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Jüdische Rundschau · 1903-01-30 · Heft 5 (30.1.1903) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 5 (30.1.1903)
Date
1903-01-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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« ׳Seite 38 Jüdische Itiindseliiut. Ko. mus. Die Besuchsziffer des Abends — es waren 5—600 Personen anwesend ~ war die höchste seit Bestehen des Vereins, aber aiich die grosse Wirkung, die die Darlegungen des Red» ners bei den Anwesenden hinterliesscn, hat bisher nicht ihresgleichen in unserer 'rheinischen Stadt gehabt.י Die gewaltige Kraft der Argumente, die der Redner vorbrachte, hat die ganze Duisburger 'Judenschait aufgerüttelt. Allenthalben spricht man über Zionismus, über diese grosse neue Bewegung, von der man bisher nichts wusste. In der Diskussion, die dem mit heller Begeisterung aufgenonunenen Vortrag folgte, wollte ein Herr unserer Bewegung die Berechtigung absprechen mit der Begründung, er sehe alles Heil in der sittlichen Hebung und Entferung der uns anhaftenden Besonderheiten: weiter habe sich unser Wirkungskreis nicht zu erstrecken; für ausländische Juden ein Heim zu schaffen, sei nicht unsere Aufgabe. Es war Herrn Df. Klee natürlich ein leichtes, diese hehren Anschauungen gründlich zu widerlegen und das geschah unter dem lebhaften Beifall der Anwesenden. Der Zionismus hat in Duisburg am Rhein Wurzel geschlagen. Jerusalem. Die Nachricht, dass in Jericho zwei unserer Stammesgenossen der Cholera zum Opfer gefallen wären, bewährt sich erfreulicherweise nicht. Dagegen blieben von ihr unsere Brüder in T i b e r i a s nicht verschont. Nahezu S00 Todesfälle soll dort dio Gemeinde zu beklagen haben. .Folgendes Telegramm ist mir dieser Tage von dort zugegangen; Stadt abgesperrt, grosse Teuerung, Hungersnot, Krankheit, Rettung, Hilfe notwendig. Kein Geld, bekomme keines ans Amerika. Warum hat Waad ha- Kelali, Zentralkomitee Asehkenasim Jerusalem, uns keine Unter- Stützung gesendet? Von den amerikanischen Geldern kommt uns grosser Teil zu, da hier grosse, schwere Cholera war .. .“ Die Unterstützu 11 gsgelder, von welchen hier die Redo ist, haben mindestens die Höhe von Frcs. 40000 erreicht. Hoffentlich bekommen die Tiberienser ihren Teil. Tatsächlich sind sie allein die Schwerhcimgesuchten. Der Verkehr zwischen Jaffa-Jerusalem ist wieder hei gestellt. Zionistische Ortsgruppe Freiburg L B. In der Mitglieder- Versammlung vom 4. Januar sprach zuerst Richard Blum ״Ue ber die jüdische Rasse i n i h r e r p 11 y s i - sehen Eigcnart“. Der Vortragende streifte zunächst die Rassenfragc, ging dann auf die hygienischen Verhältnisse der. Cliettojudcn des Ostens ein. denen er die der kaukasischen Bergimlcn cntgegcnstclltc. Alsdann'sprach er über die Krankheitsvcrhältnisse bei den Juden und über die Mittel zur körpcrlichen Hebung. Mit einer nachdrücklichen Empfehlung des Turnens schloss das interessante Referat. Der Vorsitzende, Kaufmann, erstattete alsdann folgenden Bericht über das abge laufe ne Jahr: i Seit dem Jahresbericht, welcher Ende Dezember 1901 erstattet wurde, hat die Ortsgruppe 3 öffentliche Ver- Sammlungen veranstaltet, in welchen Dr. B o d e 11 h c i - m e r über ״Z i o 11 i s ni 11 s“, Dr. P a s in a 11 i k über ״P i e soziale Bedeutung des Zionismus“ und Dr. Schauer über ״Die Leiden der rumänischen J u׳ d c n“ sprachen. Ferner sprach Dr. C i t r o n in einer Ver- Sammlung, zu welcher .hauptsächlich Studierende geladen wgren, über ״Der Zionismus und die A u i g a b e n dqr Akadcmiker“. ' ■ | Daneben wurden öfters und zwar vom Herbst 1902 ab regelmässig alle 14 Tage Vercinsabctide abgchaUcn, in | *) Da die Herren Löh. Bondi und Genossen die Religion in Erbpacht genommen haben, so kam! es vielleicht wirklich noch dahin kommen, dass für gewöhnliche Sterbliche nichts daVon übrig bleibt. Einstweilen aber nehmen wir an, dass dejt Herren ihre . Religion nicht allzu heilig sein kann, denn * sonst würden sic sic nicht in alle Volksversammlungen tragen lassen. (Die Red.). ' . ,. * welchen über theoretische und praktische Fragen des Zlonismus referiert wurde. Ueber einzelne dieser Referate ist bcrichtet worden. Aus •dem Vereinsabend vom 21. Dezember sei ein treffliches Referat unseres Mitgliedes Bankier Kahn über die Fra ge der Legalisierung desNatton a 1 f 0 n d s erwähnt, worin an der Hand der verschiedenen Projekte, welche darüber vorliegcn, die Schwierigkeit dieser Frage erörtert wurde. Diese Vercinsabende, welche sich eines guten Besuchs erfreuten, sojlcn im neuen Jahre in dem Sinuc erweitert werden, dass zwischen die einzelnen Referatabendc dann und wann auch solche Abende cingeschobcu werden, welche der Kenntnis jüdischer Dichtungen und der Geselligkcit gewidmet sind.; Auch aui dem Gebiete der körperlichen Hebung hat die Ortsgruppe im abgelaufeiieu Jahre einen Erfolg aufzuweisert.indem cs ihr trotz mancherlei Gegnerschaft gelang, einen. jüdischen Turnverein ins Leben zu rufen, der nun selbständig weiter besteht. Vielen Beifall fand der Ausflug 1! a c b Baden w e iler, welcher uns an» 15. Juni mit den Baseler Zionisten zusammenführtc. Eine Wiederholung ist• auch in diesem Jahre geplant. Es darf an dieser Stelle auch wohl hervorgehoben werden, dass sich um die Sammlung, welche im Aug. 1901 auf Anrufen des Baseler Komitees zur Unterstützung der auswandernden rumänischen Juden in hiesiger Gemeinde vorgenomtnen wurde, mehrere Mitglieder unserer Ortsgruppe besonders verdient gemacht haben. Ferner sei liier unserer verunglückten Aktion bei den A 11 i a n c e ־ Wahlen vom Mai des vergangenen Jahres gedacht; da die Wahlhandlung nicht zu Ende geführt wurde, so gingen unsere; für den zionistischen Wahlvorschlag aufgcT brachten Stimmen verloren. Es hätte freilich auch nichts genützt, wenn sie gütig gewesen wären. Unser damaliges Vorgehen hatte keinerlei persönliche Motive, sondern bezweckte wesentlich Protest gegen die Statutenwidrigkeiten zu erbeben, welche sich die Verwaltung der Alliance zu schulden kommen licss. Seltsamerweise scheinen diese Statuten, wiewohl sie in jedem Jahresbericht veröffentlicht werden, gar nicht bekannt zu sein. Darum fällt es auch nicht auf, dass sie nicht befolgt werden. ־... ־'• ’• :rc'ts mitgeteilt, hat sieb unsere Ortsgruppe in das goldene Buch des Nationalfonds eiutragen lassen. Das Referat über unsere Tätigkeit im abgelaufencn Jahre sclilicsse ich mit einem Hnnvcis auf den glänzenden Verlauf unseres M a k k a b ä.e r f e s t c s, ׳worüber neulicli bcrlchct wurde. Bedauerlicherweise hat der Berichterstatter, und zwa! ohne jede Abs.ieht. 2 Darbietungen unerwähnt gelassen, die vielen Beifall gefunden haben. Frau Leopold Weil ־und Frl. Fanny Blum stellten in ausgezeichneter Weise: ״s' altmodisch' Mimte und s’ neumodisch Eschtcrlc“ dar.?* *'eruer erfreute uns crstcre zusammen mit J. Daube durch einen komischen Dialog. Aus dem Kassenbericht für 1902. den Moritz VS* c i l vortrug, ergab sich eine (]asanimteinnahme von. 942,11 Mk. gegen 431,76 Mk. des Vorjahres und zw־ar für den Nationalfonds 370 Mk., Schekel 87 Mk.. Zionistische Vercinigung für Deutschland 69 Mk. Aus den restlichen 416,11 Mk. wurden die eigentlichen Ausgaben der Ortsgruppe, insbeson• derc das Abonnement für die ״Jüdische Rundschau“ bestritte!:• Die Mitglledcrzabl beträgt zur Zeit 49, gegen 42 des Vorjahres. Nach Erteilung jder Dechargc wurde zur Neuwahl des Vorstandes geschritten, und es ,wurde,der bisherige Vorstand: Prakt. Arzt Kaufmann, Moritz Weil, J. Sommer, H. Kahn, J. Daube wiedergewähit. Strassburg. Der ..Zionistische Verein Strassburg“ hatte beschlossen, in Zukunft allmonatlich zw״׳i Vercinsabende zu veranstalten, und zwar einen Vortragsabend mit anschücsscnder gemütlicher Unterhaltung, und einen Diskussionsabend. Der erste Vortragsabend fand am Montag im ״Roten Hause'*

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