Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1903)
- Date
- 1903-01-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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8kte 2 20 Jüdische üandsohau. Ko. 3 ,gibt nur verschwindend wenige dänisch-jüdische Familien, In denen Mischehen und Taufen In den näheren oaer entfernteren Verwandtschaftsgraden nicht grassiert haben — dürften es wohl zum grössten Teile mit sich gebracht haben, dass der lang- Jährige, wohlverdiente Leiter der hiesigen Gemeinde, Oberrabblner Dr. Simonsen, seine Position aufgegeben hat, um sich ausschliesslich privaten Stadien zu widmen. Anlässlich seines Scheidens ־־־ die Regierung hatte kurz vorher ihrer Anerkennung seiner hiesigen Thätigkeit durch seine Ernennung zum Titularprofessor *Ausdruck verliehen — veröffentlicht ״lllustreret Tidende“, wohl die vornehmste illustrierte Zeit- Schrift des Landes neben einem grossen Bilde des Scheidenden ln voilem Ornate an leitender Stelle einen Artikel aus der Feder unseres Qesinnungsgenosssen Dr. L. Fraenkel, den wir bei der Bedeutung dieses ersten in Dänemark geborenen Rahbiners in der wissenschaftlichen Welt im Aus tuge wiedergeben wollen: Als Sohn eines streng religiösen Bankiers im Jahre 1853 geboren, durch seine Umgebung stark beeinflusst und von frühester Kindheit an mit dem Studium der hebräischen, bib* lischen und talmudischcn Litteralar vertraut gemacht, wandte sich S. als Student zunächst an hiesiger Universität dem Studium der orientalischen Sprachen zu, um auf Wunsch seines Vaters im Jahre 187*1 diese Lohrstättc mit dem Jüdisch-thcologischen Seminar in Breslau zu vertauschen, an dem er im Jahre 1S79 mit Auszeichnung sein Rabbinatsexamcn ablcget: konnte. Ein Anerbieten, dem Lehrkörper der genannten Anstatt beizutreten, ebenso zurückweisend, wie die Aufforderung, die Leitung des neu errichteten jüdisch-theologischen Seminars in Ramsgate in England zu übernehmen, folgte der Junge Rabbiner im Jahre IS79 einem Rufe als Hilfsprediger an de! ״mosaischen Glaubensgemeinschaft“ (so die offizielle Bczcichnung der jüdischen Gemeinde) in Kopenhagen, der damals Prof. Dr. A. A. Wolfi als Oberrabbiner Vorstand, um im Jahre 1891 dessen Amtsnachfolger zu werden. Ausser einer anerkennens- ' werten, beruflichen Wirksamkeit als Oberrabbincr und in dieser Eigenschaft gleichzeitig als Vorsitzender der Gcmcmdever- ‘ tretnng hebt der Artikel die eifrigen Bestrebungen Simonsens hervor, durch Vorträge etc. historische und religions-philosophische Kenntnisse zu verbreiten, im Verein mit seiner Oeinahlin auf dem Gebiete der Wohltätigkeit durch eigenes Beispiel Nacheiferung zu wecken und als Zcntralisations- und j Vermittlungsorgan zu dienen. Neben allen diesen Geschäften, fährt der Artikel fort, vermochte der Gelehrte noch genügend Zeit zu finden, für die Fortsetzung seiner Studien auf jüdischem, historischem und sprachlichem Gebiete, und eine Reihe von geistigen, in der wissenschaftlichen Welt hochgeschätzten Produkten zeugen ebenso für seine Bemühungen, wie seine 16—!6 000 Bände umfassende Privatbibliothek, die eine grosse Anzahl seltener Handschriften und Originalausgaben enthält. Wir wollen hoffen, so sclilicsst Dr. Fraenkel seinen Artikel, dass Prof. Sitnonson das Otium. dass er jetzt auf Grund verschiedener Verhältnisse in dci G c ־ mein de und aus Bedürfnis, mehr Zeit für seine privaten Studien zu gewinnen, dazu benützt, die Ausscnwelt durch eine ausgedehntere iitterarisclic Tätigkeit an den Schätzen seines .Wissens und Geistes partizipieren zu lassen. .; Ich möchte diese Zeilen mit einer ähnlichen Betrachtung schlicssen, Indem ich der Hoffnung Ausdruck gebe, dass Herr Prof. Simonson einen Bruchteil dieses Otiums dazu verweildet, sich mit der zionistischen, der wahren zionistischen Bewegung noch Intensiver bekannt zu machen, das bedeutet, : sich mit ihr zu befreunden, und ich bin überzeugt, dass dann ד-;zumal äussere Rücksichten den jüdischen Gelehrten nicht * mehr binden — der Tag nicht mehr fern sei, an dem Prof. Simonsen lächelnd an seinen Ausspruch zurückdenken wird: ' •Er fühle sich In erster Reihe als Nationaldäne! ־ :: . Martin Baer. ras* Aus der Bewegung. Protokoll der Sitzung des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland » vom 21. Dezember 1902 zu Köln a. Rh. Gegenwärtig: Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer, Gustav AVolff, Ref. Gronemann als Mitglieder des Zentralkomitees, Rechtsanwalt Dr. Bernstein-Elberfeld als Vertreter des Bezirks Elberfeld des Distrikts Köln. 1. Von den Mitgliedern des Zentralkomitees Dr. Elias, Dr. Frank, Ass. Dr. Fledemann, Rechtsanwalt Dr. Bantke, Kaufmann, Dr. Klee, Dr. Moses, Schachtel u. Wolfsohn sind Schreiben eingelaufen, welche das Ausbleiben entschuldigen und nach verschiedenen Richtungen Anregung geben. II. Wolff berichtet über dio Tätigkeit und die Kassenverhältnisse des Zentralkomitees. III. Gronemann berichtet über 0 r g a n i - s a t i o n und Propaganda im Distrikt Hannover. — Das Statut hat sich gut bewährt. Das Bureau Haunover hofft, durch das von ihm eingeführte System der freien Beiträge zur Organisation eine sichere finanziello Unterlage zu erhalten. Näheres ergibt sich aus dem an die Gruppen versandten Instruktionsbrief. — Dio Gruppen haben, mit einer Ausnahme, sich rasch in das neue System gefügt. Ueborall, wo das System eingeführt ist, zeigt sich ein unverkennbarer Aufschwung in der Bewegung und ist bereits für den grössten Teil des Distrikts eine geregelte und dadurch erleichterte Arbeit geschaffen. — In zahlreichen Ortschäften, in denen bislang der Zionismus keinen Eingang gefunden, sind Anknüpfungspunkte gewonnen, insbesondere durch ein unläDgst an die Synagogengemeinden versandtes Zirkular. Die eingelaufenen Berichto lassen erkennen, dass auch die anderen Bureaux mit der Distrikteinteilung und der Organisation überhaupt zufrieden sind. Ueberall ist ein Anwachsen der Bewegung zu konstatieren, ferner auch, dass dio zionistische Arbeit grossero Regelmässigkeit und Planmüssigkeit angenommen hat. Dio Ortsgruppe Hamburg beantragt, vom Bureau Hannover abgezweigt und dem Bureau Berlin zugeteilt zu werden. Gronemann berichtet, dass Hamburg von vornherein sich geweigert habe, mit Hannover zusammen zu arbeiten und sich dem diesbezüglichen Beschlüsse des Zentralkomitees zu fügen. — Das Bureau Hannover bittet, ihm die Verantwortlichkeit für Hamburg abzunehmen. Es wird beschlossen: 1. Der Gruppe Hamburg soll mitgeteilt werden, dass ihr Verhalten als statutenwidrig nicht gebilligt werden könne. Bis zur Entscheidung durch den Delegiertentag wird Hamburg dem Bureau Berlin zugewiesen. 2. Dio Entsendung von Rednern soll in Zukunft nach Möglichkeit nur durch Vermittelung der Distriktsbureaas erfolgen. 8. Dem Bureau Hannover wird aufgegeben, jedem Bureau je ein Exemplar des von ihm versandten Instruktionsbriefes und des Schreibens an die Sy nagogengomeinde zugehen zu lassen. Es wird den Bureaus orapfohlon, nach dem Muster Hannovers derartige Schreiben zu versenden. ין*