Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1903)
- Date
- 1903-01-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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k* #■ N0. 5 Jüdische Huud8cl1au. Seite P statt und war von Mitgliedern und deren Angehörigen zahlfcich besucht. An Stelle des pWtziich erkrankten Dr. phil. Karl Dannenberg, der einen Vortrag über ״Heinrich Heine und der Zionismus'4 halten wollte, sprach Privatdozent Dr. Fried- Sünder über die Bedeutung der Vercuisabcnde. ‘ Zweck derselben sei, nachdem der Zionismus durch Werbung festen Fuss , gefasst habe mit einer Mitglicdcrzahl von über 100, die dem zionistischen Verein in dem I. Jahr seit der Gründung beigetreten seien, die zionistische Idee unter den Mitgliedern zu vertiefen. Zwei Gesichtspunkte körnen hierbei in Betracht, einerseits Belehrung, anderseits Unterhaltung. Die Belehrung erstrecke sich darauf, was der Zionismus wolle und wie sich derselbe in der Zukunft gestalten solle. Das Judentum sei . keine Religion und kerne Konfession, «andern cific Weltanschauung, in der nicht der Glaube grundlegend sei, sondern das Wissen. Der Zionismus wolle den Gegensatz zwischen dum unwissenden Laien und dem allcinwisscnden Priester aufhüben und die Bibel. zum Gemeingut des jüdischen Volkes machen. Diese Belehrung solle durch wissenschaftliche Vortrüge und Diskussion erfolgen. Die Unterhaltung solle aus musikalischen‘und deklamatorischen Vorträgen bestehen. Bei den ersteren sollen hauptsächlich die wunderbar schönen nationalen Gesänge, wie sic itn Osten noch heute liberal! verbreitet sind, zur Vorführung gelangen, bei den..dcklamatorischen die Perlen aus der jüdischen Litteratur und Poesie, die an Schönheit den grössten Dichterwerken gleichsiehcn. Nach diesen mit grossem Bcifaüc aufgcnoinmenen, die Verciitsabende einleitenden Ausführungen begann der unterhaltende Teil, der aus dem Kreise der anwesenden Mitglieder heraus durch Musik- und Ocsaug^vorträgc und Deklamationen bestritten wurde, sodass dieser erste Abend irr angenehmster, die Vereinsidcc aufs neue befestigender Weise verlief. Paris. Am 8. Februar wird in der von unseren Gosianungsgenossen begründeten ״Jüdischen Volksunivcrsität" hier Dr. Jean Charcot einen Vortrag, halten. Dr. Charcot ist der Sohn des berühmten Ncrvcnpathalogcn Charcot und Schwager des ehemaligen Ministerpräsidenten Waldeck- Rousseau; seine Frau ist die, Fnkelin Victor Hugos. Sein Vortrag bei uns beweist die rege Sympathie hochstehender fiatr/ÖNi'sclier Kreise für unsere Sache. M. ar״ ־ t ״>£ ־; i I I; » * O •*# k!\# V* V4 V* *V y! ויי ff י«, Rundschau. י ׳»*•*# t * * ״ ״ ».«*■ i 1 t 1 1 י , r •* r 1 1; f, 1 ן xv Berlin. Wie alljährlich, so veranstaltet auch In diesem Winter der ״Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" unentgeltliche Fortbildungskurse tur der Schule entwachsene Junge Leute. Sie finden an jedem Donnerstag von 8R-•—9% Uhr abends in der Jüdischen Lesehalle, Üranicnburgerstr. 23, statt und werden von dem Dozenten der Lehranstalt für d:c Wissenschaft des Judentums, Herrn Dr. J. El bogen, abgchalten. Derselbe liest in diesem Semester über die spanische Blüteperiode der jüdischen Litteratur. Es ist dringend zu wünschen, dass die Mitglieder unserer Gemeinde ihre der Schule entwachsenen Söhne und Töchter zum Besuch dieser unentgeltlichen Kurse veranlassen. Schriftl. Meldungen nimmt Herr Dr. Eibogeti, S.W., Jerusaicmcrstr. 11/12, entgegen. , Berlin. Oeorg Brandes, der bekannte Littcrarhistoriker aus Kopenhagen, wird auf Einladung des armenischen Studentenkomitees in nächster Woche einen• Vortnvg übe! die armenische Frage in Berlin halten. Brandes ist Jude und hatte vielleicht Veranlassung, eher für die unterdrückten rumünisclicn Juden als für die •judenfeindlichen Armenier Mine Lanze zu brechen. Jedenfalls sollten die Zionisten nicht .verfehlen, ihn In dieser Versammlung Uber seine Stellungnahme zu der grenzenlosen Unterdrückung der Juden durch das christliche Rumänien zu interpellieren. Brandes ist ein eifriger Kämpfe gegen den Zionismus. Die neueste Gründung ln München und das Stadtgespräch der hiesigen ״Israeliten“ ist der Turnverein ״Esra", der seine Existenz der Initiative einiger Studenten verdankt. Was diese Tat bedeutet, kann nur derjenige verstellen, der München und die unglaubliche Assimilationswut seiner Juden kennt. Man wäre, wie wir hörten, in dne ״massgebenden" Kreisen bereit gewesen, einen Turnverein ״H e i t e r k e i t“, oder ״Fr011 sinn" zu unterstützen, aber um des :->1 ■1 r_ .1 | Gründung eines jüdischen Turnvereins getan hatte, ein, in einer von ihm (votn T. V. 1860) einberufer.cn Turnratssitzung über die Notwendigkeit eines jüdischen Turnvereins zu referieren. Der Turnrat brachte dem Unternehmen ״nicht nur die wärmsten Sympathien entgegen, sondern stellte auch in liebenswürdigster Weise seine grosse Turnhalle! dem zu gründenden jüdischen Turnverein zur Verfügung. In der nun folgenden konstituierenden Versammlung trateu 40 Herren dem T. V. ״F.sra“ bei. Die Mitglicderzab! hat sich in den paar Wochen seines Bestehens bedeutend vergrössert. Turneide und Lehrer sind von den Resultaten höchst befriedigt. Nächst dem Turnrat des T. V. 1860 gebührt auch an dieser Stelle Herrn Oberturnwart Zisch von demselben Verein unser wärmster Dank für den Eifer, mit dem er sich in den Dienst der guten Sache gestellt hat und noch stellt. — Im ״V. f. .1. Gesell, u. Litt." sprach Herr Prof. Qucnthcr über ,,Palästina in Vergangenheit und Gegenwart". Nachdem sich Redner in äusserst populärer Form über die geographi* sehen, ethnologischen und biologischen Verhältnisse Palästinas verbreitet hatte, gab er seiner Ansicht Ausdruck, dass sich dort noch vieles durch Ansiedhmg lind Bodenkultur erreichen licssc. Das Land wäre jetzt, infolge der zerstörenden Wirkung der Türkenherrschaft, öde, verkehrsarm und menschenarm, doch stimmte er mit dem Gelehrten Fischer in der Ansicht überein, dass Palästina eine ungleich grössere Menge Menschen ernähren kennte, lieber die Hebung des Verkehrs äusserte sich Redner sehr pessimistisch. Das Resumme seiner sehr beifällig mitgenommenen Ausführungen war. dass eine völlige Hebung Palästinas ein ungemein schwieriges, von der Kapitaiskraft abhängiges. Problem wäre und dass es aber die Keime hoher Kultur in sich trüge. . Ueber ״die rechtliche Lage der Juden in Russland" sprach in der hies.?Äon. Ortsgruppe Herr cand. ing. Brief. Der iesselnde. sachliche Vortrag rief eine lebhafte Diskussion hervor, welche bei dem Thema ״Zionismus-Sozialisnius-Kosmopolitismus" eine interessante Wendung erfuhr. Mehrere Diskussionsredner, u. a. aucli Herr Bankier Kraenier. konnten diese drei Dinge nicht miteinander vereinbaren. Einen mehr vermittelnden Standpunkt nahmen eine Frau Kunstmaier Herrmann, Herr Bankier Marx und Herr Samuel. Die von der Ortsgruppe veranstaltete Chanukahfeier hat nach der Ueberzcugung aller wesentlich zur inneren Kräftigung derselben beigetragen. Der zahlreiche Besuch übertraf selbst die von den grössten Optimisten gehegten Erwartungen. Die Vortragenden waren zum grössten Teil Mitglieder unserer Ortsgruppe.. Der Abend wird allen Teilnehmen! in unvergesslicher Erinnerung bleiben. Eine Anzahl neuer Mitglieder und eine bedeutende Summe für den Nationalfond bezeichnen die konkreten Erfolge des Festabends. . M. 0. München. J a 11 n“ Antisemitismus willen: Makkabiü Bar Koch ball EsraU Das •Verständnis, das in jüdischen Kreisen für die Idee n!cht zu finden war, fanden wir in christlichen. Der hiesige Turnverein von 1860, der grösste Turnverein Süddeutschlands, lud Herrn Sichel, der die einleitenden Schritte zur Kleine Chronik. Berlin. Dem Chacham Schaül Dawid S i 11 o n aus Antüb in Syrien, der liier in Überlünders Hotei seit etwa 14 Tagen logiert, ist aus seinem Zimmer, das er unverschlossen Hess, sein Reisekoffer abhanden gekommen. Dieser Verlust trifft den Rabbiner ausserordentlich schwer, weil er sehr wichtige Dokumente enthielt, mittels welcher Sitten legitimiert erschien, für die Einwohner der einer Feuerbrunst zum Opfer gefallenen Stadt Antab Unterstützungen zu sammeln. Der Mangel dieser Dokumente macht cs dem Manne unmöglich, seine Mision weiter zu erfüllen. Ihm selbst ist die Sache um so peinlicher, als sich in dem Koffer auch die Abrechnungshüclier über die gesammelten Gelder befanden. Es ist der Polizei Anzeige erstattet. Hoffentlich bringt der Dieb wenigstens die Abrcchmingsbücher zurück, damit der Chacham nicht seinen gewiss misstrauischen Auftraggebern gegenüber in eine unangenehme Lage kommt. Wo so einen Mcscliullaca nicht alles für Missgeschick treffen kann, in diesem gottlosen Deutschland; aber hoffentlich tröstet er sich mit dem fromrucn Wort: Garn su lctobä. — Bremen. Da in der durch Rabb. Dr. Roscnak gegründeten jüdischen Auswandercrküche wöchentlich 1200 Personen gespeist werden müssen, hat Dr. Roscnak jetzt die Gründung eines jüdischen Emigrantcnhauses in Angriff genommen. — Wien. In der ״Österreich-Israelitischen Union" hielt der Berliner Schriftsteller Dr. Oppenheimer einen Vortrag: ״Der Staatentod im Altertum und die jüdische Nation", in den er ausführtc: Der Zionismus,;n dessen Plänen die Prinzipien moderner Bodenreform aufgenommen sind, hat nach den besten Erfahrungen der Wissenschaft die Garantie in sich, dass seine Gründungen lebensfähige und dauernde sein werden. Das Eigentum des Staates an Grund und ■?י ( ’ i f 1 % x l 1 i ׳; I *. « * k 1 I י I i l V r