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Jüdische Rundschau · 1902-11-14 · Heft 46 (14.11.1902) · p. Seite 53

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 46 (14.11.1902)
Date
1902-11-14
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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No. 40. Seite 53. Jüdische Ruudscliauu nach Amerika zu Inhibieren. Qerade diese Note und die Verhandlangen der Fremdenkommission ln England seien deutliche Beweise, dass die bisherigen Methoden der Translozierung des Judeneiends zu versagen beginnen. Die Schwierigkeiten der Durchführung zionistischer Ziele verkannte der Vortragende nicht, aber er ist überzeugt, dass bei brüderlich-gemeinsamer Arbeit alter Juden die grossen Besitztümer unseres Volkes in Aktion treten werden und dass man von dem ״jüdischen Küpper* erwarten kann, dass auch die finanzielle Regelung eine glückliche sein werde. Zum Schluss wandte er sich gegen die Behauptungen! dass wir mit den russischen Juden nichts zu tun hätten. Mit Leidenschaft wies er auf das junge und schöpferische jüdische Leben im Osten hin, das eine neue Sprache, eine neue Litteratur und Kunst schaffe, auf die wir stolz sein dürfen. Die Schlussworte des Vortragenden, die in glühendster Begeisterung gesprochen waren, fanden starken Beifall und es steht zu hoffen, dass in unserer Stadt unsere Bewegung in ihrem wahren Werte und ihrer idealen, friedlichen Bedeutung erkannt werde. J. S. Am 10. November fand im Merkschen Lokale in Fllchne eine Versammlung statt, behufs Qründung einer zionistischen Ortsgruppe. Die Versammlung wurde von Herrn Alfred Salinger mit einem Hoch auf den Kaiser eröffnet, und unter grossem Beifall hielt derselbe auch die einleitende Rede, in der er die Notwendigkeit des Zionismus nachwies. Hierauf wurden die Statuten der zionistischen Vereinigung in Berlin mit entsprechenden Änderungen angenommen. Es traten sofort 24 Mitglieder der Ortsgruppe bei. In den Vorstand wurden per Akklamation gewählt: Alfred Salinger Vors., Adolph Joseph stellv. Vors.; Fr! Kelly Amt Kass. und Frl. Paula Joseph Schrift#. Nach Erledigung verschiedener Anträge, wurde die Versammlung gegen elf Uhr mit einem Hoch auf die neugegründete Ortsgruppe geschlossen. A. S. Königsberg L Pr. Unsere Ortsgruppe veranstaltete am 25. Otkober eine Gedächtnisfeier für unsern dahingeschiedenen Altmeister, Dr. J. Rülf, die einen recht stimmungsvollen Verlauf nahm. Eine zum Schluss vorgenommenen Sammlung zur Eintragung Dr. Rülfs in das goldene Buch des jüdischen Natior.alfond ergab eine erfreulich hohe Summe. Frankfurt 2. M. Die hiesige Zionistische Vereinigung hielt eine Mitgliederversammlung ab, die sich eines lebhaften Besuches erfreute, und zu der auch zahlreiche Gäste erschienen waren. Der Vorsitzende, Herr Fritz S 0 n d 11 e i tu e r, teilte in seiner Begrüssungsrede mit, dass öftere Vorträge in Aussicht genommen sind, und dass eine rege Agitation für die Wintersaison geplant wird. In nächster Zeit soll eine grössere, öffentliche Versammlung stattfinden; auch soll eine intensive Agitation vermittels neu zu schaffender, für die Frankfurter Verhältnisse berechneter Flugschriften in Angriff genommen werden. Darauf erhielt Herr Dr. mcd. Hanauer das Wort zu seinem Referate über die Statistik der deutschen Juden. Den Interessanten Ausführungen des Referenten folgte eine lebhafte Diskussion über Wesen und Ziele des Zionismus, an der sich mehrere Herren beteiligten. Mit einem warmen Appell des Herrn J. L. Goitein, an die Anwesenden, sich auch die ideelle Seite der zionistischen Bewegung zu vergegen- 1 wärtigen und sie zu beherzigen, schloss um 11% Uhr die Ver- Sammlung. | Rundbau.! Bern. Um Dumme-Jungen$$treiche zu beleuchten, ist im ' allgemeinen uns unsere Rundschau viel zu gut Wir welchen; heute ein wenig von solcher guten Gewohnheit ab, weil es unsere Pflicht Ist, die Form zurückzuweisen, in der von zionistisch sich nennender Seite ein schwerer Vcrsto$s gegen die leitenden Grundsätze der Partei gemacht worden ist. Ein grösstenteils aus Studentinnen bestehender kleiner Verein in Bern hat am Jom-Kippur in der Speiseanstalt des Akademischen Zionistcnvcrcins Unfug verübt. Die herbste und entschiedenste Verurteilung wurde sofort der taktlosen Gesellschaft seitens der drei zionistischen Vereine Berns selbst zuteil und so wurde diese Geschichte nur dadurch über einen engen Kreis hinaus bekannt. Wenn es von jeher von den Zionisten als erste Vorbedingung gedcihlichcr Arbeit angesehen wurde,jcdeStcllungnahmc In religio־ sen Dingen von Partei wegen auszuschliesscn, undjeden bei seiner Ucberzcugung selig werden zu lassen, so bedeutet diesen Angriff aui die Ueberzeugung vieler Zionisten einen Bruch des i zionistischen Programms, der nicht entschieden genug zurück-; gewiesen werden kann. Aber etwas ganz anderes ist es, wenn ־ wir mit aller Entschiedenheit uns dagegen verwahren, dass irgend welche religiöse oder irreligiöse Richtung in den poütischen Zionismus hineingetragen wird, und etwas ganz anderes, wenn solche Vorgänge in gehässiger Weise entstellt und als gemeingefährliche Waffen gegen den Zionismus verwendet werden. Das hat in Nummer 87 des Mainzer ״Israelit“ ein Herr Dr. Josef Seliger getan, der durch diesen Artikel ״Sonderbare Auswüchse“ seinen Rückzug vom Zionismus ofienbart. Wir müssen dabei anerkennen, dass der ״Israelit“ zwar vielleicht besser getan hätte, diesen unsaubern Tratsch nicht breit zu treten, dass er aber versucht hat, loyal gegen den Zionismus Stellung zu nehmen. Er hat In gleicher Nummer unserm Freunde Dr. Schauer das Wort zur Entgegnung erteilt. Der Artikel des Dr. Seliger aber vertritt den Zionisten gegenüber um so mehr den Standpunkt, den die Taktik der Antisemiten gegenüber den Juden beobachtet. Es wird flott mit unsaubern Dingen herumgeworfen, damit wenigstens etwas hängen bleibt. Wenn er in dem Artikel Zionismus und Abfall vom alten Judentum identifiziert, so hat er damit sich einfach lächerlich gemacht und findet nur bei Unwissenden und Böswilligen Zuhörer. Wenn er sa£t, ״dass nur unter der Flagge des Zior.isn!us ein Lehachisjudentum dieser Sorte entstehen konnte“, wenn er mit Ausdrücken wie ״Schefolim“ und Mauschelschlmpfwörtern ähnlichen Kalibers um sich wirft, so ist das eine Handlur.gsweise, die wir keine Lust haben zu beantworten. Es wird uns das niemand verdenken. Aber wir müssen einen sachlich scheinenden Angriff um so schärfer zurückweisen. Dr. Seliger vermutet mit Recht, dass man über seine Angriffe ebenso unter vernünftigen Leuten die Achsel zucken wird, wie dies gegenüber der Blutbcschuldigung geschieht. Und wie die tapferen Antisemiten sofort den Rückzug antreten, dass sie nicht das ganze Judentum meinen, sondern nur eine ״Sekte“, so hat auch unser frommer Gegner eine Sekte im Zionismus zeien, und auf die materiellen Interessen des Verlages hat der Kritiker keine Rücksicht zu nehmen. Für die Redaktion ist mit dieser Replik und Duplik die Diskussion geschlossen. Die Red. neu ersdjlenene Bücher. , (Wir txhaltfn uns vor. einzelne dieser hier aufgeführten Bücher u. Schritten ausführlich oder kurz zu besprechen.) Jüdischer Almanach 5663. Redaktion des litterarischcn Teiles: Berthold F c i w e 1; Redaktion des künstlerischen Teiles: E. Lilien. Berlin: Jüdischer Verlag (5662 : 1902). 310 S. 4°. Das Projekt einer * jüdischen Hochschule• Eine jüdische Hochschule. Berlin: Jüdischer Verlag 1902. Verfasser sind: Martin B u b c r. Berthold F e 1 w c I und Ch. W e l z m a n n. Braunschwelger, M״: Die Lehrer der Mischnah. Ihr Leben und Wirken für Schule und Haus nach den Qucllcn bearbeitet. 2. durchgesehene und vermehrte Auflage. Frankfurt a. M.: J. Kauffmann 1903, IX, 318 S. 8 Jüdische liedersammlung. Wien: Verlag des Jüdischen Vereins jugendlicher Arbeiter in Wien. Preis 100 Heller. 100 Stück 3 Kronen samt Porto. (Bei dem geringen Preise dürfte sich die kleine Liedersammlung zur weitesten Verbreitung empfehlen. Man bestelle bei der Expedition der ״Welt", Wien IX, Türkenstrasse 9.) Neustadt, Louis: Rabbiner Dr. Pinkus Neustadt, Ritter des gl. Kronenordens. Erinnerungsblätter, seinem Andenken gewidmet, von seinem Sohne. Breslau: Jüdisches Volksblatt 1902. 72 S. 8°. George, Henry: Moses. Eine Vorlesung, (übersetzt von Herminc Ehrhardt.) Berlin: J. Harrwiiz Nchf. 16 S. 69. 50 Pf. — Soziale Streitfragen. Hcrausgegcbcn von Adolf Damaschke. Heft 7. Singer, Abraham und Wilhelm Singer: Hamadrich. Auswähl taimudischcr Stellen für den ersten Unterricht Im Talmud. Nach pädagogischen Grundsätzen methodisch und systematisch geordnet, mit Raschikommcntar und ausgcwähltcn Tossaphot. grammatischen und lexikalischen Zusätzen, vergleichenden Noten und einer Abbreviaturentafel versehen. Band I. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. Pressburg: Selbstverlag der Verfasser: Bezirksrabbiner ln Vär-Palota (Ungarn). 4°. Moses, Julius: Referat über die geistige, ethische und sozialc Fürsorge für die jüdische schulentlassene Jugend, geh. auf der 1• süddeutschen Logentagung. (Ohne Druckvermerk.) 9 S. 8 Grunwafd, Max: Juden als Rheder und Seefahrer. Berlin: M. Poppclauer 1902. 13 S. 8°. Wir bitten unsere Parteigenossen, den Jüdischen Almanach durch die Expedition der ״Jüdischen Rundschau", Berlin, C 22 Auguststr. 49 a. bestellen zu wollen. Das gebundene Exemplar kostet 6 Mark. Ebenso versendet die genannte Geschäftsstelle der Rundschau die Broschüre über Das Projekt einer Jüdischen Hochschule zum Preise von 1 Mark. Die Preise gelten cxkl. Porto. .

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