Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1902)
- Date
- 1902-11-28
- Page
- Seite 72 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite72. •I י>11*>>יו 1>וו Ritudsclimi. * ■No. Briefgeheimnis zu verletzen, kann hei den politischen. Sitten der! Sozialdemokratie nicht Wunder nehmen. Unrecht kann ein billig Denkender aber dem Brietschreiher wirklich nicht geben. Dynn cs gehört qualvolle Selbstverleugnung dazu, einer Jagd; entsagen zu müssen. um bei den stumpfsinnigen Auszählungen j in! Reichstag, wie sie von den Herren Sin״er und Stadthagea j beliebt werden, auszuharren.“ Wir konstatieren, dass der י schöne Passus aus einem Briefe des Fürsten Bismarck aus dem ' Jahre 1818־ stammt. - - Frankfurt יו. M. Die Judcnirage in ׳ der Armee wird von den ״Neuen militärischen Blättern** sehr : einiach und sehr elegant abgetan. Fs gibt ״eine ganze Au- * zahl von jüdischen Staatsangehörigen, die es zum Vizefeldwebel : der Reserve und Landwehr gebracht haben, selbst einige Offiziere des Bcurlaubtenstaiidcs jüdischen (Habens sind uns : bekannt. Fs bestellt keinerlei Hindernis für diese Leute zum < Atnrückcn, allein es liegt nun einmal in dein Wesen der Dinge, : dass die Zahl derer, die sich dazu eignen und denen es über-! haupt darauf ankommt. eine verschwindend kleine ist. Liner besonderen Begründung bedarf cs nicht, die Verhältnisse : sprechen für sich selbst.** Basta. Labischln. Wie der ״Gesellige“ mitteilt, haben bei den StadtverorJucteiiwalileii die Polen zwei Mandate gewonnen, weil die Juden sich der Wahl enthalten haben. Die Juden in der Provinz I\»scn sind durch ihre Zahl sehr wob! imstande, sich die Achtung zu ver-; schaffen, die ihnen eebührt. l.eider verstellen sie keinen Ge-! brauch davon zu machen. - Der .,Gesellige" schreibt ferner:; ״Briesen, 10. Novembc.r Bei den heutigen Stadtverordneter.־! Frgänztmgswalilei! wurden die Herren Wilhelm Bricu. Gustav; Dahmer. Kohlberg, Schwitnlla und Maurermeister Znwadzki in j der ersten Abteilung. Julians und Flcisehermeister Köhler in j der zweiten Abteilung, Karl .Kieninahn.!־'ranz Sass und Schmie• j demeister Sikorski in der dritten Abteilung gewählt. Hinein I vorherigen Abkommen zwischen den Deutschen und Polen entj sprechend wurden an Steile der 5 ausgeschiedenen Israeliten! zwei Deutsche. 2!*ölen und ein f’arteiloser in die Versammlung | gewählt. Bisher hatten die Israeliten eine Liren Steuerj icistungcii und ihrer Bevölkcruiigsza’d nicht entsprechende l giosse Anzahl von Sitzen in der Stadtverordnetenversammlung I behauptet.** Den Juden gegenüber haben sich also Deutsche und Polen, Konservative und Freisinnige -- der ״Gesellige“ ist j liberal — brüderlich zusannneugcfimden. ■ Breslau. Die 1 Schfirzciinäherin V. war bei dem Schiirzcniabrikarit C. be-! sebäftigt. An den beiden Festtagen des jüdischen Neujahrs, an welchen der Fabrikant das Geschäft und die Werkstatt geschlossen hatte, musste das Mädchen die Arbeit aussetzen, wofür sic eine Hntscbädigmig nicht erhielt. Wegen des Lohnausfalles im Betrage von 3 Mark klagte sie vor dem Ge- ’ wcrbegericht und erlangte ein obsiegendes Urteil. Der Be- ־ klagte batte sich darauf berufen, dass ihn niemand zwingen könne, an hohen Festtagen arbeiten zu lassen und dass wegen des Rubens der Arbeit ihm eine Fntschüdiguugspflicht entstelle, weil es der Beklagten bekannt war, bei einem jüdischen Geschäftsmami in Brot und Lohn zu stehen. Das Recht, das man ' den Andersgläubigen zugestehe, müsse aus Billigkeitsrücksichten auch den jüdischen Gewerbetreibenden zugestanden werden. Ueberdics habe er die Klägerin auf den Feiertag auf- : merksam gemacht und sie in anderer Weise für den Ausfall; entschädigt. Das Gericht verurteilte den Kaufmann trotzdem zur Zahlung der 3 Mark auf Grund des 616 des B. G.-B..; wonach ein Arbeiter des Lohnes nicht verlustig geht, wenn er i ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird, j — Nach dieser Urteil sind die jüdischen Feiertage auch vor dem : Gewerbegericht nicht anerkannt. W ie wir hören, beabsichtigt der Fabrikant eine Beschwerde an den Magistrat zu richten. ן Personalia. j Mannheim. Am 23. November ds. beging unter leb- ן hafterAnteilnahme der gesamten Bevölkerung unser Gg. Herr Oberkantor ,Th. Nettier sein 25 jähriges Dienstjubiläiim. Hllerlei. Golusbliitcn. Wir entnehmen dem ״Berliner Tageblatt“ folgende bezeichnende Inserate: I Für hübsch, j fi d. Mädchen, 22, sehr schönes blondes Haar, ohne jeden Typ. sehr gebildet, wlrtsch. und gesell, tüchtig, wird von Angeh. charaktervoller Mann j gcs., der auf Mitgift keinen Wert legt. Kl. Vcrm. zur Wäsche 11. Möbeleinr. vorh. Nur ernstg. Off. erb. unt.! A. W. 25 Postamt 50. י j Reelles Angebot! Welche vermögende Christ!. Dame würde bereit sein, einem gut situierten, Intelligenten rcpräsentablen I Kaufmann mit eigenem Geschäft (30. mosaisch, freireligiös) ihre Hand znm Khcbiindnis zu reichen? Ausführliche Angebote unter ״Zufälliges Glück“ befördort das Annoncenbureall Berlin 8, Leipzigerstr. 103. Den Inseraten etwas hinzuzufiigen, wäre überflüssig. Sic beweisen, in welche m Sinne das ״Berliner Tageblatt“ ein .״Jiidcnblatt" ist. Das Schwestcrorgan des Tageblatts, die ״Allgemeine Zeitung des Judentums“ empfiehlt sicli In folgender Weise: ״Inserate in dieser nur von gebildeten und heg fi t e rten Kreisen gelesenen Zeitschrift haben grossen Frfolg.“ Fs ist richtig, wie schon Chamisso im Peter Schlemihl gestellt: ״Wer nicht Herr ist einer Million, der ist, man verzeihe mir das harte Wort, ein Lu mp." Nur würde die Allgemeine Zeitung des Judentums noch liinzufügcn — und Ist ungebildet! Jedenfalls gesteht die grüne Zeitung a1׳s Geschäftsinteresse ein, dass sie nur von ״Begüterten" gelesen wird.. Lessings Saladin hat ihr gegenüber Unrecht; denn ihr• ist der reichere Jude doch der bessere Jude. natlonalfond. Herr J. Strauss, Regeiisbuig O.-tO Mk. Herr Lucien 1)1 eyhiss, Berlin 0.50 Mk. Herr Jul. Abraham. Ruhrort 1.00 Mk. Herr Arthur Morgenstern, Gleiwitz 3,0-1 Mk. im Gefühl der Befriedigung über gebührende Abführung eines Knaben. Frl. Sophie Majerowitseh erspartes Fahrgeld 1.00 Mk. Von Frau Samlmrsky in Königsberg 0.50 Mk. Dr. K. :!• anstatt Telegramm nach Bonn 0,50 Mk. Tafeltisch bei Ahrainowsky 2,05 Mk. N. N. 3. - Mk. Gleiwitz. Beim Glase Bier gcsammelt 3,05-Mk. Von Mitgliedern der zi׳»ni$tiscl1eu Ortsgruppe Mannheim - - statt Telegramm anlässlich der Hochzeit des Y01 sitzenden der Mannheimer Ortsgruppe Herrn Dr. Felsenthal mit Frl. Reiss-Heidelberg 21,*10 Mk. Sammlung des Hern» Ludwig Behr H.06 Mk. für die riimänisiljen luden. Herr Adolf Wcrthcitii, Köln 5,(0׳ Mk. Zur Eindenmg des ilofffandes in IPalältiiia. Jerusalem. Die Cholera hat sich über das Lund verbreitet und auch Jerusalem ist nicht mehr seuchenfrei. Sio ist jetzt auch nach Ttberias hinübergesprungen und tritt dort heftiger als in! Süden des Lindes auf. Wir können konstatieren, dass uns bis jetzt kein Fall einer Erkrankung aus einer jüdischen Kolonie bekannt geworden ist. Heber haupt. wütet die Seuche nach den bisher eingegangenen Nachrichten weniger unter der jüdischen als unter der arabischen Bevölkerung. Durch dio Absperrungen seiiens ttirbischer Truppen und nicht zum geringsten durch die übertriebenen Alarmnachrichten besonders der jüdisehen Blätter steigt die Teuerit 11 g im Lande zusehends und wir können nichts weiter tun, als unsererseits zu erklären, dass Angstnachrichten weit übertrieben sind, dass wir anderseits aber doch unsere Freunde dringend a uff ordern, auch ihrerseits durch Spenden sich daran zu betei - ligen, dass der eingetretene Notstand beseitigt wird. Jedo Gabe für die durch Teuerung Bedrückten und Bedrohten ist willkommen, und wir bitton unsoro Freunde, ihre Beiträge an dio Expodition der Jüdischen Euudschau, Berlin C 22, Auguststrasso •19a, zu richten. Wir weiden in der Kundschau darüber umltioven. H11 Gaben gingen bereits ein: Herr Assessor Dr. Friedeinami-Wiesbaden 10 Mk. Frau Dr. Hinma Soiidheimer-Frankfurt a. M. 10 Mk. Berlin. Die Makkabäerfeier der Berliner Zionistischen Vereinigung und der Jüdisch-nationalen Fraucnvcrehilgung flrtdet ain Donnerstag, dem 25. Dezember, im Rittersaale des Hotel Impürial am Enkcplatz statt.