Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1902)
- Date
- 1902-11-14
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 52. Jüdische Ruadif»011f1.u. No. sehen Bewegung zu beraten. — Man schritt hierauf zur Wahl des Vorstandes, der sich nunmehr aus folgenden Herren zu• sammensetzt: Dr. Bodenhelmer, David Wolffsohn. Woiff, Levy, Leopold Abraham, Max Qoldrelch und Rabbinowicz. In die Schekelkommission zur Verwaltung und Eintreibung der Schekel wurden die Herren Bier-Weil, Linz und Leiser entsandt. Ferner wurde ein Shareklub gegründet, dem die Herren Max Ooldreich, Leiser und Schiresohn als Mitglieder angehören werden. In der nächsten Wochenversammlung wird Herr Gustav Woiff einen Vortrag halten. S. D. Halberstadt. Nachdem bereits seit Jahren am hiesigen Platze eine kleine zionistische Ortsgruppe bestanden hat, hat sich vor kurzem der Zionistische Verein ״Tikwath Zion“ gebildet. Wenn auch die Mitgliederzahl eine noch geringe ist, so herrscht doch innerhalb des Vereins reges Leben. Die Vereinsabende, die alle 14 Tage stattfinden, haben am 26. Oktober begonnen. Zwei Mitglieder referierten über die ״Jüdische Kolonialbank“ und den ״Nationalfond". Die Debatte war eine recht angeregte. Unter anderem wurde der Vorschlag gemacht, das A. C. zu veranlassen, eine Lotterie für den Nationalfond zu veranstalten. — Den nächsten Abend füllt ein Referat über die ״Organisation" aus. Der vom Verein eingerichtete Lesezirkel erfreut sich lebhafter Beteiligung. Es zirkulieren die Jüdische Rundschau, die Welt und Ost und West". — Im Laufe des November soll eine grosse Versammlung cinberufen werden, in welcher ein auswärtiger Redner sprechen wird. Hoffen wir, dass der Erfolg derselben ein recht guter sein wird. Frankfurt a. 0. Im liiesigou nationaljüdischen Turnverein ״Jung-Juda“ sprach auf Veranlassung der ״Hasmonaea“ (Berlin) am Donnerstag, den 6 d. M., Herr cand. med. Elias Auerbach über den Zionismus. Er entwarf ein Bild der Judenfrage und ihrer Probleme und zeigte durch Kritik der bisherigen Lösungsversuche den Weg des Zionismus als den einzig gangbaren. — Mitglieder und Gäste folgten den Ausführungen mit grosser Aufmerksamkeit und zeigten durch ihren Beifall ihre Sympathie mit unserer Idee. Die lebhafte Diskussion, die sich durchaus auf sachlichem Boden bewegte, gab Gelegenheit zur Aufklärung von Missverständnissen und Hebung von Bedenken. Zorn Schluss wie3 der Referent auf die Bedeutung des Nationalfönds und der jüdischen Turnbewegung hin. Gl ei witz. Am 2. November veranstaltete der hiesige zionistische Diskutterverein in den von der Hamanitas*Loge bereitwillig zur Verfügung gestellten Logenräumen einen öffentlichen Vortragsabend; die sehr stark besuchte Versammlung wurde von unserem Gesinnungsgenossen, Referendar Dr. Littraann. geleitet. Der Redner, Herr Dr. Thoodor Zlocisti aus Berlin, sprach In höchst anregender Weise über . ״Moderne Störungen Im Judentum.“ Nachdem er die ,Unzulänglichkeit der nobon dem Zionismus bestehenden Bestrebungen gekennzeichnet hatte, legto er Wert und Inhalt des zionistischen Gedankens dar und empfahl den Anwesenden den Anschluss an diö zionistisch© Bewegung. An den sehr beifällig auf genommeneu Vortrag knüpfte sich eine rege Debatte, an dqr sich in unserem Sinne insbesondere Dr. Kassel- Ratibor Rechtsanwalt Dr. Guthaner - Zabrze und Rabbiner Dr. Kaatz-Zabrze beteiligten. Möge dieser Ei folg der Beginn einer zionistischen Aera in Ober- Schlesien sein. Viront seeuontes — oratoros! Beuthen. Am 3. November sprach Dr. Theodor Z10־ cisti bei uns über den Zionismus. Es war das erste Mal, dass wir endlich von kompetenter Seite näheres über die Ziele und die Begründung der Bewegung erfuhren. In seiner Bcgrüssungsrede wies Herr Dr. Pick darauf hin, dass man sich einer Unterlassungssünde zu zeihen hätte, wollte man sich immer noch zu dem grossartigen Werke der Selbsthilfe feindlieh oder gar glcichgiltig stellen. Jeder Jude sei verpflichtet, sich ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen und sie nicht mit irgend einem Witzwort kurzerhand abzutun. Dr. Zlocisti setzte dann in einstündigem Vortrag die Bedeutung und Notwendigkeit des Zionismus auseinander. Er wies die falschen Behauptungen über den Zionismus zurück, die aus der ungenügenden Kenntnis unserer zionistischen Vertreter herkämen. Besonders aber betonte er. dass der Zionismus den engen, durch gemeinsamc Arbeit gefesteten Zusammenschluss aller Juden besorgen wolle. An der nun anschliessenden recht lebhaiten. aber durchaus würdevoll gehaltenen Diskussion waren besonders die Ausfiihrungen der Herren Stadtrat Gutmann und Rabbiner Dr. Kopfstein bemerkenswert Herr Gutmann, der den Idealen Charakter unserer Bewegung und seiner Vertreter anerkannte, sprach von der Mauserung des Zionismus und bemängclte vor allem die Geheimniskrämerei unserer Führung. Wenn man ein greifbares Ziel und die Möglichkeit der Durchiührung sähe, würden die deutschen Juden nicht zurückstehen. Herr Rabbiner Dr. Kopfstein wies rechnerisch auf die Undurchführbarkeit des Zionismus hin. Schon durch die Ucberfahrt würde alles Geld aufgezehrt werden. Wolle man nur *I Millionen Juden nach Palästina verpflanzen, so würde das schon 40 Mill. Mark kosten. Und nur ׳st die Einrichtung und Konsolidierung der neuen Oemclnwesui! Auch einige theologische Behauptungen des Vortragenden griff er an, verteidigte dann den einstigen Standpunkt der Protestrabbiner und wies vorzugsweise die Kritik des Vortragenden und die Note des amerikanischen Staatsministers Hay zurück. In seinen! Schlusswortc verteidigte Dr. Zlocisti mit vielem Geschick seinen Standpunkt. Die theologischen Fragen schied er aus. Denn die Zugehörigkeit so vieler Rabbiner zu unserer Partei beweise, dass auch wohl Uber diese Probleme verschiedene Ansichten möglich seien. Sodann suchte er zu zeigen, dass die Note Hay’s — so edel sie aiish sei —־ von dem ausdrücklichen Wunsche diktiert sei, die weitere Einwanderung von Juden nur alte Weisheit verbreiten helfen will. In seinem eigenartigen Stil — ob recht, ob schlecht — hat er sich, wie uns zufällig bekannt, schon vor einem Jahrzehnt mit Beifall versucht Einen zu langen Satz muss man schon ln Kauf nehmen, selbst Wustmann bedient sich solcher, wo es ihm gut dünkt. Über das gerügte .,Danaidcngcfäss“ Leib, lese man Seite 12/13 im Zusammenhänge, nach. Ein akademisch gebildeter Leser bckündete für das unscheinbare Büchlein besonderes Interesse und will es in einer angesehenen protestantischen Zeitschrift eingehend besprechen. Allerdings, nur ernstdenkende Leser haben der Schrift Geschmack abgewinnen können; solche fanden darin vieles, was wohl an Deuteronomium und spätere Propheten erinnert, altjüdischc Gedanken und nebenher Anklängc aus dem N. T., aber von einem bewussten ״Versuch Nietzsche nachzuahmen" keine Spurl Doch halt, wenn Refcr. durchaus •will, in einem Punkte berührt sich üct kleine Antiauus mit dem grossen Nietzsche doch: auch .,Zarathustra" Ist ״für alle“ geschrieben und so wenigen ״gemessbar"! Zionistische Leser und — die Polen dürften übrigens Antlquus für die kernigen Gedanken. Seite 20/21, Dank wissen. Wir als Buchhändler haben allerhand Litteratur ln Massen zu sichten und sagen nicht zuviel: Antlquus hat in den Nachbemerkungen vielerlei zusammenzefasst und verdichtet und bietet ״zur Begriffsklärung und Verständigung, zur Befreiung und Veredlung" etwas, das in manchen! dicken Philosoph. Werke und in hunderten neuen Broschüren leider vergebens gesucht wird. In der hiesigen freisinnigen ״Hart. Ztg.״ fand sich bald nach Erscheinen der Schrift von unbekannter Seite eine Be- Sprechung. welche ihr ״eine Fülle von Gedanken und Anregungen" nachrühmt, ״die darauf hinausgehen, einen veredelnden Einfluss auf den Leser zu gewinnen“ etc. Dann wurde z. E. ein Satz zitiert. Von Anlehnung an Nietzsche etc. kein Wort! Und nun dagegen Ihr Herr Referent — den vermissten ״Fingerzeig" findet Jeder selbständig urteilende Leser auf jeder Seite! Ob Verfasser Jude oder Nichtjude Ist. kommt hier nicht in Betracht• Refer. mag es •nicht so arg gemeint haben. Allein ein bekanntes Mischnawort. das Antiquus massgebend sein wollenden Kritikern zuruft, heisst: Ihr Weisen, wäget Eure Worte! .... Hochachtungsvoll Königsberg I. Pr. Der Verlag: Ostdeutsche Buchhandlung. Bemerkung des Rezensenten: Ich habe anerkannt, was löblich, getadelt, was kritikbedürftig war, den Geist gelobt, die Form getadelt. Das schien und scheint mir gerecht. Leichtfertig Übersehen habe ich nichts. Das Zehngebot ist deutlieber ohne Ausdeutung und verliert durch sic nur seine eherne Kraft Auf den ״theosophischen Hymnus" einzugehen, fühlte ich allerdings kein Bedürfnis. Dass die ״Nachbemerkung4‘ 26 von 32 Seiten füllt. Ist nicht meine Schuld• Die Anlehnung an Nietzsche ist ganz auffallend in der Autobiographie. — Eine Kritik soll nicht herunterrdyycn, aber auch nicht heben. Darum kann Ich dem Schrlftchcn keine Massenverbreitung prophe-