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Jüdische Rundschau · 1902-11-21 · Heft 47 (21.11.1902) · p. Seite 62

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 47 (21.11.1902)
Date
1902-11-21
Page
Seite 62 (sequence 6)
Language
German
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$fcite 62. Jüdische Ru11dscl1n.H. So ’ 47. assimilierte Jude des Westens in den Augen seiner Mitbürger | Stelle unser wärmster Dank für den Erfolg, zu dem er durch auch dann noch der ״Jude“ bleibt, wenn er selbst sich und seinen ausgezeichneten Vortrag der zion. Sache וזו Dresden verholten hat, ausgesprochen. . . D. Löwenberg. Seine Kinder taufen lässt. Die Zugehörigkeit der Juden zii ver- Schicdencn Staatsverbänden kann au der Tatsache, dass die Juden eine Nation bilden nichts ändern. Beweisen doch u. a.; n . r\- ...... ,, , _ . Oesterreich-Ungarn, Deutschland und Amerika bis zur Evidenz, 1 Regensbtirg. Die erste zionistische Versammlung 111 dass ein und dieselbe Nation in ihren Teilen zu verschiedenen Regensburg ist glänzend verlaufen. Die zahlreich er- . Staatskörpern gehören kann. Das Gefühl der Zugehörigkeit zu j schienencn begriisste mit kurzen treffenden Worten unser einer jüdischen Nation kann ohne Schaden für den Patriotismus ן Mitglied Herr Rudolf Weiner. Er schloss seine Be- *־pfjret und «stärkt.werde, Noch neuerdmw haben d.cs die | Briissung mit dcr Aufforderung׳, sich uns auzuschliesscn. englischen Zionisten bewiesen, welche ein jiidfsches Regiment für den Krieg in Südafrika gebildet hatten. Ebenso haben im spanisch-amerikanischen Kriege eine grosse Menge Zionisten als Freiwillige ihren Patriotismus mit ihrem Blute und Lehen bewiesen. Redner berichtete in ausführlicher Weise über die bisherigen Erfolge des Zionismus sowie über die Mittel zur Erreichung der zionistischen Bestrebungen und endete unter grossem Beifall der Anwesenden mit einem Appell an die Zuhörerschaft, sich der zion. Organisation anzuschüesscn. Von Gegnern des Zionismul meldete sich zur Diskussion ein Herr Wolfsohn. Er verurteilte zwar in entschiedener Weise das charakterlose Gebühren der Assimilantcn, welche in ihrer be* dir.gUngsloscn Hingabe an die christliche Umgebung alle jiidisehe Tradition und Eigenart aufzugeben und in die Umgebung zu verschwinden suchen. Aber mit dem Zionismus kam! er \ sich gleichwohl nicht befreunden. Die Zionisten glauben an um unseren Brüdern, die Heimweh, aber keine Heimat haben, eine solche schaffen zu helfen. In einstiindiger glänzender Rede sprach sodann der Referent des Abends, Herr Dr. jur. B. Kahn aus Miineben über das Thema: Was ist und was will der Zionis• mus? Er erläuterte klar und deutlich das Baseler Programm und widerlegte von vornherein alle Angriffe unserer Gegner. Lang anhaltender Beifall lohnte die Austiihruttgcn des Redners. In der sich anschliessenden Diskussion ergriff unser Distriktsrabbiner, Herr Dr. Mayer, das Wort und brachte durch seine trefflichen, wahrhaft erliebenden Worte auch noch die letzten Schwankenden sich gieicnwom 111cm oeireunueu. uie /.lomsicn giauncn an;-- . ־ ־ ־ \ ־ . ״ die staatenbildendc Fälligkeit der Juden, während für ihn fest •״ »«״nsere Seite. Er ergänzte die Schilderung des Herrn stehe, dass die Juden weder eine Nation bildeten, noch ein! solche jemals sein könnten. Das Judentum sei überhaupt nur als etwas Abstraktes aufzufassen. Von Jeher wären die Juden lediglich ein ״religiöses Genie“ gewesen und ihre , . , ״ . Auigabc könne nur sein, die monotheistische Lehre durch die \ crsauuulting in tosende Begeisterung Dr. Kahn über die Notlage unserer östlichen Prüder und erklärte insbesondere, dass man treuer Bürger seines Vaterlandes und dabei Zionist sein könne. Als er schloss, aus. Welt zu tragen. Ucbrigens hätten sieh die Juden im Laufe der j Fast sämtliche Anwesende, lauter hiesige Bürger, Zeiten rieht von Beimischungen fremden Blutes ranz rein zu . schlossen sich unserer Vereinigung an, darunter auch halten gewusst, was duren das \ orkommen blonder Juden I v״nst'»mk1«it׳rli1־tlpr der iiidkelio״ Kiilmvomeiiuk bewiesen sei. Insofern sei also auch strenggenommen von einer \ u ' ״r^tamlsniitjieücr der judisJicn Kimus^ununü.. semitischen Rasse kaum zu reden. Ferner widerspreche die I *^cr tnolg unserer \ ersannnluiig gewinnt dadurch a:1 Betonung der jüdischen Nationalität dem Patriotismus für das ן Bedeutung, dass ein deutscher Rabbiner seine Gemeinde jeweilige Land, in dem Juden leben, also könne er sich aucii! aufforderte. sich unserer Bewegung anzuschliessen. nicht leicht Jemand denken, der es zu Stande brächte, den Zionismus mit dein Patriotismus zu vereinbaren. Endlich schloss er seine Ausführungen, sei es die wahre Aufgabe der Juden, in ihrer gegenwärtigen schlechten Lage mutig auszuharren und sich darauf zu beschränken, mit allen ihnen zu Gebote stehenden geistigen Waffen die Anfeindungen ״egen ihr Judentum zu bekämpfen. Denn die Zeit sei.nahe, wo eine höhere sittliche Erkenntnis alle nationalen Gegensätze verwischen und so jeder Unduldsamkeit und Ungerechtigkeit ein Ende bereiten würde. — Da sich von gegnerischer Seite weiter Niemand zum Worte meldete, nahm, nachdem von zionistischer Seite noch u. a. Herr L>r. .Frankel, Herr Hurwitz, Herr Bickel gesprochen hatten, Ref. Gronemann das Schlusswort zu einer glänzenden Entgegnung auf die Ausführungen des Herrn Wolfsohn. Zunächst war es ihm'natürlich ein Leichtes, die Behauptung, dass die Juden keine Nation, sondern eine Glaubensgesellschaft bildeten, zu entkräften. ״Eine Idee, so ungefähr führte Herr Gronemann aus, könne sieh nicht selbst tragen, sondern muss von Jemand getragen werden. Darum kann also auch das Judentum als der Inhalt der monotheistischen Sittenlehre nicht blos ן Durch ihre Stellungnahme zum Zionismus hat auch י die Regensburger jüdische Gemeinde, die eine der alte- ־ sien Deutschlands ist und die im Mittelalter besonders; stark unter Judenverfolgungen zu leiden hat, bewiesen, | dass sie auch heute noch würdig ihrer grossen Ahnen ist. * Lübeck. Am 11. November hielt die Lübecker Ortsgruppe ihre zweite Sitzung ab. Herr Stickel erstattete Bericht; über die zionistischen Ereignisse der letzten Wochen. Seine! klaren und spannenden Ausführungen ianJcn reichen Beiiail.! An der Diskussion, die trotz fehlender Opponenten einen fesseln- ' den Verlauf nahm, beteiligten sich die Herren Pr. Joel, I M a r g u l i c s, Eduard Joi־!, Dr. W a 11 c r F r i e d c -; m a n n, Referendar J a c o b s o 1111. Alexander Adler , Dr. Kalmus. J a f f e und Frl. Charlotte M ü 11 s a tu. j Letztere forderte in beredten Worten die Frauen zur zionisti- I sehen .Mitarbeit auf. 11 Beitrittserklärungen erfolgten. Die G1 tippe zählt jetzt ca. 50 Mitglieder. Nächste Versammlung am 23. November. Herr Dr. Kleefür sich allein ohne Verkünder und Anhänger existieren. Diese j j»crjj״ vvird über die ״Wiedergeburt des jüdischen Volkes" Vorzuliarrcn und ihre Mission der Verherrlichung des jüdische Lesehalle eröffnet, in der auch sämtliche zionistische Namens weiter zu traeen, haben mannigfaltige gei- I Zeitungen und Zeitschriften ausliegen. Ihr Besuch sei durch körperliche Bedürfnisse. Vor ailen Dingen jedoch i Danzig kommenden Freunden warm empfehlen. S. Träger der Idee sind aber in erster Linie, ausser dass sic Juden sind, Menschen mit menschlichen Wünschen und Be dürinisscn, wirkliche lebende Menschen, die nach Millionen zählen. Diese Menschen. Herr Wolfsohn, denen Sie ancmpfchlcii, mutig auszuharren göttlichen stige und . . haben diese Leute Hunger und Durst, mitunter recht empfindliehen sogar. Bevor also diese Juden im Stande sind auszuharren und zu kämpfen um des Heils der Aufklärung teilhaftig zu werden, müssen sic erst eine Heimat haben, wo sie sich ernähren und ihre mannigfachen geistigen und materiellen Bedürinissc befriedigen können. Eine Lösung, eine wirkliche radikale Lösung der Judenfrage bietet mir der Zionismus, denn er allein fasst das Uebel an der Wurzel, indem er für die Juden eine gesunde Lebensbasis schafft. , Der Zionismus erwartet trag halten. Für Dezember ist eine Makkabäer-Feier in Aussicht genommen. K. In Danzig ist. wie uns geschrieben wird, eine schöne Bonn. In unserer zionistischen Ortsgruppe fand in der vorigen Woche eine Sitzung statt, in der Herr Max Gold reich ( aus Köln über das Thema: ״Was ist Zionismus?" referierte. Königsberg i. Pr. Anlässlich des zehnjährigen Ablebens I des neiihebräisclien Klassikers Juda Leib Gordon, sprach I am Sonnabend, d. 8. er. in der hiesigen Zionistischen Ver-! cinigtmg Dr. Wernkowsky in hebräischer Sprache über ‘ ״Gordon. sein Leben und seine Werke“. Der cinstiindigc innichts von der privaten Mildtätigkeit, aber alles von der Selbst- ( teressante Vortrag w urde vom ganzen Auditorium mit grossem hilic, zu welcher es die Juden anhält!" Hiermit schloss der Redner und lauter Beifall bewies, dass er Vielen aus dem Herzen gesprochen hatte. Es erfolgten i Beifall ausgenommen. Der Vortragende bediente sich eines überaus leichten allgemein verständlichen Styls, so dass samt- .........liehe Zuhörer den Ausführungen leicht folgen konnten. Dem Beitrittserklärungen und viele Anwesenden gaben in privaten Vortrage schloss sich eine sehr lebhafte Diskussion an, die Gesprächen zu erkennen, dass sie durch den gehörten Vortrag 1 sich hauptsächlich um den einen Punkt drehte, ob Gordon zu in ihren gegnerischen Ansichten über den Zionismus schwan-! kend geworden seien. Es Ist somit sicher, dass es nur noch eines letzten Anstosses bedarf, um die nocli Unschlüssigen auf unsere Seite zu gewinnen. Es ist daher gleich beschlossen worden, die nächste Versammlung so bald wie möglich erfolgen zu lassen. Herrn Referendar Gronemann sei noch an dieser den N'ationaldichteru zu zählen sei. Gedenket des Schekels I

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