Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1902)
- Date
- 1902-12-05
- Page
- Seite 80 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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. Seite 80. Jüdische ttundsclinu. 80. 40. Jüdische Oberlehrer sind auch an höheren Mädchenschulen an* gestellt worden, einer In Berlin, einer in Bromber*. — Berlin, eine neue grosse Synagoge soll, wie der ״Konfcktionär** meldet, im Westen von Berlin errichtet werden. Dieselbe verdankt ihr Entstehen der Munifizenz des Herrn Rudolf Mosse, welcher die dazu nötigen Kapitalien von ca. 1 Million Mark in einer noch nüher zu bestimmenden Form, über welche die Verhandlungen augenblicklich schweben, herzugeben bereit ist. — ״Solon in Lydien‘*, ein Schauspiel in drei Akten von Theodor Her/.l, wurde vom königlichen Schauspielhause zur Aufführung angenommen. — Der Bericht über das Reichen* hcimschc Waisenhaus der liidischen Gemeinde zu Berlin (Wein* bergsweg 11c) für I90I-1׳\? ist soeben erschienen. . In der Anstalt wurden 75 Waisen erzogen, und zwar 45 Knaben und 30 Mädchen. Die Gesamtausgaben betrugen im Berichtsjahr 48 703 Mark, die durch Zinsen eigener Fonds und einen Ge* incindczuschuss von 22 690 Mark aufgebracht wurden. Für je eineil Zögling betrugen die Gesamtausgaben auf das Jahr 785 Mark, die Ausgaben für Beköstigung am den Tag 0,46'V«.״ Mk. Djc an der Anstalt bestehenden Stiftungen sind durch eine Oswald Berliner-Stiftung vermehrt worden. Alle Zöglinge bcsuchen öffentliche Schulen, doch wird ihnen in der Anstalt noch Unterricht im Gesang. Turnen und Kcrbschnitzcn erteilt. Das Waisenhaus stellt unter Leitung d»־s Direktors Dr. Moritz j Jutrosinski. Fine jüdische Fleischeinkauisgenosscnschaf( j soll in Königsberg ins Leben gerufen werden. Man will eine; eigene (Icnossc.nschaitssdiklchterci einrichten, die allen Bedarf j au rituell geschachtetem Heisch 7t1 liefern hat. Mannheim. \ Von hier wird, wie die ״N. Bad. Landrsztg." mitteilt, dem i ..Bad. Volksblatt“ geschrieben: Merkwürdige Dinge raunt man : sich seit einigen Wochen in den Kreisen unserer grosseren! Handelsherren zu. Int Laufe dieses Sommers wurden von I unserer Handelskammer die Handelsrichter für das nächste j Jahr vorgeschlagen. Unter den vorgcschlageneu Kandidaten! befanden sich, wie bei der Zusammensetzung der in Betracht j kommenden kaufmännischen Kreise leicht erklärlich, mehrere ן Juden — natürlich durchweg hochangesehenc Kauileutc und i unantastbare Ehrenmänner. Wer begreift das Erstaunen unse- I rer Handelskammer, als bei Zunsekkuim der Liste aus Karlsj ruhe die ״Namen der Kandidaten israelitischer Konfession“ durchweg ausgefallen waren? Eine Anfrage hei dom Herrn Jiistizmmister ergab das befremdliche Resultat, dass im Justiznimistcrium, das in diesen Dingen durchaus korrekt auf den! veriassungsmässigen Boden steht, die Streichung nicht erfolgt war. Vielmehr hatte das hiesige Landgericht mit seiner berichtliehen Vorlage sieh für die Streichung ausgesprochen. Wer aber glaubt, dass unsere Handelskammer sich nun geweigert hätte, andere Kandidaten vorzuschiagen, der kennt ihren Herrn Vorsitzenden schlecht. Eine neue Liste wurde aufgestellt; sic soll dem Vernehmen nach keinen Juden enthalten. ־ Frag. Wieder ein Ritual in ord - Märchen. Gestern Vormittag erschien Schneider Wenzel HIassak im Geschäfte des Händlers Adolph Morgenstern in Hernals mit Schneiderzugehör-Artikeln und behauptete, er habe seine kleine Tochter zu Morgenstern gesdiickt, damit sie bei ihm etwas einkaiife, das Mädchen sei aber nicht zurückgekommen. Morgenstern erklärte, das Mädeben wäre nicht bei ihm gewesen. HIassak entgegnete, er selbst habe gesehen, dass seine Tochter das Lokal Morgensterns betrat: dieser müsse das Kind noch bei sich im Hanse haben. Es wurde die Anzeige erstattet und die Polizei nahm i 1111 Hause Morgensterns eine Durchsuchung vor, die natürlich j ergebnislos blieb. Inzwischen hatte sich im Bezirke dis Gc- > röcht von einem Ritualmorde verbreitet und vor dem Lokale j Morgensterns sammelten sich die Leute an. Ehe die Haltung derselben eine bedrohlichere wurde, erschien die Frau des! Schneiders HIassak und teilte mit. ihre Tochter sei bereits nac'1! Hause gekommen. Morgenstern hat bei der Polizei und der j Staatsanwaltschaft die Anzeige erstattet. — Wien. Am 25. November sind wieder!70 rumänische Auswanderer in Wien | cingetroffcn. Nur wenige Stunden hatten diese Bedauerns- 1 werten in Wien Station gemacht, um nach erfolgter Inter-! vention der Isr. Allianz, die sich in humanster Weise der edlen , Hilfsaktion annimmt, weiter befördert zu werden. — Budapest. י Der ungarische Ministerpräsident überreichte Mittwoch ausser! dem neuen Auswauderungsgcsctz auch noch Vorlagen über [ i’asswcscn und über das Wohnrecht der Ausländer in Ungarn, i Die letztere Vorlage, welche die Niederlassung der Ausländer j bedeutend erschwert, ist speziell gegen die Einwanderung der | Juden aus Oalizien und Rumänien •gerichtet, und es wird auch mit Hinsicht hierauf eine besondere Grenzpolizei errichtet wer-! den, deren Sitz die hauptsächlichsten Eingangsstationen aus j den genannten Ländern sein werden. - Bukarest. 24. Nov. Bei i;den gestrigen Stichwahlen für die Cicmcindcräte drangen über- I all die liberalen d. h. die radikal-antisemitischen Listen mit j giosser Mehrheit durch. In Bukarest erhielten die Liberalen ׳ 2219, die Konservativen 12*6 Stimmen. Das eudgiltige Waidj ergcbm’s bedeutet einen glänzenden Sieg der liberalen Regie- 1 rong. — Maxim Gorki, der gefeierte russische Schriftsteller, ist von der zionistischen Idee ganz eingenommen und sucht sic näher und eingehender zu ־studieren. Er will den jüdischen Ansiedlungsrayon besuchen, um das jüdische Leben kennen zu lernen, da er ein Werk zu schreiben beabsichtigt, wo . er die ״guten" Seiten des jüdischen Volkes zeigen will. -- Budapest. Laut einem Berichte des ungarischen Ministers des Innern haben im ersten Halbjahre 1902 nicht weniger als 214S Personen ihre Namen magyarisiert. Von den Personen mit deutschklingendeii Namen waren besonders die Blau, Braun und Wciss bestrebt, ungarische Namen anziinehmcu, atn unzufriedensten scheinen jedoch die Kolms mit ihren Namen zu sein, da iit der ersten Hälfte des Jahres 1902 alles in allem 95 Kolms neue Namen annahmen. — Aus Petersburg meldet man: Wie die ״Nowosti“ erfährt, wird im Ministerium des Innern, ein Gesetzentwurf vorbereitet, mittelst welchem den Juden in Russland der Erwerb von Grundbesitz gestattet werden wird. Jedoch darf der zu erwernende Besitz den Umfang von 50 Pcsjatincn nicht übersteigen. Auch muss in jedem einzelnen Falle vorerst die Genehmigung der administrativen Behörde cingcliolt werden. -- In einer Volksküche der Wohltätigkcitsgesellschaft von Warschau haben die Christliehen Besucher unlängst, wie der halbamtliche ״Warschawskij Dnewnik“ meldet, gegen die Zulassung vn!1 Juden zur Teilnähme an der unentgeltlichen Speisung im Speisesaal der Volksstimme Protest erhoben, mit der Begründung, der Anblick der Juden sei ekelerregend. Die Verwaltung der Küche billigte diesen Protest und sonderte die Juden von den Christen ab. Aber die Journale ״Polskaja Niva“ und ״Warschawskii Dnewnik“ sind mit diesem Ausgang des Protestes nicht zufiicden. Sic verlangen die völlige Ausweisung der Juden aus der Volksküche . .' . Diesem Verlangen dürfte auch stattgegeben werden. fiationalfond. Max S i c h c 1 - München, cand. med.: 1.54 Mk. Durch Eu״en B 1 oc h - Berlin, gesammelt heim Gchurtstag in Familie Muloidso» 9 Mk. Von N. N. I Mk. BrieMen. M. J. B. Die Witwe des Verfassers von Rom und Jen!- sulem, Madame Vcuve Sybilla II c s s, wohnt in der Nähe von Paris. Ihre Adresse ist: 37 Boulevard National. Cot ich y I a C a r c n 11 e. Departement Seine (France). Sambarsky In Königsberg. Kleidersstückc für die rumanischen Juden sind zu senden an M. Breslau & Comp., Berlin NAV. 7, Georgenstr. 24. Barth. Unsere Freunde werden darauf hingewiesen, dass unser Gesinnungsgenosse Herr Kind, Wollinerstrasse 13, zum hevorstehenden Channkahfest Festicncliter (Mcnorot) bergestellt hat, von deren Erlös der in Gründung begriffene jüdische Kinderhort mit unterstützt werden soll. Wir brauchen kein Wort der Empfehlung hinzuzufügen. fin unsere geehrten tnitarbeiter u. Ceser. Wir bitten wiederholt, freundliehst zu beachten, dass Redaktion u. Geschäftsstelle der .,Jü iisohen Rundschau“ auch örtlich getrennt sind. Danach sind ausnahmslos alle für dio JihiPcho Rundschau bestimmten Geld- Sendungen, Bestellungen und geschäftlichen Mitteilungen ausschliesslich an den ״Verlag Jööische Runöschau, € (j. in. b. j{.“, Berlin C 22, flusuststrasse 49ä zu adressieren. Dagegen w!rd dringend gebeten, alle auf den Inhalt der Zeitung bezüglichen Mitteilungon, also «110 für dio Redaktion bostirnmten Sendungen an die Adresse Dr. ßemricl) Coewe, Berlin n&J4ö, Cfljrterslrasse 14/15 lichten zu wollen. Redaktionsschluss: Dienstag nachmittag 5 Uhr.