Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1902)
- Date
- 1902-12-05
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 49. ' Jüdische X£u11clfs<*11m1. Seite 7 9. meinde Bnc Mosche. Ich bete zu Gott, dass er alle Deine Bruder ln KvansviUc In allen Ihren Bemühungen, den körperliehen wie den, geistigen, segne, und dass der Gott des Friedens mit Dir sei in Ewigkeit. Ich bleibe Dein Freund! John Hay." — O dieser Heuchler! Die ganze amerikanische Aktion wegen der rumänischen Juden war doch nur ins Werk gesetzt worden, um sich die nimünischcn Juden vom Leibe zu halten! Herr John Hay besitzt entschieden Humor." An und für sich besitzt dds Schriftstück kein weiter grosses Interesse; aber cs genügt uns, dass die ehrsame ״Deutsche Tageszeitung" sich darüber blau und grün ärgert und sich noch nicht einmal getraut, ihren Aerger laut werden zu lassen. Für diesen Spass lassen wir es uns nicht nehmen, das sonder* bare Schriftstück unsern Lesern im verkleinerten Facsimilc vorzutiihren:;$£3^,0» CU^uq/joJ. c a? ד׳אלי־י־ס \j h :{/כתבך 'קב?*ח נ׳<ען לע׳שת jn mh ף> ■nnWt *ר• אס בעד אדלך ד׳/רדלם ל!ס לך^דסך& y'iyp)'! no/p ב .nu/p vi 711לה;ו <* '0־ Fl p תור ׳שאל ברך אח לר הך אשרב^׳&״־ל. O:די; *כדבי /שלח */yn בכ< א׳שר נלע׳שד, יד*0";אלד.־ ד.:של׳ם •די*ח m ,7א׳דיכ vtu "לבם לע/לס^ Da die ״Deutsclie Tageszeitung" der Meinung ist, dass Amerika nur in Rumänien intervenierte, um sich die rumänisehen Juden vom Halse zu halten, und das brave Agrarierbhtt doch denselben Wunsch gewiss vielfältig für Deutschland teilt, so wird cs nun dafür eintreten, dass das Deutsche Reich ebenfalls für die Eriiilluug des § •1*1 des Berliner Vertrages seine Autorität in Rumänien in die Wagschale werie. Oder heuchelt das brave Blatt noch viel mehr, als es dem Herrn John Hay zuschreibt? Trier, den 2*1. November. In den kleinen Städten und Flecken unseres Regierungsbezirks wohnen zahlreiche Jüdische Familien, die jedoch in ihrer Gesamtheit nicht steuerkrüftig genug sind, um sich auf Grund des Gesetzes vom Jahre!817־ über die äusseren Verhältnisse der'Juden zu einer gesetzlich anerkannten Korporation zu vereinigen. So ist es auch in dem Hochwaldüeckcn Rhaunen der Fall. Um nun jedoch in der Lage zu sein, Eigentum zu erwerben und auf gesetzlicher l'n* terJage für den Religionsunterricht zu sorgen, haben die dort ansässigen Israeliten, wie die ״Köln. Ztg." mittcilt. sich zu einer ״Religionsgenossenschaft" vereinigt, lieber den Zweck der Vereinigung sagt das Statut: ״Die israelitische Vereinigung hat den Zweck, einen Zusammenschluss der Israeliten hiesigen Ortes herbcizufiihrcn zur Regelung der Schuiunterhaltung, zur Erwerbung eines Bauplatzes und Erbauung einer neuen Syna* gogc." Zur Erlangung der Rechte einer juristischen Person im Sinne des § 61 des bürgerlichen Gesetzbuches beantragte der Vorstand die Eintragung der Vereinigung in das Vcreiusrcgister beim Amtsgericht Rhaunen. Gegen diese Eintragung erhob je* doch der Landrat zu Bernkastel mit der Begründung Einspruch, eine Eintragung in das Vereinsregister sei nicht zulässig, weil der Verein einen religiösen Zweck verfolge. Die von der .,1s* raelitischen Religiousgescllschaft" hiergegen erhobene Klage uurde nun mit der gleichen Urteilsbegründung von dem hiesi* gen Bezirksausschuss ahgewiesen. Ans dem Statut in seiner jetzigen Verfassung gehe deutlich hervor, dass die Vereinigung lediglich einen religiösen Zweck verfolge. — Es gibt aber doch einen Ausweg aus dem Dilemma: Wenn die Juden in Rhaunen sich entschlössen, einen politisch-zionistischen Verein zu grün* den, so könnten sic ohne weiteres die Eintragung in das Vereinsregistcr beantragen und ihre Synagoge nach Herzenslust bauen. | Kleine Cfyronlk. Berlin. Unter der Spitzmarke ״Juden unter sich" bringt , die ״Deutsche Tageszeitung“ einen von Unwahrheiten ׳strotzenden Bericht über eine Versammlung jüdischer Studenten. Die Versammlung, die nach der Deutschen Tageszeitung unter ohrenbetäubendem Lärm auseinandergegangen sei, schloss um 3 Uhr nachts nach eingehender sachlicher Diskussion, nachdem die fremde Sprengkolonnc, der ihre Absicht missglückt war, sich entfernt hatte. Jedenfalls ist cs bezeichnend, wie sehr die ״Juden unter sich" waren, wenn die Deutsche Tageszeitung ihren Berichterstatter dort hatte. — Berlin. Wir mussten cs uns gefallen lassen, dass der konservative Abgeordnete Dr, Arendt vor einigen Tagen im Reichstag dem Judentum angehängt wurde. Wir habet! als Nation mit den Getarnten absolut nichts zu tun. Wir weisen jede Gemeinschaft mit ihnen zurück. — Berlin. Der letzte Pücklerprozess vor‘dem Landgericht I brachte ein interessantes Urteil, aus'dem wir folgenden Passus hervorheben: ״Wegen der Rede vom 6. Juni hat der Gerichtshof den Angckl. Graf Piickler freigesprochen. Die ganze Rede verrät zweifellos nicht die Absicht, den § 130 j zu übertreten; zu ■dieser Meinung muss mau kommen, wenn | man sieht, wie tiefes Gottvertrauen, wie tiefen Glauben jn | der christlichen Religion, wie hohen patriotischen Sinn die j Rede bekunde. Dem gegenüber erscheinen die dazwischen hindurchgehenden Ausdrücke nicht geeignet, als Uebertretungen j des § 130 zu gelten, sic seien zweifellos bildlich gemeint und! nicht verbotenus aufzufassen, so wenig es sich verteidigen j lässt, dass so schwere Beleidigungen gegen andere ausge- sprechen werden, denn der christliche Glaube berechtigt nicht | dazu, in dieser Weise gegen Andersgläubige vorzugehen. Dass | in absehbarer Zeit so etwas passieren würde, was Graf Piickler j in seinen Redewendungen angedeutet, wird kein vernünftiger j Mensch glauben. Sätze, wie der: ״Die Judenkerlc j müssen überall zerschmettert werden" sind j nach Ansicht des Gerichts nur bildlich aufzufassen und nicht j geeignet, jemand ernstlich zu beunruhigen. Zu berücksichtigen I ist auch, dass die Rede in einer Volksversammlung gehalten j ist und die Worte vielfach nicht ganz tiberlegt sind; nach. ן Ansicht des Gerichts enthält die Rede aber keinen Ausdruck,; der unter § 130 fallt. Daraus ergiebt sich die Freisprechung des Grafen Piickler." Auch wir meinen cs nur bildlich, dass! wir die ernste Absicht haben, ohne dadurch den Grafen Pückler > beunruhigen zu wollen, sondern wir Judcnkcrlc uns nicht mehr; zerschmettern lassen wollen, sondern dass wir mit Gottverj trauen die Absicht haben, dem Zerschmettern einen rochcr i de broitce entgegenzusetzen, und der Faust eine Faust! Zwar! wird uns nicht die Hoffnung zu teil, vor Gericht unsern tiefen Glauben in die christliche Religion zu unsern Gunsten sprechen j zu lassen, aber wir würden auf diese Wohltat lieber verzieh- י ten, als uns der Feigheit schuldig machen, bei einer etwaigen; Klage uns dahinter zu verstecken, dass unsere Worte .mir : bikl!ic!1 gemeint seien. Ucbrigens hat Bruhn Pucklers Rede | schärfer beurteilt als das Gericht, denn er hat sich wohl ge- : hütet, als verantwortlicher Redakteur das Blatt zu zeichnen, I in dem sic gedruckt war. Das Gericht hat insofern völlig; Recht, als es sagt, dass sielt niemand über die Drohungen Pucklers ernstlich zu beunruhigen brauche. Wir •'Sind ja;! Gott sei Dank ganz gesunde Judenkerle und haben keine Angst, unsere Judeimase hoch zu halten. — Berlin. Die ..Germania", das führende Organ des Zentrums kehrt allmäh-; lieh zu seiner ersten Liebe zurück. ES gibt kaum noch eine; Nummer, in der nicht im Leitartikel wenigstens einige liebe- ’ volle antisemitische Vorstösse gemacht würden. Ganz gleich, 5 ob sielt das Blatt über die zu gute Behandlung der mccklenburj gischen Juden entrüstet oder ob es sicli erfrecht, zu sagen ״Die; halbe Fraktion der Sozialdemokraten ... schreit durcheinander. , als ob sic in einer Judenschule wären u. s. w." Es ist diese Stellungnahme des führenden Zentrumsorgans ein warnendes | Zeichen t'iir die überklugen jüdischen Politiker, die vom Zen-; (rum den Schutz für die jüdische Gewissensfreiheit erwarten.! 1)as Berliner ״Tageblatt" wird in der ״Germania“ stets als! das ״Organ des internationalen Judentums“ gegen die Juden I antisemitisch ausgebetitet. Jedenfalls konstatieren wir wieder,; dass der Chefredakteur des Tageblatts, Arthur Lcvysolut, der; Glaubensgenosse der ״Germania" und der ״Kreuzzeitung‘‘ ist. I Diese frommen Blätter sollten doch wenigstens an die Wirkung der Taufe glauben. — Die Gesamtzahl der Jüdischen Oberlehrer j in Preussen beträgt jetzt 83, von denen aber 18 an den beiden | jüdischen höheren Lehranstalten in Frankfurt a. M. angestetlt 1 sind (darunter sechs Professoren mit dem Range der Räte vier- ן ter Klasse). Die Zahl der an staatlichen Anstalten angestellten 1 Oberlehrer beträgt jetzt 11. davon 1 in Berlin. An städtischen 1 Anstalten sind augenblicklich 54 jüdische Oberlehrer vorhanden. } 'darunter 40 ir, Berlin. Ohne jeden jüdischen Oberlehrer sind; zur Zeit die Provinzen Pommern, Schleswig-Holstein, West- ׳ falcn, Hessen-Nassau, die Rheinprovinz und Hannover. Zwei