Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1903)
- Date
- 1903-01-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8., Jüdische Rundschau, No. .U sllzcr nicht länger ein Geschäft daraus machen könnte, solche Spelunken zu besitzen, während den! Steigen der Mietspreise Im Ostende Londons ein Ende gemacht würde, indem ein solches Vorgehen es dem Ausländer unmöglich machen würde, einen lächerlichen Preis für ein Haus zu zahlen und dann seinen Lebensunterhalt dadurch zu suchen, dass er die Gesundheit der Hausinsassen und; der Nachbarschaft aufs Spiel setzt.“ Allerlei. Unterstiitzungs-Casscn zuui Zwecke der Auswanderung. Die Auswanderung bildet unter den obwaltenden, bürgerlichen Verhältnissen der Israeliten Europa’s und inbesondere Deutsch* land’s fast noch den einzigen Honnungsauker des heranwachsenden jüdischen Geschlechts. Die bürgerlichen Rechte der Israeliten werden in neuerer Zeit fast allenthalben in hohem Grade beschränkt. Die Pforten des Staatsdienstes bleiben ihnen verschlossen, der Betrieb eines Handwerks bietet bei der in Deutschland herrschenden Uebung, wonach ein jüdischer Handwerker nicht leicht christliche Kunden erhält. Juden aber oft um ihrer eigenen Ernährung willen bei christlichen Handvvcrkein arbeiten lassen müssen, keine sichere Existenz; Handel und Gewerbe sind in den Städten beim Mangel der Freizügigkeit in hohem Grade übersetzt; auf dem Lande bestellt derselbe in einem unwürdigen Schacher* und Yiehhandel, zu dessen Be- Schränkung und Verminderung die Regierungen Deutschlands mit Recht den Vertrieb desselben erschwerende Verordnungen und Maassregeb» erlassen. So bleibt den jüdischen von einigem höheren Selbstgefühl erfüllten Jünglingen unter solchen Rechts* und NalmingsverhüUnissen wohl nichts anderes übrig, als in jenem Lande der Freiheit und Gleichheit ihr gutes Recht und eine ehrenvolle Lebensexistenz zu suchen. Die in den Auswandcruugslisten vorkonunenden zahlreich.cn Namen von Israe- Uten bereisen, wie diese Auswanderung bereits allgemein von den Söhnen Israels als ein unabweisslichcs Bedürfnis.*; erkannt wird. Und gewiss erscheint es als ein hohes Verdienst, den vielen jungen Krüiten, denen es an den Mitteln zur Bestreitung der Auswandenmg'sknstcn fehlt, durch die Darreichung dieser Mittel Gelegenheit zu verschaffen, sich in jenem Lande der Freiheit durch Entfaltung ihrer eigenen Kräfte ihr Leben zu fristen, und sie so einem Leben der Armut und des Mangels, das den Bettel ihnen zuletzt zur traurigen Notwendigkeit macht, frühzeitig zu entziehen. Ja, wenn die Erlösung zur Freiheit von den alten Rahhinen bereits als eine hohe heilige Pflicht erkannt, und empfohlen wird, so Ist gewiss eine solche Unter- Stützung zum Zwecke der Auswanderung ein eben so heiliges Gebot der Menschenliebe und der Religion, indem dadurch Mancher eine doppelte Art von Freiheit sich erwirbt, zunächst die bürgerliche aber auch 'die soziale, indem er vor einem unter manchen Verhältnissen oft unausbleiblichen Leben der Abhängigkeit von anderen bewahrt wird. Darum mögen auch iür diesen heiligen Zweck milde Stiftungen gegründet werden. (Jüdische Volksbibliothek. II. Wfllstädter B.: Worte der Ermunterung zur Errichtung frommer Stiftungen. In Schriften hrsg. vom Institute zur Förderung der israelitischen Littera* tur (L. Philippson, Ad. Jellinek und J. M. Jost). Jaltrg. I, 1855 Seite 25. Kle ne Chronik. —: Berlin. In einer erweiterten Versammlung befasste sich der Berliner Parteirat der Deutsclikonservativcn mit den Vorgangen im Reichstage. Von Lehrer Schröder wurde die Parole hinciugcvvorfeit; ״Gegen Sozialdemokratie und Judentum!“ Der ' Vorsitzende. Polizeirat von Loebeil. stimmte in seinem Schlusswort lebhaft der Parole gegen die J״d׳*n bei. Wenn Ken Loebe(i Sozialdemokrat oder freisinnig wäre, so liefe er Gefahr, wegen seines Namens für einen Judenstänunling zu gelten. Es ist sehr gut, wenn man einen jüdischklingeuden Namen führt und wenigstens dabei Antisemit ist. - . Berlin. Das Organ der Leute, die die grössten Kartoffeln bauen, die ״Deutsche Tageszeitung“ schreibt über die Ergreifung des Mörders der Jüdischen Witwe Budvvlg: ״Der Mörder der Witwe Budwig ist ermittelt, wenn auch noch nicht ergriffen. Es ist der eigene Neffe der Ermordeten. In später Nachmfttagsstundc gehen uns darüber folgende Mitteilungen zu: Die Ermittelungen der Kriminalpolizei haben ergeben, dass die alte Frau Budwig von ihrem Neffen, einem am J. November 1875 zu Koni» geborenen Kellner Adolf Lesczynsky ermordet und beraubt worden ist. Bcschreibtmg des Mörders: Der Mörder, von dem man noch nicht vveiss. wohin er sich nach der Tat gewandt hat. ist mittelgross, hat schwarzes krauses Haar, dunkle Augen, eine gebogene Nase und ein glatt rasiertes Gesiebt (auf deutsch: jüdisch). An der Stirn bat er eine Kratzwunde. Er spricht russisch, polnisch und deutsch (und wird wahrscheinlich a1»ch mauscheln». Lesczynsky war aus London nach Berlin gekommen, um von hier nach Paris zu fahren. Er trug einen schwarzen steife.» Filzhut, einen dunkelgrauen Somnierüberzieher. ebensolche Hose und Weste, ein schwarzes Jackett u״d Knöpistieiel.“ Wenn die .,Deutsche Tageszeitung“ mit Wohlgefälligkeit diese Gelegenheit dazu benutzt, um in Antisemitismus zu machen, so beweist sie wiederum einmal, dass es bei ihr nichts weiter als ganz einfacher gemeiner Hass und nichts weiter ist. was sie in ihren! Kampfe gegen die Juden leitet, alles, was sic sonst verbringt, ist eitel Dunst und Heuchelei. Sollte es wahr sein, dass der Mörder ein Jude ist, so wäre nur damit der Beweis erbracht, dass das jüdische Volk sich leider seinen europäischen Wirtsvölkern in rapider Weise assimiliert. Wenn weiter ״Mauscheln“ eine spezifisch-jüdische Eigenart wäre, so würden wir nur bedauern, wenn mau uns die Mauschelei nicht sehn;; von weitem anhörte. Unsere Hochachtung wächst noch immer! - In Breslau verurteilte das Schöffengericht den Herausgeber und Redakteur des Jüdischen Volksblattes Dr. Louis Neustadt wegen Beleidigung des Lehrers W eiche! in Könitz, dessen Name mit der Ermordung des Gymnasiasten Winter fälschlich in Verbindung gebracht worden war. zu 3 M״n. Gefängnis. — Schöntanke. Die zur Stcucreinschätztmg vorgenommene Personcnsiandauinahmc bat eine Zmuiahme gegen die Volkszählung vor zwei Jahren um mehr als S pCt. ergeben; c;c Einwohnerzahl dürfte bald (1000 betragen. Der Konfession nach beträgt die Zunahme bei den Evangelischen 11. bei den Kathoükcn 8 und bei den Juden 4 Proz. —- Dlrschau. Die hiesige jüdische Gemeinde, die früher über 600 Mitglieder zählte, ist in den letzten Jahren auf 400 Seelen zurückgegangen. Die Sicueikraii uci Gcuieioue hat ii'iungc Fortzugs wolilhäbcr!• der Familien so abgenommen, dass von der Wiederanste’Iung eines Rabbiners seit Jahren Abstand genommen wurde. Trotzdem beträgt die aufztibringendc Synagogensteiicr noch 150 pCt. Zuschlag zur Einkommensteuer. Nationalfond. Samuel Goldreicli, Cöln, gesammelt im Synagogenchor Cöln, Roonstr. 2,30 Mk. — Martin'E x i n e r, Krotoschln, 3,25 Mk. — Th. Heilbronn, Berlin, Anguststr. 3S 1,30 Mk. — Von den H ö r c r n d c s R a b b i 11 e r s e m i n a r s in Berlin: 1. Anonym, 2. Aschkenasy, 3. Brader, 4. Heinr. Dreyfns. 5. Lucien Dreyfuss, 6. Joseph, 7. Kahn, 8. Leszynsky, 9. E. Levy, 10. Dr. Lcwy, 11. Majerovvitz, 12. Jasnogrodsky, 13. Marmorstein, 14. May. 15. Nagelberg, 16. Natansohn, 17. Riegcr, 18. Rose!, 19. Dr. Rosenvvasser, 20. Schmelkes, 21. Dr. Stein, 22. Sternberg, 23. Arthur Weil, 24. Dr. E. Weil, 25. W iesel. 26. Winter, die Summe von 16 Mk. IL.) S. Margulis in Stuttgartanstattseiner Schuld an Herrn B e r k o vv i ts c h 1,75 M. (L.) \ ׳on Gästen und Mitgliedern des Jüdischen S t u d c nt e 11 v c r e i« s zu Stuttgart auf der Versammlung am 21. Kislew 5 Mark. Für die rumanisehen Juden. Martin Ex ine r, Krotosclün 3,00 Mark. k Briefkasten der Redaktion, i i 1׳' V VV V V V V V V 'י' V V '1' W V V V WWW. .* *? *? T1׳' TT TTTTT T? TT T T T T TT T TT V TT TT? ׳;'TT T? T 4״ ’ ־ Kaiser. Herzls Judenstaat erschien zuerst im Februar 1896. Die erste Mitteilung in deutscher Sprache über die Schrift findet sich im ״Zion“ desselben Jahres No. I, Seite 11—18. Das Neue Ghetto können Sie am besten durch den Jüdischen Buch- und Kunstverlag־ Brünn, Schfittgassc 4 beziehen. Ad. 3. Uns ist die Mitteilung nicht gegenwärtig. Näheres dürften Sie vielleicht von der Redaktion der ״Welt“, Wien IX, Türkcnstrassc 9 erfahren. . - .:.*v '61 :