Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1902)
- Date
- 1902-11-28
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 48. Jiidist'he l£u1»d?s<*I1nu. Wickelung des Vereins, welcher jetzt bereits über 120 Mitglieder zählt. Der Verein habe durch zahlreiche Vorträge. Mitglieder-Versammlungcn etc. das Verständnis für iinscre Idee gefördert und verspreche noch weiter eine gute Ent- Wickelung, wenn die Mitglieder durch eine stärkere Anteilnähme den Vorstand mehr unterstützen. Nach Erteilung des Kasscn-Bcrichts durch Herrn Wagner und Entlastung desselben wurde über einen Antrag Ruckcnsteins verhandelt, den Jahresmitglieds-Beitrag auf Mk* 3.- zu erhöhen, welcher Antrag durch die Herren Engländer und Behr befürwortet wurde, dagegen von Herrn Dr. Katz deshalb bekämpft wurde, weil er meint, dass dadurch vielen der Eintritt in den Verein unmöglich gemacht würde. Herr Behr betonte demgegenüber die Notwendigkeit für jedes Mitglied ungeschmälert den Sehekel entrichten zu können und nachdem auch Herr Wagner au! die Spesen hinwies״ welche jedes Mitglied der Untergruppe der Vereinigung verursacht, und erklärte, dass eine geringe Erhöhung des Beitrages eine Notwendigkeit sei, um ernst arbeiten zu können, wurde Ruckcnsteins Antrag ohne Widerspruch angenommen. Bei der Neuwahl des Vorstandes erklärte Herr Engländer, aus (jesimdheitsrücksicbteu eine Wahl im Vorstände unter allen Umständen altlehnen zu müssen. Es werden gewählt: zum I. Vorsitzenden Ludwig Behr, Heinersdorierstr. 1, zum II. Vorsitzenden Herr Pariser; zu Beisitzern die Herren Ruckenstein, Wahrhaftig und Gottlieb. Die Nominierung der beiden weiteren, dem Vorstand der zionistischen Ver* einigung zustehenden Plätze im Vorstand, wurde diesem über* lassen. In der weiteren Diskussion forderte Herr Reinhardt zur kräftigen Unterstützung des zionistischen Synagogen-Weins auf, welchem 10 Mitglieder beitraten. Nachdem noch von verschiedenen Seiten div. Anregungen gegeben waren, welche eine lebhafte Diskussion hervorriefen, wurde gegen 125i Uhr' die General-Versammlung von Herrn Behr mit dem dringenden Ersuchen ari die Mitglieder geschlossen, ihren Pflichten dem Verein gegenüber zu genügen und dem Vorstand stets diejenigen Anregungen zu geben, die ein jeder geben zu müsse! glaubt, aber nicht immer erst die General-Versammlung abzuwarten, um dort lediglich den Vorstand zu kritisieren. Nur durch gemeinschaftliches Zusammenarbeiten von Vorstand und Mitgliedern wäre mau in der Lage, den Verein auf diejenige Höhe zu bringen, die wir ihm wünschen. Berlin. Die Untergruppe der Berliner Zionistischen Vereinigung ״A 11 a w a t h Z i o n“'hält am Montag, dem 1. 12.. abends 8 kl• Uhr in Schneiders Eestsälen. Beltorterstrasse 15 eine Versammlung ab, in der Herr Elias Auerbach über ..Die körperliche Hebung des Jüdischen Volkes" sprechen wird. Gäste sind stets herzlich willkommen. Berlin. In der Berliner Zionistischen Vereinigung referierte Seite 69. Dr. E. Simonson vor einer überaus zahlreich besuchten MitgUcdervcrsammlung ausführlich über die zionistische Jahres• konferenz. An .den interessanten und sachlichen Vortrag schloss sich eine längere Debatte, in deren Verlauf verschic-. dene andere Teilnehmer der Jahreskonfcrcnz ausser dem Rcfcreu teil Ergänzungen des Referates gaben. Auch wurden andere wcrtvoPc Anregungen gegeben. - Königsberg I. Pr. Akademischer Verein ״Herzl" (A. V. H.) zu Königsberg 1. Pr. Der Verein hat seine Tätigkeit für das laufende Wintersemester wieder aufgpnommeu. Bel der letz- Urs abgehaltenen Chargiertcnwahl wurden phil. Friedmann zum Vorsitzenden, ined. dent. $c h c r es c h c w $ k y zum Schriftführer und phil. Zinn ׳zum Kassenwart * ernannt. Der Verein wird wie bisher bestrebt sein, seine Mitglieder, zum Studium der jüdischen Geschichte und Littcratur zu verattlassen und für ihre körperliche Ausbildung Sorge zu tragen. ־ - Bei der Antrittskucipe wurde für den Nationalfond gesammelt. W. Schercschewsky XX. Frankfurt a. M. Am 9. November fand die Generalver- Sammlung der Jüdisehnationilcn Prauenvcreinigung Frankfurt 0. M. statt, die von etwa 20 Damen besucht war. Nach den! Jahresbericht fanden im vorigen Winter 10 Versammlungen Matt, welche den Zionismus in weitere. Kreise tragen sollte•!. Der Verein zäh't jetzt 30 Mitglieder und.es ist zu hoffen, dass die Tätigkeit desselben eine iiiuiier grössere wird. In den Vorstand wurden folgende Damen gewählt: I. Vors. Fr!.• A. ׳זlünhiatt; 2. Vors. Frau (loldmaim; Schritt!‘. Frl. M. Katz; Kass. Frau Odin; Frl. G. Wolpe. Frl. Rom, Frl. Scheuer als Dcisit/cmlc. München. Am 13. Nov. fand die erste, ziemlich stark bcj sachte Mitgliederversammlung dieses Winters statt. Herr Dr. . ״.;!ed. Norwitzki, Leiter der Versammlung und erster Vorsitze!:•; der der Ortsgruppe, begriisste zunächst die Anwesenden und i ermahnte sie zu eifriger, unermüdlicher Agitation für unsere J grosse Sache, umsomehr, als die Gründung einer zionist. Orts-; wuppe gerade unter den assimilatorischen Juden Münchens | ein Beweis für die siegende Krait unserer Idee wäre. Daran! '• wurde an Stelle des nach Berlin übergesiedcltcn Schriftführers Herrn cand. iur. Mayer. Herr Schachno als Schriftführer ge* wählt. Herr cand. med. Sichel wurde zun! Beisitzer gewählt. Alsdann erstattete der Kassierer. Herr Hausdorif. den allgc* meinen, ziemlich günstigen Kassenbericht. Um den. den verschicdettsten Ständen!»!!gehörenden Mitgliedern die Zahlung der Beiträge zu erleichtern, erklärten sich mehrere Anwesend•-• unter dem Beifall der Versammlung bereit, in ihren Geschäfte:: Zahlstellen zu errichten. Eine sehr lebhafte Diskussion über die Arten des Sammelns für den Natioualfond kan! zu einen! imei warteten, aber sehr erfreulichen Ende. Die Herren Spie!- manu und Cohn erklärten sich mit echt jüdischem Opfermute dazu bereit, der erstcrc der zionist. Ortsgruppe 51MJ Ansichts- Postkarten mit jüdischen Motiven*zun! Vertriebe zu schenken, der letztere eine Anzahl Nationalfondsanimelbiichscn auf eigene Kosten anzuschaifen. Beiden Herren dankte der stürmische Büfntl der Anwesenden. Nachdem noch mannigfache Ai:־ rtgimgen nach allen Selten hin gegeben worden waren, wurde die Versammlung mit einer Kollekte für den Nationalfoud geschlossen. Eine eigene Versammlung, die über Agitation beraten soll, wird in den nächsten Tagen ciuhcruten werden. Der Lehrerseminar aufgenommen und war später angcstellter KonuminaHchrcr in einer westpreussisehen Stadt. ״Nun ja," meinte Sundei, ״damals, als das Studium der weltlichen Wissenschaft bei-den russischen Juden noch eine schwer verpönte Sache war, kamen dergleichen Fälle häufig vor. Audi heute würde es ganz ebenso sein, wenn die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Russland nicht Wandel geschaffen hätte. Auch war datnals der Prozentsatz der jüdischen Soldaten im Verhältnis zu den nicht jüdischen noch ein geringer. Nur mit den karaitisdien Juden war das eine andere Sache. Die entzogen sich nicht der Wehrpflidit, weil sie eine bevorzugte Stellung einiiahmen. ־— Kaiser Nikolaus hatte ihnen volle staatsbürgerliche Gleichstellung ve־׳- liehen. Auf die Beschwerden der rabbiuisehen Juden antwortete er. ״Werdet erst wie diese und ihr sollt auch so behandelt werden, llir seid ja gar nicht die rechten Juden — diese sind die rechten Juden. Euer Talmud hat euch derart verunstaltet, dass ihr keine Juden und keine Menschen mehr seid. Eure Gestalt. , eure Sprache, eure Kleidung, euer Gebühren ist gar nicht mehr menschlich, und daran trägt lediglich euer Talmud die Schuld. Werdet Menschen und ich behandle euch wie Menschen.“ Bei einem Manne wie Kaiser Nikolaus war ein soleher verhängnisvoller Irrtum leicht verständlich und leicht verzeihlich. Die talmudischeu Juden waren ja an Intelligenz und Bildung den karaitisdien bei weitem überlegen; allein die letztgenannten unterschieden sich in ihrem ganzen Wesen mir noch wenig von der russi* selten Land- und den untersten Klassen der Städtebevö!ke״tmg; daher der Irrtum. 111 der Krim, wo die Karaneu ihren Hauptsitz haben, fand ich Gelegenheit, diese von Grund aus kennen zu lernen. Sie sterben aus, denn sic werden nach und nach von der heimischen Bcvölke* ruug aufgezehrt. (Fortsetzung folgt).