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Jüdische Rundschau · 1902-12-24 · Heft 52 (24.12.1902) · p. Seite 104

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 52 (24.12.1902)
Date
1902-12-24
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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Seite 104 No. 52. Jüdische Rundsohau. liehe Stellung zum Zionismus sei folgende ״Der Zionismus schaltet die Religion ehrfurchtsvoll aus, was unter den obwaltenden Verhältnissen begreiflich ist, für mich ist eine Betätigung im Judentum undenkbar, wenn nicht die. Religion als dessen wichtigster Faktor ausdrücklich und offiziell anerkannt wird.“ Mache auch die Religion des Wesen des Judentums aus. so schaffe doch der Zionismus die Krüge, welche zur Aufnahme des weihenden Oels bereit wären. Zum Schluss empfahl Redner die tatkräftige Unterstützung der idealen Ziele des Zionismus. Dieser Aufforderung wurde durch zahreiche Beitrittserklärungen sogleich entsprochen. Das Distrikts - Bureau Rheinland - Westfalen, welchem folgende Herren angehören: Rechtsanwalt Dr. Löwe netein - Aachen, Rechtsanwalt 0 r g - ler- Barmen, Dr. med. Edelstein- Bonn, Direktor M. Le vy - Köln, Referendar E. Wey 1 ־ Düsseldorf, Rechtsanwalt I)r. Bernstein - Elberfeld, Kaufmann D. Treu- Hagen i. W., hielt in Anwesenheit der Herren Dr. Bodenheimer, Wolffsolm, Gust. Wolf und E. Abraham am G. d. Mts. die erste Monats- Sitzung ab, in welcher die energische Agitation für unsere Sache eingehend beraten wurde. Die nächste Monatssitzung findet im Monat Januar in Elb erteld statt. Sämtliche Korrespondenzen, welche sich auf Agitalion beziehen, belieben die Gesinnungsgenossen an Direktor M. Levy in Köln, Venloerstrasso 22, zu richten. Köln a. Rh. In einer gut besuchten, von der hiesigen Ortsgiuppe der zionistischen Vereinigung einberuienen öffentlichen Versammlung referierte gestern abend Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer über die Lage der rumänischen Juden. Er schilderte die historische Entwickelung dieser Frage seit dem Regierungsantritt des jetzigen Königs Caro! und wies nach, dass die Behandlung der jüdischen Einwohner Rumäniens sowohl seitens der rumänischen Bevölkerung, wie seitens der Behörden sich stetig verschlimmert und in den letzten Jahren trotz der förmlichen Versicherung der rumänischen Machthaber gegenüber den europäischen Grossmächten, zu einer Gesetzgebung geführt hat, welche allen Grundsätzen der Menschlichkeit *lohn spricht. Als besonders drastisch hob Redner eine Ges!zesbestimmuug von! 6. Februar 1895 hervor, wonach Juden ר öffentlichen Kliniken nur daun zuzulassen sind, wenn ihre Krankheit ein besonderes Interesse für die Studierenden bietet. Von allen Gewerben und Berufen, sowie vom Elementarunterrieht sind die Juden systematisch ausgeschlossen, dagegen haben dieselben alle ״Pflichten" der rumänischen Staatsbürge’ zu tragen, auch die Militärpflicht. — Ausser der amerika¬ I niseben Union hat bisher keine Grossmacht ihre Stimme gegen diese Verletzung des Berliner Vertrages erhoben. Die Hilfe, welche von Jüdischer Seite geleistet wurde, konnte sich nur ' auf Akte der Wohltätigkeit durch Errichtung von Volksküchen j und Gewährung von Rciseunterstützung für die Auswandcmden betätigen. — Die rumänische Judennot bilde aber nur einen Ausschnitt aus der allgemeinen Not der osteuropäischen Juden. — Eine dauernde Hilfe könne nur von den Juden selbst durch die Schaffung ״einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstatte“, erreicht werden, welche für die zur Auswanderung gezwungenen Juden ein Asyl zu bieten in der Lage sei. Nach de t mit lebhaftem Beifall aufgcnommer.cn Ausführungen des Redners sprach Herr Architekt M. Sternlicb aus Galatz in Runiänien über den gegenwärtigen Notstand der rumänischen Juden und schilderte in ergreifender Weise das Elend, in dem diese zii leben gezwungen sind. Die einzige Rettung erblicken die Unglücklichen in der Auswanderung. Da aber alle Mächte ' der Einwanderung der verarmten rumänischen Juden durch Gesetze oder Polizei-Vorschriften unübersteigbare Hindernisse in den Weg legen, ist die zionistische Lösung der einzige Hoiinungsstrahl der rumänischen Juden. Die Versammlung nahm einstimmig eine Entrüstungs-Kundgebung folgenden Wortlauts I gegen die oben erwähnten Gewaltakte der rumänischen Regie-! nmg an: j ״Die heute in der Philharmonie tagende Versammlung , gibt ihrer Entrüstung über die barbarische Behandlung der | jüdischen Bevölkerung in Rumänien, durch welche diese der i Vernichtung preisgegeben wird, lauten Ausdruck und erachtet cs für eine Pflicht aller Juden, sich der zionistischen Bewegung arizuschliesscn, welche den verfolgten Stammesgenossen eine dauernde Heimstätte auf öffentlich rechtlich gesicherter Grundläge schaffen wird." Ly. Köln. Unser geschätzter Freund D. Wolffsohn- Cüln, der hei der grossen Makkabäerfeier des hiesigen jü-; disch-nationaien Turnvereins am vergangenen Sonnabend die - Festrede übernommen hatte, bat auch für die Makkabäerfeier 1 der zionistischen Ortsgruppe K ö 11 i g s b c r g in P r. eine Fest- | rede zugesagt. . .ץ י Siegburg L Rheinland. Am Sonntag sprach unser Freund! Dr. Edelstein- Bonn hier im Verein für jüdische Gej schichte und Litteratur über das Thema: ״Zur Geschichte der j jüdischen Aerzte.“ In der Diskussion kam es zu einer sehr : lebhaften, äusserst interessanten Zi-nismusdcbatte, in der Dr.! Edelstein viele Vorurteile und Missverständnisse beseitigen | konnte. Siegbnrg kann, wenn das Kölner Distriktsbiireau systematisch weiter hier arbeiten lässt, leicht gewonnen wer- | den. Auch in Neuwied, wo im vorigen Winter einmal Dr. : Klee im Anschluss au einen Vortrag über den Zionsdichter ‘ Jeliuda Halevi die Bestrebungen des Zionismus erörterte, ist j bei eitriger Weiterarbeit Boden für unsere Sache. Arbeit tut auch not in Düsseldorf und Barmen, wo Edelsteins Litteraturzählt," begann melancholisch die Orange. ״Später ist das kleine Volk noch einmal von einem grossen, sehr grossen Reiche angegriffen worden. Da hat man die Juden aus dem Lande getrieben, und über alle Länder zerstreut. Und darum werden auch wir verkauft, und dürfen nicht in dem schönen Lande bleiben, in dem wir geboren sind, und das wir so lieb haben.“ Da wurde sie plötzlich von ihrem-Heimweh fibertnannt, und fing bitterlich an zu weinen. Als sie endlich aufgehört hatte, Tränen zu vergiessen, und sic von neuem zu reden beginnen wollte, hörte man Tritte in der alten Strasse. Gleich darauf kamen die Eltern Jakobs, und nunmehr mussten Orange, Nuss und ihre Freunde schweigen. Die Eltern sahen, dass Jakob im Schlafe freundlich lächelte, und freudig darüber, gingen auch sie zu Bette. Citteratürberlcljt. In der Dczembernummcr des ersten Jahrganges des ״Jüdischen Studenten“ veröffentlicht Dr. Richard L 0 e w e einen Aufsatz ״Barkfden und Makkabäer“, in welchem er den Hatnilkar Barkas mit Mattitjahu Hannibal mit Juda Makkabi und die Brüder Hannibals mit Judas Brüdern vergleicht.*) Der Grundgedanke des Verfassers ist, dass Hamilkar sowohl wie Mnttitjalm seine Söhne zum Freilieitskampfe für sein Volk erzog und dass beide Helden dies taten als Kananitcr, bei welchem Stamme wie bei keinem anderen der Welt das Nationalgefiihl ausgebildet war. Richard Loewc fordert am Schlüsse seines Aufsatzes dazu auf, bei den Makkabäerfeiern auch der Eeldherrnfamille des vernichteten karthagischen Brudervolkes zu gedenken, wie er dies iibrigens selbst schon vor vier Jahren beim Makkabäerfeste des Berliner ״Vereins jüdischer Studenten" getan hat. In der Tat ist auch kaum etwas so geeignet unseren Na- *) Der Artikel ist auch separat erschienen und gegen Ein- Sendung von 30 Pf. in Brieitnarkcn durch die Redaktion, Lehrterstrassc 14/15, zu beziehen.

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