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Jüdische Rundschau · 1902-11-28 · Heft 48 (28.11.1902) · p. Seite 71

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 48 (28.11.1902)
Date
1902-11-28
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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No. 48. £eite 71 unser Gesinnungsgenosse Dr. Moses, mehrere Jüdische! Vereine zu einer Beratung betr. Errichtung einer Toyn- , bechalle eingeladcn hatte und Loge, zionistische Orts-; gruppe und indischer Diskussicnsvercin ihre Bcreitwll- ligkeit zur Mitwirkung erklärt hatten, gelangte Jetzt die Angelegenheit in ein praktisches Stadium. Die August Lantry-Logc stellte auf Antrag ihres Präsidenten Dr. j Moses der Toynbcehalle ihren Saal, sowie eine finanzielle .1 Subvention zur Verfügung. Am Montag, den 17. ds. j wurde die Toynbeehallc mit einem ausserordentlich glücklich verlaufenen Abend eröffnet, der sich eines unj erwartet zahlreichen Besuches erfreute. Die Rabbiner ' Dr. Oppenheimer und Dr. Unna, sowie Og. Dr. Moses; hielten kurze Ansprachen und Vorträge, unser Gesin-; inmgsgcnossc Julius Simon rezitierte Poesie und Prosa; aus dem ״Jüdischen Almaiiaeh’־, Herr Ludwig Hecht erj freute die Zuhörer mit herrlichen Liedcrvortrügen. Das Interesse an der Jungen Institution, an deren Schaffung unsere Gesinnungsgenossen den hervorragendsten Anteil ■ haben, ist in der ganzen jüdischen Bevölkerung ein aus- ■ serordentlich lebhaftes. i Mannlieim. November P>02. Am Dienstag, den ' 25. November hält im Vereine für Jüdische (icschichte : und Littcraut: Gesinnungsgenosse Davis Trietsch einen : Vortrag über ..Das heutige Palästina'׳. ' Lenden. Das diesjährige Bankett in der Londoner (luildhall,, auf dem Premierminister Balfour seine erste ״Guildha**- Rede“ hielt, hat zu einen! eigenartigen Zwischenfall Vertutlassang gegeben. Der rumänische Gesandte in London war in : die Einladungen, welche zu dein Guildhall-Bankctt an das diplomatische Korps erlassen worden waren, nicht eilige* : schlossen worden. Der gegenwärtige l.ord-Mavor Sir Sarnne! 's *»וו London ist bekanntlich Jude, und mau nahm au. dass er mit der Nicliteinladmig des Gesandten dem Missfallen• über : die bekanntlich von der amerikanischen Regierung 7.11m Gegen-; stände eines Rundschreibens gemachte MaHiuig Rumäniens : den Juden gegenüber Ausdruck geben wollte. \V1e ein Telegramm aus London meldet, hatte in!!! ein Vertreter der St. James Gazette eine Besprechung mit dem Lord-Mayor.! Sir Marcus Samuel erklärt, dass der betreffende Name ab- ’ sichtlich weggelassen worden sei, und bemerkte dazu, es sei; Bi auch im Mansiop-House, Vertreter eines Staates nicht ein-; zuladen, welcher sich weigert, Vertragsverpflichtungen zu er-; füllen, womit die Verpflichtungen Rumäniens aus § *H des; Berliner Vertrages verstanden sind. Wie die St. James Ga- zette erfährt, ist die englische Regierung!יי der Angelegenheit ' zwar befragt worden, aber die Verantwortlichkeit für dieselbe j ruht natürlich auf dem Mansion-Housc. Ueberhaupt hat Sir ' Samuel gezeigt, dass er ein selbstbewusster Jude ist. und Her/.! und Haupt auf der richtigen Stelle trägt.! Berlin. Wir werden um die Aufnahme folgender Warnung j ersucht: Hier in Berlin vertreibt ein gewisser TGimim Bräu* 1 k e I, welcher s. Zt. bei Jacobsohn, Linienstrasse 21, wohnte. ׳ sogenannte Lose des ״Kolel Pinsk” in Jerusalem. Ohne überj haupt auf die Berechtigung oder Nichtbcrechtigung des p. Priiiikel einzugehen, solche Lose zu verkaufen, halten wir cs : für geboten, die Leser Ihres Blattes mit folgender Tatsache j bekannt zu machen. Eilt Herr erhielt solche Lose des p. Brün-; kel zugeschickt. Da er ein Gegner dieser Art Bettels ist.! sandte er ״eingeschrieben“ die Lose dem p. Teumim ' Bifmkel zurück. Gleichwohl benutzte Bränkel die ihm bekannt j gewordene zwciwöchcntlichc Abwesenheit des Herrn, um in , dessen Bureau die angeblich nicht zuriiekgesandten Lose zu j reklamieren. Man gab ihm dort schliesslich das Geld, um! ihn los zu werden. Das genügt zur Kennzeichnung, wie Herr Bränkel seine ,.Geschäfte“ führt. Wir warnen deshalb dringend; vor dem Herrn Bränkel und seinen ״Losen". : Kleine Chronik. Berlin. Die .,Deutsche Tageszeitung“ konstatiert wehleidig ז unter der Spit/marke .. Das Judentum im ärztlichen Beruf ", j dass bei der Neuwahl für die Acrztekammer Brandenburg-Berlin ן mehrere Aerzte-Yereinigungenin Bcrli'1 eine gemeinsame Kanj didatenliste »«{gestellt haben. Unter de« darin genannten 40• Herren befunden sich 2U Christen und 20 Jude״; von den Stell- ' Vertretern seien 23 Christen. 17 Juden. Es ist tatsächlich kein ganz gerechtes Verhältnis, da die Juden entsprechend ihrer Beteiligung am ärztliche•! Stande viel zu gering vertreten sind. Berlin. Der Verein Jüdischer Studenten hatte am Dienstag, den 18. II. seinen ersten Vortragsabend. Der A. H. des Vereins, Dr. Heinrich L o e w e, hielt einen Vortrag über ״Die Sprachen der Juden“, in dem er an Hand der verschiedenen historischen Sprachen der Juden das Geschick der jüdischen Nation zeichnete. Eine lebhafte Debatte legte heredtes Zeugnis von dem frisch pulsierenden jüdischen Leben im Verein ab. Am folgenden Dienstag hielt Dr. Julius M(»sc s'. der Redaktcur unserer Kollegin ״Oeneraianzeiger“. ein recht interessantes Rclerat über das Handwerk unter den Juden. Auch au diesen Vortrag schloss sich eine angeregte Debatte an. -- Berlin. Als in der Reicbstagssitzung vom 12. Nov. Bebel sagte: ״Die Bühruag der Rechten; liegt heute in den Händen der Abgg. Spahn und Liebcrmaim v. Sonnenberg, antwortete letz,־ terer: ״Wenn es im deutschen Reichstage hw'sst: Liebcrmann und Genossen, so wird das einen besseren Eindruck aufs Volk machen, als weiui es heisst: Singer und Genossen. Denn dann wäre es eine Judcnscimlc (Beifall rechtsL" Herr Singer, der in dieser Sitzung sehr viel gesprochen hatte, fand hierauf kein Wort der Erwiderung. Obwohl wir keine Brciiiide der von uns für aussichtslos gehaltenen Abwehlbewogtmg sind, so mciiieii wir doch, dass es ein iiiiÜsciier Abgeordneter seinem Ehrgefühle schuldig gewesen wäre, auf eine Acuswrung, in der nicht nur das Judentum, sonder»! vor allem auch er selbst als Jude beschimpft war, ü׳e gebührende Antwort zu finden. Allerdings sind wir das Gegenteil von Herrn Singer und seinen jüdischen Parteigenossen schon von jeher gewnhm. Ais in der Sitzung des Reichstags vom!4. November der getaufte jüdische Abgeordnete Dr. Gradnuuer (Soz.) seinen Zettel a*s erster abgah, erscholl der Ruf: ..Der kleine Colin״! Der Name Cohn ist den Rufern allein schon Witz. Die Leute sind zu bedauern, die gern Witze mache« möchten und nur Rüpeleien machen können, Jedenfalls ist •>» letzter Zeit der Name Colin so oft beschimpit worden als Repräsentant des Judentums, dass wir mir bedauern können, nicht selbst C»»hn zu heissen. — Berlin. Als bei der letzten 11an;crt:Iiche;1 Ahstim- »m.׳ng ini!Reichstag zufällig der Abgeordnete Wurm auf den letzten Aufruf antwortete, wurde der leine Witz auf der reelltcu Seite gerissen: ״Ende Juä'. alles Jud‘!" Man muss gestehen, dass sogar bis zum letzten Witz alles von der Rechten gm vorbereitet war. immerhin ist es charakteristisch, dass mit derselben Logik, mit der die römischen Machthaber in *den ersten christlichen Jahrhunderten die Christen für alles Mög* liehe und Unmögliche verantwortlich machte!•!, die Parteien der Rechten und des Zentrums die Juden merkwürdigerweise iiir die Obstruktion im Reicltstag verantwortlich macken. Die Juden sollen sich dabei ins Stammbuch schreiben, dass die führenden katholischen Organe, allen voran die ״Germania", es der ״Staats!)!!rgerzeitung" gleich und voran tun. Das Judentum wird bei dieser Gelegenheit, wie so oft. von allen Seiten angegriffen, und findet keinen Annehmer seiner Ehre im Reichstag. —• Die Antisemiten haben i״ Berlin in einer Ver* Sammlung des ostdeutschen Verbandes der deutsch-sozialen Reformpartei nach der ״Staatsburgerzeitinig“ beschlossen, ausser in Arnswaldc-Ericdeberg und Netistettiu antisemitische Kandidaten sofort in Scbloehau-Blatow und Deutsch-Krone aufzustellen. — Darüber werden die Konservativen sehr erbaut sein. Schlochau-Blatow ist gegenwärtig durch den kouset*- vativen Abg. Hilgendorff, Dtseh.-Krone durch den frelkonservativen Abg. Dump vertreten. Ausserdem sollen in Laudsberg- .Soldin und Mescritz-Bomst antisemitische Kandidaten atifgestellt werden. — Berlin. Das Stichwort der ״Staatsbürgerzeituug“ ist offenbar: ״Es wird weiter gekonitzt!" Obwohl verurteilt halten die Leute an ihrem angeblichen Glauben fest machen Versammlungen und sch reiben Artikel für ihr hexengläubiges Publikum. Das deutsche Volk und seine Kultur darf eben »icht nur nach Goethe und Luther beurteilt werden, zur ganz n Absehilderung gehören Brului und Piickler liebst Ahlwa־׳it unbedingt hinzu. — Spcfer. Die ״Münchener Neuesten N. •clirichten" und die ״Augsburger P0£tzcituug“ streiten sieh, 1!n der Zentriimsabeeordnete Dr. Zimmern ein getaufter Jude sei oder nicht. Die Wahrheit ist. dass die pfälzische Judenfamilic Zimmern vor drei Generationen zum Christentum übergetreten »st. und dass ihre Mitglieder in England so gut evaugeiisch sind, wie ihre deutschen katholisch. In gleicher Weise erledigt sich der Streit über uen Bistnarckschcn Borstnieister Seiig. Auch Bieibtreu ist ja Judenstämmling. — Leipzig. Verschiedene Antisemitcnblätter, u. ä. die ״Leipz. Neuest. Nadir.“, schreiben: ״Einen konservativen Notschrei aus der ReichstagsfuisOre veröffentlicht der ״Vorwärts׳‘ in »iest.t.t eines Pnvathriefes, der lautet: ״Lieber Schatz*. Ich kann leider auch heut nicht zur Jagd in Lieben sein, ich muss vielmehr bei den! schönen Wetter als Stimmvieh dienen auf Befehl der Juden und Judcngcnosseu." Dtc Bedenkenlosigkeit des ״Vorwärts", das

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