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Jüdische Rundschau · 1902-12-12 · Heft 50 (12.12.1902) · p. Seite 86

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 50 (12.12.1902)
Date
1902-12-12
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
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Seit©86. Jlidiffche H 11i)d»oha11, No. 50. . borcn sei. Er sei dem Patriotismus zuwider und im philosophischen Sinne nicht ethisch, weil er die Wahlvcrwandtschaft zwischen Germanen und Juden lösen wolle. Wie ein * Kind, das von Vater und Mutter schlecht behandelt wird, sich deswegen doch nicht von ihnen lossagen dürfe, da es sonst kein Recht mehr habe sich einen sittlichen Menschen noch zu . nennen, so sei es auch mit dem Zionismus. Er sei eine Verirrung, die der Ausrottung des Antisemitismus hinderlich sei. .Da im Utteratur-Verein eine Diskussion über diesen Vortrag nicht zugclassen wurde, war R.-A. J0CI zu der Zionistischen Versammlung geladen worden. Er erschien auch und verteidigte hier seinen Standpunkt. Ihr» widerlegten besonders Rechtsanwalt Schwarz, Pelz, Ori'inthal, Zwirn, Oollnski und andere. Es wurde darauf hingewiesen, dass gerade die massgebenden Faktoren keinesfalls den Zionismus unpatriotisch landen und das keineswegs aus antisemitischen Motiven. ■ dass, wenn . nach Joel der nationale Patriotismus das edelste im Menschen sei. die Juden vor allem grade jiidiscli-natioualc Patrioten sein sollte;», was ihre Stuatsbiirgcrpilichten und -Rechte, absolut nicht tangiere, dass aber unbedingt der Rat Jo•'•1s an die russi* sehen und rumürischerr Juden, für die. wir nur ein rein mcnschliehes Interesse hätten, sie sollten trotz aihr Anfeindung zunächst nationale Russen und Rumänen werden, aufs schärfste zuriiekzuweiscü sei.. Dm:u müsst•* man eher den russischen und .rumänischen Juden /uruten: hütet Euch vor den deutschen Juden, die Euch so schlecht raten. Fs wurde ferner nach* gewiesen, dass der Antisemitismus doch nicht religiösen l'r- Sprunges sein könne, denn der L'cbergctretene!:leibe doch der gehasste der zuriiekgewiesene Jude, woran vereinzelte Ausnahmen wie Sinison und Stahl nichts änderten, dass der Zionismus bei den geistigen Führern zumindest, nicht eine Folge des Antisemitismus sei; wenn gar dieser schwände, bliebe doch der Zionismus dauernd bestehen. Keine der Behauptungen Jovis Mid: unwiJcrlcgt. Ein Sozialdemokrat machte einige Einwendungen von seinem Standpunkt aus, die aber Dr. Kahn zurückwies. Es sprach noch Dr. Neustadt, der selbst kein politischer Zionist, sich doch auch gegen Jod wandte. Er meint, die bisherigen Erfolge des Zionismus ntüssteil doch wohl auch den N'ichtzioristeu veranlassen, den Zionismtis rieht zu bekämpfen, sondern ihn zu unterstützen, zumindest mit ihm Hand in Hand zu arbeiten. Die Versammlung verlief Sehr ruhig und würdig. Auch jeder gegnerische Redner wurde mit grösster Ruhe augehört. So war diese Versammlung, ebenso wie all** frfiheren, eine vorzügliche Illustration 2u der Behauptung des hiesigen Rabbiners Dr. Onttmann, er müsse befürchten, wenn er in eine Vcr- Sammlung käme, in der sich Zionisten befänden, von diesen persönlich beleidigt zu werden. Die Gegner, die bisher zu zionistischen Versammlungen kamen, haben eine solche Erfaliiuug niemals gemacht. Hm Rabb. Dr. Guttmann kann ruhig wagen, in Zukunft an solchen Stellen den Zionismus zu bekämpfen, wo Zionisten ihm erwidern können. Seine Argumente werden das doch wohl vertragen können! H. Sch. Prenzlau. א. Dezember. __ Gestern fand hier eine vom . Distriktskonntee Berlin der Zionistischen Vereinigung für , Deutschland einbmitene um« sehr zahlreich besuchte Vcrsamnihing statt. Dr. Theodor 7.1 o c i s t i - Berlin referierte in der gewohnten, gewandten Weise über das Thema ..Der Zionis- . n.us und die deutschen Juden“. An den mit reichem Beifall euön*non׳n׳e״en Vortrag• schloss sieh eine durchaus sachlich ^.•rnurtc Debatte, an. in deren Verlauf auch unser verehrter .R3hh«ner Dr. B:»hr Gelegenheit nahm, dem Zionismus seine wärmsten Svmnathieen aus?n«nrecheH und mit begeisterten Worten den se<ronsr־׳irhc!1 Ein’lnss der Bewtvnng auf die jüdisrh'c Jugend zu schildern. Zahlreiche Sehekel-ZtMunceu erfoi׳»t#»o. u. a. seitens des Ge״n*hntevorstehers u»׳d mehrerer Mitglieder des Penrä$«*.״ta»*t0MkolhH׳uu11s. und auch viele Damen traten der zionistischen Ommisatinn hei. Die Gründum' ei״cr Ort«<׳runoe io allernächster Zeit darf somit als gesichert bezeichnet werdet׳. B. H. Die neugegründete zionistische Ortsgruppe in FUehne hielt am 7. d. Mts. abends b Uhr die erste öffentliche Versammlung ab. in welcher Dr. mcd. Sa n die r aus Berlin einen bereister: amgcnoinnieneii Vortrag •über ״die /,iunistisclie Idee“ hielt. Die Versammlung, welche von etwa 100 Personen besucht war, wurde von dem *Vorsitzenden der Ortsgruppe, Alfred Salingcr, mit einigen einleitenden Worten eröffnet. In I /»ständiger Rede entwickelte Dr. Sandler die zionistische Idee und reicher Beifall lohnte seinen Worten. Nach dem Vorträge entspann sich eine ״kleine“ Debatte, in wcltftcr ein junger Mann uns Rat geben wollte, die russischen und gaiizischcn Juden in Deutschland anzusicdcln und legte als Beweis seiner ״grossen" Abneigung gegen den Zionismus eine Nummer des ״Israelit“ aut dem Tisch des Hauses nieder. Ihm wurde vom Vorsitzenden der Ortsgruppe geantwortet. In seinem Schlusswort widerlegte Herr Dr, Sandler alle Angriffe gegen unsere Bewegung und schloss niit einem Appell* an die anwesenden Zionisten 7.u arbeiten, und nicht zu rasten. Der Erfolg des Abends war ein grosser, sechs neue Mitglieder traten der Ortsgruppe bei, so dass unser Verein jetzt 32 Mitglieder zählt. s—r. München. Am 27. Nov. hielt in der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe Kurt Block einen Vortrag über ״Der heutige Stand der zionist. Bewegung“. In der Diskussion traten mehrere Redner für den sogen. Rachmonuss-Zionismus ein. gegen den Herr Brici unter dem Beifall der Versammlung energisch Front machte. Bemerkenswert waren die Worte des Bamjuier Marx, der. obgleich Nichtzionist. unbedingt anerkannte, was die Zionisten liir die Hebung des jüdischen Selbstbewusstseins, nationale und künstlerische Bestrebungen geleistet haben. Die zu gründende jüdische Universität wurde als eherner Pfeiler unserer Bewegung geieiert und als Herr Oscliinsky in einer!!icsscndcn. hebräischen Ansprache von ihrer Bedeutung sprach, erntete er stürmischen Beifall. Nachdem sodann die anwesenden Gründer der zionistischen Ortsgruppen Stuttgart und Regensburg, Kaufmann und Strauss. kurze Ansprachen gehalten hatten, ermahnte der Redner des Abends. Block, in seinem von Begeisterung getragenen Schlusswort zu unermüdlicher Arbeit für unsere Idee. Den Erfolg des Abends bedeuten einige neue Mitglieder. M. G. Regensburg. Hier hat sich ein Zionisten-Verein gebildet, der am Samstag, dem 22. November abends seine koustituierende Generalversammlung abhielt. Neben der Durch- Lcratung und Annahme der Statuten fand die Vorstands* wall! statt, die folgendes Resultat ergab: Rudolf Weiner I. Vorsitzender, Julius Strauss 2. Vorsitzender; Alois N a t z I e r Schrif 1i.; Leo R o s c n b l a 11 Kassenwart; Mayer Xa11 en 11 e imc r, Salomon Schwärz haupt und Oscar Grün h u t Beisitzer. Der erste Vorsitzende dankte samtliehen Herren für ihre bisher entwickelte vorbereitende Tätig* keit, forderte sic auf. die Sache des Zionismus weiter kräftigst zu fördern und schloss die Versammlung. - Ein vom zweiten Vorsitzenden auf Dr. Theodor Hcrzi, Wien, als dem eifrigsten Förderer des Zionismus atisgcbrachb’S Hoch, fand begeistert Aufnahme. Freiburg I. B. Am Sonntag, dem 30. Nov. abends 8 Uhr hielt die zionistische Ortsgruppe eine Ö t f c ti tliehe V e r s a!11 m 1 u n g ab, in welcher Dr. Schauer- »Mainz über ״Die I. e i d e 1» der rumänischen Juden" sprach. Der Besuch war ein guter, nahezu 200 Personen waren anwesend, darunter zahlreiche Damen. Nach einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden Kau itu a n 11, nahm der Referent das Wort und!egte in vorzüglicher Weise die Entwickelung der rumänischen Judeufrage dar, dann gab er eine Skizze der Fremdcngeset/gebung. der Gesetzgcl.ung, durch welche die rumänischen Juden systematisch ausgehungert, proletarisiert und geistig vernichtet werden sollen. An der Hand zahlreicher Einzelfälle entrollte er ein Bild der traurigen Lage, die unseren Staminesgenossen in Rumänien aus diesem Vorgehen der Regierung und der herrschenden Gesellschaft erwachsen ist und die ihren Ausdruck in der starken jüdischen Auswanderung aus Rumänien findet. Der Redner streifte ferner kurz die Mittel, durch welche die Notläge der rumänischen Juden gehoben werden kann wie die Besserung der Verhältnisse im eigenen Lande und die Ansiedcln!»g in anderen!.ändern und sprach schliesslich die Ucberzeugung aus, dass der Zionismus allein geeignet sei, eine rationelle Abhilfe zu schalten. Näher auf den Zionismus ging der Vortragende jedoch nicht ein. um nicht, wie er sich drastisch ausdrückte, mit dem Unglück der rumänischen Brüder für den Zionismus zu krebsen. An diesen mit sehr grossem Beifall auigeiiommenen Vortrag schloss sich ein Bericht, welchen unser Gusi1mu11gs<renossc Julius Mcycr aus Basel im Namen des Baseler Hiifskomitecs über die dortige Hilfsaktion zu Gunsten der auswandernden rumänischen Juden gab. Hierauf folgte eine lau* gere Diskussion, au welcher sich mehrere jüdische Studierende, so der aus Rumänien gebürtige Steiner G o 1 d s c h m i d t und cand. mcd. Blum, der Hauptturncr unseres jungen Turn- Vereins, beteiligten. Auch nahm der Vorsitzende Gelegenheit, die Ausführungen des Referenten in einigen Punkten zu

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