Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1903)
- Date
- 1903-01-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 26 «FUdisclie Hundtsiohau wohl auch mit einer Schwierigkeit zu kämpfen haben, die nicht zu unterschätzen ist Der Ferman für die Ausgrabungen aus Konstantinopel reicht nicht aus; man muss noch von den Eigentümern den Ausgrabungsplatz pachten, man muss auf allerhand Schreiereien mit den Einwohnern gefasst sein. Der Palästinaforschcr, der an Ort und Stelle Ausgrabungen macht, muss sich der Unterstützung seines Botschafters in Konstantinopel von vornherein versichern. Dem ausgrabenden Forscher kommt es öfter vor, dass er nach Durchproben aller möglichen Mittel sich mit den einheimischen Nachbarn auf guten Fuss zu stellen, zu der Hilfe des Botschafters Zuflucht nehmen muss. Der Jüdische Palästinaverein würde naturgemäss international sein. Es entstünde also die Frage, unter welches Botschafters Schutz die Mitglieder des Vereines während der Ausgrabungen in Palästina sich zu stellen hätten. Die Geldfrage würde wohl für den jüdischen Verein keine Schwierigkeiten bieten. Ich fühlte mich bewogen, den Optimismus des Herrn Prof. Sellin in dieser Hinsicht zu dumpfen, indem ich darauf hinwies, dass die wohlhabenden Schichten, welche für die Unterstützung solcher Unternehmungen bei anderen Völkern in Betracht kommen, bei den Juden wohl speziell, wenn es sich um Palästina handelt, kaum in Frage kommen würden aus falscher Furcht, dass dadurch der Zionismus gefördert werden könnte. " Wie kommt es, dass so wenig Aufmerksamkeit seitens der Archäologen jenen Ortschaften, die uns aus der höchsten Blütezeit des jüdischen Palästinas während der römischen Herrschaft nach den Schilderungen des Flavius Josephus bekannt sind, zugewendet wird? Die Aufschlüsse, die man wohl bei den Ausgrabungen eben an diesen Stellen gewinnen könnte, würden wohl eher als anderweitige archäologische Funde, für die moderne wirtschaftliche Erschliessung Palästinas von Belang sein? Prof. Sellin, der mit der Richtigkeit meiner Bemerkungen völlig einverstanden ist, sucht eine Lösung für die von mir aufgeworfenen Fragen einerseits in den Bestrebungen der Archäologen eben womöglich die älteste in der Wissenschaft, sonst total unbekannte Epoche zun! ersten Mal ans Licht zu fördern, andererseits in der Belanglosigkeit der dem Forscher zu Gebote stehenden materiellen Mittel. Der Forscher, der jetzt Ausgrabungen in Palästina unternimmt, ist gewöhnlich auf die ziemlich spärliche Unterstützung der Spezialvereine, der Regierungen oder der Freunde der Wissenschaft angewiesen. Mit seiner kleinen, nur No. 4 für kurze Zeit ausreichenden Summe kann sich der Gelehrte, vorausgesetzt, dass er auch den Ferman aus Konstantinopc! erlangt hat, bei der Notwendigkeit auch die Besitzer des Platzes, auf welchem gegraben wird, durch eine ziemlich hoch bemessene Pachtsumme zu entschädigen, nur irgend einen kleinen kahlen Hügel, wo nichts wächst, leisten. Auf den Stellen, wo etwas wächst, wo Bäume stehen, hauptsächlich, wo die Oliven- Haine angepflanzt sind, wenn man dort auch tatsächlich die besten Funde vermuten könnte, zu graben, muss sich der Forscher bei seinen geringen materiellen Mittcln von vornherein versagen, weil die an die Bcvölkerung und an die Regierung für den Ausfall an Ernte und an Steuern (in der Türkei werden die Steuern von jedem einzelnen angcpflanzten Baum erhoben) zu zahlende Entschädigungssummen eine unerschwingliche Höhe erreichen würden. Für die Ausgrabungen an den aus der römischen Zeit bekannten Ortschaften, wo grosse Städte, reich an öffentlichen Gebäuden, Palästen, Thermen, Amphitheatern, Gymnasien, heidnischen Tempeln erwähnt werden, müsste man grosse Flächen meistens in der Ebene, die auch jetzt gewöhnlich bepflanzt sind, mit Beschlag belegen. Bei den jetzigen Gesellschaften würde sich kaum Geld genug für solche Ausgrabungen finden. Prof. Sellin denkt, dass der in Gründung begriffene Amerikanische Palüstinaverein bei der beispiellosen Opferwilligkeit der Amerikaner für wissenschaftliche Zwecke die nötigen Summen für so ausgedehnte Ausgrabungen finden wurde, dem geplanten Jüdischen Verein wünscht er das im Interesse der Wissenschaft. Im weiteren Verlaufe des Interviews ging ich vom!;ationalökonomischen Standpunkte aus und fühlte mich veranlasst, mein Befremden darüber auszusprechen, dass die Archäologie sich auch so wenig mit den aus der alten Wirtschaftsgeschichte Palästinas und Pliüniziens im Altertum und im Mittelalter bekannten Plätzen beschäftigt. Ich habe wenigstens die Empfindung, dass die Facharchäologie, die unter die Vernachlässigung dieser Gebiete sich mit Lust und Liebe nur auf die philologische und reügionsgcschichtliche Seite der Funde versetzt, für die moderne wirtschaftliche Er- Schliessung Palästinas entschieden zu wenig an Unterlagen bietet, deren Kenntnis wünschenswert wäre. Inden» Herr Prof. Sellin darin mir recht gibt, erklärt er es durch die oben schon geschilderten Gründe. Die jetzigen archäologischen Ausgrabungen haben für die künftige wirtschaftliche Erschliessung des Landes auch 2 Litteraturbericht. R (Bücher der einschlägigen Liiteratur, welche der Redaktion zuge• sandt werden, linden eingehende Besprechung.) א חי אסף מאסף ספרותי עם תמונות וציורים לשנת ת ים'נ ערוך ע״י ר. בריינין. שנה עשירית הוצאת חברת •;אהיאסף״ וואדשא תרס׳ג: שולדבערג ושותפו. (Russ.:) Acliiasaf. Evreiskij illjustrirovanyj literaturnopraktitscheskij k״leudar na 190243 g. Varschava 1902. (57*t,6ö S.) 8*. <Orig.-Bd.) Das ist der bescheidene Namen eines hebräischen Jahrbtiches, das sich in diesem Jahre seinen Bekannten zum zehnten Male vorstellt und von R. Brainin redigiert ist. l>csn:al war sein Erscheinen aber ein besonderes Ereignis.' Dieser zehnte Jahrgang hat trotz seines hohen Preises und trotz der geringen Zahl und nicht allzu grossen Kaufkraft des . hebräisch lesenden Publikums innerhalb sechs Wochen bereits seine dritte Auflage erleb♦. Der Erfolg verdient um so mehr gewürdigt zu werden, als der Achiassaf nicht mit Aufsehen erregenden Prospekten und marktschreierischen Annoncen arbeitet, sondern jede Art von Reklame ängstlich vermeidet• Wenn aber ein Buch trotzdem so rasch seinen Weg zum Publikum findet, so muss es starke Anziehungskraft in sich haben. In der Tat sind wir auch überrascht von der Fülle der gediegenen Darbietungen. Namen wie Achad-Haam, Mendclc Mocher Seforim, Brainin, Bcrnfeld, Braudcs sprechen für sich. Vornehmlich die Galizier sind mit guten Arbeiten vertreten, wie der bereits erwähnte Pr. Bernfeld, Dr. David Nenmark, Dr. Osias .Thun, Dr. Rcnzcr, Gcrson Bader, D. Silberbusch. Von den vielen belletristischen Beiträgen ist zu bemerken, dass sie nicht etwa mehr oder minder glücklich oder tingliieklieh gewählte Uebersetzungen, sondern samt und sonders Originalarbeiten sind. Von eigenartiger Schönheit und Kraft sind die Kawanoth w’ jacliudim von H. Zcitlin, die Gedichte Tscheruokowskys und S. L. Gordons. Audi Neu- Palästina hat hier litterariseh seinen ersten Mann gestellt. Es ist der Sohn Ben Jehudas. der mit einer wunderhübschen Skizze vertreten äst. Wenn wir ״Mali Jiie“ lesen, wird uns eigen zu Mute• Wir, die wir unsere heilige Nationalspraclic von ganzem Herzen lieben, können uns bei diesem kernigen Ururhcbrfiisch eines Gefühls des Neides kaum erwehren. — Ach. warum ist es uns nicht vergönnt, ein solches Hebräisch zu schreiben! Wir gewahren hier, wie eng doch der Zusammenhang zwischen Sprache und Vaterland ist und freuen uns des wkderkchrenden Frühlings unserer Sprache und Literatur. Zu den besten Erzählungen gehört auch ״Im hohen Alter" von A. M. Gonzer. Die Handlung ist kaum Handlung zu nennen: 111 einer kleinen!litauischen Stadt geht ein altes jüdisches Paar zun! Photographen, uni sich photographieren zu lassen, weil die in Amerika lebenden Kinder um ihr Bild