Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1903)
- Date
- 1903-01-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. B JUdSsche Rundschau. Seite 85 es wieder zu einigen Reibereien. Der Vertreter des ״Vereins Jüdischer Studenten“, der auch In den Vorstand gewählt werden sollte, erklärte, da er persönlich Zionist sei, die Wahl nur annehmen'zu können, wenn der Vorstand des Zcntralvcreins offiziell zugebe, dass er nicht an dem Satz des Aufrufes ״wir stehen fest auf dem Boden deutscher Nationalität" festhalte. Da erhob sich s t i m m c n ge wa 11 i g Herr Rabbiner Dr. Outtmann, bekannt -auch von der Unterzeichnung jener berühmten Protesterklärung, und warnte Herrn Dr. Horwitz,. der vorher den Nationalitätsbcgriff so fein zu deute!׳» wusste, vor Abgabe irgend welcher positiven oder negativen Erklärung. Und Herr Rechtsanwalt Dr. Horwiiz — schwieg! Aber ein junger ,.Theologe", der nun seinem Herrn und Mister wohl zeigen wollte, was auch er könne, spielte sich jetzt als Vertreter deutscher Nationalität auf. Allerdings, der Herr hat vom Antisemitismus noch nicht viel erfahren, und wird ihn wohl auch niemals sehr spürest, in schient Beruf gibt cs ja kaum (?) eine antisemitische Konkurrenz. Aber, dass nicht Mos Antisemitismus einen zum Zionisten machen kann, sondern auch das Judentum allein, denkendes, überlegendes, wahres Judentum, das liegt dem ״Theologen" wohl fern. C׳ott sei Dank gibt es nicht mehr viele solcher Rabbinerschiilcr. Trotz des Widerspruches dieses und eines anderen Herrn, wurde doch noch der zionistische Vertreter des V.J.St. in den Vorstand gewählt, nachdem sogar Herr Dr. Outtmann seine Wahl empfohlen. Ein älterer Herr sagte mir nach der Versammlung: ״Wundern Sie sich doch nicht, weit!! junge Leute älteren die Meinung sagen, so wurmt das die immer; sk* fühlen sich verletzt. Una wenn gar junge Leute alten neue Gedanken bringen, so lehnt die grosse Masse in ihrer ungebildeten Erfahrung diese immer ab, auch ohne sie 7t! prüfen. Warum haben Sic denn keinen alten Herrn mit weis sein Bart*) als Vertreter ihrer Anschauung hingestellt?‘‘ Der Mann mag ja wohl recht haben. Aber doch, wer die Jugend hat. hat die Zukunft. Wir treuen uns unserer Jugend. Es wird aber an den Berliner Zionisten sein, gelegent- *) Wir erinnern uns hierbei einer recht netten. Anekdote, die historisch verbürgt ist. Die Republik Venedig batte an den päpstlichen Hof einen jungen Diplomaten geschickt, der dem Kirchenoberhaupt nicht geiicl. weil er noch sehr jung war. Er äusserte dem Gesandten sein Missfallen und fragte, ob denn die Republik keinen Mann hätte finden können, der schon einen Bart batte. ״Euer Heiligkeit", erwiderte schlagfertig der Vcnetianer, ״wenn der Senat gewusst hätte, dass F.w.' Heiligkeit so viel an einem Barte läge, hätte er einen Ziegcnhock geschickt.“ (Red.) lieh Herr Dr. Horwitz an seine Breslauer Ausführungen zu erinnern. Es will mir scheinen, er hat in Berlin schon anders gesprochen. . HitleL . Zum Zionismus im Eisass. Aus dem jüngsten Bericht über die Generalversammlung der Strassburger Ortsgruppe war zu ersehen, dass der Zioriismus irri Eisass einen Fortschritt verzeichnen kann, wie ihn nicht jedes Land aufzuweisen hat. Es bestehen nunmehr in jeder grösseren Stadt des Reichslandes. Strassburg. Mülhausen, Colmar. Hagenau. Zähem zionistische Ortsgruppen, die hoffentlich bald durch das Hinzu treten -der lothringischen Hauptstadt eine beträchtliche Stärkung erfahren werden. Die Verhältnisse liegen demnach so, dass die Städte zwar zionistisch organisiert, wohl ein Glied unserer Bewegung bilden können. Nun aber wohnt mehr als die Hälfte der einige 20 000 Seelen betragenden Judcnscliaft des Eisass in Dörfern und in den zahlreichen mehr oder weniger kleinen Landstädtehcn, die alle nicht in den Verband des Distriktsbürcaus zu Strnssbtirg aufgenommen sind. Sind diese sehr zersplitterte!! kleineren Teile der Elsässer Judcnscliaft für den Zionismus verloren? Nein! ist jetzt die Zeit gekommen, in diesen vielen Gemeinden iür den Zionismus agitatorisch zu wirken? Nein! Penn könnte cs misblcibcn. dass Ortsgruppen die etwa in derartigen Land- Städtchen gegründet werden, sofort nach dern Weggang des Agitationsredners wieder in ihr nichts zuruckiielen? — Und es ist — für die unmittelbare Gegenwart wenigstens — nicht anzunehmen, dass diese Organisationen unter zionistisch gesinnten Juden durch tätige Arbeit seitens ihrer natürlichen Flieger nachdrücklich unterstützt würden. Fällt es doch den bereits bestehenden Vereinen schwer genug, hin und wieder einen Redner zu einem Vortrag über ein Jüdisches Thema zu gewinnen, was vielleicht daraus zu erklären ist. dass die berufenen Voiiiiihrcr solcher Pflichten wegen ihrer starken Inanspruchnahme für die religiösen und kuitureücn Interessen des ihrer Obhut onvcrtraulen Sprengeis rieht die rktige Zeit finde!! können. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass der unlängst gegründet.. Rahhlucrverbai'd die Sache in die Hand nimmt und seinerseits Anstalten trifft, dass in solchen jüdischen Vereinen von Zeit zu Zeit Reden und Vorträge über jüdische Religion und Geschickte gehalten werden. Er scheint hier am Platze zu sein, die Tatsache zu konstatieren, dass der Rabbiaerverband in Eisass-Lothringen existiert. Böse Zungen wollten seme Existenz in Abrede stellen bei jener Gelegenheit, als cs sieh darum handelte, hunderten von unglücklichen Rumänen, die aller Mittel bar. scharenweise sich in Basel e'ngefunden hatten, die notwendige Hilfe angedeihen zu lassen. Dem ist aber nicht so. Der Rahblnervcrhand bestellt. Wer könnte heute darüber nussagen, wie sich die Dinge gestaltet hätten, bestände der Rabbirervcrband nicht! Nun aber mussten sich mit «mviderstehlicher Naturnotwendigkeit die Vcrhältmssc so entwickeln, wie sie sich wirklich entwickelt!iahen. Deshalb wären Gründungen zionistischer Ortsgruppen. d:e nicht in sich selbst ihren natürlichen Rückhalt fände״, einstweilen noch aussichtslos. Sie müssen einer späteren Zeit vor• a Litteraturbericht. D O (Bücher der einschlägigen Litteratur, welche der Redaktion zuge- Q sandt werden, linden eingehende Besprechung.) Mitteilungen der Gesellschaft unter Mitwirkung hervorragender Max Orunwald. H. 9. Hamburg. Das neue Heft schliesst sich an. Es ist überhaupt ein höchst Hamburger Gesellschaft, dass sie in weiten Kreisen für ihre Tätigkeit vorliegenden Heft gibt Orunwald für jüdische Volkskunde,. Gelehrter, herausg. von Jg. 1903, Nr. 1. (85 S.) 8°. würdig seinen Vorgängern verdienstliches Werk der durch diese Mitteilungen Interesse erweckt. Im die Statuten der ״Hamburg-AItonacr Gemeinde“ von 1726. Der ausführlichen Pubü- Ration folgt eine Besprechung der Jüdisch-deutschen Volksiieder (Evrejskaja narodnyja pessnij v Rossij). di? Ginsburg und Marek im Verlage des Voschod herausgegeben haben, von A. Landau, einem der wenigen ernst zu nehmenden Forscher auf dem Gebiete der jiidischdeutscken• Sprache. Wir knüpfen gern den Wunsch an, dass aueit aus unsertn Kreise der Gesellschaft für jüdische Volkskunde sich sehr viele Mitglieder anschüesseu mögen. Die* Rediktian d. Bl. wird stets gern bereit sein, solche Meldungen entgegen zu nehmen, hl. Das älteste Bibelmanuskript. Eine sehr wertvolle biblische Entdeckung ist, wie aus Kairo berichtet wßrd, in Syrien gemacht worden, wo, wenn nicht das älteste bekannte, so jedenfalls oites der ältesten hebräischen Manuskripte der siel! in der allein wird sröt langem der ..Roval Bibel am'gefupdeu wurde. Das Dokument ist von Syrien nach Kairo gebracht und von ChalU Sahra gekauft worden. Fs* besteht aus den fünf Büchern des Pentateuch, die in samiritanischcn Scliriftzeichen auf Oazellenpcrgament im Jahre 116 der moslemischen Zeitrechnung, dem Jahre 735 nach Christus, geschrieben sind. Es ist also weit älter als irgend ein hebräisches Manuskript der Bibel, das man!יי europäischen und amerikanischen Bibliotheken findet. Ein Vergleich mit der jetzigen hebräischen Bibel zeigt mehrere wichtige Verschicdenheiten. Direkt nach dem Dekalog kommt •n dem Manuskript eine Steile von etwa fünfzehn Zeilen, dir* Jetzigen Version der Bibel •nicht findet. Dies״ wahrscheinlich mchrere wichtige Strcitfrurcii. die bestehen, aufklären. (?) Mr. George ZckPn von Asiatlc Socictv“, ein bekannter arabischer Autor und Geschichtsschrcibcr. wurde zeitweilig mit d״r Aufbewahrung des kostbaren Manuskripts in Kairo betraut. Nachfragen b״i einen Sachverständigen Im British Museum, wo man. bisher noch nichts von dem Dokument wusste, bestätigen die Bchauptung. dass, wenn das Datum genau übersetzt ist. Grund vorhandelt Ist, die Entdeckung als sehr beachtenswert zu charakterisieren. Es wurde dabei auch erwähnt, dass vor zem eine snmaritnnischc Version des Buches!Numeri mehrere hebräisch geschriebene Gebete von den Museumsbchörden erworben worden sind. Diese Dokumente tragen das Datum 1339 unserer Zeitrechnung und wurden für die ältesten vorhandenen gehalten. Die Nachricht von der letzten Entdeckung hat daher Aufsehen erregt, besonders da man nicht glaubte, dass so bald ein ähnliches, viel älteres Dokument gefunden werden würde. kur- und *•?**Tf■'*•’ *)gy» '■י**־- ,־ יי'׳•׳- ‘rr-Mfftt1 n