Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1902)
- Date
- 1902-11-07
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 44. JUdisclie Rund8eluu1. $0. 45. erstattung, die vor dem nächsten Kongress stattzufinden hat, fiberwiesen. " Hierauf hält Herr Kremenezky das Referat Aber den Nationalfond, das mit grossem Beifall aufgenommen wird.; Aus den Anregungen, die die Debatte zu Tage fördert, sind hervorzuheben: eine Steuer nach freiwüligern Ermessen den Zionisten sowohl als den zionistischen Vereinen zu Ounsten des Nationalfonds aufzuerlegen, die Ausgaben des Nationalfonds aus den Schekeleingängen zu decken und eine Preiskonkurrenz für eine volkstiimlieh gehaltene aufklärende Broschüre auszuschreiben. Alle diese Anträge werden der Kommission überwiesen. .... Der Komplex der Kulturfragen wurde auf der Jahreskonferenz eingehend besprochen. Die Obmänner der vom Kongresse für die einzelnen Länder gewählten Kulturkommissionen erstatteten den Bericht über die .Tätigkeit dieser Kommissionen seit dem Kongresse. .. Herr Sokolow, Obmann der Kulturkommission für Russisch-Polen, betonte die Notwendigkeit eines direkten Kontaktes der Kommission mit den Vereinen, um denselben ständig Direktiven zu geben, nach welchen eine planmässige kulturelle Arbeit geleistet werden könne. Er verwies auf die Gefahr der Aufhebung der Cheders, der jüdischen Volksschulen des Ghetto, und erklärte es als Pflicht der Zionisten, hier Ersatz zu schaffen und insbesondere durch Errichtung von Seminaren für die Heranbildung tüchtiger Lehrer zu sorgen. Die Frage der Errichtung eines statistischen Bureaus und der Gründung einer jüdischen Hochschule führte zu einer längeren Debatte, die mit der Annahme folgender Resolutionen endete: Die Konferenz fordert das ' Aktionskomitee auf, kein Mittel unversucht zu lassen, um die. Errichtung einer jüdischen Hochschule in Palästina zu ermöglichen, weiters: im Prinzip wird beschlossen, für statistische Arbeiten einen Betrag auszusetzen. . Das Referat des Herrn Architekten Marmorek über die Presse gipfelte in den Anträgen: Schaffung eines Verbandes der zionistischen und zionistenfreundlichen Presse, Erwerbung oder Schaffung eines zionistischen Organs in England und Gründung einer zionistischen Korrespondenz für die politische Presse. Diese Anträge werden angenommen; ebenso wird das Budget für das nächste Verwaltungsiahr, das Herr Dr. Kokesch vorschlägt, genehmigt. Nach einem kurzen Resumö schliesst der Vorsitzende Dr. Herzl die Versammlung mit den Worten: Wir haben Jahre 321 vorhanden waren, und dass demnach die Gemeinde schon lange vor dieser Zeit entstanden sein muss. Da aber die Juden offenbar von Süden nach Köln gekommen sind, so darf man vermuten, dass es vielleicht auf der ganzen Linie von Lyon bis Köln jüdische Gemeinden gab. Und diese Vermutung wird zur, Wahrscheinlichkeit, wenn wir hier eine Stelle aus einem poetischen Kataloge der Metzer Bischöfe berücksichtigen und in Erwägung ziehen. Aus demselben ersehen wir nämlich, dass der siebente Bischof und Patriarch von Metz ein getaufter Jude Namens Simeon gewesen sei. Und sowohl der Bischof wie seine Gemeinde scheinen sich nicht wenig darauf zugute getan zu haben, dass er einem solchen Kulturvolke wie dem jüdischen angchärt habe. Denn ebenso wie die Kataloge rühmend hervorheben, dass er ״hebräischem Blute entsprossen“ sei, so rühmt ihn seine Orabschrift (im Kloster Senones in den Vogesen) gerade als Israeliten. Simeon ruhet in diesem Schrein hier,‘ der heilige Bischof, Prüfet sein Leben! ihn rühmet die Menschheit als Israeliten, Ihn, der das Bistum regierte als siebenter Herrscher in Wels- * . . heit“8) *) Mitgeteilt von Aronius in Geigers ״Zeitschrift für Oeschichte der Juden in Deutschland“, Band I, Seite 98, 1887. in diesen kurzen Tagen das zu erledigen uns bemüht, was möglich war. Unsere Pflicht haben wir alle verstanden, und verstehen sie weiter: dass wir durch'umwölkte und dunklere Tage hindurch den Eifer für imsere Bewegung wach erhalten müssen für den Tag, den wir alle erwarten, und für den unsere Herzen hoffnungsvoll erglühen.‘ Dr. Schallt Auszug aus dem nationalfond-Rcfcrat, erstattet de rjah resko n f er ehz von J. Kremenetzky, Mitglied des engeren A, C. zu Wien. Der V. Kongress hat die Schaffung des Jüdischen Notionalfonds beschlossen. Wenn auch die Festsetzung der juristischen Person des Nationalfonds zunächst einer eigenen Kommission zur Ausarbeitung von diesbezügliehen Entwürfen übergeben wurde, hat der Kongress dennoch sich für die unmittelbare Einleitung der Sammlungen für den Nationalfond auf Grund des vom engeren A. C. ihm vorgelegten Systems definitiv entschieden. Infolge dieses Beschlusses schritt das engere A. C. sofort an die Beschaffung der entsprechenden Marken. Am Kongresse selbst wurden bereits der Bank für den Verkauf der Nationalfond-Marken provisorisch angefertigte Markenbücher übergeben und zwar für Amerika, Frankreich, Deutschland, Russland, England und österreich. Die ersten Spenden für den Nationalfond wurden bereits am Kongresse selbst gegeben. Die Herstellung der Marken gestaltete sich schwierig wegen der schweren Beschaffung des entsprechenden, die Nachahmung erschwerenden Papiers, das zu diesem Zwecke mit besonderem Wasserzeichen versehen werden musste. . Der Wert der einzelnen Marken beträgt laut Kongrcssbeschlusscs in den einzelnen Ländern: Serienbezeichnung: Wert: Egypten Eg I 5 Centimes Amerika A I 1 Cent Bulgarien B I 5 Centimes Deutschland Dd I 5 Pfg. Dänemark Dk I 2 Oere England und Kolonien Ed I V! Penny Frankreich F I 5 Centimes Dieser Umstand, dass ein getaufter Jude in einer so bedeutenden Stadt wie Metz den Bischofssitz inne hat, würde schon an und für sich genügen, um es wahrscheinlich zu machen, dass damals in Metz und überhaupt in Lothringen eine grössere Anzahl von Juden sass und sicherlich kein geringes Ansehen hatte; wird es ia auch ganz besonders an Simeon gerühmt, dass er von hebräischcrn Bluie und Israelit gewesen sei. Jedoch beweisen auch die noch erhaltenen Gesetze des Königs Gundobad von Burgund gegen die Juden, dass eine grosse Anzahl von Angehörigen dieser Nation nicht nur im burgundisehen Königreich ansässig war, sondern dass sogar Ehen zwischen Juden und Christen keineswegs zu den Seltenheiten gehörten. Sie bildeten um das Jahr 500 schon eine eng zusammenhängende, dicht geschlossene Kette von Kaufmannschaften von der provengalischen Küste an bis weit hinauf nach Köln und schon tief irudas ostfränkische, später deutsche Land hinein. Wenn wir uns aber nach der Art dieses Handels der Juden fragen, so ist das Erste und Frappanteste, was uns in.die Augen fällt, dass nirgends von einem Geldhandel oder von Wechsler- und Leihgeschäften die Rede ist, wenigstens hören wir nirgends von Klagen über jü-