Der Verein hält wöchentliche Sitzungen ab, die stark besucht sind; die Vereinsmitglieder selbst referieren über Themen ״aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Litteratur und andere, das Judentum betreffende, Zeitfragen.“ Eine freie Diskussion, die meist sehr anregend verläuft, schlicsst sich regelmässig an. Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur, bis vor kurzem mit der bekannten Tendenz, sprach in diesem Jahr Herr Davis Tri esch über ״Palästina“ und vergangene Woche Herr Bcrthold Fciwel über ״Jüdische Renaissance“. Beide Vorträge waren gegenüber den übrigen auffallend stark besucht. Zwar ist der politische Zionismus in den Vorträgen noch verpönt; aber cs darf genügen, wenn man in diesen Vereinen jetzt endlich statt lauter Vergangenheit einmal auch ein Wort über die Gegenwart hört und unsere Zukunft. Denn wir hoffen doch, noch eine Zukunft zu haben! Im nächsten Monat wird unter Mitwirkung erster Künstler durch unsere Ortsgruppe ein ״jung-jüdischer Abend“ veranstaltet werden. Wir sind schon heute des Erfolges sicher. Er wird sicher lebendigen Zionismus in die Reihen der Mannheimer Juden tragen. : Amtsgerichtsrat David Markus Tendenzsatire in einem Akt * ־ * von Dr. E!n|l Cohn (-Berlin). (Alle Rechte Vorbehalten.) (Den Bühnen gegenüber Manuskript.) Personen: Amtsgerichtsrat David Markus. Christine, seine Frau. . Walter, beider Sohn, Student " Abramsohn, dessen Freund. _ . f Zelt: Gegenwart . Ort: Deutsche Provinzstadt. ן in den Korridor, hinten rechts eine Tür in den Salon, links j eine Tiir ins Innere der Wohnung. j Es ist Abend, neun Uhr. Die Gaskrone• ist angezündet, j das Zimmer macht einen festlichen Eindruck. i Markus, dicker, schneidiger Herr mit Schnurrbart und | Glatze steht am Ti'sch in Frack und weisser Weste, bemüht, j eine weisse Krawatte anzulcgcn. t Christine (ausserhalb, ruft): | , David! I Markus (verzieht ärgerlich das Gesicht): { Was denn?. < Christine (näher): Wohnzimmer fm Hause des Amtsgerichtsrats. Vornehm ausgestattet. Plüschmöbel, dicke Teppiche. Hinten links eine Tür David!! , ' Markus (wie oben, ärgerlich an seiner Krawatte reissend): Nu was denn? .

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