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Jüdische Rundschau · 1902-12-05 · Heft 49 (5.12.1902) · p. Seite 76

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 49 (5.12.1902)
Date
1902-12-05
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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Seite 78.- Berlin. Die Berliner Zionistische Vereinigung und die Jüdischnationalc Frauenvereinigung veranstalten am Donnerstag, *dem 25. Dezember, abends 8 Uhr, ein gemeinschaftliches .Makkabäerfest mit Ball. Es sind ausser einer Festrede musikalische und dramatische Darbietungen in Aussicht ge• nommen. Karten zum Preise von I M. und Familienknrtcn zum Preise von 3 •M. sind in der Expedition der Jüdischen Rundschau, ׳Auguststr. 49 a I, täglich von 4—6 Uhr zu haben. Die Expedition der Jüdischen Rundschau, Berlin C 22, Auguststr. 49a, kauft Prot kolie des 4. Zionistenkongresses zum Preise von 50 Pf״, pro Stück. Berlin. Dr. Kalm-M ft liehe n hat noch einen Vortrag in Z a b r ze in Schlesien übernommen, Dr. Kalmus־Lftb e c k wird, wie wir hören, in Antwerpen sprechen. Berlin. Die junge zionistische Studcntcnvercinigung ,.liasmonaea“ feierte am Dienstag, dem 18. Nov., ihre Gründung durch einen Antrittskommers. Nach der Begriissung durch den ersten Chargierten, stud. phil. Egon Rose 11 borg, hielt Vbr. Elias Ancrbac 11 die Tendenzrede, in der er vor allem auf die Bedeutung des Zionismus für das Innenleben des jungen Juden hinwies. Vertreten waren die ״Vereine Jüdischer Studenten“ und .die Bne-Brith-Logc, sowie der Jüdische Turnverein Bar Kocliba. Im Namen des Deutschen Zentralkomitees sprach A. H. h. e. Dr. Klee, der der *,Masmonaca" Arbeit in Fülle versprach und sie mahnte, immer zu Diensten zu sein. Nach Ansprachen des A. II. Pr. I:. Lcszynski, Vbr. Lcszynski und des als Gast anwesenden Prof. Dr. Rosin schloss der würdig verlaufene offizielle Teil. Von unseren Führern und vielen anderen Personen und Korporationen waren Glückwünsche ciugetronen. Eine uriidelc Eidclitas unter Leitung des A. H. 11. c. Hantkc schloss das Fest. Heidelberg. Vor zwei Wochen, am!6. November, hat sich hier durch die Initiative des Herrn Dr. Schloessi.iger-Heidelberg eine zionistische Ortsgrnnpc konstituiert. Diese Ortsgruppe, die schon jetzt etwa 26 Mitglieder zählt, lieget die Absicht, eine rege und intensive Tätigkeit nach Innen und nach Aussen auszm'iihreu. Zu diesem Zwecke veranstaltet sie jede zweite Woche Diskussionsabende, und wird im Laufe des Jahres 2 bis 3 öffentliche Versammlungen veranstalten. Die erste öffeatliehe •Versammlung ist liir Januar 19j3 in Aussicht genommen. Gestern fand der erste DiskussionsabciuL der von samtliehen Mitgliedern und mehreren Güsten besucht war, statt. Dr. M a g 11 c s-Californien referierte über ״Das amerikanische Judentum und den Zionismus". Es ist noch liier von dem neulich in Heidelberg gegründeten Sprachverein Saiali Bertirah zu erwähnen. Dieser Verein, der aus Akademikern besieht, veranstaltet allwöchentliche Unterhaltungs- und Diskussionsabende. Mannheim. (Zionist iseht• Ortsgruppe.) Wir hielten am Samstag, dem 29. November, im Oasino.-ale hier unsere orsto öffentliche Versammlung iür diesen Winter ab. Die Tagesordnung war; ״Die rumänischon J udenverfolgungcn“. Als liefe- No 49. renteu hatten sich uns in liebenswürdiger Weise die Herren Dr. Schauer- Mainz und M. Sternlieb-Darmstadt zur Verfügung gestellt. In einer ausserordentlich klaren, fesselnden Darstellung gab Gg. Dr. Schauer eine Uebersicht über die geschichtliche Entwickelung und den gegenwärtigen Stand der rumänischen Judengiäud, durch ein reiches Tatsachen material seine Ausführungen illustrierend. Gg.^Sternlieb konnte als rumänischer Jude die Dar- Stellung des ersten Rele!enteil durch die Mitteilungen von Selbstgeschautem ergänzen und erstattete ein vortreffliches Referat über dio inneren Verhältnisse der rumänischen Judenheit. Dio Vorträge übten auf dio stark besuchte Versammlung einen gewaltigen Eindruck aus, der sich nicht nur in wiederholten 1 bhaften Beifallskundgebungen, sondern auch in dem Beitritte von 20 neuen Mitgliedern zur Oitsgruppo atisspracli. Lübeck. Am Sonntag dem '20. November fand unsere 1. gr< sso Wmtei Versammlung statt. Sie bedeutete für die Lübecker Gemeinde ein Ereignis, für unsere Ortsgruppe einen Ei folg, der alle Erwartungen übertraf. Dr. Klee-Berlin behandelte in 11 ״?fündiger Bede das Thema der ,,Wiedergeburt des jüdischen Volkes Er bot den zahlreich Versammelten eiu j Meisterstück rhetorischer Kunst. Die feinsinnige Rede, | ausgezeichnet durch reichen Inhalt und klare Foim-! gebung, durchweht vom Affekt glühender Bej geisterung. war von überwältigendem Eindruck. Eine Bedeutung, die über den Rahmen der Gerne nde j hinausrag:, gewann der Abend durch die Anwesenheit i des Rabbiners und der Gemeindeveitreter.!• Herr Rabbiner Dr. Carlebach, der schon zu ץ wiederholten Malen seinen Sympathien für unsere Bewemmg Au-druek gegeben hat, fand wurme Worte der An01 keninnig für den Redner und die von ihm vertretene Sache. Unter <iet11 Jubel der Versammelten forderte er die Anwesenden auf, der Onsgiuppe beizu treten. Für seine Person lehnte er den Anschluss ab, da die Tätigkeit eines orthodoxen Habbiners auf anderem, rein religiösem Gebiete zu suchen sei. In der sieh anschliessendem Diskussion kam Herr Dr. med. Schlomer als Gegner zu Worte. Er net in verblümter Wo :so zur sozialistischen Lösung der Judenlrage. Er bekämpite ferner den Zionismus, weil er auf Umwogen zur Oithoäoxie zurückiührc In minder klaren Ausführungen opponicrto Jüdische Rundschau, denn er hatte für sich und die Seinigen sich gute Auslandspässc zu verschaffen gewusst. Er trat in französische Dienste und ist dort gleichfalls zu hohen Ehren gehängt. Persönlich bin ich ihm niemals wieder begegnet. (Fortsetzung folgt). Aus meinem H?ärci)enbud)e. Von Heinrich Locwc. (Nachdruck verboten.) (Ucbcrsctzungsrccht Vorbehalten.) Die Wunderblume. Es war Frühling geworden, und draussen itn kleinen Garten sassen viele Sperlinge auf dem breitschattigen Apfelbaume und zwitscherten so niedlich, wie sic cs das ganze Jahr über nicht getan hatten. Der blühende Wciitstock, der am ganzen Hause emporrankte, duftete noch lieblicher als alle die vielen roten Rosen, als die Levkojen, ja selbst als die Blüten des grossen, weissblühenden Rosenstockes. Gerade gegenüber vom Hause mühte sich ein schwarzgelockter Knabe, die j grüngestriclienen Stäbe an der Laube im Garten, die | während der Winterszeit abgebrochen waren, wieder zu befestigen. Aber diese Arbeit war ihm doch noch zu schw er, und er lief wieder davon, um aut den grossen Apfelbaum zu klettern, so dass die Sperlinge ängstlich von dannen flogen. Vom Naehbarhofe sali ihn aber eine alte, hässliche Frau, der er nie etwas zu Leide getan hatte. Denn er tat überhaupt niemandem etwas zu Leide. Die verzog ihr Gesicht und schalt mit rauher Stimme: ״Du schwarzer, garstiger, dummer Judenjungc. willst Du wohl vom Baume hinunter, Du unnützer Bengel!“ Da kletterte er vom Baum hinunter und weinte, und setzte sich traurig aut die Bauk in der Laube. An ihrem Eingänge stand mm eine farbenprächtige Wunderblume, die sehr lieblich duftete, und deren Blüteil bald weiss, bald rot, bald buntgestreift waren. Und wie der kleine jüdische Knabe mit, Tränen in den Augen nach der Blume sah, so bemerkte er mit einem Male eine neue Blüte, die höher als die anderen und wie der Himmel blau war. Da lief er hin, um sie zu bej trachte!!; denn er hatte alle die schönen BÜnr.clieu so. lieh, - und die letzte Träne fiel mitten hinein in die I blaue Blüte. Sie öffnete sich noch weiter, lind aus ihrer

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