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Jüdische Rundschau · 1902-12-24 · Heft 52 (24.12.1902) · p. Seite 99

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 52 (24.12.1902)
Date
1902-12-24
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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No. 52. Jtidiselie JEtuntl&clifiu. Seit« 99. In dieser schweren Zeit, wo der Feind von aussen weniger gefahrdrohend für den Bestand der indischen Nation war als der schleichende Feind im Innern, wo die Priester, welche der Hort nationalen indischen Qeistcs hätten sein sollen, unter dem schönen Namen von Reformern des alten Judentums den festen Halt desselben zu zerstören trachteten, war es ein einzigartiges Unterliehmen, den stammestümlichen Qcist Juda’s zu betonen, während es scheinen mochte, dass Mattithjahu ein Prediger in einer Wüste war. Aber gerade Mattithjahu war nicht der Mann, sich von Schwierigkeiten zuriickschrecken zu lassen. Von vornherein war er von der Wahrheit seiner Idee und ihres endlichen Sieges durchdrungen. In seiner Familie schuf er zuerst den fester! Kern einer Nationalpartei. Der Familienverband ist ja bei der semitischen Rasse viel fester gefügt als bei den Indoeuropäern: und kurze Zeit irüher hatte erst die semitische, ja ebenfalls hebräischkanaanitische Familie des Puniers Hamilkar Barkas bewiesen, was eine Sippe vermochte, wenn sie ihrem Stamme ein nationales Rückgrat geben wollte. Und wie ein Hannibal ohne seinen Vater Hamilkar undenkbar ist. so ist auch ein Jeduhah Makabi nur als Mattithiahu’s Sohn verständlich und begreiflich. Mattithjahu hat es verstanden, die durch die Assimilationsversuche veränderte Denkweise, seines Jahrhunderts dazu zu benutzen, in ihr den Keim zu nationalem Denken reifen zu lassen, umso mehr als unbewusstes Nationalgefühl nie erstorben war. Er wandelte dieses Gefühl in klares Nationalbewusstsein. Was von oben her zerstört war und noch zerstört wurde, baute er von unten her auf festen Grundlagen wieder auf,!!nd selbst die Zerspaltung seines Stammes in feindliehe Parteien diente ihm, das Volk politisch zu schulen. So gelang ihm der schwere Kampf selbst in den Reihen derer, die bis dahin für den Fortschritt und die Kultur der Fremdbürtigen ihre Kraft in den Dienst stellten, Männer und Jünglinge zu finden, die bereit waren, ihren Idealismus und ihre Opferfähigkeit dem eignen Stamme zu widmen. Nur auf diesem Wege und stets mit festem Ziel vor Augen war es möglich, eine kleine Gruppe nationaler Gesinnungsgenossen zu schaffen, um den Blick der Juden auf sich selbst zu richten. So war es das Verdienst des greisen Priesters, dass die rechte Stunde die Makkabäer schuf, und mehr als die Wunder der Tapferkeit, die unsere Väter verrichteten, war das Wunder, das an ihnen selbst geschehen. Sie waren verwandelt worden. Als der Kampf in Modim zum Ausbruch kam, da war der Hauptkampf schon entschieden und das grösste Wunder geschehen, aus einem feigen Stamme Helden zu schaffen, die den Beweis liefern sollten, dass durch nationale Selbsthilfe auch ein minimaler Stamm im Stande ist, einer Welt in Waffen zu trotzen. Als die Stunde der tiefsten Schmach gekommen zu sein schien, da war der Retter schon längst erstanden. Und doch nennen wir das Heldengeschlecht nicht nach dem Erzieher des Volkes und der Heldensöhne, sondern nach dem Kämpfer, der durch sein Dreinschlagen das zur Ausführung brachte, was sein Vater als heilige Faniilieniiberlieferung gepflegt hatte. Denn die gewaltigen und einzigartigen Heldentaten des Makkabäers überstrahlen so sehr selbst die Glanzgestalt des greisen Vaters, dass das dankbare Volk niemals aufgchört hat, den grössten Mut und die heldenhafteste Auf- Opferung für Volk und Freiheit mit seinem Namen zu benennen. Das Volk hat es empfunden, dass das Werk des Vaters durch den Sohn gekrönt und vollendet wurde, ohne dass der herrlichen Verdienste auch nur eines einzigen seiner Hcldenbrüder darüber vergessen werden soll. Wir haben schon zu lange der Helden unseres Stautmes vergessen, haben schon zu lange uns lieber anderer Grosstaten gerühmt, als der des eigenen Stammes, um uns nicht mit um so grösserem Stammesstolze der Herr- Hellsten Söhne unseres Blutes zu erinnern, die aut dem Felde der Ehre für die Erhaltung unseres Volkstums geblutet haben. Ihr Blut soll auch für uns nicht umsonst geflossen sein. Wie nur durch die Makkabäer und ihren Heldenkampf das Judentum bis auf unsere Tage fortbestehen konnte, so sollen sie auch durch ihre machtvolle Begeisterung, durch ihr Aufgehen in ihr Volkstum, durch ihre keinen Augenblick schwankend gewordene Hingebung an ihre Nation uns ein leuchtendes Beispiel bleiben und uns aneifern in Liebe für unser Volk ihnen nachzufolgen. Die Ehre, die wir den Makkabäern erweisen, zollen wir unserem Stamme. Wie das hasmonäischc Heidengeschlecht wollen wir unsere höchste Ehre und unseren einzigen Ruhm in der Ehre und dem Ruhme unserer Nation suchen und sehen. Wir wollen für unser Judentum leben, wie sie für ihr, für unser Volk gelebt haben und In den Tod gegangen sind. es eine kleine Weile ganz still. Als aber ein Heimchen in! Ofen zu zirpen anfing, da regten sich die Nüsse, und die grösste von ihnen sagte: ״Nun wollen wir tanzen.“ Und da tanzten sie denn; die Aepfel und Nüsse waren die Herren und die Birnen und Mandeln die Damen. Erst tanzten sie langsam, dann schneller und immer schneller, *so dass dem kleinen Jakob, der alles im Traum mit ansah, beinahe schwindlig wurde. Endlieh aber wurdet! sie müde vom Tanzen, und auch das Heimchen war vom Zirpen so müde, dass sie aufhören mussten. Die grosse Nuss aber, welche zuerst zum Tanzen aufgefordert, und dann nachher keinen einzigen Tanz vorübcrgelasscn hatte, pustete vor Ermüdung aus vollen Backen und suchte sich einen Platz gerade gegenüber der Orange, die sich am ganzen Tanze nicht beteilist hatte. Das ärgerte die Nuss sehr, und sie fragte: '״, יDubist wohl zu stolz, rote Orange, dass du nicht mit uns tanzen willst?“ ״Zu stolz bin ich nicht, aber ich bin missmutig und nicht zum Tanzen aufgelegt.“ ״Hast du'etwa Heimweh?“ fragte eine Mandel, die selber Heimweh hatte. ״Gewiss, habe ich Heimweh, liebe Landsmännin,“ versetzte die Orange, ״oder kannst du etwa die sonnigen Berge oder die blühenden Täler in unserer Heimat vergessen? Wenn ich euch meine Geschichte erzählen wollte, ihr würdet alle gewiss begreifen, dass ich nicht tanzen und lustig sein mag.“ ״Erzähle, erzähle," baten die Mandeln. ״Was hast du denn erlebt?“ fragten die Birnen. ״Sic macht mich wirklich neugierig,“ sagte die grosse Nuss, die soviel getanzt hatte, ״aber wenn sic wirklich etwas Gcscheil ics weiss, so soll sie cs nur erzählen.“ ״Gut, so hört einmal zu,“ begann die Orange, ״der Ort, wo mich der Gärtner gepflanzt hatte, heisst Modim, und liegt in einem Lande, das weit, sehr weit von hier ist und Palästina heisst. In jenem Lande ist es so schön, dass es nie, wie hier, Winter wird, und Schnee und Eis kennt man dort nicht!“ ״' ׳ ׳ ״Das wissen w ir gut,“ nickten die Mandeln der Orange zu, ״sind wir doch auch in dem schönen Lande geboren, zwar nicht in Modim, aber nicht zu weit von dort, in Jessud-Hamaalah.“ , ״Das ist ein neuer Ort,“ erwiderte die Orange, 1 ״während Modim uralt ist, so dass man nicht mehr

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