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Jüdische Rundschau · 1903-01-23 · Heft 4 (23.1.1903) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 4 (23.1.1903)
Date
1903-01-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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6% * ן;1 » f f «. Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich 1!«-durch die Expedition: •) ln Berlin M. —,9a b) nach auswSrts M 1,— c) für das Ausland M. 1,5a 1• Im Postabonnement M. 1,25 9. bol Ssmmelbexug duroli dlo Ortsgruppe M. — ß). Pootxeltungsllsto No. 8944. Inserato die *lergespaltene Peiltzcile 25 Pf. Inoeratonbellagen 15 M. ׳. I l: $ Organ der . für ן ö li 154 Ürsclieiiit jedei! JFVeitftg. & Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Periag 3üd1sche Rundschau, E. O. m. b. H. Beriln e22, Hugustslrasse nt »90. . Sprechstunden: tr. 4—5 Uhr nachmittags. Redaktion: Dr. Heinrich üeewe, Berlin nW, »0, liehrtershasse 14/15« Sprcd)$lunden: Montag und Donnerstag 4—6 Ufr No. 4. Berlin. 23. Januar 1803. 24. Tebeth 5663. VHL Jahrgang. Ein Jüdischer Palästinaverein. (Ein Interview mit Herrn Prof. Dr. S e II i n-Wien).4) Von A. Neu leid. Der grosse Festsaal ״der Gesellschaft der Freunde“ war ausnahmsweise überfüllt. Die verspäteten Gäste mussten sich mit den Stehplätzen begnügen. Alle Seiten- und Durchgänge waren voll. Eine viel hundertköpfige Gesellschaft, in welcher die ganze Creme der jüdischen Intelligenz Berlins vertreten war. hatte sich eingefunden, uni dem Vortrage des Professor Sellin von der Wiener evangelisch-theologischen Fakultät über seine ״Neuesten Ausgrabungen in Palästina“ (verbunden mit Lichtbildern) zuzuhören. Im grossen Publikum, welches wohl in überwiegender Mehrzahl einem Palästina-Vortrag zum ersten Mal beiwohnte, herrschte eine Stimmung der erwartungsvollen Spannung. . Sind doch aus dem letzten Orientalistenkongress in Hamburg, aus der. Wiener ״Gesellschaft für die Konservierung der Kunst- und Baudenkmäler des Judentums“ und sonst überall, wo Herr Prof. Sellin bis jetzt einen Vortrag gehalten hat, sehr vielversprechende Berichte erschienen, deren Richtigkeit im hellsten Licht erst das Origiualfcuilleton Sellins in der Sonntagsbeilage der Kölnischen Zeitung am besten klar legte. Endlich zur angestzten Stunde betritt die Rednertribüne der Vortragende, eine überraschend jugendliche Erscheinung von elegantem Exterieur, auf die Zuhörerschaft eher \ den Eindruck eines flotten Assessors, als eines weitab- . geschiedenen Gelehrten ausübend. Den Ausführungen ' des Vortragenden, welcher den Ernst des Themas durch f manche heitere Episode aus seinen Reisevorbercitungen I und seiner Forschungszeit in Palästina zu würzen versteht, folgt man mit grossem Interesse. Die Lichtbilder, , wie auch der Vortrag, entlocken dem Publikum einen reichen Beifall. Nach Schluss des Vortrages nähere ich mich dem Herrn Professor Sellin, überreiche ihm meinen ״Versuch einer Bibliographie für die Zwecke einer wirtschaftüchen Erschliessung Palästinas" und.bitte um die Gewährung eines Interviews...;Der Erfolg, meiner Be- *) Raummangels halber uttlich'iJuY vcrsp:itet: . ־ ־ .. / miihungen bleibt nicht aus, und zu früher Stunde bin ich im Hotel des Professors, der sich zum Aufbruch nach Halle und Leipzig .zu den Sitzungen des Deutschen Palästina-Vereins rüstet: Hauptsächlich war. was ich bezweckte, den P;ofessor über die von Herrn Dr. Heinrich Locwc in d"cr ״Jüdischen Rundschau“ angeregte Gründung eines jüdischen Palästina-Forschungs-Vcrcins zu betragen. Professor Sellin wiederholt am Anfänge und im Laufe der Unterredung, dass der Mangel an jüdischen Palästina-Forschern für die Juden einfach beschämend sei. Er kennt sehr viele jüdische Orientalisten, auch orientalistische Archäologen, die überall zu graben bereit sind, Palästina aber zu meiden scheinen. Es ist dem Herrn Professor schwer, unter , den Juden Leute zti nennen, die für die Ausgrabungen in Palästina an Ort und Stehe in Betracht kommen könnten. Allerdings wäre es zu hoffeu. dass die Gründung eines jüdischen Vereins dieser unter den Juden auffallenden Interesselosigkeit für die wissenschaftlich-archäologische Erforschung des Heiligen Landes ein Ende machen würde. Auch geeignetc jüdische wissenschaftliche Kräfte würden sich schon finden. Professor Sellin selbst wählt sich als seinen Begleiter für seine künftigen Forschungsreisen nach Palästina einen jüdischen Architekten Mannorsiein, den Assistenten an der Wiener Technischen Hochschule, der unter der Leitung des Professors vorbereitende arcliäologische Studien treibt. Die wissenschaftliche Welt würde den Jüdischen Palästinaverein mit grösster Freude begriissen. Der jüdische Verein würde einen neuen Impuls zur Beschäftigung mit vielen interessanten, frisch auftauchcnden Problemen der Palästitiaforschuug geben. Es würde sich wohl mit der Zeit eine weitere Spezialisierung auf dem Gebiete der Palästinaforseliung. eine weitere Individüalisieruug und Differenzierung der Arbeiten der einzelnen Palästinaforschungsvereine ergeben. Uebrigens bereitet man auch in Amerika die Gründung eines amerikanischen Forschungsvereines für Palästina vor. Einem amerikanischen Archäologen Miteitel! ist Herr Professor Sellin in. Palästina im Frühjahr begegnet. Ueber den jetzigen Stand der Vorbereitutigen in Amerika kann man allerdings aus der Fach-, presse nichts erfahren.’ Doch der jüdische Verein würde ־״ 4' »

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