Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1902)
- Date
- 1902-12-05
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 78. Jiidisclte Rundschau. No, 49. Hilfe und Arznei stehen jedem zur Verfügung. Bemerkenswert ist noch, dass in Jaffa die griechischen, armenischen und arabischen Aerzte für einen Besuch nicht unter •0י Franc* nehmen, während der dort praktizierende deutsche, sowie der englische Arzt sich selbstverständlich von einer derartigen industrieücn Ausbeutung der Notlago der Bevölkerung durchaus fernhnlten. Kaum zu erwähnen brauchen wir wohl, dass auch unsere waekereu jüdischen A •rzt? mit der gekennzeichneten Handlungsweise nichts zu tun haben. lüundfchaii. Berlin. Die Wahlen zur Akademischen Lesehalle in Berlin stehen bevor. Da die Freie Deutsche Studenten- Schaft (Finkcnschait) und der aufgelöste Sozialwisscn־ schaftlichc Verein in diesem Jahre teils keine eigene!» Kandidaten aufgestcllt, teils Wahlcnthaltimg proklamiert haben, so stehen sich nur die unter dem Namen der nationalen Partei geeinigten Antisemiten, die unter der Fahne der Freien Wissenschaftlicher.׳ Vereinigung segelnden Assimilaiionsjuden und endlich der Verein Jüdischer Studenten gegenüber. Es ist kein Zweiicl, dass jeder zionistische Student es für seine Piiicht erachten wird, für die Kandidaten des Vereins indischer Studenten zu stimmen. Der Verein Jüdischer Studenten, der uns durch sein mannhaftes und unentwegtes Eintreten für jüdische Selbstachtung und Volksehre sympathisch ist, auch wenn er als Verein nicht auf unserm Standpunkte steht, darf verlangen, dass er von uns als der ausgesprochen jüdischsten Phrtei aufs kräftigste unterstützt wird. Berlin. Die Repräsentanten •Versammlung wurde auf Sonntag, den 5. Dezember vertagt, weil die meisten Mitglieder und der Vorstand an der Beerdigung des Herrn Leopold J. Minden, Ehrenmitglied der Jüdischen Reformgeraeinde, teilnehmen wollten. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung steht 11. a.: Mitteilung des Gemcindcvorstandes in Sachen der Errichtung einer Betriebs-Krankenkasse, Vorlage über das Stundengehalt der an den Gemeindereligtonssehulen tätigen Lehrkräfte, ferner die Rechnungsabschlüsse des Krankenhauses, der Bibliothek, der alten Synagoge, sowie der Synagogen in der Kaiser- und in der Lützowstrasse, endlich eine Vorlage über die Erganzungswahlen zum Gemeindevorstand. Berlin. Am 15. März 1S96 traten etwa 40 Jüdische Taubstummen in Berlin zusammen und gründeten den ״Verein zur Förderung der Interessen der israelitischen Taubstummen in Deutschland“. Mit seltener Energie, mit unermüdlicher Tatkraft den Weg der Selbsthilfe cinschlugend. haben diese hilflosen Unglücklichen es versucht, aus eigener Kraft die Schwachen unter sich zu stutzen., den Rat10«§n mit Wort und Tat zu helfen. Mit dem Aufgebot aller Kraft haben sic in 6 Jahren einen Fond von 7752.93 Mk. gesammelt. Um Mittel zu schaffen, mit denen der Verein wirksam arbeiten kann, und um eine Heimstätte für Jüdische Taubstumme zu gründen, beriefen Vorstand und Kuratorium des Taubstummenvcreins auf Mittwoch, den 19. ds. eine ao. Generalversammlung ein. um weitere Kreise für diese Bestrebungen zu interessieren und über die Mittel zur Förderung des Vereins zu beraten. — Der Vorsitzende. Oppenheimer, cröffncte die Sitzung, die •n Dräsels Festsälen stattfand, mit einer Darlegung der preküren Lage der israelitischen Taubstummen, die sic dazu zwinge, vor die breite Ociientiichkeii zu treten und den Wohltütigkeitssiim ihrer begüterten Glaubensgenossen auzurufen. Hatte schon diese Rede eines geborenen Taubstummen ihren Eindruck auf die Versammelten nicht verfehlt, so wurde dieser durch die warm und zu Herzen gehende Ansprache des Dr. Eschelbach er - verstärkt. Sicm. Jacob i empfahl, de« Hauptnachdruck auf die Errichtung einer Arbeitsstätte zu legen, um zunächst den Erwerbslosen Arbeit zu schaffen und sie nicht der Bettelei aiilieimfalleii zu lassen. Story regte an, sich dieserhalb mit dem Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens in Verbindung zu setzen, während Direktor Reich zahlreiche Falle erwähnte, in denen die gewünschte Unterbringung von Taubstummen auf Lebenszeit, mangels einer derartigen Anstalt, von ihm abgelehnt werden musste, die baldmögiichc Errichtung einer Heimstätte für Taubstumme demgemäss dringend erforderlich sei. Th. L ö w e n b c r g wies des Näheren nach; wie sowohl in materieller, wie in ideeller Beziehung unsere jüdischen Taubstummen weit schlcchter, als ihre christlichen Leidensgenossen gestellt seien, wie sie auf der Suche nach Arbeitsgelegenheit überall auf Misstrauen und Vorurteile stossen. wie die gegenwärtige gcschüftliehe Krise sie doppelt schwer treffe, wie für ihre geistliche Nahrung in keiner Weise gesorgt werde, kein Gottesdienst für sie da sei, wie die grösste Gefahr vorhanden sei. dass sic der Taufe in die Arme getrieben werden. Während die Broslauer jüdische Gemeinde schon einen grösseren Betrag für den dort bestehenden Zweigvcrein votiert habe, stehe die hiesige Jüdische Gemeinde bisher untätig abseits.^ wenn auch begründete Hoffnung vorhanden sei. dass sic in Zukunft eine« jährlichen Zuschuss von ca. 1000 Mk. bewilligen werde. Auf Anregung des Rabb. Dr. B 1 e i c 11 r o d e, die theoretische 1 Frage nach den Zielen der Bewegung, ob Arbeitsstätte oder | Heimatsstätte zunächst ins Auge zu fassen sei. zu ycrlasscn j und auf die praktische Frage, die Beratung über die Mittel 1 zur Förderung des Vereins, iiherzugehen, einigte inan sieh j dahin, ein Komitee für die Propaganda zu bilden. In dieses; Komitee wurden einstimmig 1־i;׳׳e Reihe angesehener Männer : aus Berlin. Frankfurt a. M.. Breslau und München gewählt, mit! dein Rechte, sich;1׳! kooptier•?;!. —־ Wir können nur unserer-! scits die Förderung des Vereins in wärmster Weise empfohlen.! lös zur cnd.gihigen Konstituierung des Komitees werden Soen- , den zu Gunsten der israelitischen Taubstummen vo״ Herrn Th. L c w c n b c r g. li e r I ו K p c 11 i c k e r s { r. 124 entgegen genommen. ' Berlin. L’ebcr die musikalische Aufführung althebräischer : Gesänge, auf die wir unsere g. Leser in No. 46 hinwiesen, I schreibt uns unser M «sikreierent:; Ein Konzertabend in der Philharmonie, an den! kein deutschcs Wort, sondern mir hebräisch gesungen wird — mehr kann gewiss der eitrigste Zionist nicht verlangen! So geschehen am 24. November in der Ausführung hebräischer Gesänge, die der Kapellmeister der Neuen Sv na go ge. Herr , Albert Keller mann, mit seinem durch Musikfreunde ver- , stärkten Chore veranstaltet hat. Der gut geschulte Chor brachte unter der sicheren Leitung seines Dirigenten eine Anzahl synagngaler Stücke mit frischem Stimmklange zum Vortrage. Den Vorbeter vertrat in ausgezeichneter Weise Herr Alexander II c i n enr! n n . der erst wenige Stunden vor dem Konzert für Herrn llofopernsünger Berger eingetreten war. Ganz wundervoll innig und ergreifend sang er u. a. das ״LVschoiar gadol“. 111 ander:: Stücken wechselten mit dem Chor Tenor- und Sonransoli. jene von Herrn Werner A I b e r t i, diese von Frau Sophie H cy m a n n -E n g e 1 mit gutem Ge- י linccn gesungen. Interessant’ war eine Sonran-Aric ״Kol hauej schamah“. mit Begleitung von Streichinstrumenten von t Lj da r ז i um 1760 komponiert, sowie ein? selten gehörte Konij Position des IIS. Psalms für Soli und Chor von Ha I 6 vy , dem * Komponisten der ״hidin“. Zwischen den Gesängen spielte! Hofcellist Heinrich Oriinfetd in seiner glatten Weise eine hebräische Melodie vo« KHlennaim und das Kol n'ufre in der Lcwandowskisehe« Bearbeitung. — Da der grosse Saal nahezu * gefüllt war. dürfte dem 1. Israelitisch•«! Volkskindercarten.^ zu dessen Gunsten das Konzert veranstaltet wurde, ein namhafter Betrag zugeilnssen sein. H. S. Berlin. Die Unterzeichnete Lehrerin veranstaltet am , Sabbath-Chanuika. 27. DezemK. 3 Uhr in Cassels Hotel. Burg-! str. 16. zur Belohnung ihrer eitrigen Reücionssclnilerimicii in : d־׳r 121. Oem.-Sch. ein ״F r e u d e 11 f e s t! n M o d c 1 11“. ‘ Eintrittskarten werden gratis an di•־ Kinder und deren Angehörige vergebe״. Edle Kiinlerireund«־ lind begüterte Eltern haben die Mitte! für dieses schöne Erst zum grossen Teil schon : gespendet, aber auch um Karten für sich tmd ihre Kinder ge-; heten. ״•• Kleine Geschenke und Geldgaben sowie Meldung um Karten erbittet bis spätestens Mittwoch, den 10. Dezember. Martha I.e v i n , KrausnicLstr. 3 I. Sprechstunden Sonntag Vormittag. ..Hebräisch wird Diolomatensnrnchc. Der Staatssekretär; dos Auswärtige!!. John Ha v. der seinerzeit das bekannte Rundschreiben zu Nutz und Frommen der rumänischen .Inden an die; Mächte richtete, hat der Judenschaft eine neue Freude bereitet. Der Rabbiner der Inch: Strect-Svnagoee in Evansvillc hatte an i den Staatssekretär anlässlich jener Note ein überschwengliches 1 Dankschreiben gerichtet: (!«rauf ist ihm von seiten dieses Herrn ׳ eine Antwort in hebräischer Sprache z.uteil eeword*׳«. Das i ..Israelitische F'amilicnblatt". das siel! vor Freude I!her diese 1־ Gnade nicht zu fassen weiss. teilt das Schreiben im Urtext , und in l’obcrsetz»!«״ mit. Es lautet, wie folgt: ״Mann Gottes! Ich erhielt Deinen Brio! und war erfreut, dass :::et!•? Tätigkeit für Deine verfolgten Brüder im Königreich Rumänien bei Dir Anerkennung gefunden hat. Friede mit Dir und Deiner Ge-