Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1902-11-14 · Heft 46 (14.11.1902) · p. Seite 56

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 46 (14.11.1902)
Date
1902-11-14
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2651274-2651282--00068-2656837
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 56. Jlldiwche Hundwohau. Ko. 46. rflchte zu verantworten. Marte Hanel hatte gegen Ihren Dienst• geber vor Monaten die Beschuldigung erhoben, dass Adler Ihr nachts, während stc schlief, Blut abgezapft habe, und wies auch auf der Sohle Ihres rechten Busses mehrere Ritzwunden vor. Da damals die Jüdischen Osterfeiertage bevorstanden, verbreitete sich in• und ausserhalb Jägerndorfs das Gerücht, dass an der Hanel ein Mordversuch zu rituellen Zwecken verübt worden sei. Seitens der Staatsanwaltschaft wurden sofort umfassende Erhebungen eingelcitct. das Mädchen seitens der Jägemdorfer Qerichtsärztc als auch seitens der Qerichtsärzte in Troppau und des Primarus des schlesischen Landesspitals untersucht Gegen Marie Hanel. die sich als Zeugin vor dem Untersuchungsrichter in Widersprüche verwickelt und eine nachweisbar falsche Zeugenaussage abgelegt hatte, wurde so• dann die Anklage erhoben. Der Gerichtshof verurteilte die An* geklagte zu einer Kerkerstrafe von vier Monaten. — Stanislau. Hier findet wieder einmal ein Wcgtaufprozess statt Dem Juden Israel N. Reiss hat man seine Kinder w׳eggetauft. Die Klage auf Herausgabe der Kinder ist über ein Jahr alt, das Oericht aber noch immer ״nicht in der Lage“, zum Termin zu laden. Es handelt sich ja nur um Judcneltcrn, und da ist es ja wohl eine Wohltat, ihnen die Erziehung der Kinder abzunehmen. — Lemberg. Bei der Inskription an der Lemberger Universität haben sich einzelne Juden als ״Ruthencn mosaischer Konfession“ in die Matrikel cinschreibcn lassen. Waren die Herren vorher Polen mosaischer Konfession oder polnische Juden? Darüber fiussern sich die Lemberger Blätter nicht. Jedenfalls ein neuer Ruhmeskranz in den Annalen jüdischer Studenten- Schaft. — Paris. Der Redakteur des antisemitischen Gaulois Gaston Pollonnais, mit Taufpardon Bcschncidungsnamen Josef Pollack, hat sich taufen lassen. Wir gratulieren dem Judentum zu diesem Gewinn. Er ist fetzt der einzige Christ im Redaktkmsstab dieses antisemitischen Blattes. Die Wiener ,.Zeit" nennt diese Taufe eine mittelalterliche Hexenbcschw'örung und zitiert aus dem vorgenommenen Zeremoniell folgende Stelle: ״Gaston Josef," fragte der Priester, ״was verlangst du von der Kirche Gottes?" — ״Die Taufe." antwortete Herr Pollonnais worauf ihm der Geistliche ein paar Salzkömchen auf die Zunge streute. Herr. Pollonnais macht nun das Zeichen des Kreuzes. ״Ich beschwöre dich, abscheulicher Geist" — womit natürlich der jüdische Geist gemeint Ist — fuhr der Priester fort. Herr Pollonnais ergreift nun die geweihte Kurze, und der Priester schlägt ein Kreuz über jedem Ohr und Auge des. religiösen Überläufers, um sie ״für die Wahrheit zu öffnen": dann sagt er: ״Gaston Josef, verzichtest du auf Satan?" — ״Ich verzlchte!“ antwortet Pollonnais mit leiser Stimme. ״Schwörst du ab die jüdische Treulosigkeit und den hebräischen Aberglauben?“ — ״Ich schwöre sie ab!" Und so ging die erbauliehe Zwiesprache noch eine ganze Weile weiter, worauf die Kehle des Konvertiten mit Oel gesalbt wurde. — London. Das Mitglied des Hauses der Gemeinen, der Führer der britischen Brüder, der zum Studium der Einwanderungsfrage die Judenrayons Russlands und Rumäniens besucht hat, Major Evans-Gordon, legte auf den Tisch des Hauses einen Antrag nieder, dahingehend: ״Es wolle das Haus seine Aufmerksamkeit auf die grausame Behandlung lenken, welcher die Juden in Rumänien in direkter Zuwiderhandlung gegen die im Berliner Vertrag getroffenen Verfügungen ausgesetzt sind, und eine diesbezügliche Resolution fassen." Malor Qordon gedenkt, sobald als möglich, zur Fortsetzung seiner Studien wieder nach Oalizien zu reisen. — London. Frau Biidcn hat ein Zentralkomitee ins Leben gerufen, um in Tibcrias ein jüdisches Krankenhaus zu gründen. Wir wünschen der rührigen und opferfreudigen Gattin des Safeder Arztes von Herzen Glück und Gedeihen bei ihrem Werke. — Warschau. Polnische Blätter berichten, dass vom I. Januar 1903 an In Warschau eine grosse jüdische Tageszeitung in polnischer Sprache erscheinen soll, die Jüdische Interessen vom zionistischen Standpunkte aus vertreten wird. Die Konzession lautet auf den Namen des Direktors der Warschauer Diskontobank 0. Posnanski. Chefredakteur wird K. Hertz. — Die Rabbinerkommission, die Im November in Petersburg Zusammentritt, wird sich auf Verlangen der russlsehen Regierung mit einer Anzahl Fragen zu beschäftigen haben, die auf das jüdische Familienrecht Bezug haben, vor allem elierechtlichc Frage über ״ChaVtzah" und ״Agunah". Es soll ein Modus gefunden wurden, das jüdische Recht so zu Interpretieren, dass es mit den Bestimmungen des neuen Bürgerliehen Gesetzbuches für das russische Reich harmoniert — Wltebsk. In dem Städtchen Prell war das jüdische Neujahrslest der Schauplatz einer auf Orund der Ritualmordlüge inscenicrteri Judenkrawalls. D^r russische Behörde griff energisch ein und die Ruhe wurde wieder hergestcllt. — Odessa. Unser Gesinnungsgenosse״ Dr. Moses Kreps aus Kertsch, bisher Rabbiner der Jüdischen Ackerb&ukotonien in Südrussland, ist in Odessa zum Kronrabblr.cr besta'tet worden. — TlraspoL Das Qesuch der jüdischen Gemeinde von TIras pol um Erlaubnis zur Gründung einer gegenseitigen Vorschussvereins wurde, wie die ״OdessUa Nowosti" melden, vom Qouvcrncur unter folgenden Bedingungen genehmigt: 1. In der Verwaltung. Im Rat und Im Komitee müssen wenigstens zwei Drittel der Mitglieder Christen sein; 2. als Vorsitzende ln allen Abteilungen und Sektionen können nur Christen figurieren; 3. Vorschüsse und Darlehen können nur an Juden erteilt werden, welche Immobilien im Niederlassungsgebiet haben. . . — In Kiew erliess der Polizeimeister folgenden Tagesbefehl l ״Da dieSommcrsaison im ״KaufmännischenGarten" und in,.Chateau de Fleures" beendigt ist, so beauftrage ich alle Polizeikommissäre von Kiew׳, dafür Sorge zu tragen, dass alle jüdischen Musikanten, Sänger und Christen, denen der Aufenthalt früher gestattet wurde, nunmehr Kiew unverzüglich verlassen. Jüdische Musikanten und Artisten, welche das Aufcnthaltsrccht in Kiew von der Behörde erlangen werden, dürfen nur in den Bezirken von Lydcdnc und Piosskij w'ohncn." — In PodoUen wurde nach Einführung des Branntweinmonopols den Juden jedweder Zutritt zu diesem Geschäfte untersagt. Kein einziges jüdisches Hans darf nun eine Branntwcinnicderlagc etablieren. — Port- Said. Herr Ciiaim Cohen, der hier seit vielen Jahren als Geschäftsmann tätig und den Besuchern der Berliner Ausstellung Kairo in angenehmen Andenken geblieben ist, wurde unter der Anschuldigung verhaftet, dass er die 7jährige Tochter eines Italieners Bossi zu rituellen Zwecken habe schlachten wollen. Er konnte sein Alibi nachwcisen utid wurde vom Kreisgericht ״zu einem Jahr Zuchthaus" verurteilt. Die Anklage auf Ritualmordvcrsuch hatte der Staatsanwalt fallen lassen und die Verurteilung erfolgte ״wegen versuchten Mädchenraubes'*. Herr Cohen hat Berufung bei dem Appelationsgerichtshof eingelegt. — Kapstadt. Die Konstilarbefugnissc, die sonst den Wahlkonsuin zustehen, nach den von England okkupierten! Transvaalu.id Oranjegebieten Reisepässe zu erwirken, hat i die Regierung des englischen Kaplandcs für die ganze jüdische I Bevölkerung in Süd-Afrika der Zionistischen Landeszcntrale ן übertragen. Sie versieht die Punktionen eines jüdischen Konsuiats. — Kapstadt. Bei der Einweihung der neuen Synagoge, die Rabb. Dr. Hcrts vor den Feiertagen vollzog, wurde als Weihelied das Feldschc ״Dort wo die Zeder" gesungen. nationalfond. Cabaret K. E. 1 Mark. ' * Herr Referendar Littniann-Giciwitz 2.90 Mark. Herr Lehrer J. Auerbach-Neustadt a. Warthe 3 Mark. Gelegentlich eines Vortrages des Herrn Dr. Zlocisti im Lese verein Beuthen 3 Mark, Siegmd. Selig - Mainz Spende beim Aufrufen zur Thora in Bischofsheim 2 Mk.. cand. med. M. S., München, gesammelt 5 Mk. Bel einem Vortrag in Frankfurt (Oder) von Elias Auerbach gesammelt 9 Mark. Herr Coulmann Weil, Hatten,! Mk., Herr Armand Weil, Hatten 2 Mk., Herr David Weil. Hatten 1 Mk., Herr Bankier Camelie Cahn. Hatten. 1 Mk., Herr stud. phil. A. Weil. Hatten. 1 Mk.. Herr stud. phil. Simon Weil, Buchweilcr. 0,20 Mk., Herr stud. pliil Benj. May, Westhofen, 1 Mk., Herr Isaac Weil, Paris, 0.80 Mark. Felix Jacobsohn durch sinnreiche Spekulation 2,10 Mk. Qesammclt am Thccabend bei Herrn Morgenstern In Gleiwitz 3,20 Mk. — Tür die’rumänisdjcn Juden. Herr Joseph Mayer, hier. Kl. Jägcrstr. 6/7 20 Mark. Frau Dr. Dreyfuss, Kaiserslautern 10.75 Mark. Gesammelt auf Hochzeit Bernhardt-Zeller, Berlin 10 Mark. Rülffond. Herr stud. Auerbach, Rawltsch, 0,50 Mark. (Nachtrag.) Vom Verein Piatra in Rumänien hat das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 5 Mark zu Ehren des verstorbenen Dr. J. Rülf ln abgcstcmpelten Nationalfondmarkcn erhalten. * * Verschiedene Leser unserer Zeitung wuren so Hebenswürdig, mir die fehlende Nummer 43 freundlichst zu überlassen. Ich spreche den geehrt. Herren dafür meinen allerverbindlichsten Dank aus. Mit Zlonsgruss Dr. Hein rieh Loewe.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.