Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1902)
- Date
- 1902-11-07
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Beile 46. Ko. 45. JUüis<*i1e 1~C 11 t1cl!sol13t.91. Verwendbarkeit für den Nationalfond fruchtbringend zu verwerten. Die wichtigsten dieser Anregungen sind bereits in Verwendung, als: dass sämtliche Zionisten ihre Korrespondenz mit Marken versehen, dass bei Jeder fröhlichen oder traurigen Familien- oder öffentlich-jüdisehen Angelegenheit für den Nationalfond gespendet wird, dass anstelle der Neujahrsgratulationen die Ablösung zu Gunsten des Nationalfonds tritt. Als wichtige Anregung, die uns in letzter Zeit zugekommen ist, betrachte ich die Festsetzung eines dem Weltzionistentage oder Schekeltage entsprechenden Nationalfonds-Tages, an dem in der ganzen Welt in allen Jüdischen Kreisen des Nationalfonds gedacht werden soll. Zu wiederholten Malen sind auch Anregungen bezüglich des Sammelns durch Büchsen an uns gelangt. Wir mussten uns aus folgenden Gründen offiziell dagegen aussprechen: Das System der Sammlung für den Nationalfond beruht auf einer leichten Kontrolle durch i Marken oder durch die Ausweise in den Zeitungen und der Spenden für das Goldene Buch durch die ״Welt“. Bei den Büchsensammlungen ist aber eine Kontrolle unmöglich. Ob der beim Oeffnen der Büchse Vorgefundene Betrag auch tatsächlich der Summe der eingelegten Beträge entspricht, lässt sich nicht kontrollieren. Wir sind dadurch den verschiedensten Mutmassungen seitens Uebeldenkendcr ausgesetzt, und das muss um Jeden Preis vermieden werden. Wir können zwar nicht verhindern, wenn einzelne Personen oder Vereine auf eigene Faust und auf ihre Verantwortung Büchsen anlegen, können es aber offiziell nicht gutheissen. Auch mannigfache Beschwerden und Klagen sind in dieser Zeit an uns gelangt. Die eine Kategorie der Klagen betrifft die Nichtgummierung der Marken. Wir waren bei der Her- Stellung der ersten Auflage technisch verhindert, die Marken gummieren zu lassen, und konnten uns in ein längeres Studium über die Art der Gummierung der Marken nicht einlasscn, da in erster Linie jede weitere Verzögerung der Markeiiherausgabe verhindert werden musste. Hingegen haben wir die Frage Jetzt technisch erledigt, und werden die nächste Auflage besser perforiert und gummiert hersteilen. Eine zweite Kategorie der Klagen betraf die kleine Einheit des Markenwertes. Viele Sammler erklärten, hierdurch an einer wirksamen Sammlung gehindert zu sein und sprachen den Wunsch nach einer höheren Werteinheit der Marken aus. Auch mit dieser Frage haben wir uns beschäftigt, und hoffen, demnächst Marken Im Werte von 1 Krone, 1 Frank, J Schilling, 1 Mark und 40 Kopeken auszugeben. Sie werden in dieser Konferenz zu folgenden Fragen Stellung nehmen müssen: 1. Zu dem Beschlüsse des Minsker Kongresses, nicht die im Statute bestimmte Höhe des Nationalfonds abzuwarten, sondern gleich mit dem Ankauf von Land zu beginnen. 2. In welcher Form die bei der Bank liegenden .Nationalfond-Gelder weiter deponiert werden sollen. 1 Es obliegt mir nun noch ein kurzes Res 1!me über den Erfolg der Sammlungen in dieser Zeit. Wir können konstatieren, dass die Idee des Nationalfonds anfängt, Gemeingut der zionistischen Welt zu werden. Doch dies Ist nicht genug. Wir haben Geld, sehr viel Geld nötig! Um dieses zusammenzubringen, müssen wir vor allem die Differenzen und Anschauungen, alles, was uns trennt und schwächt, bei Seite lassen und wie eine geschlossene Phalanx unsere ganze Kraft für die rapide Entwicklung des Nationalfonds einsetzen, um das1 Land für unser Volk zu erwerben. Wir müssen alle mit weniger Theorie, aber desto mehr Fleiss, uns nicht nur an die Zionisten der ganzen Welt, sondern auch an sämtliche Vorsteher jüdischer Gemeinden, alle Rabbiner (orthodox oder neolog), an sämtliche Korporationen und Private, die ein Herz für unser Volk bewahrt haben, mit der dringendsten Bitte wenden, welche Ansicht sie auch bezüglich des Endziels des Zionismus haben mögen, den Nationalfond unterstützen zu wollen lind somit zur schnelleren Erwerbung des Landes beizutragen. Wenn wir auch manchmal tauben Ohren predigen werden, dürfen wir uns doch keine Arbeit verdriessen lassen. Wir stehen im Dienst unseres Volkes und vergeben uns nichts! Wir dürfen nichts verabsäumen, für unser Volk einen Erfolg herbeizuführen und haben wir einen solchen erzielt, so werden wir durch solche Tat- Sachen einen weiteren Teil der Judcnheit für uns gcwinnen. Wir dürfen uns in diesem Fall auf keinen starren Parteipunkt stellen, vielmehr müssen wir trachten, die übrige Judcnheit durch konciliantes Heranzichen zu i dieser gemeinsamen Arbeit 1'iir unsere Sache mehr und mehr zu gewinnen. Vielen dürfte diese Gelegenheit sehr erwünscht kommen. Jeder von uns muss immer bereit sein, dem Gesamtwohl zuliebe, wenn cs sein muss, ein kleines Opfer persönlichen Empfindens zu bringen, um unser Unglückliches Volk einer besseren Zukunft entgegenzubringen. Die bisherige Sammlung hat uns den erfreulichen Beweis erbracht, dass wir den Nationalfond sehr schnell gross haben können, wenn wir wollen, dies aber nur durch eine auf breiter Basis aufgebaute intensive Propaganda, durch ein Netz von fleissigen Arbeitern, dessen Maschen in das kleinste Nest, wo Juden leben, reicht, durch zielbewusste unverdrossene ungestörte Arbeit. Das dem so sein wird, wollen wir hoffen und das walte unser alter Gott. fius der Bewegung. Berlin. Uns geht folgende Anregung zu: Es ist in letzter Zeit verschiedene JVlale konstatiert worden, dass Gesinnungsgenossen aus Vergesslichkeit oder durch irgend einen Zufall nicht den Schekel entrichtet haben. Es ist deshalb den Gruppen zu empfehlen, ein- bis zweimal im Jahre Gruppenvcrsammlungen abzuhalten, zu denen der Eintritt nur gegen Vorzeigung der Schekel- Quittung gestattet ist. Bei dieser Gelegenheit ist dann den Säumigen Gelegenheit zu geben, beim Eintritt in den Saal das bisher Versäumte nachzuholen. Wir versprechen uns von diesen! Versuch manchen Erfolg. Berlin. Montag, den 10. November, findet die erste Zusammenkunft der akademischen Gruppe statt. Ort und Zeit wird noch bekannt gegeben. Tagesordnung: I. Organisationsfragen, 2. Arbeitsplan für den Winter, 3. Geschäftliches. Wegen der hohen Wichtigkeit dieser Besprechung sind alle Akademiker verpflichtet zu erscheinen. Besonders dringend wird ersucht, sofort alle neuen Adressen an Herrn cand. phil. Eugen Täübler, Auguststr. 57, zu senden, damit Einladungen erfolgen können. Berlin. Die Wintertätigkeit der Berliner Zionistisehen Vereinigung begann am Donnerstag, dem 30. Okt., mit einer grossen Volksversammlung in Dräsel’s Festsälen, die .ausserordentlich stark besucht war. Der Redner des Abends war Referendar Gronemann aus Hannover, sein Thema ״Der Zionismus und das deutsche Judentum.“ Das Berliner Publikum lernte Herrn Gronemann zum ersten Mal kennen, aber es wird ihn in gutem Andenken behalten. Seine unvergleichlich klaren Ausführungen zwangen durch ihre Ruhe und Sachlichkeit