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Jüdische Rundschau · 1902-12-19 · Heft 51 (19.12.1902) · p. Seite 91

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 51 (19.12.1902)
Date
1902-12-19
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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Ko. 51. Jüdische Kuodschau. Seite 01. amerikanische Abkommen zahlreicher Nationen ohne wesentlich einheitlichen Charakter. Wer nach den Vereinigten Staaten geht, schlicsst sich nicht einer anderen Nation an, sondern tritt nur in den fremden Staatsverband ein. — Der Zionismus ist demnach nicht nur eine Frage des Willens der Einzelnen, sondern eine geschichtliche Notwendigkeit. Bei den Juden sind die Rasseclgenschaften sehr klar erkennbar. Sie haben sich weniger als irgend ein anderes Volk mit fremden Elementen vermischt. Wenn Luschan wirklich Recht hat, dass in uns hcthitisches Blut fliesst, dann ist jedenfalls durch das so unendlich lange Zusammenleben ein neues Volk entstanden, lange schon vor der Zerstreuung. Haben sich die anderen Völker vor Jahrhunderten vermischt, so taten cs die Juden, — wenn überhaupt — vor Jahrtausenden und es ist längst eine neue Eigenart entstanden. Im Leben hat das nie jemand bczwciiclt — Richter selbst, einigen Beinerkungen nach zu schlicsscn, am allerwenigsten. Und weil diese Eigenart besteht und gegenwärtig mit allem Wollen nicht beseitigt werden kann, dürfen wir ihr nicht Gewalt antun, indem wir ,.die Nationalität frei wählen,“ d. 11. die von der Natur vorgezeiclmcte Balm der Ent- Wicklung verlassen. Das Nationalitätsgcfuhl war in uns latent eine Weile lang; die äusseren Momente Hass, wirtschaftlicher Druck, Verletzung des Ehrgefühls haben die vorhandenen Triebe geweckt und das Selbstbewusst* sein geschaffen, das sich heute in der Volksbewegung äussert. Indem das Nationaljudentum erstand, also der Wille zum jüdischen Volke zu gehören, war bereits das Vorhandensein der Eigenart bewiesen, weil ja eben der Wille mir das bis zum Selbstbewusstsein gesteigerte Trieblebcn verkörpert und die Triebe Folgen der Veranlagung sind. Dr. A. Friede mann.. Ens der ßemgnng. Berlin. Wir machen noch einmal darauf aufmerksam, dass die gemeinsame Makkabäerfeier der Berliner Zionistischen Vereinigung und der Jiidlsclinalionafcn Frauenvereinlgung am Donnerstag. 25. Dezember, abends 8 Uhr, im Hotel Impdrial, Enkcplatz 4, stattfindet. Eintrittskarten zu dem mustergiltig vorbereiteten Fest ä 1 Alk., sowie Famiilenkartcn h 3 Mk. werden in der Expedition der .,Jüdischen Rundschau“, August• Strasse 49a I, (4—5 Uhr nachmittags) ausgegeben. Zionistische Vereinigung für Deutschland, Distriktbureau Mannheim. Am Sonntag, d. 7. d. M. tagte in Mannheim die konstituierende Generalversammlung des süddeutschen Distrikt- Bureaus. Dr. M 0 s e s -Mannheim führte den Vorsitz und teilte zunächst das Ergebnis der Wahlen gemäss § 15 des O.-St. mit. Danach besteht das Bureau aus folgenden Herren: 1. Vors.: Dr. Julius Moses-Mannheim; 2. Kass.: Rechtsanwalt Weinberg-Mannheim; 3. Schriftf.: Dr. Gustav Cahen-Mannheim, Dr. Fritz Fulda-Mannheim, Dr. Marcus Regensberger- Mannheim, Julius Simon-Mannheim; 4. Beisitzer: Rechtsanwalt M. Bloch-Konstanz, Dr. J. Dreyfuss - Kaiserslautern, Assessor Dr. Friedemann-Wiesbaden, Dr. Julius Stern-Baden- Baden; 5. Vertreter der Ortsgruppen: Dr. S. Fclsenthal-Mannheim, J. L. Goiteln-Frankfurt a. M., Dr. Bernhard Kahn- München, Dr. Kaufmann-Freiburg, Emanucl Kaufmann- Stuttgart, Präzeptor H. Oppcnheimer-Wurzburg, Rechtsanwalt Dr., Schauer-Mainz, Dr. Max Schlössinger-Heidelberg, Fritz Sondhcimcr-lTankfurt a. M.t Julius Strauss-Rcgensburg. Es wurde sodann die Arbeitseinteilung unter den Schriftführeni festgesetzt und ein genauer Organisationsplan für den ganzen Distrikt entworfen. Im Laufe des Winters werden folgende Orte für zionistische Propaganda in Aussicht genommen: In Baden: Schwetzingen, Heidelberg, Karlsruhe, Malsch, Offenburg, Miiliheim, Breisach, Emmendingen, Bühl, Ciailingcn und Lörrach. In Württemberg: Heilbronn. In B a y e r 11; Äschaffenburg, Neustadt a. $.. Kitzingen, Kissiugen, Marktbreit, Ansbach, Nürnberg, Fürth, Bamberg und Schweinfurth. In R11 c i 1! p f a l z: Bergzabern, Landau, Kaiscrlautern und Neustadt. In Hessen mit Frankfurt und Wiesbaden: Bingen, Oppenheim, Ingelheim, Darmstadt, Worms, Sprendlingen, Michelstadt, Butzbach, Alzey, Königsstein i. T. Der Druck eines geeigneten Flugblattes wurde ancmpfohlcu und ein, von der Frankfurter Gruppe eingereichter. Entwurf dazu entgegengenonunen. Ferner wurde beschlossen, dass das Bureau geeignete Schritte unternimmt, um ein Mannheimer und Frankfurter Bankhaus als Depötstellc für Jüdische Kolonialbaukaktien zu gewinnen. Hierauf wurde der jährliche Beitrag der Ortsgruppen für das Bürcau festgesetzt und heschlossen, alle Korrespondenzen des Biircaus mit den Gruppen und umgekehrt, mit Nationalfondmarkcn zu verseilen und alle allgemeinen Mitteilungen an die Gruppen nicht durch Zirkulare, sondern durch Veröffentlichung in der ״Jüdischen Rundschau" zur Kenntnis zu bringen. Den sämtlichen Mitgliedern der Ortsgruppen des Distrikts wird zur Pflicht gemacht, das offiziellc deutsche Organ, die ״Jüdische Rundschau“ zu abonnieren. Nach «Istündigcr Beratung hatte die Sitzung ihre Tagesordnung erschöpft. 1111 Herbst sollte die Vermählung gefeiert werden. Alles war vorbereitet, der Tag der Hochzeit stand vor der Tür. Ein paar Tage zuvor war ich, wie gewöhnlich, nach des Tages Dienst am Abende zu den Meinigen gekommen und verblieb bis gegen Mitternacht. Es war ein trüber, rauher und regnerischer Abend. In meinem Militärmantel eingehüllt schritt ich arglos vorwärts. Mein Weg führte eine kurze Strecke am Saume eines Waldes vorüber. An dieser Steile erhielt ich plötzlich einen mächtigen Schlag auf den Kopf, der mich sufurt betäubte und kampfunfähig machte. Jetzt fielen drei Kerle über mich her, schlugen mich vollends zu Boden und bearbeiteten meinen ganzen Körper besonders aber Arme und Beine mit Knüttelschiägcn, die offenbar darauf berechnet waren mir den Garaus zu machen. Und als ich nun dalag und kein Glied mehr rührte, da kniete eben mein Nebenbuhler auf meinen Körper nieder und schlug mit einem schweren, spitzen Steine auf Kopf und Gcsicht los, bis er wohl der Meinung sein konnte, dass ich nie mehr 71»m Leben erwachen werde. Hierauf schleppten sie mich noch wenige Schritte weiter in den W«ir1 und warfen mich in einen Graben, dessen Boden 1 freilich nur wenige Zoll hoch mit Schlamm und Wasser bedeckt war. Da lag ich nun, ohne mich rühren zu können, die ganze Nacht hindurch — kam sogar zeitweilig zu Bewusstscin, — bis am andern Morgen, von allen Seiteil vermisst, man nach mir suchte und mich auch bald auffand. Man wusste ja, wo man mich zu suchen hatte. Ich wurde nach der Wohnung meiner Schwiegermutter gebracht, woselbst ich den ganzen Winier über, schwebend zwischen Leben und Tod, darniederlag. Als das Frühjahr herankam, erholte ich mich allmälich wieder. Meine überaus kräftige Körperbescbaffenheit hatte den Sieg davon getragen. Als jedoch das zu einer uuförmigen Masse aufgcschwollene Gesicht allgemach wieder seine natürliche Form annahm, als ich die Augen -wieder öffnen konnte, da fand ich, dass das Augenlicht völlig zerstört und gar keine Möglichkeit vorhanden sei, dass ich die Sehkraft wiedcrerlangen werde. Der Militärarzt, der mich bis dahin behandelt hatte, erklärte, dass ich völlig erblindet und zum weiteren Militärdienste untauglich sei. Ich wurde aus dem Mili- ] tärverbande entlassen und man kümmerte steh von die•

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