Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1902)
- Date
- 1902-11-14
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nos 46. Jüdische Hundgcliati. Seite 56. stellig; geworden, um Juden in ihren Ortschaften .ständig, auf-, nehmen*'zu• können'.•, י‘"' *׳ . ' . ' ׳ ־. Bukarest. •VonVallcu rumänischen Politikern gilt bekanntlieh mir P. P. C a r p als Judenfreundlich. Er ist der einzige, der chrliöh genug war, die rumänische Judengesetzgebung mit dem immerhin milden Ausdruck ״barbarisch‘‘ zu bezeichnen. Dieser einzige Freund der Juden im Königreiche Barbarien lässt in einem Leitartikel seiner ״Epoca“ unter dem Titel ״Die Judenfrage“ erklären, dass man nicht leiden wird, dass die j Juden die Bürgerrechte erhalten. Er schreibt:. ״Ja man wird sie zwingen, die Rumänen, — so denken sich, das die Juden — ' den Juden die Bürgerrechte cinzuräumcn. Wer? Die Vcreinigten Staaten? Europa? Das führt ja zu nichts, wie die Note Hay bewiesen hat, und nehmen wir den Fall an, dass wir gezwungen sind den Juden die Rechte zu geben, werden sic etwas davon haben? . . . Das wird alles totes Gesetz, wir werden immer die Herren bleiben, und wenn die Juden cs wagen sollten, jemals ihre Rechte zu benutzen, dann werden wir dafür sorgen, ״dass die jetzigen blutigen Phantasien der ausländischen jüdischen Journalisten zur Wirklichkeit werden.“ — Herr P. P. Carp ist nämlich der weissc Rabe, der Philosemit unter den rumänischen Politikern. — Jaffa. Ein Privattelegranmi aus Jana meldet, dass die Cholera aus Aegypten nach Palästina cingeschleppt md in den südlichen Städten des Landes zum Ausbruch gekommen ist. Besonders, in Ramie, Gazza und Lydda macht sich der unheimliche Gast geltend. Infolgedessen sind in Jerusalem Zustände eingetreten, die in sozialer HinsHit ähnliche Gestalt wie die bei einem Belagerungszustand angenommen haben. Durch die Sperrung der Landstrassen sind die Lcbensmittelpreisc in Jerusalem gestiegen. Eine weitere Steigerung wird bald erfolgen. Infolgedessen telegraphieren die Rabbi- 11er und Vorstände der Jerusalemer Gemeinden um Hilfe. Der grösste Ausfall in den Erwerbsverhältnissen wird aber erst in den Wintermonaten eintreten, wo die Pilger, besonders die aus Russland fortbleiben werden, die für die arme Bevölkerung Jerusalems eine der wichtigsten Erwerbsquellen bilden. '־ . * Sprecftfaal. Für die MiiUi un^cn ״n dieser Stelle übernimmt di• Redaktion da*!!altes nur die pressgcjset'ch * VeraniwonlichkciL Herrn Dr. Bodcnhclmer Köln. Sehr geehrter Herr Doktor! Ich habe soeben eine Postanweisung über 50 Mark an Ihre Adresse abegehen lassen. Ich will mit dieser Gabe die Anrecung geben und den Grund legen zu einer zionistischen Hilfsaktion für das von der Cholera heimgesuchte heilige Land. Das heisst, ich will die Anregung nur geben, wenn ich nicht — was mir lieber w׳ärc — damit zu spät komme. Bis jetzt Ist mir nichts über derartige Bestrebungen bekannt geworden. Ich glaube, man hat früher schon bei ähnlichen Anlässen und auch sonst den Zionisten den Vorwurf gemacht, dass sie den Fordernissen des Augenblicks keine Rechnung tragen. Mir erscheint cs wünschenswert, im Interesse des Zionismus und im Interesse derer, die Hilfe bedürfen, dass von der Seite aus Hilfsunternchmimgcn in die Wege geleitet werden, welche — meinem Gefühle nach — über die meisten Kenntnisse der einschlägigen Verhältnisse verfügt. _ Ich glaube, dass eine zionistische Hilfsaktion, wenn sic auch nicht in diesem Sinne im Basler Programm vorgesehen ist, die weiteren Ziele des Zionismus nicht beeinträchtigt und nur geeignet sein kann, das Ansehen des Zionismus zu kräftigen und ihm neue Freunde zuzuführen. Wenn Sie diesen Ausführungen Ihrc Billigung nicht versagen und diesbezügliche Schritte tun, so bitte ich. meine Gabe in diesem Sinne in Empfang, zu nehmen. Sollte aber vielleicht schon eine Zionistische Hilfsaktion für den betr. Zweck bcstehen und eine neue sich erübrigen, so bitte ich die Summe an diese Hilfsaktion abzufüliren. Sollte keiner der oben bezeichneten 2 Fälle eintreten, so bitte ich den durch Postanweisung empfangenen Betrag gütigst an das Komitee für das neue Hospital in Jerusalem nach Frankfurt a. M. weltereugeben. * , hi keinem der 3 Fälle, bitte ich, meinen Namen als den des!Spenders zu nennen.. * •■’נ צ -'׳ - * ‘ Ich bm mit vorzüglicher Hochachtung ' :־ ׳ Ihr sehr ergebener - ä;«<*. ’ יי ־ י.♦ * . Kleine Chronik. Berlin, 4, November. Nach einem Berichte der ״Staatsbürgcr-Ztg.“ wollen die Antisemiten im Osten Deutschlands ausser in Arnswalclc-Fricdchcrg. Neustettin. Schlochau-Flatow und Dcutsch-Kronc aucli in Landsbcrg-Soldin und Mcseritz- Bomst Kandidaten aufstcllcn. Der antisemitische Deutsche Volksbund plant überdies eigene Kandidaturen in Pyritz, Sternberg und Marburg. — Berlin. Am Donnerstag hielt der ״Verein Jüdischer Studenten" seine SemcsterantriUskneipc ab.; Sie war von so zahlreichen Gästen besucht, dass es im sehr geräumigen Lokal eng wurde. Auch die zionistische Verbindüng ״Hasmonäa“ war offiziell vertreten. Die Tendenzrede• hielt Fugen Mayer, der den eminent jüdischen Charakter des V.J.St. ins gebührende Liclu setzte. Von den zahlreichen Reden beim offiziellen Teile erwähnen wir nur die des A.H. Dr. Heinrich Locwc und des Herrn Rabb. Dr. Eschelbachcr, die beide aui die Wiederverjüngung des Judentums nachdrück־ lieh hinwiesen und dabei die Verdienste des V.J.St um die Wiedergeburt sehr hoch veranschlagten. Noch lange blieb die fröhliche Gesellschaft in einer flotten Fidulitas unter der Leitung des A.H. H. Locwe zusammen. — Magdeburg. Die ,.Sachsenschau“, das Organ der hiesigen Antisemiten fordert׳ sehr unverblümt auf. den Buren um keinen Preis Unter- Stützungen zuteil werden zu lassen. Bekanntlich haben die Antiscmitcn weidlich die Burensache ausgeschlachtet indem sie logen, dass die Juden den Krieg gegen die Buren aus Geschäftsinteresse hätten konstruieren lassen. Jetzt wo die Buren im Unglück sind, werden sic von den Antisemiten verraten, die sich als die besten Freunde des unglücklichen Helgenvolkes ausgegeben hatten. Der Grund ist ein sehr einfacher: Wie der Vorsitzende des ״Zentral•, ereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" mitteiltc, sind von einem sächsischen Verleger antisemitische Burenbilderbogen zusammen mit einem Dankschreiben des Dr. Leyds vertrieben worden. Dr. Leyds legte darauf auf eine Beschwerde gegen die Weiterverbreitung Protest ein, weil diese Bilderbogen Anstoss erregt und den falschen Eindruck hervorgerufen hätten, als ob er sich an der antisemitischen Agitation beteilige. Er erklärt, dass er der antisemitischen Bewegung vollständig fern stehe. Die Bilderbogen mussten daraufhin aus dem Handel zurückgezogen werden. — Ja, wenns ans Geschäft geht, so darf man sich nicht wundern, wenn die Meinungen sich ändern, und die Stammverwandtschaft plötzlich vergessen gemacht werden soll. — Darmstadt, 10. November. Nach dem nunmehr vollständig vorliegenden Resultat der hessischen Landtagswahlen verloren die Nationalliberalen fünf Mandate, nämlich drei an die Deutsch- Freisinnigen und je eins an die Antisemiten und den Bund der Landwirte. Das Zentrum und die Sozialdemokraten beliaupteten ihren Besitzstand. — Wien, 5. November. Die heutige Landtagswahl in Wien schloss mit einem schweren Verlust der freisinnigen Parteien ab. Trotz aller Anstrengungen gingen die letzten zwei Wahlbezirke Wiens, die noch durch freisinnige Abgeordnete vertreten waren, nämlich Innere Stadt und Leopoldstadt, verloren. Dies bedeutet aber einen Verlust von acht Mandaten, da die innere Stadt sechs, die Leopoldstadt zwei Abgeordnete wählt. Heute also wurden in Wien acht Christlichsoziale mehr gewühlt als letztes Mal. Dieser Erfolg ist hauptsächlich der Unterstützung der Christlichsozialen durch die hohe Geistlichkeit, die in der inneren Stadt grossen Einfluss hat, und der radikalen Aristokratie zuzuschreiben. Einige Erfolge der deutschen Volkspartci in den Landgemeinden kommen bei der Wiener Niederlage nicht in Betracht, da sie die Vermchrung der Christlichsozialcn durch acht neue Wiener Abgcordnete nicht aufwiegen. Bemerkenswert ist nur die Wahl des Bürgermeisters Völkl in St. Pölten, wohin vor einigen Wochen der Bürgermeister Lueger mit seinem Wiener Anhang einen Kreuzzug unternahm, um die Wiederwahl des Christlichsoizalcn Wohlmaier zu sichern. In den Wahlbezirken der Städte . Niederösterreichs ,sind bis Jetzt gewählt worden; 5 Deutschvolklichc, 2 Cbristlichsoziale, 1 Parteiloser. In Korneuburg und Mistelbach sind zwei Stichwahlen zwischen christlichsozialen und dcutschvolklichen Kandidaten notwendig. — Troppau. Vor dem Landgericht hatte sich die früher bei dem Händler Leopold Adler in Jägerndorf als Dienstmädchen bedienstete Marie Hanel durch Ablegung einer falschen Zeugenaussage, sowie wegen .Verbreitung falscher beunruhigender. Ge-