Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1903)
- Date
- 1903-01-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. * Bo. t. Jüdische iRttndsohiÄu. berg, der Jedoch schliesslich sich eine Kugel In den Kopf Jagt, oder zum Christentum Übertritt. Mit nlchten! Qehet nach Russland, gehet In die palästinischcn Kotoniecn, die heute schon existieren, oder wenn Buch der Weg zu weit und beschwerlich ist, kommt auf den nächsten Zionistenkongress, Ihr Zweifler, und Ihr werdet, wie so viele vor Euch erkennen, dass es noch ein jüdisches Volk, dass es noch Löwen in Juda gibt. Wenn Ihr diese hunderte aus allen, den entferntesten Weltteilen herbeiströinenden Delegierten an der Arbeit sehen werdet, als jüdisches Parlament versammelt, die Bausteine zu jenem Qebäude, ״zu dem Tempel“ zusammentragend, alle durchglflht von dem endlosen Ideale des Zionismus, der sich nicht mit der Lösung der Judenfrage zufrieden gibt, sondern auch für die anderen unterdrückter, Völker und Menschen das Rettungswerk zu vollbringen berufen ist, dann werdet Ihr überzeugt und beschämt zurückkehren, überzeugt, dass cs keine Utopie ist, was Hcrzl will, beschämt, dass Ihr bis jetzt gegenüber oder gar abseits gestanden habt. Und Ihr werdet, wie wir, hinaustreten vor das Volk um! werdet ihm zurufen: ״Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen.“ Hagenau i. E. Eugen Israel Braunberger. Weihnachten und Chanukah. Die Nachahnuingssucht. die gewissen jüdischen Kreisen i«1-. folge einer ungünstigen historischen Entwickelung eigen geworden ist. hat dazu geführt, dass der Christbaum in den Häusern vieler heimisch wurde, deren Väter im Namen des Christentums verfolgt und totgeschlagcn worden sind, und deren Brüder noch heute Im Namen des Kreuzes unterdrückt werden. Um so unangenehmer berührt jeden Mann mit gesundem Selbstbewusstsein diese kriecherische Gesinnung oder besser Gesinnungslosigkeit, die den fremden Rcligionsgebraia *1 nacliöffcn lässt, und Jude wie Germane oder Slave körnten für den Nachahmer des uniRdischen Pcierns nur ein gerüttelt volles Mass von .Verachtung liegen._!____ Aber so unjüdisch es ist, Weihnachten, den Oeburtstag Jesu, zu feiern, so verlohnt cs doch der Mühe. Weihnachten auch einmal von einem andern, jüdischen Gesichtspunkte aus zu betrachten, als es von diesem aktuellen Standpunkte aus geschehen muss. Man hat die Entstehung des Weihnachtsfcstes mit den römischen Brumalien und Saturnallen ebenso wie mit dem gcrmanischen Julfcst in Zusammenhang gebracht, und cs ist vielleicht möglich, dass mancher Zug dieser Feste auf die Weihnachtsfeier übertragen wurde. Die Wintersonnenwende, die in diesen Festen feierlich begangen wird, ist aber nicht am 25., sondern am 21. Dezember und die Saturnalicn dauerten vom 17.—24. dieses Monates, fanden also ihr Ende, ehe Weihnachten beginnt. Man wäre auch nie auf die Vermutung gekommen, das Christfest mit dem Julfest in Zusammenhang zu bringen, wenn nicht zufällig die nordischen Sprachen diesen Namen beibehalten und diese Völker einige Bräuche des Festes in das Christfest übertragen hätten. Dagegen ist cs wohl zu beachten, dass das Fest am 25. des europäischen Wintermonats gefeiert wird, wie das Chanukahfcst am 25. des Kislew, des babylonischjüdischen Wintermonats. Sehr bezeichnend ist die Aehnlichkeit auch in dem Zusammentreffen des Umstandes, dass bei dem jüdischen wie bei dem christlichen Fest am Vorabend (dem 24.) Lichter angezttndet werden, und dass diese Lichter für beide Feste gleich charakteristisch sind. Dazu kommt auch der deutsche Namen ״Weihnachten“ nicht zum Geringsten In Betracht. Man versteht den Namen ״Heiliger Abend" ohne weiteres, aber nicht den Namen ..Weihnachten", und man sucht vergeblich im ganzen christlichen Ritual dieses Festes nach einer ״Weihung“, von.der man die Nacht eine Weihnacht hätte nennen können. Dagegen bedeutet der Name Chanukah direkt nichts anderes als den ״Weihetag", nämlich den Tag, an dem der Tempel durch die Makkabäer neu geweiht wurde, nachdem er durch das Götterbild des Zeus entweiht war. Die sämtlichen Versuche, das Weihnachtsfest durch gcr* manische und römische Mythen zu erklären, setzen voraus, dass man Christi Geburtstag nicht kannte, und dass man den Tag willkürlich angesetzt hat. Und das ist tatsächlich der Fall. Ganz abgesehen davon, dass die ganze Kindkeifsgeschicht״ Jesu im Neuen Testament erst sehr spät verfasst und in die Evangelien cingcfiickt ist, nennen diese nicht einmal den Tag der Geburt. Dagegen wissen wir, dass ihn der Papst Liberius, der 352—3f>6 den römischen Bischofsstuhl inr.e hatte, zuerst im Jahre 354 feierte, dass der Tag aber erst 379 in Konstantinopcl, 3S2 im kappadolischen Nyssa und 3SS im syrischen Antiochia zum ersten Male gefeiert wurde. Lange Zeit ging im Morgenlande daneben der 6. Januar, das Fest des Epiphanias her. Wir können daraus ,entnehmen, dass man von den Judenchristeii. die das Weihefest wie alle andern jüdischen Feste herübergenommen hatten, die Feier des 25. im Wintermonat fibernomn!en hat und das gefeierte Fest nachträglich als das Gchnrtsfest Christi anzuscheii begann, wie man ja auch seit dem 7. Jahrhundert den immer als Jahresanfang angesehenen ersten Januar als den Beschneklungstag Jesu «!!sprach. Ebenso wenig wie Ostern dem Fest der Ostara, sondern direkt dem jüdischen Pcssach seine Entstehung verdankt, so geht die Weihnachtsfeier auf die Feier des jüdischen Weihefestes zurück. In gleicher Weise erklären sich das scheinbar zufällige Zusammentreffen des Pfingstfestes mit dem jüdischen Schabuoth. der Himmelfahrticier mit dem Lagbcomer, der Fastnacht (eigentlich Faselnacht; so heisst sic noch auf plattdeutsch! mit dem lustigen Purimfest. Ueberall können wir auch i!1 den Formen, nicht nur in den Ideen des Christentums den jüdischen Ursprung finden. Aber um so gedankenloser handeln die Juden, die ihrer eigenen Feste vergessen und den Oeburtstag des Stifters einer andern Religion feiern, die aus den! Judcntumc heraus geführt hat. ז ־־ז ״Wann wird er sich denn endlich unser erbarmen!“ ״Erbarme dich selbst deiner. Nimm es dir nicht so zu Herzen. Sieh’ dich an, du hast ja gar kein Gesicht mehr! Es sind erst zehn Jahre seit unserer Hochzeit . . . Sieh’ dich doch an, du warst ja die erste Schönheit in der Stadt.“ ״Und du? dich hat man doch den Riesen genannt! Jetzt bist du wie eine Drei zusammengebogen, du bist krank, trotzdem du es von mir verheimlichen willst! Gott! o Gott!“ Plötzlich erwachten die Kinder, und bcgannen eines nach dem anderen zu schreien: ״Brot!“ ״Gott behüt’ uns! Wer wird denn heute essen?“ sagte plötzlich Mendel. Mit Verwunderung und Schrecken sahen ihn die Kinder an. ״Heute Ist ein Fasttag,“ sagt Mendel düster. Es vergehen einige Minuten, ehe die Kinder begreifen, um was es sich handelt. ״Was für ein Fasttag? was für ein Fasttag?“ wein* ten die Kinder, . Mendel schlug die Augen nieder, als ob er auf dem Fussboden etwas suchen würde, und erzählte, dass am Morgen beim Lesen der Torah die Rolle vom Altar hcruutergefallen sei. Deshalb ist für den nächsten Tag ein Fasten bestimmt, so wie am ״Jom ־ Kipur“ und ״Tischah-b’Ab“, schon vom heutigen Abend an.“ Die Kinder sprangen vom Bette auf und, barfuss, in zerrissenen Hemdchen, fingen sic an zu springen und schreien; ״wir wollen fasten, fasten!“ Mendel verstellte mit seinen Schultern das Lfimpdien, damit die Kinder nicht sähen, wie aus den Augen Sarahs Tränen quollen. ״Nun, genug,“ — sagte Mendel — ״am Fasttage darf mau nicht tanzen . . . Wenn Gott gibt, so tanzen wir am ״Simchath-Torah“.“ Die Kinder legten sich wieder ins Bett und ver- Rassen ihren Hunger; ein kleines Mädchen fing sogar an zu singen. Von diesem Gesang’ erstarrte Mendels Herz und ihm wurde kalt und frostig. ״Auch singen darf man nicht, —“ sagte er mit eigentürnlicher Stimme,. . Die Kinder wurden still und. erniiidet vom Springen und Singen, schliefen sie ein. Nur der älteste Knabe erwachte nochmals und fragte: ״Papa, wann ist meine Bar-Mizwah!“ . I i i 1 1 1 "י?ץ/ י i »»די*■׳!'<*'««%•»■**׳* •1