Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1903-01-09 · Heft 2 (9.1.1903) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 2 (9.1.1903)
Date
1903-01-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651289-2651292--00150-2656920
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JUdiseke Rundsvliau. 5*0110 15 No. 2 geben.“ Es entwickelte sich eine lebhafte Debatte. Einige Herren standen auf durchaus ablehnendem Standpunkte.’ Andere meinten, die Bewegung &U solche könne nicht anders als sympathisch begrüsst worden, während es den einzelnen Rabbinern überlassen bleiben müsse, in Erwägung der lokalen Verh&ltnisse zu entscheiden, wie weit sie sich praktisch an der Förderung der Bewegung beteiligen wollten und könnten. Eine Resolution wurde nicht boschlossen. Berlin. Die Repräsentantenversammlung vom 28. Dezember genehmigte die Annahme zweier Legato zum Zwecke der Grabeserhaltung in Höhe von 2000 und 1000 Mark. Die Debatte über die Stundenhonoraro der jüdischen Lehrer und Lehrerinnen an den Religionsschulen der Gemeinde führte noch zu keinem Resultat und der Veitagungsantrag Louis Sachs wurde einstimmig angenommen. Ohne Debatte wird dio Erhöhung des Gehaltes der Assistenzärzte am Hospital der Jüdischen Gemeinde bewilligt und zwar von C00 auf 750 Mk. für das erste, von 900 auf 1000 Mk. für das zweite Jahr. Die Rechnungs-Ab- Schlüsse der Religionsschulen, der Bibliotheksverwaltung und der Waisenkommission wurden genehmigt. Es folgte eine fast zweistündige geheime Sitzung. Berlin. Die Jüdisch-Musikalische Vereinigung beseht am Sonnabend, dein 17. Januar 1903, in den Prachtsälen des City- H6tel, Dresdenerstr. 52, ihr 3. Stiftungsfest, bestehend aus Konzert und Bali, zu weichem hierdurch alle freunde und Gönner der Vereinigung herzlichst eingeladen sind. Mitwirkende sind ausschliesslich Mitglieder der J.-M.-V. Einlasskarten ä l Mark sind jetzt schon bei M. H i r s c h, G o 111 a r d- Strasse 2, sowie am 17. Januar an der Abendkasse zu haben. Das ausführliche Programm der musikalischer, Darbietungen steht auf Wunsch jedem Interessenten gern zur Verfügung und bedarf es nur der Mitteilung der Adresse an Herrn Hirsch. z Allerlei. ב Sprechsaal, AIa«n■» Ciaüa r.k«•«? Für die .*«Utteilungcn an dieser Stelle übernimmt die Redak tlon des Blattes nur die pressgcsetztiche Verantwortlichen. Dio Berliner ״Staatsburger - Zeitung“ bezeichnet mich im Leitartikel ihrer Nr. 4 vom 3. d. Mts. als ,.jüdischen Dichter“ und legt mir dio ״gemeine, unsittliche, schamlose Beschimpfung einer christlichen Religionseinrichtung“ durch mein Buch Confirmo to chrysmate, also ein Vergehen gegen § 106 des Strafgesetzbuches zur Last. Ob die letztere Beschuldigung gerechtfertigt ist, wird voraussichtlich vor dom richterlichen Forum entschieden werden. Gegen die oratoro Behauptung aber bitte ich um Veröffentlichung folgender Erklärung: Fs ist unwahr, dass ich ein ״jüdischer Dichter“ bin. Ich bin vielmehr eine christliche Dichterin. Ich bin von christlichen Eltern geboren, laut Pfarramtszeugnis am 1. Dezember 1879 getauft und in einem katholiseben Frauenkloster orzogen worden. Ich kann nioht umhin, die Bohauptung der ״Staatsbürger-Ztg.“ als böswillige Irreführung der öffentlichen Meinung zu bezeichnen, da meine Persönlichkeit, die ohnedies der Redaktion der ״Staatsbürger-Ztg.“ bekannt sein dürfte, durch einfaches Nachschlagen im Berliner Adressbuch oder in Kürschners Litteraturkalonder festzustellen gewesen wäre. Borlin, den 5. Januar 1903. Dolorosa. Dfe Nledcrschlagsverhältnlsse Palästinas in alter und neuer Zeit behandelte Hnr. Hildcrschcid in seiner Doktorarbeit (Münster 1901). Aus den Anhaltspunkten über dieselben im Altertum, wie sic uns durch die Bibel und den Tatmud überkommen sind, wie aus dem Vergleich derselben mit den heutigen Niederschlagsverhältnissen des heiligen Landes ist eine erhcblche Verminderung des Regens in der seitdem verflossenen Zeit nicht festzustelleu. Die Hauptursachen der heutigen Niederschlagsvcrliältnissc daselbst beruhen zweifellos in der Verteilung von Land und Meer, der Rclicfgestaltuug des Gebietes wie den daselbst vorherrschenden Winden, d. 11• vor allem der Entstehung der winterlichen Cyklotien über dem Mittelmeer. da diesem hauptsächlich die winterlichen Niederschlüge jener Gegenden entstammen. Die Verteilung von Land und Meer ist. abgesehen von geringfügigen Aenderungcn an der Küste, heute dieselbe wie im Altertum. Ebenso sind keine Anzeichen vorhanden, welche auf eine irgendwie wesentliche Veränderung der Reliefgestaltung der betreffenden Länder seit ucn Zeiten des Altertums hindeuten. Was aller die Entstellung der winterlichen Cyklone über dem Mittelmccre anbetrifft, so liegt kein Grund vor. anzunchmen. dass sich die eigentümlichen Verhältnisse der winterlichen Oherfliichcn-Tempcratur des Mittelmccres. welche auch auf die Entstehung der winterlichen Cyklone von erheblichem Einfluss sein dürften, beträchtlich geändert haben. Es ist also auch kein ersichtlicher Anhalt für die Annahme gegeben, dass sich in denjenigen Bedingungen, von denen die heutigen Niederschlagsverhültnisse jener Gcbiete hauptsächlich abhätigen, seit jenen Zeiten etwas wesentliebes verschoben habe. Ueberhaupt ist es geraten, mit der Annahme von Kliutaveränderungeu Sn historischer Zeit stets vorsichtig zu sein und nicht ohne weiteres den Rückgang eines Landes in der Kultur gleich auf eine Aenderung der klimatischen Verhältnisse in geschichtlicher Zeit, einer so kurzen Zeitspanne in der Erdgeschichte zu gründen. — (״Globus.“) Auf die Arbeit, di in anderer Gestalt auch in der ..Zeitschrift des Deutschen Palästinavereins*‘, Bd. 25. gedruckt ist. werden wir in unserer!Itterarischen Beilage ausiührlich zurückkommen. Kleine Chronik. Berlin. Die durch und durch antisemitische ״Post“ wendet sich in einem Artikel aus Anlass eines Aufsatzes eines Dr. Stille in der Wolfschen Zeitschrift für Sozialwissenscliaft gegen die Ncu-Malthusianer. Sie macht natürlich das Judentum für die ncu-malthusianische Lehre verantwortlich. N’üclistens wird man in der Post auch lesen können, dasss die Kohlenbarone nicht genügend Kohlen absetzeu uud deshalb Not leiden, weil die Juden den Winter nicht genügend haben kalt werden lassen. Wenn der alte Tcrtullian noch lebte, vürde er sein Christianos ad leonem in ein Judaeos in flammas verwandeln müssen. Gut, dass er nicht mehr lebt. — Leipzig. In den Gebetraiun der hiesigen Synagoge drangen Einbrecher und beraubten die Schränke ihres etwa 200 Mk• betragenden Inhalts. — Hannover. Unter Leitung des Landrabbiners Dr. Groncmamt und Förderung angesehener vermögender Mitglieder der hiesigen Synagogeu-Üememde hat sich hierselbst ein Verein ehemaliger. Rcligiousschülcrinnen der genannten Gemeinde gebildet, dessen Hauptziel die Fürsorge für hilfsbedürftige und unbeaufsichtigte jüdische Kinder ist. Namentlich die jungen Damen der Gemeinde nahmen sich der Klebten in liebevoller, werktätiger W'eise an und stiften dadurch viel gutes. Der Verein veranstaltete tum im Konzerthause ein Kinderfest. das ganz reizend verlief. — Breslau. Die konservative Schlesische Zeitung, die selbst nicht wenig antisemitisch ist, jammert über die Kottkurrenz der ״reinen" Antisemiten: ״In Wcstpreusscn biechen die Antisemiten in die bisher durch Mitglieder der Rechten vertretenen Reichstagswahlkreise ein. So hat, wie die ״Staatsbürgerztg.“ mitteilt, der unter Leitung des Verlegers der ״Staatsbürgerztg.‘*, Bruhn. stehende ״Ostdeutsche Verband der Reformpartei" im Wahlkreise Deutsch-Krone, den der Abg. Gamp (Reiehspartei) bisher erfolgreich gegen das Zentrum behauptete, einen eigenen Kandidaten für die nächsten Rofchstagswahlcn in der Person des Lehrers Berg aus Heinersdorf bei Berlin aufgcstellt• Auch in dem von den Polen sehr heftig umstrittenen Wahlkreise Sclnochau-Fiatow,.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.