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Jüdische Rundschau · 1902-12-24 · Heft 52 (24.12.1902) · p. Seite 107

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 52 (24.12.1902)
Date
1902-12-24
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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mJÜdl8ei10׳.^iiiidHehfui. . ist nicht berechtigt, etwas am Samstag 2a verkaufen. Ehen zwischen ״Dschedids" und Islamiten kommen nicht vor, Fleisch kauft der ״Dschödid‘• nur beim Jüdischen Fleischer, meidet Jedwede Gemeinschaft im Essen mit .den Mohamedanern.“ Da aber die ״Dschedids“ dem Judentum treu sind, so findet sic die Verwaltung als ״ökonomisch״ schädlich. Hllerlel. Ueber die Entstehung und Bedeutung des Wortes Makkabäcr hat man sich mehr als einmal den Kopf zerbrochen. Schwebt doch über allen Namen der Glanzzeit der hasmonüischen Heldcnkümpie ein eigentümliches Dunkel. Schon der Name des ältesten Mäkkabäcrbuelnes, 'der nach Origencs ״Sarbet Sabanael“ und nach, der Peschitto סבעאאיל lautete, wird wohl kaum je genügend erklärt werden können. Am meisten Schwierigkeit bietet aber doch der Name des Makkabi, und den ’möchte man gerade am liebsten sinngemäss erklärt wissen. Durch die Bedeutung des Namens des fränkischen Helden Karl Marteil hat man‘sich gern verleiten lassen, den Namen Makkabi als' den des Hänmierers zu erklären. Das ist aber aus dem Grunde völlig abzuweisen, weil erstlich das aramäische maqqftbä ebenso wie das hebräische כלבת sicli mit einem ר schreibt, dass es aber gar nicht den Streithaiinner bedeutet, der ]*כיפי heisst, sondern den kleinen Hammer des Kunsthandwerkers ■ bezeichnet. Ausserdem könnte auch eine Form קביD ebenfalls nicht den Hämmercr bedeuten und immer wäre noch ־ eher direkt maqqäbä als maqqabi zu erwarten. Wir folgen daher lieber der Form, wie sie S. J. Curtiss in seiner Schrift The Name Mache bee Leipzig IS/6) für die richtige erachtet, und die den Vorzug hat, zu erklären und nicht zu etnendicren.. Er leitet den Namen von כבת her. und hält ככבי für den ״Auslöscher des Streits“. Auch wir möchten die Form כבכי machbi lesen, verstehen aber unter dem Auslöschcr, dem Austilgcr etwas anderes als den Auslöschcr des Streites. Es ist kurzweg der ״Vertilger“ und hat wohl den Namen eher von dein verfolgten Feinde als von dem eigenen Heere erhalten. Xyz. Kleine ßta'onih. Düsseldorf. Dem Berichte des Vereins zur Förderung der Handwerke und technischen Berufsarten unter den Juden (Sitz Düsseldorf) über das Jahr 19-J2 ist Nachstehendes zu entnehmen: Bei Beginn des Berichtiahres hatte der Verein 23 Lehrlinge bezw. Fachschüler unter seiner Obhut (darunter Aachen 3). Neu aufgenommen bezw. untergebracht wurden 14. Am Ende des Berichtiahres waren noch 29 Lehrlinge bezw. Fachschüler vorhanden, wovon im Lehrlingsheim zu Düsseldorf 20 und in Aachen 3 sich befanden und anderwärts 6 untergebracht waren, ln Düsseldorf und Aachen hatten die Lehrlinge Gelegenheit, durch den Besuch der städt. Fortbildungsbezw. Abendschulen sich im Zeichnen und anderen Fächern weiter auszubilden, Unterricht Im Lesen, Rechnen, ßuehführen etc. erhielten sic «n Lehrlingsheim in Düsseid 0 r f. — In Bcuthen O.S. wurden vorgestern von dem Grenzkommlssar Mädler mehrere jüdische Personen aus Russisch- Polen angehalten, welche die Absicht hatten, nach Amerika auszuwandern. Unter den Pestgcnonimencn befand sich auch ein Schmuggler, welcher die Leute mit falschen Pässen gegen Bezahlung über die Grenze geschmuggelt hatte. Die Ocsellschuft wurde nach Kattowitz gebracht und von hier aus pei Schub nach Russland' transportiert. —• In der Jüngsten Genieinderatsitzung der Stadt Wien wurde zur Kenntnis gcbracht, dass die verstorbene Gräfin v. Csikzcntkiraly, ln ihrem Testamente folgendes angeordnet habe: ״Ich setze meinen Mann zum Universalerben.., mit der Verpflichtung ein, dass er meiner Vaterstadt Wien die Summe von 160 000 Kr. für wohltätige Zwecke nach bester Einsicht und Gutdünken des Jeweiligen ersten Bürgermeisters ausbezahle. Für diese Zuwendung hat die Stadt Wien die Verpflichtung, meinem Neffen Franz Hawiäwetz bis zum Tage seiner Grossjährigkeit alljährlich 2000 Kronen und von da ab die Summe von 4800 Kronen Jährlich auszubezahlen. Sollte aber mein Neffe ' zur m b s’aJ s e'h e h Religion' übertreten; scF har Jede üSnbVcrc־: tion aüfzuhören.“ — Das am 9.* Juli 1902 za Wefdltngau ve־׳- storbene, ln Wien wohnhaft• gewesene Fräulein.Feyerfeil, gewesene Kammerfrau der Fürstin Paultne' Metternlch-Sändor, hat als Legat für 30 Waisenkinder der Stadt Wien den Betrag" von 18000 fl. legiert. Nach den Bestimmungen dcs TestäntenteS spU diese Summe an 30 sehr arme,‘ bravb Waisenkinder der Stadt Wien im Alter von 12 Jahren ohne Unterschied der Konfession/mit alleiniger Ausnahme der Juden kinder verteilt werden. Die ״Liebe“ macht eben keinen Unterschied der Konfession. Wir Juden sind, wie wir sehen, doch schlechtere Menschen. — Krakau. Die jüdischen, Univcrsitütsstudeiitcn wollten die Anerkennung der jüdischen' Nation beim Senat durchsetzen und erbaten zu einer Ver- Sammlung deshalb den derzeitigen Rektor Prof. Dr. Oromnitzki u!n Ueberlassung eines Hörsaais. Rektor Dr.. Grorti׳• nitzki erwiderte ihnen, er werde in allen Aintsangclcgcnheiten und amtlichen Papieren die jüdische Nationalität anerkennen und wundere sich nur, dass dies bis jetzt nicht geschehen sei, da doch niemand das Bestehen der jüdischen Nation leugnen könne. Von jetzt wird cs also den Krakauer jüdischen - Studenten frei stehen, sich als Juden zu bezeichnen und sich nicht mehr zu Musspolen und Mussruthcncn pressen zu lassen. — Aus London meldet ein amtlicher Bericht, dass das Elend, in der Fünfmilüoiicnstadt schon jetzt Anfang Dezember grossen" sei, als es seit 22 Jahren je gewesen. Die Süppmiküchcn im" Ostende haben, bereits verdreifacht werden müssen, ohne auch nur entfernt dem Andrange der Hungernden entsprechen zu kur,neu. Als besonders schlimm wird das Ulend unter den deutsch sprechenden polnischen und russischen Juden cles Ostendes geschildert, aber bezeichnenderweise mit dem Hinzuiiigen: ״indes sind gerade sie so sehr im Ertrugen von Entbehrungen jeder Art aufgewachsen, dass sie das Elend besser ertragen als die übrige Bevölkerung, die weit weniger widerstandsfähig ist." — Das heisst, ״da die Juden so wie so an Hunger und Prügel gewöhnt sind, so mögen sie getrost weiter hungern und frieren.“ Aber an Hunger und Prügel gewöhnt man sich nicht, die schmerzen am letzten Tage nicht minder, als am ersten. — Auch London hat sein Tiergartenviertel. Ihr Rathenau, der dort Lanrie ' Magnus־ heisst, veröffentlichte im ״Quarteriy Review“ unter dein Titel Zionismus und Antisemitismus einen Artikel, worin er die Zionisten als Verräter am Judentum bezeichnet, weil sic die dem Judentums obliegende Mission der Ziviiisierung de! Welt stören... Das war im Aprilheit des Blattes. Jetzt biingt die gleiche Revue, offenbar von demselben Autor einen Artikel ״Die Aussichten der Judenfrage“, aus dem wir nur einen Satz wiedergeben: ״Die rumänischen Juden müssen in - Rumänien bleiben, um Rumänien in einen zivilisierten Staut umzuwandeln“. Es ist leicht gesagt, lasst euch ruhig hauen, wenn man die Schläge nicht auf das eigene untere Rückenende nehmen muss. Süd-Russland. Der russische Schriftsteller A. Zinnovar, weieher vor kurzem die jüdischen Ackcrbaukolonieen in den Gou-, vernements Bessarable.n und Podolicn besucht hat, berichtet in einer interessanten Artikelserie im ״Odesski Listok“ über seine Wahrnehmungen. ־ Darnach bestehen in jenen Gouvernements elf landwirtschaftliche Ansiedelungen, von denen einige, wie Dombrowcn und Wertison. grosse Dörfer mit 350 resp. 250 Familien darstellen. Im Gegensatz zu den auf Kosten und mit Hilfe der Regierung begründeten Kolonie«! in den Gouverne- . ments. Cherson und Jekatcrinoslavv sind die in Bessarabiciv und Podolicn ureigene Schöpfungen der Juden, von Begüterten aus Neigung zum Ackerbau errichtet. Dieselben verraten denn.. auch in ihrer äusseren Anlage, in den schindelgedeckten Wohnhäusern, den umfangreichen Scheunen usw., einen gewissen Wohlstand. Die Maigesetze von IS82 haben auch auf die Situation dieser Koloniccn sehr nachteilig eingewirkt. Viele, der Insassen haben eigenes Land überhaupt nicht besessen, sondern gepachteten Boden bearbeftet. Andere, welche ursprünglich genügend eigenes Terrain besassen, waren in der Folge durch den starken Familienzuwachs gezwungen, Areal hinzu zu pachten. Die Maigesetze, welche bekanntlich den Juden das Pachten von Grund und Boden verbieten. Messen diesen Kolonisten keine andere Wahl, als ein Handwerk zu erlernen oder als Taglöhner ihr Leben zu fristen. Um sie vor völligem Untergänge zu bewahren״ versucht die Jewish Colorii-; zation Association ihnen, da sic Extcnsiv-Wirtschaft nicht.. treiben können, zu einer Intensiv-Wirtschaft zu verhelfen. Des,*׳ halb wird seit einer Reihe von Jahren in diesen Jüdischen Kolonleen unter Leitung geschulter Agronomen Wein. Obst,־ Gemüse und namentlich Tabak gebaut» Das Obst wird mit modernen Maschinen gedörrt und in England sehr vorteilhaft, verkauft. Der Tabak ist Imstande, seinen nur wenige Hektar' ־ besitzenden Pflanzer reichlich zu ernähren. — Ende August reisten 170 Auswanderer unter Führung des Kolonisten Kakowich von Grodno ab, sie reisten nach den Argentinischen Kolonleen. die der J. C. A. gehören. Mr. Feinberg, •ln Mit-

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