Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1902)
- Date
- 1902-12-12
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Soite 81. Jüdiffolie RundscJiBU. No. ßO. Freundschaft mit den gebildeten Juden: Lazar Saincann (seit 2 Jahren getauft), Prof. Dr. Oaster, Prof. Benfey aus Göttingen; Michel Br£al (Paris), der ihn in den dortigen iin- Kultischen Verein eingeführt, an; ferner Ascoli aus Mailand; David Kmanuel (Prof, der Bukarester Universität). — Aber ebenso wie die Juden sich als das auserwühlte Volk halten, wedle er aus der Mitte der Juden nur die Besten auswühlen. ,Es wäre eine Schandtat, sic en massc zu naturalisieren, eher als die Franzosen, Griechen.“ Wir haben diesem Briefe keinen Kommentar hinzuzufügen. flus der Bewegung. Hierdurch fordern wir alle deutschen Ortsgruppen auf, wahrend der Chanukahtase Makkabäerleiern zu veranstalten und deren Eiträgnis Parteizwecken zuzuwenden. Die ״Jüdische Rundschau“ wird eine besondere Makkabäeriestnummer in verstärktem Umfange herausgeben, die sich zur Agitation und zum Verkaufe auf den Festen besonders eignen wird. Sondei bestell urigen auf diese Nummer müssen bis spätestens Donner.-tag, den 18. Dezember 1902, bei der Expedition eingtd;!uf**n sein. Die Nummern werden bei Abnahme von mindestens 25 Stiiek zum ermässigten Preise von 10 Pfennigen abgegeben. Bei Ma-senbe- Stellungen Rabatt. Distriktsbureau Berlin. Auf vielfachen Wunsch wiederholen wir nochmals, die geltende Distriktseinteilung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Wi£ machen gleichzeitig darauf aufmerksam, dass A nfragen über Organisation und Agitation nur an die Distriktsbureaux zu richten sind. Di sen liegtauch die Aushändigung von Schekelbüchern, sowie die Einziehung der Schekelgelder und der Beiträge für die Landesorganisation ob. Die Distriktsbureaux sind zuständig: 1. B rlin für; Ost- und Westprcussen, Pommern, Posen, Schlesien, Brandenburg; 2. Hannover für: Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Hansastädte, Mecklenburg, Schleswig-Holstein, Provinz u. Königreich Sachsen, Thüringen und Hessen-Nassau ohne Wiesbaden und Frankfurt a. M; 3. Köln für: Rheinland und Westfalen. 4. Mannheim für: Bayern, Baden, Hessen, Württemberg, Wiesbaden und Frankfurt a. M. 5. Stra sburg für: Elsnss-Lothrlngen. Berlin. Die Berliner Zionistische Vorefnlgtmcr, die Jüdisch' nath׳Eae Fraaenvereinigung sowie der Jüdisihna'Jonuo Tainverein ־,.Bar-K-ichütt*‘ veruustaltrn am Donnerst»».׳, dem 25. Dezember, abends 8 Uhr, ein gemeinschaftliches MakkabHerfest u.it Bul. Es sind ausser einer festiedo umsikahsche uud dramalische Darbietungen in Aussicht g.-n«mimen. Karten zum Prosa von 1 M. und Famihenkarten zum Preise von 3 M. sind tu der Expedition der Jü*1 s.h^xi Rundschau, Aaguststr. 49 a I, tüg<icU von 4—6 Uhr za haben. Berlin. Am 22. Dezember veranstaltet der Verein ״K&dimah“ übend8 *־l/2 Uhr in den Fürstenberger •Sälen, Beritq 0, Rosenthalerstrasse 58 (beim Bahnhof Börse) eine Makkabä'erteior. Der Reinertrag des Abends ist für die Lesehulle der ״Kadimah“ in Charlottenburg bestimmt. Billets zu dieser Feier sind wochentäglich von 4—5 Uhr in der Expedition der Jüdischen Rundschau zu haben. Berlin. Am Mittwoch, dem 3. d. Mts. begann der von Herrn T riet sch geleitete Palästinakurs der Akadcmisehen Gruppe der Berliner Zionistischen Vereinigung mit der Feststellung des Arbeitsgebietes und der Verteilung des Stoffes auf die Teilnehmer. Jedes der fest eingetragenen Mit- Glieder übernimmt ein vom Leiter ihm übertragenes Referat. Als erste referieren: Lugen Tütiblcr über Geographie Palüstinas. Lugen Mayer über Statistisches, Dr. Wilhelm I.ewy über die politischen Verhältnisse, ausserdem sind schon mehrere weitere Referate festgesetzt. — Der Kursus, der öffentlich ist. iiudet Mittwoch L! 9 Uhr im ״König von Portagal“, Burgstrasse 12, statt. Anmeldungen sind an Dr. Wilhelm Lewy. Rosentlialerstrasse 16/17, zu richten. Berlin. Am Donnerstag, den •1. 12. er., hielt Dr. Bernhard Kahn-München in Dräsels Lestsälen einen sehr lehrreichen Vortrag über Das zionistische Programm. Die Berliner Zio-!•istische Vereinigung wird es nicht gereuen, den vortrefflichen ' Freund zu diesem Vortrag eingeladcn zu haben. Die vornehme Art des Redners gab den Gegnern keinen Angriffspunkt, so dass eine Diskussion iönnlicli an den Haaren herbeigezogen werden musste. Herr Goitein-rrankfurt gab sich in Hebenswürdiger Weise zu dieser undankbaren Aufgabe her. Seine feurige Rede wurde mit allgemeinem Beifall gelohnt. Aber erst gegen Schluss der Versammlung kam es zu einer lebendigeren Auseinandersetzung. Halberstadt. In unserer.Stadt hielt Dr, rr!ed. Sandler aus Berlin auf Linladung des zionistischen Vereins ״Tikwath- Zion“ einen öffentlichen Vortrag über״U rsachcn und Inhalt der zionistischen B c w e g u!1 g". Der Referent bewies die Existenzberechtigung der Bewegung, besprach die Kultur- und Rassenfrage und im Anschluss daran die Idee des Nationaljudentums. — In der darauffolgenden Diskussion trat zunächst ein Assimilant auf als Sprachorgan der Angestellten dreier grosser Dctailgeschäfte. Der zionistische Verein hatte an die Jüdischen Angestellten dieser Firma Einladungen gesandt mit der Adresse: ״An das jüdische Personal der Firma etc.“ Diese Aufschrift habe, so führte der Redner aus. bei dem Postboten und der Kassiererin ein Lächeln hervorgerufen, geworden, so kalt, dass in den Rinnen an den Seiten j der Strasse das Wasser zu Eis gefror. Aber immer wieder war der Himmel voll schwerer Wolken. Es wurde früh dunkel und spät hell. Und als wir einmal wieder zum Fenster hinaus sahen, da fielen unendlich | viele weisse Flocken herab und tanzten und wirbelten! durch die Luft, dass einein beinahe schwindlig wurde, wenn man lange hinsah. So ging das einige Tage, und wenn auch in der grossen Stadt unablässig viele tausende von Männern geschäftig waren, den Schnee fortzuschaffen, so blieb er doch auf den Dächern liegen, so dass man immer sah, dass es Winter war; und selbst, wenn es nicht schneite, war es doch finster und unfreundlich, und man war gar nicht zufrieden, dass der schöne Sommer fortgegangen war, um vielleicht nicht wiederzukehren. Als wir aber nach einigen Tagen bemerkten, dass der Schneefall ein wenig nachgelassen hatte, war es zwar noch kälter aber wenigstens hellet geworden. . . . Und mittags kam sogar die Sonne hervor, und guckte nach uns hernieder. Aber auch sie sah ganz erkältet aus und hatte ein so rotes Gesicht als ob sie einen Schnupfen bekommen hätte. Und das hatte sie auch; Sie war nämlich die ganze Zeit in einem andern,sehrschönenLandgewesen, von wo sie überhaupt nicht gern weggeht. Und auf dem Wege hierher hatte sie sich erkältet und einen Schnupfen zugezogen. Als sic uns nun unten sah, sagte sie: ״Wisst, Ihr lieben Kinder, dass ich nur aus Freundschaft zu Euch hierher gekommen bin, um einen Augenblick Euch anzulachen. Denn um der bösen Menschen wegen, die ihre Armen verhungern und ihre Schwachen hinstürzen lassen vor schwerer Arbeit, brauchte ich eigentlich gar nicht zu scheinen. Aber weil ich Euch lieb habe, kam ich her, um Euch zu erzählen, dass Ich später Euch gern wieder besuchen will, und dass 111 r nicht denken sollt, dass ich überhaupt verschwunden bin. Nein, ich bin nur aus diesem rauhen Lande fortgegangen, wo inan Euch schimpft und wo Ihr für Fremdlinge geltet. Wenn Ihr aber recht artig seid und brav, so dürft Ihr auch einmal in das schöne Land kommen, in dem ich immer weile, und wo auch Ihr zu Hause seid.“ Die liebe Sonne wollte noch mehr sagen, aber da kam eine böse, schwarze Wolke, die machte ihr ein finsteres Gesicht und jagte sie weg. Wenn sie aber wiederkommt, da werde ich genau aufpassen und erzählen, was sie gesagt hat. ...