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Jüdische Rundschau · 1903-01-23 · Heft 4 (23.1.1903) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 4 (23.1.1903)
Date
1903-01-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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*»*״,f ■:‘T. '1;’,,♦^*״ *י*^ I * » ו? » 1 1! 1 N0. 4 Jlidisclie Hundschau. Seite 27 die nicht zu unterschätzende Bedeutung, dass die Bevölkerung, welche bei der Ankunft der zivilisierten Forscher den letzteren gegenüber trotz des Fermans häufig eine bedrohliche Stellung einnimmt, sich im Laufe der Ausgrabungen mit dem Aufenthalte der Europäer befreundet, die Störung ihrer Arbeiten aufgibt und die von neuem am Platze erscheinenden Forscher freundlich aufnimmt. Durch die bisherigen Palästinaforschungsvereine wird auf diese Weise ein immer dichtmaschigcres Netz an erforschten Ortschaften geschaffen, wo der Europäer eine freundliche Aufnahme zu gewärtigen hätte, wo also auch die künftigen Expeditionen zur wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas bequem ihre Ausgangspunkte finden könnten. Nach einer halbstündigen Unterhaltung nahm ich Abschied von Herrn Professor Sellin, begleitet von seinen Wünschen für das intellektuelle und finanzielle Oclingen der Gründung eines Jüdischen Palästinavereins und für die einem solchen zufallenden Aufgaben, Ausgrabungen auf den antiken und mittelalterlichen Plätzen der palästinensischen und phönizischen Wirtschaftsgeschichte und Wirtschaftsgeographie zu veranstalten. Elektrizität und Rasse. Das Schlagwort von der Rasse scheint einen ausserordentlichen Reiz auszuüben, und nachdem man dem Begriff Rasse nicht näher hat kommen können, tröstet sich Dr. Besser*) damit, dass man ja auch nicht wisse, was Elektrizität sei, und trotzdem die Bedeutsamkeit der Elektrizität doch nicht leugnen könne. Dieser Vergleich ist schief. Die Elektrizität in ihrem letzten Grunde zu erklären, vermögen wir allerdings nicht, wie wir überhaupt keinen Vorgang im letzten Grunde erklären können, aber wir wissen elektrische Erscheinungen willkürlich hervorzuruien, nach Kraft und Mass genau zu bestimmen, ihre Folgen vorher zu sagen. Je mehr sich die Leute mit Elektrizität beschäftigt haben, um so mehr sind sie mit dieser Kraft vertraut. Genau das Gegenteil ist mit dem Rasse-Begriff der Fall. Von diesem wissen diejenigen Leute am meisten zu vermelden, welche sich nicht mit natnrwissenschaft- * *) Der obige Artikel, der uns von hochgeschätzter Seite zugeht, knüpft an den Leitartikel unseres Dr. Max Besser in No. 2 ״Zur jüdischen Rassenfrage“ an. gebeten haben. Das die ganze Geschichte, aber wie wird sic erzählt. Es atmet alles eine stille wohltuende Heiterkeit, wie sic sich in der jüdischen Littcratur Im .allgemeinen nicht findet. Schade, dass sie nicht jüdisch-deutsch geschrieben ist: sonst würde sic gleich übersetzt und dem deutsch lesenden Publikum zugänglich gemacht werden. Denn bei den ״Ueber« Setzern“ ־ - den Oöttcrn sei cs geklagt — ist heutzutage entweder wenig Kenntnis oder wenig Liebe für das Hebräische zu finden. Nur so ist es erklärlich, wie die Gesamtausgabe der hebräischen Gedichte von Professor Naphtalv Herz Imbcr, unserem einzigen nationalen Dichter, dem Verfasser, des Hasikwah und des ״Mischniar Hajardcn", völlig unbekannt geblieben ist. während die Ueberseizung von Morris Rosenfelds Gedichten noch vor ihrem Erscheinen von der Kritik eingehend besprochen wird. . . Jehoschua Radler. Nachbemerkung der Redaktion. Unser verebrter Rezensent hat ebenfalls einen Beitrag zu dem Jahrbuch geliefert, und wir können nicht umhin zu gestehen, dass wir es bedauern würden, wenn dieser nicht genannt würde, well er selbst die Kritik geschrieben hat. Er *wendet sich besonders gegen Oinzburg (Acbad Haam) und dessen spirituell sein sollendes Judentum. Er möchte ״ dem Judenvolke frischen Lebensgeist, der sich nicht unter die Herrschaft des Buches beugt sondern aus kräftiger Gesundheit heraus sich ״neu gebiert liehen Studien beschäftigt haben. י Die Zeugnisse in der Rassenfrage sind um so zuversichtlicher, je weiter der Zeuge von den Ereignissen entfernt ist, d. h. ie weniger er. berufsmässiges Verständnis von ihnen hat. Der Begriff der Rasse ist so wenig klar, dass die Einen die Rasse an den Anfang, die Andern sie an das Ende menschlicher Entwicklung legen. Es sind förmlich zwei verschiedene Weltanschauungen. Auch die praktischen Folgerungen, die man zu ziehen hätte, wären ganz anders, je nachdem man die Rasse als etwas konstantes ansieht und in den Ursprung verlegt, oder variabel und Ergebnis einer Entwicklung sein lässt. Die Rasse ist ein Begriff, ein Hilfsmittel menschlichen Denkens, der ganz verschiedene Erscheinungen zusammenfasst, über deren Bedeutung und Tragweite kaum zwei Menschen einig sind. Bei der Elektrizität, die ein Phänomen darstellt, geniigt vorerst die Tatsache des Phänomens, auch wenn man es nicht auf seinen letzten Grund zurückfiiliren kann. Den Begriff müssen wir aber genau begreifen, denn eine nicht begriffene Erscheinung bleibt immer eine Erscheinung, aber ein nicht begriiiener Begriff ist gar nichts. Man kann sich nicht damit trösten, dass es auf eine Definierung des Begriffs Rasse nicht ankomnie. weil er in unserm Bewusstsein lebt. In iinserm Bewusstsein lebt viel Unsinn, es gibt vieles, was historisch aber nicht wahr ist, in dem Bewusstsein des 16. Jahrhunderts waren auch Hexen eine Realität. Es ist Dr. Besser zuzugeben, dass das Judentum nicht nur eine Religion ist, sondern dass die Juden noch ein anderes Band umschlingt, eine gemeinsame Vergangenheit mit dem Gefühl einer noch andauernden Gemeinsamkeit ihrer Schicksale, sie bilden also eine Nationalität, beziehentlich eine quasi-nationale Gemeinschaft. Insofern hat Dr. Besser Recht, Herrn Rabbiner Dr. Riegcr entgegen zu treten. Es liegt aber kein Grund vor, zu dem unwissenschaftlichen Begriff der Rasse zu greifen, vielmehr entscheidet hier nur das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit, welches nicht durch die Abstammung, bedingt wird. Der Slave Treitschke war deutsch-national, genau״ so wie Fürst Schwarzenberg Czeche ist. Ebenso *ist auch bei der Zugehörigkeit zu unserer Gemeinschaft nicht die Abstammung, sondern der Wille, zu uns zu gehören, das Entscheidende. und gesunde Körperkraft geben. Das Lob unseres Rezensenten bestätigen wir gern vollinhaltlich, wenn es überhaupt einer Bestätigung bedürfte, möchten abe»־ nicht, dass Radlers Mitarbeit irgendwie vergessen oder übersehen wird. * Unter dem Titel Musical Souvenir of the ״Maccabaean“ Chanukah 5663 hat unser hervorragendes Schwesterblatt in Amerika, das sich unter der Leitung unseres Freundes De Haas zu einem grossartigen ־ Blatte entwickelt hat, dies mal ihrer Chanukahnummer eine musikalische Beilage gegeben. Sie enthält in ausgezeichneter Ausstattung die Texte und Noten mehrerer deutscher, hebräischer, englischer und jüdischdeutscher Ziohistcnlicder von Iniber, Gottheil, Rosenfeld. Brawdes, Lcwltt, Pcreira-Mcudcs. Rusottov, Goldfaden, Manc und Monfried. Besonders wird die Musiksetzung von ״Dort wo die Zeder“ von Feld durch Brawdcs willkommen sein. Auch das Hauptheft, dem diese Beilage beigegeben Ist, muss als hervorragend bezeichnet werden. - -י*'•« v:?«*•'״ •".י *"*י pi *®•*ו«־♦* ז״י־ט׳ sry יי־ •״

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