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Jüdische Rundschau · 1902-10-31 · Heft 44 (31.10.1902) · p. Seite 39

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 44 (31.10.1902)
Date
1902-10-31
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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No. 44. Jüdische Huudsclinit. Seite 39. Vorkämpfern der ncuerwachten hebräischen Sprache, die. wie Smolenskin die Grundlage einer nationalliidischen Bewegung im Osteuropäischen Judentum legten. bei denen aus der Kritik der bestehenden Zustände positives Judentum, echtes jüdisches Volksbcwusstsein hervorwuchs, das in den Zionismus ausmündet. Braudcs war deshalb auch einer der ersten und der eifrigsten Kämpfer des neuen Zionsgedankens. Der Dichter, der zu den grossen Duldern seines Voles gehört, ist nur 52 Jahre alt geworden. Wien. Die Abg. Breiter, Dr. Straucher und Genossen interpellierten in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom J6. d. M. den Ministerpräsidenten, ob er nicht geneigt sei. sich mit dem Minister des Ausscrn ins Einvernehmen zu setzen, ob die amerikanische Zirkularnote über die Lage der r111nfmische!1 Juden seitens der österreichischen Regierung nicht beantwortet worden ist, und wenn ja, in welchem Sinne. Der ״Neuen Breien Presse“ wird aus Rumänien“ berichtet. ״Ms ist klar, dass die Judenfrage hier fortdauernd der Gegenstand der Erwägungen der Staatsmänner Ist. Überflüssig zu sagen, dass nicht nur unter den Gegnern, sondern sogar untei den Anhängern Demeter Sturdza’s Leute sind, die für das Vorgehen dieses Staatsmannes nicht schwärmen. Die Haupteigen- Schaft des gegenwärtigen Premierministers,durch die er sich dem König unentbehrlich dünkt, ist sein Arbeitseifer. So brutal er manchmal zugreift, er weiss gleichzeitig Höfling zu sein, und damit macht er sich beliebt. Gewiss, er ist nicht der einzige Antisemit in' diesem antisemitisch regierten Lande. Aber das Temperament, mit dem Sturdza Antisemit ist, hat dem Lande bereits manche Verlegenheit bereitet, und die Beurteilung, welche das Vorgehen gegen die Juden in der massgebenden auswärtigen Presse findet, ist dem König keineswegs gleichgiftig. Dies steht fest, dass die Gesetze ״gegen die Fremden“ grösstenteils über die Existenz, die sie vorläufig auf dem Papier führen, nicht hinauskommen werden. Sic sind in ihrer Härte gar nicht durchführbar. Nicht also ihre tatsächlich erfolgte Durchführung, sondern die Furcht vor ihrer Verwirklichung lässt viele Juden den Wauderstab ergreifen. Ins Ungeheure hat sich freilich die Zahl der Emigranten bisher noch nicht gesteigert. Es soll allerdings nicht geleugnet werden, dass manche der jüngsten und frischesten Elemente unter den Juden emigrieren. Unter diesen herrscht, insofern sie in den Städten zusammengepfercht sind, grosses Elend. Die ärgsten Antisemiten Rumäniens können nicht behaupten, dass cs den Juden daselbst glänzend gehe. Aber auch unter den orthodoxen Rumänen auf dem Lande herrscht viel Elend, und darauf ist vielfach der zu einer •Volkslcidcnschaft angeschwollene Antisemitismus zurückzuführen. Es gibt immer Agitatoren genug, welche die Juden für all das Elend verantwortlich machen. Dass Männer wie Carp, Cantacuzeue. Joncscu und andere, so sehr auch sic zu Konzessionen an die Menge sich herbeüasseu müssen, über die Judenfrage doch etwas anderes denken als Sturdza, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Solchen Männern erscheint cs vielleicht als eitel Humbug, wenn man von der Naturalisation mancher Juden spricht und über zehn im Jahre nicht hinausgellt. Wie wäre cs, meinen sic, wenn man doch wenigstens hundert im Jahre naturalisierte, was doch auch herzlich wenig wäre?“ Lodz. Wir haben schon berichtet, dass der jüdische Bürger Jakob Hertz eine grosse Summe zur Gründung eines Jüdischen Gymnasiums spenden will. Die ״Kattowitzer Zeitung" schreibt darüber in ihrer Nummer vom 7. X. 1502: ״Ein Geschenk von 150 000 Rubeln hat der Bürger Jakob Hertz der Stadt Lodz zum Bau eines 2. Gymnasiums zugedacht, aber die Bedingung daran geknüpft, dass die Anstalt vorzugsweise jüdische Zöglinge aulnehme, an den Sonnabenden und den jüdischen Festen den Unterricht ausfallcn lassen, denselben aber an den Sonntagen und den christlichen Festen erteilen sollte. Unter diesen Bedingungen hat die Stadt Lodz auf diese Zuwendung verzichtet." Man hat wohl erwartet, dass die Juden noch ihren Unterdrückern die Gelder zu Schulen bedingangslos spenden sollen, damit nachträglich die jüdischen Schüler nur bis zu 3 Prozent die Schule besuchen dürfen. Das kann man doch nicht vom Judentum erwarten, dem Liebe ohne Gerechtigkeit fremd ist. — - ■ , Odessa. Das Zentralkomitee der russischen Vereine zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Syrien und Palästina (Chowewe Zion), das Jalirzehnte lang die einzige grosse zionistische Organisation war, beabsiclitigt, demnächst einen Bericht über seine Tätigkeit wällrend der letzten drei Jahre zu veröffentlichen, aus wclehern bereits jetzt nachstehende Einzelheiten bekannt werden: Die Einnahmen an Beiträgen und Spenden betrugen 116.545 Rubel, gegen 142.755 Rubel in den Jahren 159(1—!89$. Dieses Minus wurde aber durch die 59.135 Rubel betragenden Spezial-Leistungen für die arbeitslosen Tagelöhner reichlich auigewogen. Damit erreichen die regelmässigen Einnahmen die ansehnliche Höhe von 175.680 Rubel. Dem Komitee sind ferner zugegaugen: für die Schule ״Beth Sefer־ in Jaffa 6439, für die Ethrogint- Piantagen ״Oan Sch'mue! ‘• 6316, für die verschiedenen Spezialfonds 12.535, an Zinsen etc. 57.135, somit insgesamt 200.860 Rubel. Verausgabt wurden: für unmittelbare Untersützung der Kolonien 30.053 Francs, für ״Gan Sch'mucP‘9632, für die Inspektionsreise der Herren O. Ginzburg und Agronom Sussmann 3241, für die Ent- Sendung der Delegation nach Paris 2013, für P.nb!!- kationen und sonstige Drucksachen 5189 Rubel, demnach Insgesamt 307.065 Francs und 20.474 Rubel. Das Barvermögen des Komitees beträgt zur Zeit 20.474 Rubel: Das Komitee hat in 5S6 Orten Russlands Vertretungen. welche zum Teil sehr erhebliche Beträge aufbringen, so Wilna 60.600. Odessa 11.574, Riga S653 Rubel. — Die Auswanderung russischer Juden nach Südafrika beginnt in der letzten Zeit geradezu bedrohliehe Dimensionen anzunehmen. Die ganze Bevölkerung einzelner Orte im Ansiedhmgsrayon setzt, sich in Bcwegung. Natürlich wissen die Unglücklichen, weiche nennen wird? Die Wortbildung ist oft bizarr, die Satzbildung unklar, ein .Wort an Allo* aber muss vor allem klar und deutlich sein, und das *ist dies nicht. Es enthält auch nicht einen Fingerzeig, wie sich die schönen Ideen in Leb.n umsetzen lassen, und der Verfasser — übrigens wie es scheint ein Jude — hätte gut daran getan, auch darin sich die zehn Gebote und das jüdische Gesetz zum Vorbild zu nehmen. — Ein Motto in dem Schriftchen heisst: Des vielen Büchermachcns wäre kein Ende ....... ea- Klrchsteln, Moritz: אמי. Predigten. Aus dessen schrittlichem Nachlasse herausgegehen. Berlin: Albert Katz 1902. (215 S.) 8°. M. 4,00. . . Wir leben in einer Zeit, in der gerado Predigten zwar viel gedruckt aber um so weniger gelesen werden. Das arbeitende Geschlecht des zwanzigsten Jahrhunderts hat für ,Erbauliches4 nur wenig Zeit übrig. Dazu kommt, dass die meisten in Druck gegebenen Predigten herzlich s hlecht und inhaltlos sind. Die vorliegenden Predigten und Gekgenheitsrcden Küschsteins sind aber zum Teil recht gut. Es lebt sogar jüdisches Gefühl in ihnen, was man von den meisten Predigten nicht sagen kenn. Aber dieses Gefühl ist verschwommen und nicht auf ein festes Ziel gerichtet. Es entspricht dies dem Zeitraum, in dem die Predigten gehalten wurden. Er liegt zwischen den Jahren 1845 und 1890. Die schöne Sprache und die j lautere Gesinnung, die in den Reden zum Ausdruck kommen, sind > seine beste Empfehlung. . hl. j Nobel, Jsrccl: Sabbath- und Kcstpredigtcn. Frankfurt a. M.:! J. Kaufmann 1902. (50 S.) 8°. | Den religiösen Standpunkt dieser’ Predigten haben w i r nicht zu 1 beurteilen. Aber wir stellen mit Befriedigung fest, dass in ihnen I warmes jüdisches Empfinden und nationales Volksbcwusstsein. sieh offenbaren. Sic sind schlicht und einfach und gehen zu Herzen, wie sic von Herzen kommen. Wir empfehlen die Predigten, und sie empfehlen sich selbst. hL ncucrsdjicnene Köcher. Palästina. Zeitschrift für die kulturelle und wirtschaftliche Er- Schliessung des Landes. Organ des Vereins zur Wirtschaftliehen Erforschung Palästinas. Herausgegeben von Alfred Nossig und Davis Trictsch. Berlin-Halcnsce 1902. Jahrg.l. Heft 3 und 4. (Doppel-Nummer, 80 Seiten.) Jnitg-Juda. Zeitschrift für unsere Jugend. Jahrg. III, Heft 1, 2. Prag. Myslikgassc 14 n. Jährlich 4 Mark. Gescnlus, Wilhelm: Hebräische Grammatik. Völlig umgearb. von E. Kautzsch. 27. Auf!. Facs. d. Siloah-Inschr. beigef.' von. J. Euting, Schrit'Uaf. von M. Lidzbarski. Nebst Paradigmen und Reg. Leipzig: F. C. W. Vogel 1902. XII. 592 S. 8°. 6 Mark. Kellermann, Alfr.: Erwiderung auf die wiederholten Angriffe meiner geistigen Beschützer!? Offener Brief an der\ Schriftleiter der ״Sachsenschau“. Schönebeck a. d. E.: Selbstverlag 1902. 7 S. 8°. 10 Pf. Zaptetal, Prof. F. Vinc.. 0. Prüd.: Grainmatica linguae hebraicae cum exercitiis. et giossario. Studiis academ.icis accom. Paderborn:.-. F. Schöningh 1902. .VII, .138 S. 8 V 2,80 Mk. : . , ־..־ . .

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