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Jüdische Rundschau · 1903-01-23 · Heft 4 (23.1.1903) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 4 (23.1.1903)
Date
1903-01-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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«f Bette 80 JUdisclie Rundechati. No. Der Vorstand beantragt, den» Verein 7ur Förderung der Wissenschaft des Judentums zur Hcrauscabe von Schriften und Stipendien 1000 Mk. zu bewilligen. Prof. Geiger, der selbst dem Ausschuss des Vereins aiißchört. beantraßt. diese Summe auf 3000 Mk. zu erhöhen. Kr muss in seiner Bcßrfmdunß zugeben, dass die Rabbiner der letzten Generation für die Wissen- Schaft nichts mehr geleistet haben. Kr beantragt die Erhöhung, damit ein Geschlecht von jüdischen Gelehrten heranwachsen Könne. ״Wir besitzen keine Wissenschaft des Judentums mehr!‘* rief er aus. Darin hat• er ganz recht. Nur war es nicht der Mangel an Geld, an dem die Wissenschaft des Judentums gestorben ist, sondern der Mangel an Judentum. Und den hat die Partei verschuldet, der Geiger führend angehört. B a - gitisky wünscht, dass der Vorstand mit dem neuen Verein stetig in dauerndem Konnex bleibe. Wirklich sei der Bestand des Judentums heute mehr bedroht, als jemals durch die liberalisicrcnden Theorien von Halbtheologen. Dagegen müsse das Judentum mit echter Wissenschaft anftreten. Kr wies deutlich, ohne Namen zu nennen, auf Vorträge hin. die im vorigen und in diesem Jahre Babel und Bibel in Parallele gestellt hätten, und wünschte die entschiedenste Abweisung dieser Angriffe. Die beantragte Subvention von 1000 Mk., die Herr Geiger als wissenschaftliche Ehrengabe bezeichnet wissen will, wird bewilligt Syndikus Lilienthal macht Mitteilung von einem Nachlass, den der verstorbene Michael Rothschild in Grevenboichen bedingungslos der Berliner Jüdischen Gemeinde vermacht Nur 600 Mk. zur Krrichtung eines Grabsteins und zur Erhaltung des Grabes gelten von dem etwa 150- bis 160 000 Mark betragenden Erbe ab. Die Annahme wird einstimmig beschlossen. Es folgt eine geheime Sitzung, die sielt mit Verlängerung von Anstellungen, der Anstellung eines Biircaubeamteil und der Bewilligung von Gehaltserhöhungen beschäftigt. e» Sprechsaal. Für die Mitteilungen an dieser Stelle üScriümiM die R.׳<J Uon des Blattes nur die pressgcseoiiciic Vcraniuortikkc Berlin. Der ״Verein Jüdischer Studenten“ kann sich einer recht fruchtbaren Tätigkeit rühmen. Zahlreiche Voranstaltungen. besonders der von unserem A. 11. Dr. Th Zlochti geleitete Geschichtskurs, geben den Vercbisbriideni. deren Aktivitas jetzt über -fU beträgt. Gelegenheit, sich über alle modernen jüdischen Fragen zu orientieren. Allwöchentlich vereinigt ein Vortrag, an den sielt gewöhnlich ( ine recht lebhafte Diskussion anschlicsst, Vcrcinsbrtider und Freunde unserer Idee. Es hielten in diesem Semester bisher Vorträge: Dr. Bcram: ..Die Organisation der jüdischen Wissenschaft.“ Dr. Heinrich Locwe: ..Die Juden und ihre Sprachen.“ Dr. Julias Moses: ״Das Handwerk. unter den Juden.“ Dr. Max Esche!־ bachcr: ״Die rechtliche Stellung der Juden im Mittelalter.“ Davis Triefscb: ״Die jüdische Emigrationsfrage.“ Maler Rosenbäum: ״Gibt es eine jüdische Kunst?“ Herr Albert Katz: ..Lord Byron und seine hebräischen Melodieen." Dass der Verein sich eines grossen Ansehens bei der jüdischen Studentenschaft erfreut, bewiesen die Wahlen der akademischen Lesehalle. wo wir 2 Mitglieder ins Direktorium entsenden könnten. Vom 18.—21. Dezember hielten die zum Bunde Jüdischer Korporationen (B. J. C.) vereinigten ..Vereine Jüdischer Studenten“ zu Berlin. Breslau, München. Charlottenburg ihren 3. Kartelllag in München ab. Im Februar feiert unser Verein sein diesjähriges Winterfest zusammen mit dem Charlottenburger Kartellvercin. Chargierte des Vereins sind: cand. jur. Ludwig Zucker Xt cand. 011 il. P. Jakobsohn cand. med. dent. E. Baschwitz XXX. Sämtliche Zuschriften sind zu richten an cand. jur. L. Zucker X. ().. Blumenstr. 9. Berlin. Der Verein ehemaliger Schüler der Knabenschule der Jüdischen Gemeinde feierte am Sonnabend, dem 3. Januar, sein 3. Stiftungsfest in Kellers Festsälen unter ungemein zahlreicher Beteiligung. Am 12. d. M. hielt der Verein seine Generaf-Versammlung ab. welche die Eintragung des Vereins in das Vcrcinsrcglster beschloss und fiir •die ausscheidenden drei Vorstandsmitglieder per Akklamation die Herren Rechtsanwalt Dr. Grünberg. Max Liepinauu und Michael Kahn in den Vorstand wählten.!1/3 Uns geht die folgende Zuschrift von D r. Morris dt* J o n g e zu, die wir veröffentlichen, ohne erst erklären zu müssen, dass uns der religiöse Standpunkt natürlich trennt. Wenn uns ein Quilibet die Erklärung zugehen Hesse, so würden wir ohne weiteres den Abdruck in unserm Blatte a limine zurückgewiesen haben, da wir jede Einmischung in religiöse Anschauungen, seien sic auf dem Boden des Judentums oder nicht. Aber cs handelt sich um Dr. Morris De Jonge, der durch seine antisemitische Stellung in der Presse und {}Öffentlichkeit in den Jahren!890 93 eine Einleitung in die neueste antisemitische Campagne gegen das Judentum, nicht nur gegen die Juden, gab. Es hat deshalb mehr als historisches Interesse, zu sehen, wie sich die Stellung des Dr. De Jonge weiter entwickelt, und wir haben deshalb buchstäblich seine uns zugegr.ngcnc Erklärung abgedruckt, und enthalten uns hier jeden Kommentars: Lossagung eines ״getauften“ Juden von der ״christlichen Kirche. Rückkehr eines ״getauften4* Juden zum Judentum. Berlin, den 15. Januar (16. Tebeth) 1903. Briickenailec 27. Geehrte Redaktion! Fs würde mir erfreulich sein, wenn Sic die folgenden drei Schriftstücke in liircr Zeitschrift veröffentlichen xvfirden: Berlin, den 23. Oktober 1902. .ערב •בסהת תורד An die ״Gesellschaft zur Beförderung des C11 r i s t c n 11! tu s unter den Jude n“ Berlin. Der ״Gesellschaft zur Beförderung des Christentums unter den Juden“ mache ich hierdurch die Mitteilung, dass ich nach schweren Kämpfen der letzten drei Jahre mich entschlossen hübe, mich nicht blos von der preussisclicn Laudcskirche. sondern von der a 11 g e in c inen christlichen Kirche ii b c r 1; a 11 ק t gänzlich losz 11 sagen und unter bestimmten, dein Judentum der apostolischen Zeit (insonderheit Jakobtis. Petrus und Johannes) uachgcbildeten evangclisehen Vorbehalten in das Judentum bezw. die Synagoge zur ii c k z u kehr e 11. Die Orunde meines Entschlusses wird man in naher Zu- Limit aus einer KV he von Schriften, in denen alle einschlägig gen Fragen, insonderheit die von der Person des Herren und Heilandes Jcseh'iah-Jchovah, von den beiden Teilen der Heilißtn Schrift, dem Messias der Juden*), dem ewigen Werte des Gottes-Volkes Israel und seiner Thorali, dem Unwerte der Kirche, in der ich den g e f ä h r I;1 c h s t .e!1 Feind des G o 11 c s v o 1 k e s erkannt habe, etc. etc. in systematischer Vollständigkeit und wissenschaftlicher Gründliehkeit erörtert werden sollen, entnehmen können. Indem 4011 bemerke, dass Ich voraussichtlich in naher Zukimft die echte, a 11 j ii d i s c h c Wassertaufe durch die Hand eines Juden empfangen werde, erkläre ich hiermit die vor 12 Jahren durch Ihren Prediger BieÜng ohne alle geistliehe Berechtigung an nur vollzogene ״Taufe“ fiir null und nichtig — Offenbarung Johannis 3, 1*1—16. M. dir. de Jonge, Dr. jur. ff. Berlin, 23. Oktober 1902. An das Königliche Amtsgericht I. Berlin. Dem Kgl. Amtsgericht I. Berlin melde ich hiermit gemäss § 2 des Gesetzes vom H. 5. 73 meinen Austritt aus der preussiselien Landeskirche an, da ich mich nach mehrjährigen inneren Kämpfen und Schwankungen entschlossen habe, mich nicht blos von der preussisclicn Landeskirche, sondern von der allgemeinen christlichen Kirche iiherhaupt gänzlich loszusagen und in naher Zukunft unter bestimmten evangelischen Vorbehalten ווי das Judentum bezw. die Synagoge, aus der ich im Jahre 1890 austrat, zurückzukehren. Ich füge bei . . . (folgen Urkunden). Hochachtungsvoll III. Dr. jur. de Jonge. An Herrn Dr. jur. Moritz de Junge, hier. Der Dr. jur. Moritz de Jonge, Brückenallec 27, bierselbst. hat laut Protokolls vom 22. November 1902 seinen Austritt *) Jeschuah von Nazareth war nicht der Messias der Juden, war nicht ״Chrlstos“. (Anm. des Einsenders.)

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