Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1903)
- Date
- 1903-01-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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p*לד *״,״•»-«*A 1, 4\ r. No. 5 JüdiHtflie Huudscltau. Seite ST den Muth hat, dem Gegner frei Ins Gesicht zu schauen— und wenn irgend ein Jüdischer Gelehrte sich ״fein vorsichtig“ vor Jedem starken Luftzuge zurückzicht, so ist wiederum der, nicht sowohl gelehrte ״Geistliche“, als vielmehr gelehrten und geistlichen Mummenschanz treibende Reformdoktor, der nicht nur das Kleid, sondern auch die Haut eines Pfaffen hat. Die vorsichtige Methode, durch allgemeine Abhandlungen und zerstreute Bemerkungen einer Polemik auszuweichen, haben Sie übrigens nicht selbst erfunden, sondern •Ihrem würdigen Coilegen P h i 1 i p p s o n abgelauscht. Gleich diesem vorsichtigen Helden würden auch Sie, wenn ich Sie zu Rede stellen wollte, mich mit der ״Erklärung“ abfinden, keine b e - s ff m m t e Schrift, keine b c s t im m t e Persönlichkeit im Auge gehabt, auch Ja Niemand genannt zu haben, als Sic von einem ״ausserhalb Stehenden“ sprachen, ״der an Sozialismus und allerhand andern! Schwindel bankerut geworden, in Na* tionaütät machen wil!,*־ Doch ich erlasse Ihnen diese Demüthigung — nicht etwa blos deshalb, weil es mich anekelt, allen Denen einzeln nach einander entgegen zu treten, welchen nur noch unartikuiirtc Invcktiven und Insinuationen zu Gebote stehen, die Einer den! Andern abschreibt — sondern aus rein humanen Rücksichten. Die romantische Grimasse, mit welcher Sie sich 1843 vom Kampfschaupiatzc zurück zogen, als Sie merkten, dass die idealen Güter, die mit ״ernstester Geistesarbeit" errungen worden sind, reales Gemeingut werden sollten — die Art und Weise, wie Sie in Ihrer neuesten Abhandlung Ihren bekannten schmählichen Abfall vom ״demokratischen Schwindel“ motivireit — zeigt mir die klaffende Wunde, die Ihrer Eitelkeit geschlagen worden, seitdem die Welt sich für andere Rctormen, als kirchliche, zu interessiren anfängt und Ihr pontifikales Schaugepränge nicht mehr beachtet. Armer Mann! Der ״tiefe Schmerz“, der seit dieser Zeit Ihre Brust durchwühlt, dauert mich wirklich, und glauben Sie es mir, dass icn mit einem aufrichtigen Gefühle des Mitleids ohne allen Groll von Ihnen Abschied nehme. ־ Stets bereit, Ihnen zu dienen, habe ich die Ehre, hoch* würdiger Herr, mich Ihnen zu empfehlen. K ö 1 n, im Januar 1863. M. Hess. Aus der Bewegung. -*»"#ל*.*«'.* "!-זדי5»»יי Berlin. Die ״Berliner Zionistische Vereinigung" hielt am Donnerstag, dem 23. Jan., im Westen Berlins (Augusta-Viktoria-Säle. Lntherstr.) eine Versammlung ab. Es waren gegen 200 Personen erschienen, und ein regelmässiger Besucher der Berliner zionistischen Versammlungen konnte sich leicht davon überzeugen, dass sich zahlreiche Personen eingefunden hatten, die man in unseren bisherigen Versammlungen noch nicht bemerkt hatte. Es hatte auch in der Absicht •des Vor- Standes der Vereinigung gelegen, durch die Abhaltung der Versammlung auch den Juden des Westens Gelegenheit zu bieten, sieh eine unmittelbare Belehrung über das wahre Wesen der ihnen zumeist unbekannten Prinzipien der zionistischeu Bewegung zu ve* schaffen. Dr. Sandler legte in seinem mehr als einsti'mdigen Referate den Hauptnachdruck auf die Betonung der nationalen Idee, wiewohl er auch dem humanitären Gedanken warme Worte widmete, trat dem Gcdanken der assimilatorischen Lösung der Judenfrage entgegen, gab weiterhin einen Ausblick auf die wirtschaftliche Zukuuit Palästinas und gelsselte besonders scharf die Antisemitenfurcht der deutschen Juden, die er in Gegensatz stellte zu der mannhaften zionistischen Ueberzeugungstreue gewisser englischer Juden. Wie der reiche Beifall .bewies, hatten die Ausführungen zum mindesten das lebhafte Interesse der Anwesenden für jene Prägen wachgerufen, wenngleich in der kurzen Diskussion trotz der Einladung von seiten des Vorsitzenden. Herrn Rechtsanwalt Dr, Hantkc, die von Dr. Heinrich Loewe nachdrücklich unterstützt wurde, kein Nichtzionist das Wort ergriff. In jeden! Falle verdient die Idee, auch in der Peripherie Berlins durch Reden die Kenntnis des zionistischen Programms zu verbreiten, gegenüber dem Modus, fast ausschliesslich im Zentrum Versammlungen ] ־ einzuberufen, auch weiterhin vollste Berücksichtigung. Vor; «11cm aber bedarf es wieder aktueller Themata, j Berlin. Akademische Gruppe. Am Sonnabend,; dem 24״ fand die allgemeine Sitzung der Akademischen Ghippe i statt. Dr. Spinner hielt den angekfindigten Vortrag ״die Juden j in Galizien“, in dem er die verschiedenen Zweige des jüdischen ן Lebens in Galizien eingehend zur Darstellung brachte. Au < den Vortag schloss sich eine ausserordentliche^ lebhafte Disi knssion und Fragestellung an, die bis spät in die' Nacht währte ן und besonders ausführlich die Frage des Jüdischdculschen! beleuchtete. •' י י In! Anschluss an den Vortrag wurde die ״Abteilung zum j Studium der l.ebensverhältnisse der Juden" gebadet. *Es } meldeten sich 9 Herren. Das ist für den Anfang nicht zu! wenig: jedoch werden alle die. weiche sich noch keiner •j Gruppe angeschlosscn haben, dringend ersucht, sich an den : interessanten und nutzbringenden Arbeiten zu beteiligen. Alle Mitglieder, welche bis zur Gene ral- Versammlung ihre B e i t r ä g c n i c h t entrichtet h a b e n. w e r d c n g e s t r i c h e n. Elias Auerbach. Lehrterstr. 1-4/15, Königsberg. Sonntag, den J. Februar wird Dr. Ziocisti in Königsberg, im grossen Saale der Palästra Albertina über ״Kulturarbeit und Kulturhaftung iin Zionismus“ sprechen. Bonn a. Rh. Vergangenen Sonntag veranstaltete unsere Ortsgruppe zu Ehren ihres Gründers und früheren Mitglieds, Dr. Klee, einen Vortragsabend, der durch die Anwesenheit unserer Kölner Freunde, der Ilorren Dr. Bodenheiraer und Woliisobn ver- Fchönert wurde. Nach der Begrüssung der Gaste durch Herrn Dr. Edelstein, die in eine Huldigung der Manen unseres lieben Meisters Dr. 11 ü 1 f ausklang, nahm Dr. Klee das Wort. Wir brauchen den Lesern der Rundschau nicht die Vorzüge und die machtvolle Wirkung einer Klee’schen Rede zu schildern. Aber es verdient hervorgehoben zu werden, dass er es versteht, immer von neuen grossen Gesichtspunkten aus und immer in neuer Beleuchtung die Probleme des Zionismus darzustellen, sodass auch diejenigen Freunde, die ihn schon öfter gehört haben, immer wieder einen neuen reinen Genuss empfinden. Wir hatten auch das Vergnügen, verschiedene Gegner zu hören, u. a. Dr. Weidenbaum-Nouenahr, der die Rede von Klee in eine kritischo Behandlung zu nehmen versuchte, vor allen! die jüdische Nationalität leugnete, durch deren Aufgaben ja bekanntlich (!) die Emanzipation den Juden bewilligt worden sei, eine Hebung der Juden in den einzelnen Ländern vorschlug — ein uns Zionisten nicht eben ganz neuer Gedanke — und endlich für das Steckenpferd der Antizionisten, die ״Mission“, eine Lanze einlegte. Er musste sich von Dr. Klee eine persönliche Abfuhr gefallen lassen. Gegen 8010110 ״abgestandene Phrasen“ — wie Herr stud. Apfel aus Cöln, der, falls wir recht unterrichtet sind, früher Vorsitzender der Berliner F. W. V., die gegnerischen Ausfühlungen nannte — machte auch er Front. Sie bildeten das Entzücken jedes Zionisten. Herr Apfel nannte sich merkwürdigerweise Gegner des Zionismus. Er erkennt rückhaltlos Zweck, Erfolg und Ziel der zionistischen Bewegung an, glaubt aber, dass eine Lösung der Judonfrage auch in der Weise möglich sei, dass die in den Kulturländern wohnenden Juden ihre Regierungen bestimmen könnten, auf die barbarischen Länder des Ostens einen Druck auszuüben. Die Leser sehen, Heir Apfel bo* findet sich in erfreulich aufstoigender Entwicklung. An der Diskussion beteiligte sich vorzugsweise -noch unser Freund, cauu. jui. Jonas, dem die Widerlegung auch nicht allzuschwer gemacht wurde. Alles in allem: Wir sind, unsere russischen Freunde mögen es uns nicht verargen, zufrieden. Für den National* fond wurden 30 Mark gesammelt . Duisburg am Rhein. I!« ״Veieii! für jüdische Oeschichte * und Litteratur“ sprach am 19. Januar Dr. Klee über den Zionis- ׳■־־ן ך *