Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1902)
- Date
- 1902-12-05
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ko. 49. JUdisehe Ru1»ds<jl1au, Seite 77. Herr Waldheim. Seine missverständliche Auffassang von der Rede des Rabbiners veranlasst© diesen, nochmals seinen Standpunkt dahin zu präzisieren, dass ihn der zionistische Erfolg innerhalb seiner Gemeinde mit aufrichtiger Freude erfülle. Herr Margulies feierte unseren Führer Dr. Herz! und brachte auf ihn ein Hoch aus, in das die Versammlung begeistert einstimmte. In zionistischem Sinn sprachen ferner die Herren D1*. Walter Friede mann, Eduard J06 1 und Referendar Jacobsohn. 27 Anwesende erklärten ihren Beitritt, darunter Herr Herr• mann Meyer, der erste Vorsteher der Gemeinde. Der Lübeckor Gemeinde -Vorstand ist somit in seiner Majorität zionistisch. Kurz vor 1 Uhr schloss der Vorsitzende Dr. rned. Jeöl die denkwürdige Versammlung. K. Königsberg I. Pr. In der Königsberger Zionistischen Vercinign.ig sprach am 19. Nov. vor einem zahlreichen Publikum Pi. Hurwitz aus Groduo über die ״Bedeutung des Zionismus liir die östlichen Juden“. Durch den Zionismus hat, wie der Vortragende ausführte, das Judentum in Russland wieder festen Boden gewonnen. Das jüdische Selbstbewusstsein wurde durch diese nationale Bewegung gestärkt, so dass namentlich ein grosser Teil der Jugend, welche s»c!1 if!r Religion nicht mehr zu begeistern vermochte, dadurch ihrem Volke wiedergewoimcn worden ist. Dem mit grossem Beifall aufgenommenen Vortrage schloss sich eine rege Diskussion an. Seitens des Vorstandes wurde alsdann mitgeteilt, dass Ref. S. Gronemann- Hannover für Anfang Dezember einen Vortrag übernommen habe. Lardsberg a. Warthe. Sonntag, den 30. Nov. sprach vor zahlreich besuchter Versammlung Herr Dr. K1 c c aus Berlin über das Thema ״Das Zionistische Programm, seine Freunde und seine Gegner". Das Ergebnis des wirksarnen Vortrags war. dass bei den Zuhörern Verständnis und Interesse für die zionistische Bewegung, die man bisher fast garnicht kannte, geweckt und dass eine Reihe von Miss- Verständnissen beseitigt wurde. In der Diskussion betonte Herr Rabbiner Dr. Eisass wie Herr Gemeindepräses Nathan ihre Sympathie für die zionistische Sache; einige theologische Bedenken, die Herr I)r. Eisass andeutete, namentlich die Mügiiehkeit, dass ein zu scharfes Betonen des Volkstums den Glauben erwecken könne, die Nation sei das primäre, die Religion das sekundäre, binderten ihn nicht,‘ dem Gedanken der Gründüng einer zionistischen Ortsgruppe Landsfcerg «׳». W. durchaus freundlich gegenüber zu stehen. (Wir werden im Januar einen zweiten Vortrag in Landsberg abhaltcn lassen und im Anschluss daran eine zionistische Ortsgruppe dort organisieren. Bureau — Berlin). Bonn a. Rh. Unsere Ortsgruppe veranstaltete vergangenen | Mittwoch ihre erste Öffentliche Versammlung für diesen Wir,־ I ter. Den Vortrag: Was ist Zionismus hielt Max Gold reich I aus Köln, der sich seiner Aufgabe, Ziveck und Ziele der zionistischen Bewegung darzulcgcn, in ausgezeichneter Welse entledigte. An der recht lebhaften Diskussion, welche die ver• schicdcnstcn Gebiete des Zionismus berührte, beteiligte sich neben dem Vortragenden in recht geschickter Widerlegung der Einwändc gegen unsere Bewegung nnscr Gesinnungsgenosse Abraham aus Köln, von unseren Bonner Freunden; Dr. Kahn. Schuster, Peldmanu, Dr. Edelstein. Die Schekelsammlung ergal) 20 Mk. Unsere Ortsgruppe, die sich durch Beitritt vieler neuer Mitglieder akademischen und kaufmännischen Berufes ׳ recht erfreulich vergrösserte, will vor allem durch wöcherit- ן licht Vereinsabende, in denen die verschiedensten Fragen be- : handelt werden, einen tüchtigen Stamm gründlicher Kenner des Zionismus schaffen, um so in unserem noch assimilatorisch gesinnten Westen rege Agitation entfalten zu können. Fiacl)ricl)ten aus Palästina.; In Oaza bat die Cholera nachgelassen. Diu Zahl j der Kranken ist nur noch gering. Ebenso ist in Lydda! die ErkrankungszifTer erheblich zurückgegangen. Alles! das * gilt bis zum R. Cheschwan. Unter dem * 21. Cheschwan sind folgende Nachrichten eingetrollen; j Gaza und Lydda. die beiden Städto, von welchen die! Krankheit sich hauptsächlich verbreitet hat, sind völlig I seuchenfrei. Dagegen ist die Cholera in Jaffa im 1 Fortschreiten begriffen. Während dort bisher täglich : nnr 4 bis 5 Menschen gestorben sind, ist die Sterbej Ziffer jetzt auf 15 bis 20 pro Tag gestiegen. Dazu ן kommt, dass die Quarantäne Teuerung zur Folge hat. ן Da die durch ihre erzwungene Untätigkeit brotlos; gewordenen Hafenarbeiter mit Plünderung drohten.; wurde ihnen vom Kaimakam eine Summe Air die notigste Nahrung bewilligt. Für die jüdischen Armen wurden vom Odessaer Chowewe Zion-Ko• mite^ 4000 Francs geschickt, welche in der Weise . zur Yeiwendung kommen, dass diejenigen, welche; noch etwas zahlen können, Brot zum halben Preise erhalten, während es den ganz Armen gratis vorab- , reicht wird. In Tlberias lässt die Krankheit ebenfalls schon ' nach, doch sind Armut und Mangel am Nötigsten j noch sehr gross.! In Jerusalem ist bisher nur ein einziger Fall vor-; gekommen, der einen erst kürzlich eingowanderten! Tschcrkessen betraf. Im übrigen ist der Gesundheits- | zustand in der Stadt zufriedenstellend. Der ärztliche; Fürsorgedienst ist gut organisieit, ärztliche Mitte kam eine Frau mit schwarzen Locken; ' sie war nicht grösser als ein Daumen, und auf dem Kopfe | war die Träne des Knaben. Sie wuchs und wurde , immer grösser und grösser, bis sie viel grösser war als ein gewöhnlicher Mensch. Die Träne auf ihrem Haupte aber war eine grosse, lichte Diamantenkrone geworden. ״Deine Träne,“ sagte sie mit milder Stimme, ״hat bei mir an das Türchen geklopft und hat mir erzählt, dass Du weinst; darum bin ich gckojnmen, um Dir. Geschichten zu erzählen; dann brauchst Du nicht mehr zu weinen. Du darfst auch keine Angst vor mir haben, ich bin der Schutzengel des jüdischen Volkes und habe Dich recht lieb.“ Da fragte der Knabe, warum sie denn aus seiner Träne die Diamantenkrone gemacht habe, und die schöne Frau erwiderte: ״Jede Träne, die ein jüdisches Kind weint, weil man es Jude schimpft, fällt in meinen Schoss und wird zuin Edelstein, und Deine Träne fiel mir aufs Haupt und wurde zu einer Krone. Am Tage mm. wo das jüdische Volk wieder frei in sein Heimatland zuruckkchrt, aus dem es vertrieben ist, werde ich ein herrliches Gewand mit all* den schönen Perlen anlegen und diese Krone auf dem Haupte* tragen. Aber; das ist noch lange hin. Als nämlich Jerusalem zerstört | wurde, da machte Gott aus den Trümmern des heiligen Tempels eine grosse Schüssel, tmd in diese Schüssel fliesst jede Träne, die eine jüdische Mutter weint, wenn man ihre Kinder beschimpft. Und wenn die ganze Schüssel voll von Tränen ist, so wird sie Gott über die Feinde des jüdischen Volkes ausscliiitten, und wird das ganze Volk in Glück und Herrlichkeit zurückkehren lassen.“ ״O, wie prächtig wird das werden.“ jubelte jetzt das Kind, ״das muss ja zu schön sein!“ ״Gewiss ist das herrlich und das Beste, was es gibt. Aber sage, liebes Kind, soll ich Dir nicht inzwischen noch Geschichten erzählen? Ich weiss sehr viele schöne und neue Märchen!“ Da sagte der Knabe freudig: ״Ja,“ und sie erzählte ihm viele schöne. Geschichten, und der Mann, der alle diese Märchen aufgeschrieben hat, sass hinter der Laube und hat alles mit angehört. (Wird fortgesetzt.)