Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1903)
- Date
- 1903-01-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Dezember, fand in der Synagoge des Vereins ״Norden“ (Schwedterstrassc 24S), eine feierliche Makkabäerfeier statt. Nachdem der Kantor die Chanukalichter entzündet und die erste Strophe von ״Maoz Zur“ verklungen war, hielt Herr Dr. Wilhelm Lewy die Festpredigt, in der er sich namentlich an die anwesenden Kinder der Rcligionsschule des Synagogenvereins wandte und sie ermahnte, den leuchtenden Gestalten der Makkabäer nachzucifcrn. Hiernach trugen einige Kinder der Rcligionsschule eine Reihe der besten jüdischnationalen Gedichte vor, worauf eine Chanukabcschcnkung erfolgte. Jedes Kind erhielt ein Geschenk, teils Kleidungsstücke, teils Bücher, auch Süssigkciten. F.s war eine Freude, die strahlenden Kindergesichtchen zu sehen. Die reichen Geschenke waren sämtlich Gaben anonymer Spender, denen an dieser Stelle der herzlichste Dank ausgesprochen sei. Berürt. Am 28. und 29. d. M. tagte im Sitzungssaale des Deutsch-Israelitischen Gcmeindcbundes der provisorische Ausschuss des ״Vereins zur Förderung der Wissenschaft des Judentums.“ Er fasste Beschlüsse über die weitere Organisation der Propaganda, die mit gutem Erfolge begonnen und dem Eisernen Fonds bereits beträchtliche Beträge zugeführt hat, sowie über die Fassung der Statuten, die der nächsten ordentlichen Mitglicder-Versammlung zur endgiltigcn Festsetzung vorgclegt werden soll. Berlin, den 28. Dezember. Der Talmud-Verein, der erst vor kurzem das Fest seines 50jährige!1 Bestehens feiern konnte, hat beschlossen, das Gebiet seiner Tätigkeit auszudehnen. Neben den täglichen Talmudvorträgen soll auch Gelegenheit geboten werden, sich die Kenntnis der Geschichte des jüdischen Volkes und seiner geistigen Strömungen anzueignen. Zu diesem Zwecke wird Herr Dr. Bleich rode einen Zyklus populärer Vorträge über jüdische Geschichte und Litteratur an jedem Montag Abend 8VL• Uhr pünktlich in Cassels Hotel, Burg- Strasse 16, halten. Eintritt und Garderobe, auch für Nichtmitglieder, frei. Der erste Vortrag findet am Montag, den 5. Januar 1903, sfatt. Berlin. Der Verein ehemaliger Schüler der Knabenschule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin feiert sein drittes Stiftungsfest am Sonnabend, dem 3. Januar 1903, abends 8 Uhr, in den Gesamträumen von Kellers Festsälen, Koppenstrasse 29, durch ejne musikalisch-deklamatorische Soriee mit anschliessendem Tanz. Eintrittskarten ä 1 Mark sind bei den Komitcemitgliedern (Dr. Lachmann, Landsbergcrstr. 89, M. Bacr, Holzmarktstr. 37 u. a.) zu haben. Bremen. Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur hielt Dr. mcd. Arthur Kahn aus Bonn einen Vortrag über ״Das alte und das neue Ghetto“ vor einem ziemlich zahlreich erschienencn Publikum. Der Redner verstand es wie selten einer, seine Zuhörer zu fesseln, ln grossen Zügen schilderte er die düsteren Zeiten der Krcur/.ügc, führte dann seine Zuhörer durch das Mittelalter mit seinen vielen wechselvollen Epochen des ‘Leidens und geistigen Lebens. Die dunkelste Episode des finsteren Mittelalters bildet die Zeit, in der der schwarze Tod Europa entvölkerte, der aber, anstatt die Menschen einander näher zu bringen, wie das sonst bei gemeinsamen Leiden zu sein pflegt, die bösen Leidenschaften noch mehr entfachte. Auch in diesen Zeiten des Unglücks ruhte das geistige Leben unter den Juden nicht. Sobald der äussere Druck nachlicss, schnellte der jüdische Volksgeist wieder in die Höhe und bedeutende geistige Schöpfungen entstanden in den dunklen Qhettogasscn. In hochdramatischer Weise führte der Redner aus dem Unter- gang des europäischen Ghettos in das neue Ghetto, das New- Yorker, das grösste der Welt, hinüber. So erschütternd die bisher entrollten Bilder auf die Zuhörer wirkten, so packend und lebhaft stellte Herr Dr. Kahn das New-Yorker Ghetto und oft mit wahrhaft köstlichem Humor dar. Das litterarische und schöngeistige Leben des New-Yorker Ghettos äussert sich in denTheatern, i!1 zahlreichen jüdischen Tageszeitungen, in schöngeistigen und wissenschaftlichen Schriften, die alle, selbst von den Aermsten — Hausierern, Handwerkern und Tagelöhnern — gekauft und gelesen werden. Ungemein viel Scharfsinn und Humoc ist in den politischen Blättern niedergelegt. In den kleinen Gebetstuben finden sich diese Leute am Sabbat und Festtagen zu belehrenden Vorträgen ein, an denen sich die Zuhörer oft selber beteiligen. Hier zeigen sich die geistigen und sittlichen Vorzüge dieser Armen und Unbeachteten in den schönsten Bildern. Das Handwerk ist unter den Ghetto-Juden sehr zahlreich vertreten. Es giebt allein 80 000 jüdische Schneider in Ncw-York. Diese armen jüdischen Schneider bilden den friedlichsten Teil des Ncw-Yorkcr Proletariats. — Diese Kleinmalerei war ein Meisterwerk von rhetorischer Schönheit und psychologischer Beobachtungsgabe. Die grösste Wirkung erzielte der Vortragende in seiner Schlussrede, indem er auf die Leiden der Millionen unglücklicher Glaubcnsbriider in Russland, Rumänien, Persien und Marokko hinwies. Bei diesen Schilderungen konnte man aus manchen Augen Tränen perlen sehen. Unstreitig wird dieser Vortrag, der zu den besten und schönsten gezählt werden kann, allen Zuhörern noch lange in Erinnerung bleiben. Der reichlich gespendete Beifall des begeisterten Publikums mochte den Redner überzeugt haben, dass das hiesige Publikum für solche lichtvolle, tiefdurchdachte Dar- ‘Stellungen volles Verständnis besitzt. (Bremer Tageblatt.) י Jerusalem. Laut authentischen Nachrichten, die aus Jaffa tätlich hier eintreflen, ist dort die Cholera bereits im Erlöschen begriffen. Von unseren »Stammesgenossen ist ihr keiner zum Opfer gef allen. Beunruhigende Nachrichten treffen aus Nabln* ©Id. Nicht unbegründet jedoch ist die Hoffnung, di.ss sie sich weiter nicht ausbreiten werde, zumal die Witterung anhaltend kalt und trocken ist. Za den Ortschaften, wo sie Verherungen angerichtet, zählt auch Jericho. Dort fielen ihr auch zwei unserer Glaubensgenossen zum Opfer. Wie man bis heute beobachtete, sind die^jiöhergelegenen Ortschaften, mit kälterem Klima, von der Cholera verschont geblieben. — Der Grandrabbin Zadok Kahn von Frankreich hat in wenigen Tagen nicht weniger als 20 030 Franken für die Linderung der Not der palästinischen Juden gesammelt. Prof. Dalrnan aas Leipzig ist hier vor einigen Tagen eingetroffen und wird sich hier dauernd niederlassen. Er ist, wie bekannt, zum Direktor des ״Deutschen archaeologischen Instituts zu Jerusalem ernannt worden. London. Kürzlich verbrannten bei einem Feuer, das in dem ärmsten Teil Londons, in Whitechapel, ausgebrochen war, drei Personen, nämlich eine Mutter mit ihren zwei Kindern. Bei der Leichenschau ergaben sich aus den Aussagen der Geretteten, die, nebenbei bemerkt, fast alle ausländische, der englischen Sprache nicht mächtige, arme Juden waren, W0I1mmgsverhültnisse, die cs wunderbar erscheinen lassen, dass nicht noch niehr-Insassen verbrannten. Ein Inspektor erklärte, dass im Falle eines Brandes diese Häuser reine Fallen seien und ohne Mensclienverlust nicht zu räumen wären. Man könne sic am besten mit Kaninchcnställen vergleichen. Der Schmutz, der in diesen Häusern herrscht, soll es geradezu unerklärlich machen, dass nicht häufiger Epidemien im Ostende Londons auitreten. Besondere Entrüstung rief die Tatsache hervor, dass im Sommer sogar Plätze auf dem Dach als Schlafstellen vermietet werden. ״Daily Mail“ schreibt zu diesen Enthüllungen: ״Das Interesse der Gesamtheit verlangt,!dass Menschen nicht wie Schweine leben, selbst wenn sie den Wunsch hegen, so zu leben, denn die Gesamtheit weiss, dass für solche Verletzung der Gesetze der sanitären Prinzipien und der Gesundheit die nach kommenden Generationen schwer zu .btissen haben. Es ist wohl kaum nötig hinzuzufügen, dass wenn mit fester Hand eingegriffen .würde, um die Uebervölkerung solcher Häuser unmöglich zu machen, der Hausbe- ״>**•>*• *■•י*. »>■ •H‘, '*■'*■spi* *■ #—ץ♦■'—