Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1903)
- Date
- 1903-01-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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■■׳•׳ ■ ו*j#*t*׳^״*״ Seite 12 «TUdi&clie Rundsoliau, No. 2 jüdischen Glaubens bleiben“. Jawohl, das wollen wir Zionisten auch, und wenn wir auch jetzt nicht gewiilt sind, nach Palästina auazu ■andern — tempora mutantur ot nos inutamur in illis — sollen wir uns deshalb von einer Bowegung fernhalten, die Tausenden und Millionen unseier armen, unglücklichen und bodrängten Stammesgenossen ein Heim schaffen will? Hier ist eine Skepsis nicht angebracht, es heisst mitarbeiten und werben, denn unser Ziel ist erreichbar, viribus unitisl Von einer verlorenen Schlacht und einer Niederlage unsererseits ist absolut keine Rede, ich glaube sogar sehr wohl bemerken zu können, wie die Aeussorungen der Gegner mehr pro als contra gewirkt haben. Eine direkte Unwahrheit enthält die Notiz im ״Israelitischen Fam ilien bl a tt“, worin gesagt ist, die ausgclegten Listen fanden keine Unterschrifteu. Das genaue Gegenteil ist der Fall, und eine Schekelsammlung ergab 75 Mk.l Die Konstatierung dieser Tatsache genügt, um zu zeigen, dass wir hier Bodeu gewonnen haben uud immer mehr gewinnen werden. Flteliiie Am Donnerstag, dem 25. Dezember er., feierte die hiesige Ortsgruppe im Markschen Lokale das Makkabäerfest. F.ingeleitet wurde die Feier mit einem Prolog, dann trugen kleine Mädchen Gcdichtchen vor, daran! gemeinsamer Gesang des .,Freiheitsliedes*‘ und ..Wach au! mein Volk“ von H. Locwe und einem Gedicht ״Chamika“ von Dolorosa. Hierauf hielt der Vorsitzende der Ortsgruppe Alfred Salingcr eine Ansprache, welche mit Begeisterung aiiigenommen v\ urdc. Die Verteilung von Geschenken an die Schulkinder bildete den Schluss des gelungenen Festes, der geräumige Saal war bis zum letzten Platz gefüllt — ein Zeichen dafür, dass unserer neugegründeten Ortsgruppe immer grössere Sympathieen entgegengebracht werden. as. Rawltsch. Am 4. Januar sprach im hiesigen Verein für jüd. Gesch. u. Litt, unser Freund Dr. Albert Goldberg aus Bad Neuenahr über den Zionismus, ln ״/«ständiger Rede suchte er die Motive, das Wesen und Ziel des Zionismus in begeisterter und sachlicher Weise auseinanderzusetzen, wobei er nicht zuletzt die regenerierende und rcjudaislercndc Bedeutung grade für westeuropäische Juden herausarbeitete■ Er fand reichen und echten Beifall. In de! anregenden und äusserst lebhaften Diskussion, an der u. a. sich die Herren Rabb. Dr. Cohn, Justizrat Breslauer und Zahnarzt Cohn beteiligten, suchte Ref. die Einwände zu entkräften, was ihm auch gelang, so weit cs sich um Fragen handette, die Oberhaupt eine Diskussion zulassen. Der Herr Rabbiner, der einen, ekzeptionnef und orthodoxen Standpunkt vertrat, für den unser Schrifttum kaum eine Unterlage bieten dürfte, erkannte dennoch den hohen Wert unserer Bewegung an, zu deren Anschluss er mit warmen Worte alle — ״Freisinnigen Juden“ in seiner Gemeinde aufforderte. — Es wäre richtig, wenn einer unserer konservativen, rabbinischen Freunde hierselbst nochmals den Zionismus behandelte. Hoffentlieh werden dann auch unsere zionistischen Studenten von Rawitsch und unsere. Gesinnungsgenossen dort zum Vortrag erscheinen. — Breslau. Wir entnehmen der ״Breslauer Morgenzeitung*‘: Am Sonnabend feierten die Zionisten ihr Makkabäerfest in den Räumen des Konzcrthauses durch eine musikalische Soiree, in welcher Herr Kantor Cerini. sowie Fräulein Sternfeld sein achtüngswcrtc gesangliche Gaben boten, während Herr Egmont Pollak durch die virtuose Reproduktion zweier Wagner-Transskriptionen starken Applaus liervorricf. Ein Tänzchen hielt die Festteilnchmcr bis in den nächsten Morgen hinein zusanmien. Gr.-Strehlitz. Am 30. Dezember 1002 feierte die hiesige zionistische Ortsgruppe das Mnkkabäerfest. Trotzdem unsere Ortsgruppe erst kurze Zeit besteht und der Zionismus noch viele Mitglieder der hiesigen Gemeinde zu seinen Gegnern zählen muss, hatte sich dennoch eine Anzahl von Herren und Damen eingefunden, um mit uns dies Fest zu ieicni. Nach den die Feier einleitenden Worten des Herrn Pictckowski und nach An zünden der Channkahlichtcr und Absingung von Maos Zur hielt Herr Referendar Dr. L i 11 ni a n n- Glciwitz die Festrede, in der er zunächst die Rassenfrage der Juden erörterte; dann schilderte er die Makakbäerkämpfe, legte dar, weiche Lehren wir uns aus der Geschichte der Makkabäer ziehen müssten, verglich die hellenistische Assimilationspcriode mit der Assimilationssucht unserer Tage und forderte schliesslich zur eifrigen Beschäftigung mit jüdischer Geschichte und Zionismus auf. Herr Bruno No tlun a 111! trug als Vioünsolo Kol Nidrc vor. Dann sprach Herr Ernst Samuel über Morris Roscnfeld und seine Gedichte. Herr Eduard Litt ui.a n 11 trug einige Lieder von Schubert und mehrere jüdisch-deutsche Lieder vor, die besonderen Beifall fanden. Am Schluss der Feier wandte sich cand• jur. N o 111 m a n n an die Damen, hob hervor, wie wichtig die Mitarbeit der Frauen für die Lösung der Judenfrage und. die Verbreitung unserer zionistischen Idee sei und forderte die anwesenden Damen zur Mitarbeit «auf. Eine zugunsten des Nationalfond veranstaltete Sammlung brachte eine ansehnliche Summe. -n. Glelwltz. Itn Monat Dezember fand die stututemnüssige Generalversammlung statt, zu der sämtliche־ Mitglieder erschienen waren. Nach Abstattung des Kassen- und Jahresstreut sich, wir springen im Wagen auf und jubeln hutschwingend dem sonnigen Heimattal zu. — Aber cs ist nur eine kurze Strecke, — der Weg wendet sieh, — und es senkt sich auf uns die alte Schwermut. — In diesem Zyklus findet sich ein ״Marschlied“. ״Auf! Hedad, Hedad! Unsere Bahn ist frei!“ Und das ist fast das einzige — wie soll ich sagen, — das einzige Kriegervcreinslicd im ganzen Buche. — Es ist das nicht eben ein Vorwurf, — es wäre eher ein Vorwurf, wenn ich Vercinspocsie konstatieren müsste. Aber offen gestanden tut es mir leid, dass ich den Vorwurf nicht machen kann. — Das Buch ist ein Buch für den Feinempfindenden, für den, der nachempfunden kamt und will. In vielen der besten jüdischen Herzen wird es heimisch werden. Aber — so schön und innig das Werk ist, so viel vornehmes und freundliches Hoffen aus den Märchen klingt, — der Dichter kann entschieden auch weniger schön dichten und vielleicht robuster, —. vielleicht weniger für die Intellektuellen und mehr für die Masse. — Ich bin dem Dichter recht von Herzen dankbar und vielen wird er gleich mir bleibende Freude bereitet haben. Aber ich kann cs mir nicht versagen, bei der Gelegenheit einen Wunsch zu äussern, den mir Zlocisti oder sonst jemand erfüllen mag: Ich möchte eine jungiiidische Gedichtsammlung, — voll von Gedichten, die klingen und rasseln, solcher Gedichte, von denen der ״Intellektuelle“ —- ich meine der zünftige, — nichts wissen will, und die zum bleibenden Repertoire aller Turn- und Gesangvereine gehören. Wir werden vielleicht noch mehr als einen Heine zeitigen, — vorläufig wäre aber ein Wildenbruch oder auch Lauft* uns viel mehr von Nöten. Im Vertrauen: Wenn ich tmsern ersten Lau ff zu rezensieren hätte, würde ich's mir noch sehr überlegen, ob ich verraten würde, als was ich ihn gefunden. Jung-Juda, Zeitschrift für unsere Jugend. Prag: Mysliksgasse H Nro. 8. Jg. IJI. Enthält u. a.: Klauber: Das Mutterherz. J'Betebcth. Bock: Ein Wintermärclien. H. Kolm: Der kleine Makkabäer. Perlen aus dem Talmud. Verschiedenes. Rätsel. Uebersetzuiigsaufgabe. Wegweiser für den jüdischen Religionsunterricht. Abhandiungen, Entwürfe und Lehrproben aus allen Zweigen des jiidisehen Religionsunterrichts. Unter Mitwirkung erfahrener Schulmänner herausgegeben von M. Spanier und E. Flantcr. Heft III. Berlin: W. Latte 1902. (•10 S.) 8.